Custom-ROM installieren: Die Voraussetzungen
Ein Custom-ROM ersetzt das vom Hersteller gelieferte Android durch ein von der Community gebautes System. Drei Dinge müssen vorher stimmen: Der Bootloader muss entsperrbar sein (bei Google-Pixel und vielen Xiaomi-, OnePlus- und Motorola-Geräten möglich, bei Samsung in Europa mit Einschränkungen, bei Huawei seit 2018 gar nicht mehr), es muss ein Custom-ROM für genau dieses Modell geben (die Gerätecodenamen unterscheiden sich schon zwischen Varianten desselben Telefons), und es braucht ein vollständiges Backup, weil das Entsperren des Bootloaders alle Daten löscht. Wer ein Custom-ROM installieren will, sollte außerdem wissen: Die Garantie kann verfallen, Banking-Apps können den entsperrten Bootloader erkennen, und Play Integrity schlägt fehl, solange keine Umgehung eingerichtet ist.
Custom-ROM installieren in fünf Schritten
- Backup aller Daten, Fotos und App-Daten auf einem Rechner oder in der Cloud.
- Bootloader entsperren – über die Entwickleroptionen („OEM-Entsperrung“) und den Befehl
fastboot flashing unlock; bei Xiaomi und Sony über das Hersteller-Portal. - Custom Recovery flashen (heute meist TWRP oder das Recovery des ROMs selbst) per
fastboot flash recovery. - ROM und Google-Apps installieren – aus dem Recovery per Sideload oder von der Speicherkarte; bei Android 10 und neuer werden die Partitionen zuvor formatiert („Format Data“).
- Erster Start und Prüfung: Mobilfunk, WLAN, Kamera, Sensoren, Fingerabdruck. Fehlt etwas, liegt es fast immer an fehlenden Hersteller-Blobs für dieses Modell.
Jede dieser Anleitungen gilt nur für ein konkretes Gerät. Die XDA-Developers-Foren führen für die meisten Modelle einen Thread mit den exakten Befehlen.
Was aus SlimRoms für Android geworden ist
SlimRoms erschien für Android 4.1 bis 7.1 (Slim Bean, SlimKat, SlimLP, Slim6, Slim7) und stellte die Entwicklung um 2018 ein. Die Nische, die SlimRoms für Android besetzte – wenig Bloatware, hohe Anpassbarkeit, lange Update-Pflege für alte Geräte – wird heute von LineageOS (dem CyanogenMod-Nachfolger), /e/OS (ohne Google-Dienste), GrapheneOS (Sicherheit, nur Pixel) und crDroid abgedeckt. Wer ein Custom-ROM installieren möchte, um ein Gerät ohne Hersteller-Updates weiterzunutzen, findet in LineageOS die breiteste Geräteliste. Der Grund, weshalb Custom-ROMs überhaupt nötig sind, ist derselbe wie 2014: Der Hersteller bestimmt, wie lange ein Gerät Android-Updates bekommt – die Übersicht der Android-Versionen zeigt, wie kurz das oft war.
Special: Custom-ROMs #4 – SlimROM (Original von 2014)
Dieses Mal wird in der Custom-Rom-Special-Reihe die nicht große, aber schon sehr beliebte Android-Distribution SlimRoms vorgestellt.

Diese Custom-ROM löst ein wenig die alte Tradition der Einfachheit von CyanogenMod ab, ohne auf interessante Funktionalität und Flüssigkeit zu verzichten.
Ziele
Die SlimRoms (SR) Entwickler setzen auf ein System, das sauber und schnell sein möchte. Dabei wird es möglichst klein gehalten, ohne dabei die Qualität aus den Augen zu verlieren.
Geschichte
Wie so viele Android-Entwicklungen entstand auch SR im xda-developers-Forum. Mindestens seit 2012 hat Josue Rivera bis jetzt 14 Mitglieder für sein Projekt gewonnen, die im Kern-Team mitarbeiten. Außerdem gibt es zurzeit noch um die 20 weitere Entwickler, die lose an der Umsetzung für einzelne Geräte mitarbeiten.
Begonnen hat die Entwicklung mit SlimBean, eine Namensanspielung auf die Android-Version Jelly Bean. Zu den ersten unterstützten Geräten gehörten das Samsung Galaxy S und das Nexus in der SlimBean Version 2.0.
Das SlimRom-Team versucht nicht nur, AOSP oder CM zu optimieren, sondern es entwickelt auch fleißig eigene Ideen und Funktionen, die nicht selten durch andere Projekte wie PIE inspiriert sind. Dabei wird alles in einer Open-Source-Umgebung umgesetzt. Auch Eigenentwicklungen bleiben der Open-Source-Gemeinde erhalten.
Die Versionierung hängt mit der Android-Namensgebung zusammen. Bei jeder größeren Android-Version wird der SlimRom Namen geändert, und so heißen diese SlimBean, SlimKat und zukünftig vielleicht SlimPop. Stabile Versionen werden in unregelmäßigen Abständen herausgebracht und über die Versionsnummer kenntlich gemacht. Die Nachkommastelle der Versionsnummer steht für wöchentliche Updates.
Besonderheiten
SR glänzt nicht nur durch Minimalismus, sondern durch eine Unmenge an Einstellungsmöglichkeiten sowie einmaligen Features, die über zwei Kanälen verteilt werden:
- Die neuesten Funktionen, Updates und Fehlerkorrekturen sind in den automatisch generierten Weeklys zu finden. Hier muss mit potentiellen Problemen gerechnet werden.
- Für ausführlich getestete, möglichst fehlerfreie Builds sind im Official-Kanal unregelmäßig alle 1-2 Monate neue sogenannte stable builds zu finden.
Dabei ist die Basis-ROM die kleinste aller bekannten ROMs. Im Vergleich zu CyanogenMod ist SR fast 20% kleiner im Download.
Die Entwickler stellen gleich eigens modifizierte Google Apps Pakete in verschiedenen Größen zum Download bereit. Einige der Gapps bieten neben dem bekannten Layout noch ein weiteres, schwarzes Layout, das an SRs sogenanntem The Real Dark Slim Modus (TRDS) angepasst ist. Dieser lässt sich mit einem Klick in den Einstellungen einschalten und wirkt sich sowohl auf die unterstützten Gapps als auch auf das gesamte Theme aus.
Von CyanogenMod hat SR ebenfalls einige Funktionen übernommen. So ist der Berechtigungs-Manager Privacy Guard genauso wie der DSP Manager und die Pie-Navigation enthalten. Diese ist hier unter dem Namen SlimPIE zu finden und bietet im Gegensatz zu den Vorbildversionen mit drei statt zwei Ebenen für den Schnellzugriff.

SlimRecents
Das “Zuletzt geöffnet…”-Fenster wurde mit SlimRecents ebenfalls neu programmiert und wird als Sidebar dargestellt, in der sich einzelne Apps als Favouriten festpinnen lassen. Der Dialer wurde laut SR komplett neu geschrieben und unterstützt nicht nur TDSR, sondern bietet auch die Möglichkeit, eigene Lookup-Provider einzustellen, was in Deutschland jedoch, wenn überhaupt, nur bedingt funktioniert.

Hinzu kommen besondere Funktionen wie Shake Events, die das Gerät zum Beispiel mit einem Schüttler sperren können, aber auch Shortcuts für den Lockscreen. Eine Besonderheit fällt sofort beim Start der neu installierten ROM auf, nämlich die sehr viel kleineren Symbole. Der DPI-Wert bei SR ist standardmäßig so eingestellt, dass deutlich mehr Platz auf dem Bildschirm zur Verfügung steht. Dafür hat SR keinen eigenen Launcher, sondern setzt auf den weit verbreiteten Nova Launcher. [Update: Ein eigener Launcher wurde gerade vorgestellt.]
Die Kamera bietet mit Smart Capture und True View einige Zusatzfunktionen, die jedoch nicht von allen Geräten unterstützt werden.
Im sogenannten SlimCenter lässt sich die ROM organisieren. Hier lassen sich Logs erstellen, die als praktische ZIP zum Versand vorbereitet sind, es lassen sich Updates herunterladen aber auch System-Apps direkt über den Reiter Slimsizer löschen. Ferner lässt sich über den eingebauten IRC-Chat direkt mit den Entwicklern in Verbindung setzen.
Die letzten großen Neuerungen waren die Einführung der Heads Up Notifications, die ebenfalls bei CM existieren, und sogenannte Custom Tiles. Hier lassen sich eigene Kacheln zu unterschiedlichsten Funktionen im System erstellen und Tasker-Funktionen ansprechen. Das folgende 15 Minuten lange Video erklärt dies im Detail.
Zu allen Optionen gibt es unzählige Einstellungsmöglichkeiten, sowohl was das Layout angeht, als auch was die Funktionsweise betrifft.
Im Vergleich zu CyanogenMod sind einige Funktionen nicht vorhanden, zum Beispiel eine Theme-Engine, an der allerdings gearbeitet wird. Zudem wird OpenVPN nicht direkt unterstützt. Und leider ist Whisperpush nicht mit eingebaut.
Statistik
- Nutzerzahlen: unbekannt
- Aktivität: von ca. 15-25 Entwicklern kommen täglich Beitrage, Weeklys erscheinen für gewöhnlich einmal die Woche, Stable Releases alle 1-2 Monate
- Verbreitung: SlimKat unterstützt zur Zeit offiziell 60 Geräte.
- Download: stable / weekly / Slim-Gapps
Fazit
SlimRoms bietet einen hohen Funktionsumfang trotz kleiner Basis-ROM, die auch auf etwas älteren Modellen wie dem Galaxy S noch gut läuft. Optisch bietet die ROM zwar wenig Individualisierungsmöglichkeiten, dafür mit TRDS ein optionales Alleinstellungsmerkmal für visuelle Minimalisten. Funktional bietet SR einige Besonderheiten, vor allem für Schnellzugriffe jeglicher Art. Besonders zu erwähnen ist der enge Kontakt zwischen Nutzern und Entwicklern durch IRC und Logupload, aber auch in Foren durch hilfsbereite Maintainer. Die Anzahl der unterstützen Geräte kann sich sehen lassen, dafür lassen sich nicht so viele inoffizielle Builds wie bei CyanogenMod finden.
Definitiv eine gute, fehlerarme Alternative zu CyanogenMod, zu deren Verbreitung nur noch so etwas wie ein Easy Installer fehlt.
Welche Erfahrungen gibt es mit SlimKat? Kann die ROM mit CM mithalten oder ist sie gar besser, schneller, besser unterstützt? Sollten noch wichtige Infos fehlen, wird um Mitteilung in den Kommentaren gebeten.
Quellen: SlimRoms Supported DevicesBildinhaber: SlimRoms
Weitere Artikel des Specials:
- Custom-ROMs #1. Was ist das überhaupt? Ein Überblick.
- Custom-ROMs #2. CyanogenMod
- Custom-ROMs #3. Replicant