Zum Inhalt
n-droid.de
Veröffentlicht am Android-Themen · Hardware · Features 7 Min. Lesezeit

Im Test: XiaoCai X9 – schlank, supergünstig, taugt das was?

Das XiaoCai X9 wurde bereits kurz vorgestellt, heute folgt der versprochene Testbericht.

Verarbeitung und Optik

Schon auf den ersten Blick fällt auf, dass Besitzer des XiaoCai X9 keine Platznot in ihrer Tasche haben werden, denn der Androide macht sich mit seinen Außenmaßen von 134 x 65 x 7.9 Millimetern sehr dünn und ist mit 122 Gramm ein wahres Leichtgewicht. Der zweite Blick fällt beim neongrünen Modell, das im Test vorlag, direkt auf das Backcover, denn die leuchtende Farbe schreit förmlich nach Nutzung einer Sonnenbrille. Gegner knalliger Farben haben jedoch die Möglichkeit, sich ein andersfarbiges, etwas dezenteres Cover für wenig Geld nachzubestellen. Unter dem Cover liegt der Akkuschacht nebst den beiden Steckplätzen für Micro- und Standardsim und einem weiteren Einschub für die MicroSD-Karte.

Die Verarbeitung des Gehäuses ist solide und es liegt dank abgerundeter Kanten gut in der Hand. Bei kräftigerem Druck lässt sich lediglich dem Akkudeckel ein ganz leichtes Knacken entlocken, die Spaltmaße sind allerdings insgesamt sehr gering und gleichmäßig. Eine Besonderheit am XiaoCai X9 stellt die Lautstärkeregelung dar, die dieses Gerät nicht in Form einer Wipptaste, sondern als separate Leise- und Laut-Tasten mitbringt, in deren Mitte ein Media-Button liegt. Über diesen lässt sich werkseitig Musik bei aktiviertem Music-Player starten und stoppen (funktionierte beim vorliegenden Modell selbst bei deaktiviertem Display).

Der MicroUSB-Steckplatz befindet sich neben der Mikrofonöffnung an der Unterkante, ein 3,5 Millimeter Klinkenanschluss für das Headset sowie die Ein-/Aus-Taste am oberen Rand des Handys. Auf der Rückseite sieht man die große Linse der 8 Megapixel-Kamera mit darunter liegendem LED-Blitz und ein großes Lautsprechergitter. Die Front wird vom 4,5 Zoll Display bestimmt, über dem die Linse der 5 Megapixel-Frontknipse, die Hörmuschel sowie Sensoren angeordnet sind. Die Symbole der drei Sensortasten unter dem Display sind während der Bedienung leider nicht beleuchtet, und auch auf eine Benachrichtigungs-LED muss der Nutzer beim XiaoCai X9 leider verzichten.

Zubehör

Im stabilen weißen Zubehörkarton wurden im vorliegenden Fall (Lieferung über Comebuy.com) neben dem Handy zwei 1.800 mAh Akkus, ein USB-Datenkabel mit Netzstecker, eine englischsprachige Bedienungsanleitung, ein Silikon-Bumper sowie eine Ersatz-Displayschutzfolie mit Tüchlein mitgeliefert. Eine matte Displayschutzfolie klebte bereits beim Auspacken auf dem Screen. Je nachdem, wo das XiaoCai X9 bestellt wird, werden teilweise auch Wechselcover oder Headsets mitgeliefert.

Die wichtigsten Daten des XiaoCai X9 im Überblick:

 Betriebssystem:  Android 4.2.1 (Jelly Bean), CaiOS-Benutzeroberfläche
 Prozessor:  1,2 GHz Quad-Core MTK6589
 Display:  kapazitiv, 4,5 Zoll IPS (960 x 540 Pixel)
 Arbeitsspeicher:  1 GB
 Interner Speicher:  4 GB
 MicroSD  bis 32 GB
 Kamera:  8 Megapixel, LED-Blitz
 Videoaufnahme:6  1080p@30fps
 Frontkamera:  5 MP
 Konnektivität:  WiFi 802.11 b/g/n, Bluetooth
 Netzwerke:  Dual Sim 2G/3G
 Schnittstellen:  3,5 mm Klinkenanschluss, MicroUSB
 Ortung:  A-GPS
 Akku:  1.800 mAh
 Maße:  134 x 65 x 7.9 mm
 Gewicht:  122 g

Display und Kamera

Das 4,5 Zoll große IPS-Display des XiaoCai X9 überrascht trotz seiner unspektakulären 960 x 540 Pixel Auflösung mit einem klaren Bild und angenehm leuchtenden Farben. Zwar kommt es nicht an die Brillanz eines hochauflösenden High-End-Screens heran – eine etwas geringere Auflösung geht in der Regel jedoch klar zugunsten einer flüssigen Performance. Der Touchscreen reagiert punktgenau und sensibel – auch hier gab es beim Testgerät kein Grund zur Klage. Die Darstellung ist dank IPS-Technologie auch bei der Betrachtung von der Seite, oben und unten noch gut erkennbar und die Beleuchtungsstärke lässt sich erstaunlich weit hochregeln, so dass eine Ablesbarkeit des Screens auch in heller Umgebung noch gewährleistet ist.

Kamera
Als gar nicht mal so schlecht erwies sich auch die 8 Megapixel-Kamera mit LED-Blitz, Autofokus und HDR. Diese kriegte im Test ab etwa sieben Zentimetern Abstand gute Nahaufnahmen zustande und machte auch bei Dämmerlicht noch recht passable Bilder (wenngleich mit leichtem Bildrauschen) – auch hier unter Berücksichtigung des günstigen Geräte-Preises, denn mit der Knipse eines Samsung Galaxy S4 kann die X9-Kamera diesbezüglich nicht mithalten. Nicht wirklich zu gebrauchen ist das funzelige LED-Blitzlicht, das zwar für glühende Augen, nicht aber für eine genügende Umgebungsausleuchtung sorgt.

Die Nutzung der Video-Aufnahmefunktion ist im Gegensatz zur Foto-Funktion nur bei guten Lichtbedingungen empfehlenswert, denn auf Dämmerlichtaufnahmen lässt sich hier kaum etwas erkennen. Bei ausreichender Beleuchtung gelangen im Test allerdings annehmbare Videoclips. Für Schnappschüsse oder Gelegenheitsaufnahmen eignet sich die Kamera insgesamt also allemal.

Software und Alltagstauglichkeit

Bei Auslieferung läuft auf dem XiaoCai Android 4.2.1 (Jelly Bean) mit der herstellereigenen CaiOS Benutzeroberfläche. Diese scheint eindeutig für Leute mit überdurchschnittlich guter Sehfähigkeit konzipiert worden zu sein, denn die Symbole auf den Icons sowie die darunter liegenden Beschriftungen wirken teilweise regelrecht winzig. Die Gestaltung der Icons mutet schmucklos, fast schon spartanisch an – was aber natürlich Geschmackssache ist. Zumindest in den Menüs lassen sich die Schriften Android-gerecht in ihrer Größe anpassen. Der Versuch, die Optik der Oberfläche durch die Installation anderer Launcher etwas aufzupeppen, half im Test leider wenig, da auch diese die meisten Stock-Icons und deren gewöhnungsbedürftige Optik übernahmen. Richtig Freude stellte sich diesbezüglich erst nach dem Flashen einer anderen Firmware ein – dazu aber morgen in einem Extra-Tutorial mehr!

Der Stock-Launcher jedenfalls verfügt über einen eigenen Lockscreen, einen mehrseitigen Startscreen, der sich nach Belieben mit Hintergründen, Widgets, Anwendungen und Ordnern bestücken lässt, einen App-Drawer mit Unterteilung in Apps und Widgets sowie ein Einstellungsmenü mit weißem Hintergrund (siehe Screenshots). Auch der Dialer und der Kontaktordner sind im CaiOS-Stil gestaltet. Insgesamt waren auf dem Testgerät neben den Google-eigenen Apps und dem Google Play Śtore drei “China-Apps”, zu deren vollständiger Entfernung das Rooten des Handys nötig ist – aus dem App-Drawer lassen sie sich allerdings auch durch eine Deaktivierung in den App-Einstellungen verschwinden lassen.

Alltagstauglichkeit
Bugs und Widrigkeiten, über die teilweise in Foren bei Nutzung der Original-Firmware ohne Modifikation von einigen Nutzern berichtet wurde, konnten beim Testgerät nicht festgestellt werden. Weder war die Lautstärke der Lautsprecher, noch die des Mikrofons zu leise (beides entsprach absolut der gängigen Norm), noch gab es Probleme beim GPS-Empfang – bei aktiviertem EPO und A-GPS hatte das Gerät unter freiem Himmel innerhalb weniger Sekunden einen Sat-Fix. Auch die O2-Simkarte funktionierte trotz aktiviertem WLAN problemlos, und der Empfang war durchgehend gut bis sehr gut. Die Stimmen von Gesprächspartnern dürften bei Telefonaten gerne etwas weniger blechern wiedergegeben werden, laut genug waren sie allerdings. Vermutlich wurde schon eines der neueren Geräte erwischt, bei denen einige der bekannten Bugs behoben wurden.

Wer beruflich und privat verschiedene Simkarten nutzt oder eine mit günstigem Tarif für Telefonate und eine weitere mit einer Datenflatrate, hat beim XiaoCai X9 gleich zwei 3G-fähige Simkarten-Steckplätze zur Verfügung, von denen einer mit einer Standard- und einer mit einer MicroSim belegt werden kann.

Der rückwärtige Lautsprecher gibt Musik ohne Schnarren wieder und liegt klanglich qualitativ im Mittelfeld. Zum Gelegenheits-Musikhören reichen Lautstärke und Klangfülle aus, wer Musik richtig genießen will, sollte lieber ein gutes Headset anschließen.

Prozessor, Arbeitsspeicher, Akku

Im XiaoCai X9 werkelt ein  1,2 Gigahertz Quad-Core MTK6589 Prozessor mit Unterstützung von 1 Gigabyte RAM. Diese Kombination gewährleistete beim Testgerät eine reibungslose Performance, wenn man von einigen Rucklern im Stock-Launcher absieht, die sich durch die Installation eines anderen Launchers oder das Flashen einer Custom Rom beheben ließen. Apps öffneten sich zügig, Videos wurden flüssig abgespielt, und die guten Benchmark-Ergebnisse im AnTuTu Benchmark und Quadrant Standard sprechen für sich. Mit dieser Hardware-Ausstattung lassen sich auch die meisten grafikintensiveren Games noch gut spielen. Der 4 Gigabyte große interne Speicher lässt sich durch MicroSD-Karten erweitern.

Eine gute Leistung erbrachte auch der 1.800 mAh Akku. Bei aktiviertem WLAN und eingeschalteter Synchonisation von Google-Diensten sowie mäßiger Nutzung des Internets und einem halbstündigen Telefonat zeigte die Akkustandsanzeige nach zwei Tagen Standby noch knapp 30 Prozent Ladung an. Der ebenfalls als Bug bekannte Akku-Drain ab 40 Prozent konnte beim Testgerät nicht beobachtet werden. Wesentlich kürzer hält die Kraftzelle natürlich bei häufigem Einsatz stromfressender Anwendungen wie Spielen, Videos oder Musik durch.

Fazit

Wer ein wirklich preisgünstiges, schlankes und leichtes Android-Gerät haben und dabei auf eine vernünftige Ausstattung nicht verzichten will, ist mit dem XiaoCai X9 gut bedient. In einer zweiten Auflage des Gerätes wurden die meisten bekannten Bugs der ersten Auslieferungsreihe behoben, so dass auch hier kaum Probleme auftauchen dürften.

Die Kamera-Qualität geht für diese Preisklasse in Ordnung, und auch am Display und Gehäuse lässt sich wenig kritisieren. Hart an der Grenze des guten Geschmacks liegt der Stock-Launcher, aber da sich das X9 sehr leicht rooten und mit Custom Roms bestücken lässt, ist auch das kein wirklicher Beinbruch.

Wünschenswert wären natürlich eine Beleuchtung der Sensortasten unter dem Display und eine Benachrichtigungs-LED – aber es ist bekanntlich nicht alles zu haben und schon gar nicht zu einem Preis von rund 129 Euro (Stand 16.11.2013) inklusive Versand aus Deutschland bei Comebuy.com (die Lieferung des Testgerätes erfolgte innerhalb von drei Tagen).

In einem Tutorial wird gezeigt, wie das XiaoCai X9 gerootet und eine Custom Rom geflasht wird.

Pro

  • Nahezu unschlagbares Preis-Leistungsverhältnis
  • Ordentliche Verarbeitung
  • Flüssige Performance

Contra

  • Unbeleuchtete Sensortasten
  • Keine Benachrichtigungs-LED