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Veröffentlicht am Android Custom Roms · Android-Themen · Features 7 Min. Lesezeit

Special: Custom-ROMs #1. Was ist das überhaupt? Ein Überblick.

Immer wieder hört man von sogenannten Custom-ROMs. Was ist das und wofür braucht man sowas? Dieser Artikel klärt auf.

Auf jedem Android-Smartphone ist Googles Android-Betriebssystem vorinstalliert. Mit etwas Aufwand lassen sich veränderte Android-Versionen, sogenannte Custom-ROMs (CR) installieren. Was das ist, wie das geht und welche Varianten es gibt, damit beschäftigt sich ein Themen-Special in den nächsten Wochen.

Das System Android

Zum Verständnis einer CR ist ein kurzer Einblick in die Welt von Android notwendig: Android ist ein Betriebssystem für mobile Geräte wie Smartphones, Tablets und neuerdings auch Uhren oder Autos, das von Google entwickelt wurde. Dieses Betriebssystem steht grundsätzlich jedem quelloffen (Open Source) zur freien Nutzung und Modifikation zur Verfügung. Es wird von Google unter dem Projektnamen AOSP (Android Open Source Project) zum Download bereitgestellt. Die kostenlose Nutzung ist ein Grund dafür, dass sich dieses Betriebssystem so schnell bei den Geräteherstellern durchgesetzt hat, birgt aber auch das Problem der Fragmentierung.

Jeder Hersteller von Android-Geräten verpasst dem Betriebssystem, auch Firmware genannte, ein Corporate Identity und optimiert es auf die eigene Geräte-Hardware. Es werden eigene App-Pakete installiert (oft als Bloatware bezeichnet), die den Funktionsumfang erweitern oder Services bewerben. Das ist der Grund dafür, dass die Oberflächen der Hersteller so voneinander abweichen können.

Da die Firmware also nicht direkt von Google kommt, ist der Nutzer abhängig vom Hersteller, wenn es um Fehlerbehebungen und Updates geht. Hat Google wieder mal eine neue Android-Version mit einem neuen leckeren Süßigkeitennamen herausgebracht, so muss gewartet werden, bis der Hersteller diese Version so umgebaut hat, dass sie auf dem jeweiligen Gerät läuft. Eine Ausnahme bilden Googles Nexus-Geräte, die mit reinem AOSP ausgestattet sind.

Gibt es eine Möglichkeit, diese Abhängigkeit zu umgehen? Ja, die gibt es. Denn nicht nur Hersteller wie HTC, Samsung oder Motorola können eigene, angepasste Firmwares entwickeln, sondern jeder, der entsprechende Fähigkeiten besitzt, darf diese Firmware an die eigenen Ansprüche anpassen und auch veröffentlichen.

Dazu gibt es zwei Wege:

  1. Die Hersteller-Firmware wird optimiert, indem Bloatware entfernt oder Einstellungen hinzugefügt und die Oberfläche verändert wird.
  2. Die Android-Quelle AOSP wird, wenn nötig, mit Treibern für das entsprechende Gerät ausgestattet und der Quellcode auf die eigenen Bedürfnisse angepasst.

In Communitys wie xda-developers.com oder android-hilfe.de finden sich Entwickler, die ihre optimierten Android-Distributionen zeigen. So haben sich mit der Zeit einige Gruppen zusammengefunden, die sich mit einer bestimmten ROM (ein weiterer Begriff für Betriebssystem oder Firmware) einen Namen gemacht haben, wie zum Beispiel CyanogenMod, AOKP oder ParanoidAndroid. Dahinter steckt immer eine bestimmte Zielsetzung oder Philosophie, sodass es sich lohnt, die verschiedenen ROMs einmal miteinander zu vergleichen.

In den nächsten Wochen werden ein paar der bekannteren ROMs vorgestellt.

Was sind die Vorteile von Custom-ROMs?

Der größte Vorteil liegt vor allem darin, dass der Nutzer wieder Herr über das Smartphone ist und nicht mehr abhängig von einem Hersteller, dem eher daran gelegen ist, neue Geräte zu verkaufen, als Service zu bieten. Und es besteht die Möglichkeit, sich ggf. sogar aktiv an der Weiterentwicklung zu beteiligen.

CRs werden für gewöhnlich permanent verbessert. Fehler werden behoben und die Performance für die Geräte optimiert. Die Hersteller hingegen unterstützen ihre Geräte nur eine begrenzte Zeit und reagieren längst nicht so schnell wie unabhängige Entwickler auf Fehler.

Selbst aktuelle Android-Versionen werden von der Community für ältere Geräte portiert, auch wenn diese offiziell nicht mehr unterstützt werden, weil die Leistung vielleicht nicht mehr ausreicht. Das erhöht zwar nicht unbedingt die Geschwindigkeit, aber man hat eine größere Auswahl, bleibt am Zahn der Zeit und kann Apps nutzen, die nur auf aktuellen Systemen laufen.

CRs bieten eine riesige Vielfalt von Einstellungsmöglichkeiten, welche über alles hinaus gehen, was Stock-ROMs bieten. So lassen sich die Oberfläche häufig über Themes verschönern, die Handhabung auf die eigenen Bedürfnisse anpassen oder Sicherheitsmechanismen einstellen.

Auch der Funktionsumfang geht deutlich über das hinaus, was die Betriebssysteme der Hersteller mitbringen. Als Beispiele sind bessere VPN-Unterstützung, Tethering, Gestensteuerung oder gerätespezifische Funktionen zu nennen. Dazu gehört auch das Overclocking und Undervolting, um mehr Leistung aus dem Handy zu holen. Auf die Besonderheiten und Funktionen der unterschiedlichen ROMs wird in den nächsten Wochen in einzelnen Specials eingegangen.

Ein weiterer Vorteil ergibt sich auch aus den notwendigen Vorbereitungen. So lässt sich von einem gerooteten System sehr viel besser ein Backup erstellen als von einem geschlossenen System.

Gibt es auch Nachteile?

Wie überall finden sich auch einige negative Aspekte rund um das Thema CRs. Das Rooten eines Smartphones ist mit der Gefahr verbunden, die erweiterte Garantie des Herstellers zu verlieren. Die zwei Jahre Gewährleistung sind davon zwar laut deutschem Recht nicht betroffen, aber darüber hinaus schränken die Hersteller die Garantie normalerweise ein. Ist dem Nutzer die Bedeutung von Root nicht bewusst, so kann es auch hier zu einem Sicherheitsrisiko kommen, da Apps mit Root-Berechtigung erheblichen Schaden am System anrichten könnten. Außerdem sollte man sich bewusst sein, dass grobe Fehler bei der Installation dazu führen können, dass das Smartphone unwiederbringlich zerstört (brickt), was auch durch eine Gewährleistung nicht mehr gedeckt wäre. Ein gutes Verständnis der Anleitung ist daher unbedingt notwendig.

In ganz seltenen Fällen können CRs durch falsche Parameter sogar die Hardware zerstören. So ist es zum Beispiel schon passiert, dass die Werte für die Blitz-LED so hoch eingestellt waren, dass dieses durchgebrannt sind. Als Vorsichtsmaßnahme ist es daher wichtig, vor der Installation nach Reaktionen anderer Nutzer zu suchen.

Ein weiterer Nachteil ist bei manchen Geräten, dass sogar Hersteller-spezifische Funktionen verloren gehen, da sie nur durch das Hersteller-System abgedeckt sind. Bei Samsung-Smartphones existiert zum Beispiel eine „One-Handed Operation“-Funktion, die nicht durch andere Betriebssysteme unterstützt werden kann.

Die größte Hürde für viele Nutzer dürfte sein, dass die Installation in den meisten Fällen doch recht komplex ist und ein gewisses technisches Verständnis sowie vielleicht etwas Lust am Frickeln notwendig sind

Hat man die Vor- bzw. Nachteile abgewogen und entscheidet sich dafür, eine CR aufzuspielen stellt sich also die Frage, wie.

Wie installiere ich eine Custom ROM?

Leider gibt es keine allgemeingültige Installationsanleitung, sondern es gelten für jedes Gerät andere Maßnahmen. Und es ist einiges an Recherche notwendig.

Allgemein kann man sagen, dass das Gerät gerootet und eine Custom Recovery installiert sein muss. Anschließend wird die ROM in Form einer ZIP-Datei auf dem internen Speicher abgelegt, die dann über die Custom Recovery installiert werden kann.

So könnte ein ROM-Wechsel aussehen:

1. Eine Information bei einem oder mehreren der bekannten CR-Entwicklerseiten, wie zum Beispiel CyanogenMod, ist ratsam, um zu prüfen, ob das jeweilige Gerät dort unterstützt wird. Bei positivem Ergebnis findet sich häufig auch gleich eine Installationsanleitung. Sollte ein Begriff unbekannt sein, so ist eine Recherche unbedingt erforderlich. Es ist wichtig, dass die durchgeführten Schritte verstanden werden. Einige wichtige Begriffe werden zum Beispiel HIER erklärt.

2. Sollte auf den Entwicklerseiten keine passende Information gefunden werden oder der Wunsch nach weiterer Information bestehen, sind Foren wie android-hilfe.de (de) oder xda-developers.com (eng) empfehlenswert. Dort finden sich meistens unzählige CRs, Root-Anleitungen und weitergehende Informationen zum jeweiligen Gerät. Es empfiehlt sich, mit den Stickies zu beginnen und die allgemeinen Anleitungen gut durchzulesen.
Gerade Besonderheiten wie Knox, geschützte Bootloader oder ein Flash Counter sollten bekannt sein, aber auch wie man wieder zurück zum Ursprung gelangt.

3. Nachdem ein Überblick über die Begriffe und die Besonderheiten verschafft und eine Entscheidung für eine CR getroffen wurde, kann mit der Installation begonnen werden.

4. Das Gerät muss zuerst gerootet werden. Dafür ist es teilweise nötig, das Handy am Computer anzuschließen, um über eine Software etwas einzuspielen. Oder es wird eine App wie TowelRoot ausgeführt.

5. Nun wird im nächsten Schritt für gewöhnlich eine Custom Recovery wie Clockwormod Recovery oder TWRP installiert, falls nicht schon beim Rooten geschehen.

6. Anschließend kann ein Backup des bestehenden Systems vorgenommen werden, um wieder zum Ausgangspunkt zurückzukommen, falls etwas schief läuft. Wurde das Handy schon einige Zeit genutzt, so empfiehlt es sich, sowohl ein Backup der Apps und Einstellungen mit der App Titanium Backup als auch ein Vollbackup über die Recovery anzulegen.

7. Im letzten Schritt wird die CR über die Recovery installiert. Dabei werden alle Daten gelöscht und beim Neustart wird der Nutzer von einem frischen, schnellen System empfangen – die Einrichtung kann beginnen.

Sollte bei der Recherche erfolglos gewesen sein, so liegt das häufig an sehr restriktiven Sicherheitsmechanismen des Herstellers oder schlicht daran, dass das jeweilige Gerät einfach zu unbekannt/uninteressant ist. Dann bleibt nur, auf reguläre Updates zu hoffen.

Es sei betont: Eine Garantie für einen fehlerfreien Verlauf kann nicht gegeben werden. Eine Verantwortung für „zerstörte“ Geräte wird nicht übernommen.

Es wird gehofft, dass ein kleiner Überblick über die Vorteile und Risiken, aber auch über die Hintergründe und Arbeitsschritte verschafft werden konnte. Vielleicht konnte das grundlegende Interesse geweckt werden?

Weitere Specials mit CR-Einzelvorstellungen folgen in den nächsten Wochen und Monaten.

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