Da es den Chromecast nun auch in Deutschland gibt, bot sich die Gelegenheit, ein Auge auf den 35 Euro günstigen HDMI-Stick zu werfen. Was kann er, was herkömmliche Android Mini PCs wie Nova Q oder S400 nicht können, und wo muss man Abstriche machen?
Die Ausstattung von Chromecast, Nova Q / S400 im Vergleich
Zunächst einmal fällt auf, dass der Chromecast mit 72 × 35 × 12 Millimetern im Vergleich zum S400 (nahezu gleiche Hardware wie der im Test befindliche Nova Q, allerdings mit externer WLAN-Antenne) angenehm klein ist. Dafür fehlt dem schwarzen Stick allerdings die eine oder andere Anschlussmöglichkeit. So kann er beispielsweise nicht mit einem zweiten MicroUSB-Steckplatz, einer MicroSD-Erweiterung oder gar einem Standard USB 2.0 Steckplatz aufwarten. Allen Sticks gemeinsam ist ein MicroUSB-Anschluss für das Strom-/Datenkabel, das den Stick wahlweise über den mitgelieferten Netzadapter oder den USB-Anschluss am Fernseher mit Strom versorgt. Der Chromecast verfügt überdies noch über eine Taste zum Zurücksetzen der Software.


Während der Chromecast mit einem Marvell DE3005-A1 Prozessor und schmalen 512 Megabyte RAM zurecht kommen muss, brüsten sich die beiden Android-Sticks mit Quad-Core Rockchip RK3188 CPUs und je 2 Gigabyte RAM. Hier schlägt sich der Preisunterschied zwischen 35 Euro für den Chromecast und durchschnittlich 80 Euro für die Android Mini PCs nieder. Fairerweise muss deshalb gesagt werden, dass HDMI-Sticks mit Android-Oberfläche in der Preisklasse des Chromecast zumeist auch nur über maximal 1 Gigabyte RAM und Dual-Core Prozessoren verfügen. WiFi und Bluetooth haben alle drei Sticks zu bieten, via HDMI unterstützend die Geräte eine Auflösung von bis zu 1080p.


Einrichtung des Chromecast
Beim ersten Anstecken des Chromecast an den HDMI-Anschluss des Fernsehers erfolgte die Aufforderung, auf dem Smartphone, Tablet oder Laptop die Seite chromecast.com/setup aufzurufen. Hier erfolgte die Anweisung, die Chromecast App aus dem Google Play Store herunterzuladen. Gesagt, getan, wird die App geöffnet (WLAN muss auf dem Smartphone aktiviert sein), und schon zeigte diese den Code des Chromecast-Sticks an, und auch auf dem Fernsehbildschirm erschien ein Fenster mit besagtem Code.

Nach der Bestätigung des Codes auf dem Handy konnte dem Chromecast ein beliebiger Name zugeordnet und der Stick über Eingabe des WLAN-Schlüssels mit dem WLAN-Netzwerk verbunden werden. Nun stand die Verbindung zwischen Smartphone und Chromecast, der allerdings noch ein recht großes Update zog, bevor die Nutzung beginnen konnte.
Ganz ähnlich funktioniert die Einrichtung des Chromecast über ein Notebook oder Windows-PC, allerdings benötigt man hier den Chrome-Browser und die entsprechende Google Cast Erweiterung. Außerdem mit dem Chromecast kompatibel sind iOS, Chrome für Mac, Chrome OS oder Chromebooks.
Oberfläche und Steuerung des Chromecast im Vergleich zum Nova Q und S400
Nova Q und S400
Schließt man den S400 oder den Nova Q an Strom und Fernseher an, bietet sich dem Nutzer auf dem TV-Bildschirm die vertraute Android- beziehungsweise (beim Nova Q) eine Moui-Oberfläche mit App-Icons und Menüs, durch die ebenso wie beim herkömmlichen Desktop-PC mit einem Mauszeiger via angeschlossener Bluetooth- oder USB-Maus navigiert wird. Über den Google Play Store lassen sich Apps installieren, die beispielsweise zum Fernsehen, Spielen, Mail-Abruf, Browsen im Internet oder Chatten in Social-Networks dienen, wie man es von Android Smartphones, Tablets oder Netbooks gewohnt ist. Insgesamt fühlt sich die Bedienung ähnlich wie die eines Desktop-PCs an.
Die Texteingabe geschieht wahlweise über eine virtuelle Tastatur auf dem Bildschirm oder eine physische, welche über Bluetooth oder USB mit dem Stick gekoppelt wird. Über spezielle Apps, beispielsweise DroidMote Server für den Android Mini PC oder DroidMote Client für das Smartphone lässt sich eine WLAN-Verbindung zwischen Stick und Handy aufbauen, um dieses als Fernbedienung zu nutzen. Im Test mit dem S400 funktionierte dieses aber eher schlecht als recht und wurde durch WLAN-Abbrüche, App-Hänger oder einen nicht ganz präzise über den Smartphone-Touchscreen steuerbaren Mauszeiger nicht nur einmal zur Geduldsprobe.
Chromecast
Ganz anders ist das Steuerungsprinzip beim Chromecast aufgebaut, denn hier gibt es zumindest auf dem TV-Bildschirm weder eine Nutzeroberfläche mit App-Icons, die sich via Mauszeiger ansteuern lassen, noch werden komplett identische Bildschirminhalte vom Mobilgerät auf Chromecast und TV-Screen übertragen. Viel mehr handelt es sich bei den Übertragungsinhalten um Steuerinformationen oder URLs. In der Praxis sieht das so aus:
In den kompatiblen Apps auf dem Handy, wie beispielsweise Watchever oder YouTube, erscheint nach der erstmaligen Kopplung mit dem Chromecast ein kleines Fernsehsymbol. Klickt man darauf, verbindet sich die App auf dem Mobilgerät mit dem Chromecast. App und Telefon sind weiterhin bedienbar wie sonst auch. Das Handy gibt die über die App eingegebenen Infos via Google Cast (über DIAL-Protokolle und UPnP) direkt an den Chromecast-Stick weiter, der daraufhin das angeklickte Webvideo auf dem TV-Bildschirm öffnet.
Im Internet gespeicherte Videos nehmen also nicht den Umweg über das Hand (um von dort aus auf den Stick gestreamt zu werden), denn Videos zieht sich der Chromecast Stick selbst aus dem Netz. Inzwischen lassen sich allerdings auch Bilder und Videos vom Handy auf den Chromecast streamen, weitere Details dazu folgen weiter unten.
Der Startscreen zeigt neben einer Wallpaper-Slideshow lediglich Infos zum WLAN, die Uhrzeit und den Chromecast-Namen an. Erst bei Kopplung mit einer App auf dem Mobiltelefon erscheint ein App-spezifisches Bild auf dem TV-Screen, das beispielsweise bis zum Videostart bestehen bleibt. Start, Stop, Laut und Leise regelt man über die Bedienelemente auf dem Smartphone, Tablet oder Notebook.
Die Navigation funktionierte mit dem Chromecast-Stick trotz wesentlich knapper bemessener Hardware im Test deutlich schneller und einfacher als über den S400 HDMI-Stick oder Nova Q. In wie weit Videos ruckelfrei laufen, hängt natürlich auch von der WLAN-Verbindung und der zur Verfügung stehenden DSL-Bandbreite ab. Hier ließ sich kein großer Unterschied zwischen Chromecast und S400 ausmachen.
Mit der entsprechenden Chromecast Erweiterung lassen sich im Chrome Browser geöffnete Tabs (auf dem Desktop-PC oder Notebook) über den Chromecast Stick auf den TV-Monitor streamen – auch das klappte im Test problemlos.
Kompatible Apps und Spiele für den Chromecast
Seit dem 4. Februar wird das Chromecast SDK veröffentlich, welches Entwicklern ermöglicht, ihre Apps auf Chromecast zuzuschneiden, so dass mit einer zunehmen Menge kompatibler Anwendungen zu rechnen ist. Eine gute Übersicht bereits vorhandener Anwendungen bringt der Cast Store auf das Mobilgerät – dies bietet eine wirklich gute Möglichkeit, sich einen Überblick darüber zu verschaffen, was schon mit dem Chromecast geht, bevor der Kauf erfolgt. Eine vollständige Auflistung aller dort bereits gelisteten Apps würde den Rahmen sprengen, daher nur einige Beispiele:
Wer beispielsweise Sendungen von Arte, ARD, ZDF oder 3Sat über seinen Chromecast anschauen will, ist mit Media ThekCast gut beraten. Diese App bietet die Möglichkeit, Sendungen in unterschiedlichen Video Qualitäten zu streamen, so dass sogar mit der zur Verfügung stehenden, relativ langsamen WLAN-Verbindung ein Streaming ohne ewige Unterbrechungen durch Buffern möglich war – auch die Bildqualität ging durchaus in Ordnung. Watchever ließ sich ebenfalls einwandfrei mit dem Chromecast nutzen.
Von den kostenlosen Apps zum direkten Streamen von Fotos oder Videos vom Mobilgerät auf den Chromecast und TV-Monitor erwies sich Gallery Cast Free als recht gut. Web-Videos ließen sich mit dem Web Video Caster über Google suchen und auf den Screen bringen.
Auch Plex und zum Testzeitpunkt weitere 112 Apps aus den Bereichen Lernen, Unterhaltung, Medien, Videos, Audio, Nachrichten, Personalisierung, Fotografie, Effizienz, Tools und Wetter funktionieren inzwischen auf dem Chromecast Stick. Kompatible Spiele gibt es ebenfalls, diese beschränken sich allerdings auf grafisch nicht allzu anspruchsvolle Brettspiele, Arcade-Klassiker oder Geduldsspiele.



Fazit
Wer seinen HDMI Stick außer zum Fernsehen auch zum Browsen im Internet oder zum Zocken größerer Spiele nutzen möchte, wird sicherlich eher zum Android Mini PC mit starker Hardware greifen als zum Chromecast. Liegt der Focus allerdings in erster Linie darauf, mit wenigen Klicks zum gewünschten Web-Video, Musik-Streaming oder Podcast zu gelangen, ohne durch eine bunte Android-Oberfläche auf dem TV-Bildschirm navigieren zu müssen, ist der Chromecast Stick vollkommen ausreichend.
Überraschend war die (trotz mickeriger Hardware) gute Geschwindigkeit bei der Fernbedienung über das Smartphone sowie das ruckelfreie Abspielen von Web-Videos und Streamen von Videos und Bildern vom Handy auf den Chromecast-Stick. Diesbezüglich konnte die Geschwindigkeit des Nova Q und S400 teilweise trotz dicker Prozessoren nicht mithalten.
Ein klarer Minuspunkt des Chromecast ist die fehlende Speichererweiterungsmöglichkeit für den 2 Gigabyte kleinen Flash-Speicher – großformatige Web-Videos zum Offline-schauen direkt darauf zwischenzuspeichern ist schwer bis unmöglich – hier bieten Nova Q und S400 einen klaren Vorteil.
Ob man sich letztendlich für den günstigen Chromecast oder einen etwas teureren Android Mini PC entscheidet, hängt wie so häufig davon ab, was man damit anstellen will. Natürlich stehen Nova Q und S400 an dieser Stelle nur als kleines Beispiel für HDMI-Sticks mit Android-Oberfläche, denn es gibt diese mit sehr unterschiedlicher Ausstattung. Genaues Hinschauen Vergleichen vor dem Kauf lohnt sich also.






