Nach der Präsentation von Samsungs Flaggschiff Galaxy S 4 sind die Lager etwas gespalten. Die einen vermissen Innovation, die anderen freuen sich über ein riesiges Display und tolle Samsung Funktionen. Doch abseits der technischen Innovationen: Gibt es eigentlich Samsung-Fanboys?
Apple wird bei so ziemlich jeder Produktvorstellung zwar eine evolutionäre Weiterentwicklung attestiert, Revolutionen lieferte das Unternehmen zuletzt aber nicht mehr ab. Samsung ist jetzt auch an diesem Punkt angekommen. Das Ende der Fahnenstange ist erreicht, Smartphones können technisch nicht mehr wirklich besser werden, nur mit der Software kann man sich noch prägnant von anderen abgrenzen.
Auch andere Hersteller wird dieses Schicksal früher oder später treffen. Samsung baut seit Jahren Top-Hardware zu bauen (egal ob Kunststoffgehäuse oder nicht), so dass es jetzt kaum noch Spielraum für bahnbrechende Neuerungen gibt.
Wird sich das Galaxy S 4 deshalb schlechter verkaufen? Vermutlich nicht, wie erste Vorbestellungszahlen gestern nahelegten. Samsung hat vor allem 2012 die Galaxy-Marke so stark aufgebaut, dass es nicht mehr darum geht, die tollste Hardware mit der neuesten Software auf dem Markt zu platzieren.
Was ist eigentlich ein Fanboy?
Aber gibt es so etwas wie Samsung-Fanboys, die mit dem Unternehmen durch dick und dünn gehen und das Gerät einfach kaufen? Der Dudenverlag definiert Fanboys als “fanatische Anhänger von bestimmten Marken, Produkte oder popkultureller Phänomene”. Angenommen, Samsung macht sich irgendwann wie Amazon mit einer eigenen Android-Version selbstständig. Wie viele folgen den Koreanern in dem Fall?
Durch das Niedrigpreis-Segment mit Galaxy Ace und Co., die massive Werbung bei Olympischen Spielen in London und das Guerilla-Marketing mit ordentlich Apple-Bashing haben sich die Galaxys als eine Art Smartphone-Standard etabliert. Die Kunden rennen nicht in den nächsten Smartphone-Shop und fragen nach dem neuesten Samsung-Smartphone mit Android, sie fragen nach einem Galaxy.
Aber sind da viele Fanboys drunter? Gibt es einen Kult um Samsung? Oder ist das alles nur das Ergebnis von viel und gezieltem Marketing? Ein mit viel Geld gekaufter Erfolg?
Kult-Level
Die Masse macht den Markt, nicht der eingeschnappte Techblogger, der die Präsentation des Galaxy S 4 langweilig fand. Noch ist Samsung nicht auf dem Kult-Level, auf dem sich Apple befindet. Während echte iSheep ohne mit der Wimper zu zucken zum neuen iPhone greifen, dürfte die Zahl der S-heep sehr viel geringer ausfallen. Ein Fanboy ist emotional an Produkte gebunden, eine Sache, die keiner so perfekt transportiert wie Apple. Schafft das Samsung auch, bzw. will Samsung das überhaupt schaffen?
Samsung versucht seit geraumer Zeit, in der Werbung ebenfalls die emotionale Schiene zu fahren. Gekrönt wird das mit Software-Features wie der Dual Camera Funktion, die es ermöglicht, sich selbst als Fotograf mit auf einem Gruppenbild zu platzieren. Ein emotional ergreifender Moment? Wohl kaum, zumal man mit jedem Bildbearbeitungsprogramm bessere Ergebnisse erzielen kann.
Aber mit eben solchen Werbebotschaften versucht Samsung seine Smartphones emotional aufzuladen. Die Leute sollen das Produkt nutzen und lieben lernen. Wie unpraktisch ein bestimmtes Feature ist, spielt keine Rolle, solange es sich gut vermarkten lässt. Hier ein paar Beispielvideos, die diese Funktionen und den fraglichen “Mehrwert” eines Galaxy S 4 zeigen:
Kann man mit solchen Funktionen tatsächlich Fanboys erschaffen? Kann man über den langen Zeitraum von der Präsentation, die ganz auf das neue, menschelnde “Lebensbegleiter”-Konzept ausgerichtet war, bis zum Verkaufsstart des Geräts die Spannung aufrecht erhalten? Von Apple kennt man das so: Ein Gerät wird vorgestellt, am nächsten Tag ist es vorbestellbar und 1,5 Wochen später ist zu einem bekannten Preis in der Regel überall verfügbar.
Samsung hingegen stellt ein Gerät vor, nennt nicht alle technischen Details, es gibt keine konkreten Aussagen zu Verfügbarkeit und Preis. So kann man doch niemanden an ein Gerät binden, oder etwa doch?
Große Community
Es gibt eine sehr große Samsung-Community, die auf Samsung Smartphones schwört. Diese Community beschäftigt sich jedoch zum größten Teil damit, alternative ROMs für die Samsung-Hardware zu finden. Also genau weg von dem, womit Samsung versucht, die Kundschaft zu binden. Sind das dann Fanboys? Oder sind es eher technikbegeisterte Leute, die hochwertige Hardware zum Experimentieren suchen?
Spielt es überhaupt eine Rolle, ob es Fanboys sind oder nicht? Wie loyal sind diese Kunden? Bleiben sie auch bei einem Samsung-Smartphone, wenn dieses nicht mit dem flexiblen Android-System ausgestattet ist, sondern vielleicht mit Tizen läuft? Oder sind das die Kunden, die bei einem besseren Gesamtpaket auch gerne einmal den Hersteller wechseln?
Nexus-Serie attraktiver?
Das Galaxy S 4 wird reißenden Absatz finden, das steht außer Frage, genauso wie außer Frage steht, dass es sich hier um ein hochklassiges Smartphone handelt. Mehr als Samsung hat im Fanboy-Sinn aber Android zu bieten. Googles Nexus-Marke ist für Fans wesentlich attraktiver, sowohl preislich als auch wegen der Aussicht auf sofortige Systemupdates. Die Android-Fanboys verteilen sich also unter Umständen sogar noch auf mehrere Hersteller.
Die Theorie: Der Fanboy in klassischem Sinn existiert bei Samsung nicht, auch wenn Samsung dies gerne glauben machen möchte. Marketing spielt eine große Rolle, um die Masse zu erreichen, und da hat Samsung in den letzten Jahren sehr gut vorgesorgt. Doch die Masse ersetzt keine kleine Elite aus Meinungsmachern, die ein Gerät zum subkulturellen Kultobjekt ausrufen.
Die Frage ist: Gibt es Samsung-Fanboys? Wird es sie geben? Wie entscheidend sind sie für den Erfolg des Galaxy S 4? Oder lullt Samsung nur die breite Masse mit seiner Galaxy-Werbung ein?


