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Veröffentlicht am Allgemein · Android Custom Roms · Features 5 Min. Lesezeit

Special: Custom-ROMs #3. Replicant

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Replicant besitzt trotz geringer Nutzerzahlen eine besondere Stellung unter den Custom-ROMs, da sie einen konsequenten Ansatz verfolgt.

Der Open-Source-Gedanke, also die Unterstützung freier Software und offenen Quellcodes, hat in der Entwickler-Gemeinde einen hohen Stellenwert. So ist das Betriebssystem Android grundsätzlich ein Open-Source-Projekt, das allerdings normalerweise nur mit Hilfe proprietärer, also geschlossener, Software läuft. Replicant ist der alleinige Verfechter vom wirklichen Open Source.

Ziele

Replicant strebt an, eine ROM zu entwickeln, die auf jedwede proprietäre Software verzichten kann und somit die volle Kontrolle über das eigene Gerät dem Nutzer überlässt. Alle Google-eigenen Apps und Systemanteile sollen durch freie Software und freien Code ersetzt werden, genauso wie die Treiber der Hersteller. Bedingt dadurch spielt auch der Sicherheitsaspekt eine besondere Rolle bei der Entwicklung.

Geschichte

replicant-4.2-crespo-f-droidBegonnen hat alles mit der Entwicklung für das Smartphone HTC Dream, für das ein komplett freies Betriebssystem entstehen sollte. Dazu fanden sich vier Programmierer zusammen, die sich damit beschäftigten, Treiber für das Gerät komplett neu zu schreiben, um die unfreien Versionen von HTC zu ersetzen. Dazu gehören Googles Apps und Services, die nicht als offene Software angeboten werden. Als Play Store-Alternative wurde nach einiger Zeit F-Droid eingesetzt, das auch jetzt noch freie Software anbietet.

Anfangs nutzten die Entwickler als Basis Googles AOSP, wechselten aber Mitte 2011 auf CyanogenMod, beginnend mit Replicant Version 2.2. Nachdem einige Mitglieder des Teams abtraten, entschied sich Paul Kocialkowski, mitzuwirken. Aktuell ist er der einzige Entwickler für diese ROM. Er ist auch hauptverantwortlich für die Portierung auf einige Samsung-Geräte der Galaxy S Serie und das Nexus S.
Die aktuelle Version 4.2 von Replicant basiert auf CyanogenMod 10.1, also Android Jelly Bean, was sich laut Roadmap auch erst einmal nicht ändern wird, da es keine sicherheitsrelevanten Gründe für die Unterstützung von KitKat gebe. Die Portierung einer neuen Android-Version sei eine schwierige Aufgabe und die Vorteile rechtfertigten den Arbeitsaufwand nicht.

Erst Anfang diesen Jahres entdeckte der Programmierer eine gravierende Sicherheitslücke in einigen Samsung Galaxy-Geräten, die es einem Teil der proprietären Software ermöglicht, vollen Schreib- und Lesezugriff auf den internen Speicher des Handys zu erlangen. Die Folge ist eine theoretische Möglichkeit, dass der Hersteller oder ein anderer Angreifer ferngesteuert alle Daten lesen, übertragen und löschen dürfte. Diese Lücke wurde bis heute nicht geschlossen, aber es gibt auch Gegenstimmen, die die Wichtigkeit der Lücke in Frage stellen.

Am 2. September 2014 beschrieb Kocialkowski in einem Blogeintrag die Zukunft der ROM. Anstatt Samsung-Geräte von proprietären Treibern zu befreien, was sehr zeitaufwendig und teilweise unmöglich ist, sollen mehr Geräte mit offenen Bootloadern in den Fokus rücken. Hier nannte der Entwickler vor allem die Marke Allwinner und das Open Source-Handy Openmoko (Goldelico GTA04).

Besonderheiten

Replicant bietet im Vergleich zu allen anderen Projekten deutlich mehr Datenschutz und Kontrolle über das eigene Gerät mit dem Nachteil eines eingeschränkten Funktionsumfangs, was abhängig vom unterstützten Gerät ist. replicant-4.2-crespo-homescreenDer augenscheinlichste Unterschied zu AOSP oder CM ist die Abwesenheit von Funktionen sowie zusätzlichen Features, da alles auf Open Source ausgelegt ist.

Es gibt keinerlei Google Apps oder Services in der ROM. So wurde der Play Store durch den App Store F-Droid ersetzt und Push-Benachrichtigungen per GCM sind nicht mehr möglich. Dadurch entzieht sich der Nutzer vollkommen der Überwachung durch das Unternehmen Google, das ansonsten jeden einzelnen Schritt verfolgen kann.

Adressbuch- und Kalendersynchronisation müssen über andere Dienste erfolgen, es ist also unter Umständen sinnvoll, einen eigenen Server aufzustellen, auf dem so etwas wie OwnCloud läuft. Alternativ kann man einen Dienst wie Posteo nutzen, der ebenfalls CalDAV und CardDAV unterstützt (zwei Formate zur Synchronisation von Kalendern und Kontakten).

Google Maps wird vermutlich auch nicht laufen, daher sollte man auf eine Offline-Navigation zum Beispiel mit OpenStreetMaps zurückgreifen.

Je nach Gerät kann der Funktionsumfang mehr oder weniger stark eingeschränkt sein, da alle closed-source-Treiber per Reverse Engeneering neu geschrieben werden müssen. Das heißt, die Schnittstellen zwischen Hardware wie GPS und Software bzw. Betriebssystem werden analysiert und als Open-Source-Alternative neu geschrieben, was sehr zeitaufwendig ist. Das Betriebssystem hat dafür im Vergleich zu anderen ein sehr viel geringeres Risiko, von außen kontrolliert zu werden.

Die Oberfläche ist von CyanogenMod kaum zu unterscheiden, da Replicant ja auf CM aufbaut. Lediglich einige Einstellungspunkte wird es vermutlich nicht mehr geben.

Unterstützung erhält Replicant durch die Free Software Foundation Europe die eigens eine “Free your Android“-Aktion gestartet haben.

Statistik

- Nutzerzahlen: leider nicht bekannt
- Aktivität: Neue Versionen erscheinen alle 1-2 Jahre, übernehmen aber nicht unbedingt die aktuellste API, Entwickler ist etwa 5 mal im Monat aktiv.
- Verbreitung: Replicant 4.2 unterstützt 13 Modelle.
- Download: offiziell

Fazit

Android Replicant ist ein absolutes Nischenprodukt für echte Idealisten. Nicht viele Nutzer werden diese ROM installieren oder installieren können, da Funktionen fehlen oder Geräte nicht unterstützt werden. Trotz der geringen Verbreitung ist die Philosophie hinter diesem Projekt besonders wichtig in der digitalen Entwicklung, wo Firmen dem Nutzer immer weniger Rechte über ihr gekauftes Produkt überlassen. Es ist zu hoffen, dass sich die Open Source Bewegung in Zukunft noch besser vernetzt, um gemeinsam an Treiber-Datenbanken zu arbeiten.

Das Projekt erinnert daran, dass Verbraucher gefordert sind, den Unternehmen auf die Füße zu treten und für mehr Offenheit zu plädieren. Zum Beispiel, indem Geräte gekauft werden, die im Vorfeld möglichst offen sind.

Replicant glänzt nicht durch High-End, es glänzt durch Konsequenz, die Verbrauchern oft fehlt.

Leider konnte die ROM wegen fehlender Hardware nicht selbst getestet werden. Gibt es unter den Lesern Nutzer mit Geräten, die Replicant unterstützt? Dann wird um Berichte über die Erlebnisse in den Kommentaren gebeten!

Quellen:
Wikipedia
F-Droid
Samsung Security Flaw
Replicant
FSFE Aktion
Bildinhaber: Replicant
 
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