Conversations heute: Stand des XMPP Messengers
Conversations wird von Daniel Gultsch weiterentwickelt und ist im Google Play Store (kostenpflichtig, wenige Euro) sowie kostenlos über F-Droid erhältlich. Seit dem Test von 2014 sind die drei Punkte hinzugekommen, an denen der Conversations Messenger damals gemessen wurde: Ende-zu-Ende-Verschlüsselung per OMEMO (standardmäßig aktiv, auch in Gruppen), Sprach- und Videoanrufe über Jingle/WebRTC und Push-Benachrichtigungen ohne dauerhaft laufende Verbindung. Bilder, Dateien und Sprachnachrichten werden über den HTTP-Upload des Servers übertragen. Die App ist quelloffen (GPLv3) und unter dem Namen Quicksy zusätzlich in einer Variante mit Telefonnummer-Anmeldung erhältlich – für Kontakte, die keinen XMPP-Server wählen möchten.
Was XMPP von WhatsApp unterscheidet
WhatsApp, Signal und Threema sind geschlossene Netze: Ein Konto existiert nur beim jeweiligen Anbieter, und nur dessen App kann es nutzen. XMPP (Jabber) ist dagegen ein offenes Protokoll wie E-Mail. Eine Adresse sieht aus wie [email protected], der Server ist frei wählbar, und Nutzer verschiedener Server schreiben sich gegenseitig. Die Folge für den Datenschutz: Es gibt keine zentrale Stelle, die alle Metadaten sieht, und kein Adressbuch-Abgleich mit Telefonnummern. Der Preis dafür ist der Netzwerkeffekt – wer einen XMPP Messenger für Android nutzt, muss seine Kontakte überzeugen oder eine Brücke (Transport) einsetzen. Öffentliche Server mit gutem Ruf sind etwa conversations.im, jabber.de oder trashserver.net; wer einen eigenen Server betreibt, nutzt Prosody oder ejabberd.
Für wen Conversations auf Android die richtige Wahl ist
Conversations lohnt sich für drei Gruppen: Menschen, die einen Messenger ohne Telefonnummer und ohne zentralen Betreiber wollen; Vereine, Familien oder Firmen, die ihre Kommunikation auf einem eigenen Server halten möchten; und alle, die bereits ein XMPP-Konto aus Jabber-Zeiten haben. Wer dagegen vor allem mit Kontakten schreibt, die bei WhatsApp bleiben, kommt mit Signal oder Threema pragmatischer ans Ziel – die Verschlüsselung ist dort ebenso solide, nur die Abhängigkeit vom Anbieter bleibt. Eine Übersicht der sicherheitsrelevanten Einstellungen für jeden Messenger steht unter Sicherheit.
Der Test vom März 2014 im Original
XMPP Clients sind normalerweise nicht gerade für Nutzerfreundlichkeit und durchdachtes Layout bekannt. Conversations ändert das.
Die App liegt bisher nur in der Version 0.1 vor und macht trotzdem schon jetzt einen guten Eindruck.
Conversations ermöglicht die Kommunikation mit anderen XMPP Clients und die Verschlüsselung der Chats mit OTR (Off-The-Record).
Die App bietet eine relativ hohe Sicherheit, da sie mit OTR auf bekannt End-to-end-Verschlüsselungsverfahren setzt und der Quellcode vollständig offen liegt. Die Oberfläche wurde an Googles Holo UI angeglichen und erinnert extrem stark an Googles Gmail App, was den Umgang stark vereinfacht.
Bisher gibt es erst sechs Erfahrungsberichte und noch überhaupt keinen Zähler für Downloads, trotzdem erscheint das Projekt vielversprechend, zumindest als XMPP Alternative.
Ein Vergleich mit WhatsApp ist eigentlich nicht möglich, da mit XMPP nur direkte Kommunikation möglich ist, die App bisher nur für Android zur Verfügung steht und viele Funktionen wie Datenaustausch nicht möglich sind.
Dafür gibt es zahllose Clients mit denen Conversations kommunizieren kann, die Kommunikation ist absolut sicher und wer die 1,99 € für die App nicht bezahlen möchte, der kann kurz bei GitHub vorbei schauen und die App selber kompilieren.
Interessantes Projekt, aber wohl immer noch eher was für Technikfreaks.
