Dass teure Marken-Geräte nicht automatisch gut sein müssen und Smartphones eher unbekannter Hersteller nicht immer schlecht, trifft bekanntlich auch auf das eine oder andere Android-Device zu. Das Xiaomi MI-2 mit Quad-Core CPU und 2 Gigabyte RAM zum Beispiel. Der 4,3 Zoller wurde getestet.
Verarbeitung und Optik
Das austauschbare Rückcover des Xiaomi MI-2 gibt es in mehreren knalligen Farben. Das Testgerät wurde mit einer weißen Rückseite ausgeliefert. Diese besteht aus glänzendem, recht stabil wirkendem Kunststoff mit Aussparungen für die Kameralinse nebst LED-Blitz. Unter dem Cover tritt ein riesig wirkender 2.000 mAh-Akku zutage. Im Akkufach sieht man den Steckplatz für die Standard-Simkarte. Einen MicroSD-Steckplatz hat das Device leider nicht vorzuweisen.
Die Front wird vom 4,3 Zoll großen Display beherrscht, über dem ein silberner MI-Schritzug, ein schwarzes Lautsprechergitter, die Frontkamera-Linse sowie Sensoren angesiedelt sind. Die gut reagierenden Sensortasten mit Menü-, Homescreen- und Zurück-Funktion unter dem Display verfügen über silberfarbene Symbole ohne Beleuchtung, was bei Dunkelheit nicht wirklich von Vorteil ist. Eine kleine LED unter dem Home-Symbol informiert über einen niedrigen Akkustand oder verpasste Ereignisse.
Einen Audio-Anschluss gibt es am oberen Geräte-Rand, der MicroUSB-Steckplatz ist am unteren Rand angesiedelt. Die Lautstärke lässt sich über eine Wipptaste am rechten Rand einstellen, unter welcher die Ein-/Aus-/Sperrtaste sitzt. Beide Tasten haben einen festen und gleichmäßigen Druckpunkt.
Optisch wirkt das MI-2 auf den ersten Blick gut verarbeitet, wenngleich ziemlich plastiklastig. Die Spaltmaße sind, bis auf einen etwas breiteren Spalt zwischen Displayglas und Cover am rechten Rand, gleichmäßig gering. Mit seinen Außenmaßen von 126 x 62 x 10.2 Millimetern und 145 Gramm Gewicht liegt das Handy angenehm in der Hand. Bei festerem Zugreifen ist ein leichtes Knarzen des Akkudeckels vernehmbar.
Die wichtigsten Details der technischen Ausstattung des Xiaomi MI-2:
| Betriebssystem: | Android 4.1.1 (Jelly Bean), MIUI-Oberfläche |
| Prozessor: | 1,5 GHz Quad-Core Qualcomm Snapdragon S4 Pro APQ806 |
| Display: | kapazitiv, 4,3 Zoll, IPS-LCD (720 x 1280 Pixel) |
| Arbeitsspeicher: | 2 GB |
| Interner Speicher: | 16/32 GB |
| MicroSD | nein |
| Kamera: | 8 Megapixel, LED-Blitz, Autofokus |
| Videoaufnahme: | 1080p@30fps |
| Frontkamera: | 2 Megapixel |
| Konnektivität: | WiFi 802.11 b/g/n, WiFi-Direct, WiFi-Hotspot, Bluetooth 4.0 |
| Netzwerke: | DC-HSDPA 42 Mbps, HSDPA 21 Mbps, HSUPA 5.76 Mbps |
| Schnittstellen: | 3,5 mm Klinkenanschluss, MicroUSB (MHL), USB On-the-go |
| Ortung: | A-GPS, Glonass |
| Sensoren: | G-Sensor, Kompass, Näherungssensor, Umgebungslichtsensor, Barometer |
| Akku: | 2.000 mAh |
| Maße: | 126 x 62 x 10.2 mm |
| Gewicht: | 145 g |
Display und Kamera
Das MI-2 ist mit einem 4,3 Zoll großen IPS-LCD Screen ausgestattet, der mit 720 x 1280 Pixel (342 ppi) auflöst – nicht schlecht für ein Device in dieser Preisklasse. Dementsprechend brillant ist die Darstellung: Pixel oder Treppchen sind auch bei genauestem Hinsehen nicht zu entdecken, Farben werden sehr kräftig, aber nicht übersteuert dargestellt. Auch die manuell oder durch Sensoren an die äußeren Lichtbedingungen anpassbare Ausleuchtung stimmt. Einziges kleines Manko ist die ins Grau ausbleichende Schwarzdarstellung bei ganz hochgeregelter Beleuchtung.
Die spiegelnden Display-Oberfläche schränkt die Ablesbarkeit bei direkter Sonneneinstrahlung stark ein. Bei indirekter Beleuchtung ist die Darstellung jedoch auch bei Seitenansicht noch sehr gut zu erkennen. Der Touchscreen reagiert sensibel und punktgenau auf die Fingereingabe. Ein Lagesensor passt die Displaydarstellung beim Drehen des Handys in alle vier Richtungen an. Das besonders stabile Dragontrail-Glas soll den Screen vor Kratzern und Brüchen schützen (vielen Dank an dieser Stelle an den Leser Stefan für die Info und den beigefügten YouTube-Link – siehe Kommentare).
8 Megapixel-Kamera mit HDR
Die 8 Megapixel-Kamera auf der Rückseite ist mit einem LED-Blitz und Autofokus sowie einigen Einstellungsmöglichkeiten wie beispielsweise Szenenmodi, Panoramaaufnahme oder Weißabgleich ausgestattet. Videos können mit maximal 1080p aufgenommen werden, und während der Videoaufnahme lassen sich Fotos knipsen.
Bei optimalen Lichtverhältnissen aufgenommene Fotos gelingen gut. Auch bei mehrfacher Vergrößerung von Bildabschnitten sind kaum Treppchen oder Unschärfen zu erkennen, Farben wirken authentisch und brillant. Bei Dämmerlicht stellt sich allerdings recht schnell ein deutliches Bildrauschen ein. Der Fokus sorgt bei Nahaufnahmen ab einem Objekt-Abstand von etwa 15 Zentimetern für ein scharfes Bild.
Bei höchster Auflösung gedrehte Videos weisen eine relativ gute Bildqualität auf. Zoom und Belichtung passen sich bei schnellen Kameraschwenks oder dem Wechsel zwischen hellen und dunklen Aufnahmebereichen sehr schnell an. Allerdings ist gerade bei schnellen Schwenks eine deutliche Kästchenbildung zu erkennen. Eine 2 Megapixel-Frontkamera lässt sich für Fotoaufnahmen und Videochats einsetzen.

Software Ausstattung
Bei Auslieferung lief auf dem Testgerät Android in der Version 4.1.1 mit MIUI-Benutzer-Oberfläche. Diese zeichnet sich in erster Linie durch Übersichtlichkeit und eine große Anpassbarkeit aus.
MIUI bringt einen Lockscreen sowie einen mehrseitigen Startscreen mit, auf dem sich alle Icons installierter Apps befinden. Außerdem lässt sich der Homescreen mit Widgets und Ordnern bestücken. Ein Tools-Ordner birgt Standard-Anwendungen wie Taschenrechner, ein FM-Radio, einen Kompass, eine Taschenlampen- sowie Sprachmemo-Funktion. Für Sicherheit sorgt ein Security-Center mit vorinstalliertem Virus-Scanner, Anti-Spam- und Virus-Scan-Software.

Eine Pull-Down-Statusbar informiert über verpasste Ereignisse, Uhrzeit, Akkuladestand und Netzverbindungen. Im heruntergezogenen Zustand der Leiste kann man durch eine Seite mit Benachrichtigungen und eine zweite Seite mit Schaltern für die Energiesteuerung und Verbindungen blättern.
Auch die Statusbar lässt sich in den Einstellungsoptionen modifizieren. Von Haus aus können über einen Themes-Button zahlreiche Themen zur Umgestaltung des Lockscreens, der Startseite und der Icons aus dem Netz auf das Handy heruntergeladen werden. Das Einstellungsmenü gliedert sich in die allgemeinen, am meisten genutzten Einstellungen sowie in eine Liste mit allen Einstellungsoptionen.
Stock-Rom und Custom-Roms
Im Auslieferungszustand des Testgerätes ließ sich die System-Sprache lediglich auf Englisch und Chinesisch einstellen. Da das Xiaomi MI-2 jedoch bereits eine recht große Community hat, gibt es unter anderem im MI-2-Forum auf Android-Hilfe.de Downloads für Sprachpakete und diverse Custom-Roms mit und ohne MIUI-Oberfläche, darunter auch eine multilinguale MIUI-Version (WIUI V5.0 MULTIlanguage-Standard German Edition).
Auf der Stock-Rom ist zunächst kein Google Play Store, sondern nur der MI-Market installiert. Über diesen lässt sich der reguläre Google Play Store jedoch einfach nachinstallieren. Roms und Sprachpakete werden auf dem standardmäßig gerootet ausgelieferten Handy ganz simpel direkt über den werkseitig vorinstallierten Updater auf das Handy geflasht (der Vorgang erfolgt natürlich auf eigene Gefahr und ohne eine Gewährleistung, dass hinterher auch noch alles so funktioniert, wie es soll!).
Die multilinguale Rom wurde auf dem Testgerät gleich einmal mit Erfolg ausprobiert. Bereits installierte Apps und Einstellungen blieben beim Rom-Wechsel erhalten. Zu allen Fragen rund um das MI-2 und MIUI gibt es im Forum des MIUI Germany jede Menge Antworten.

Connectivity und Alltagstauglichkeit
Ins Internet gelangt man auf dem Xiaomi MI-2 über WiFi 802.11 b/g/n. Außerdem stehen DC-HSDPA mit 42 Mbps, HSDPA mit 21 Mbps sowie HSUPA, 5.76 Mbps im Datenblatt des Androiden. Zum Laden der N-Droid-Startseite in mobiler Ansicht benötigte der Internet-Browser des Testgerätes 4 Sekunden bei WLAN-Verbindung. Zu den weiteren Verbindungsmöglichkeiten gehören MicroUSB mit MHL (HDMI-Unterstützung), USB On-the-go und Bluetooth 4.0.
Der interne Speicher beläuft sich wahlweise auf 16 oder 32 Gigabyte. Eine Erweiterungsmöglichkeit durch MicroSD-Karten gibt es leider nicht. Auch in schwächer ausgebauten Netzgebieten zeigte die Statusanzeige des MI-2 in O2-Netzen fast immer einen sehr guten Empfang an.
Die Klangqualität bei Telefonaten war beim Testgerät sowohl auf der Handy- als auch auf der Festnetzseite gut. Stimmen wurden authentisch wiedergegeben, und die Lautstärke ließ sich soweit hochregeln, dass der Gesprächspartner auch in unruhiger Umgebung noch gut zu verstehen war.
Der vorinstallierte Music-Player unterstützt das Herunterladen von Songtexten und Albumcover sowie das Streaming von Musik über WLAN. Ein Sieben-Band-Equalizer und zahlreiche Klang-Presets sollen für eine optimale Wiedergabe sorgen. Diese erreicht man jedoch nur über ein gutes Headset, denn der kleine Lautsprecher auf der Geräte-Rückseite überzeugt weder mit großer Klangfülle nocht vollen Bässen.

Prozessor, Arbeitsspeicher, Akku
Die Highlights des Xiaomi MI-2 stellen, vor allen Dingen angesichts des verhältnismäßig moderaten Preises, sein 1,5 Gigahertz Quad-Core Qualcomm Snapdragon S4 Pro Prozessor mit Adreno 320 GPU und der 2 Gigabyte große Arbeitsspeicher dar. Mehr als beeindruckend waren die Benchmark Ergebnisse im AnTuTu Benchmark, Smartbench 2012 und Quadrant Standard (siehe Screenshots).

Benchmark-Ergebnisse sind natürlich immer relativ. Eine gute Alltags-Performance hängt von einer ausgereiften Hardware, aber auch ganz wesentlich von der installierten ROM und Benutzeroberfläche ab.
Auch hier gibt nichts zu meckern: Das Blättern durch die mit Widgets und Programm-Icons vollgepackten Homescreens und Scrollen durch Menüeinträge funktionierte auf dem Testgerät sowohl mit der Original- als auch mit der mehrsprachigen Rom sehr flüssig und ohne Ruckler. Abstürze gab es während des Tests nicht, und in puncto Apps oder grafikintensive Spiele konnte das Device durch sehr kurze Ladezeiten überzeugen.
Der 2.000 mAh-Akku wies nach einem Tag und 18 Stunden mit einem halbstündigen Telefonat, dauerhaft aktiviertem WLAN und GPS sowie moderater Nutzung von Kamera, Internet und MP3-Player noch 14 Prozent seiner Ladung auf.
Fazit
Dass nicht nur Samsung, HTC & Co. leistungsstarke Androiden auf den Markt werfen können, wäre mit dem Xiaomi MI-2 ein weiteres Mal bewiesen. Prozessor und RAM bringen eine super Performance, die Verarbeitung ist ordentlich, das Display scharf und brillant. Hinter dem Device steht bereits eine recht große Community und damit verbunden eine gute Auswahl an Custom-Roms.
Optisch wirkt der Kunststoff-Body zwar nicht so hochwertig wie die Gehäuse der Konkurrenz, aber auch an der Rückseite eines Samsung Galaxy S3 ist bekanntlich nicht viel Edles zu finden. Kleine Wermutstropfen bilden die unbeleuchteten Sensorfelder unter dem Display sowie die nicht allzu klangvolle Wiedergabe des kleinen Außenlautsprechers.
Das Testgerät wurde von den Freunden von AndroidFiguren.de zur Verfügung gestellt. Dort kann man das Xiaomi MI2 zum Preis von derzeit (19.03.2013) 465,56 Euro (32 GB) und 398,98 Euro (16 GB) bestellen. Zur offiziellen Produktseite geht es hier.
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