Einem Bericht zufolge ist man bei Google nicht glücklich über Samsungs übergroßen Erfolg mit Android.
Android hat sich für Samsung bislang als Goldgrube erwiesen, für Google auch, wenn auch in einer anderen, kleineren Größenordnung. Samsung baut acht der zehn beliebtesten Android-Smartphones, wie eine Studie kürzlich ergab. Laut eines aktuellen Berichts des Wall Street Journals stammen 40 Prozent aller verkauften Android-Geräte aus den Samsung-Werkshallen. Samsung selbst veröffentlichte heute eine Infografik, derzufolge die Koreaner jedes dritte verkaufte Smartphone weltweit fertigen.
Es gibt verschiedene Gründe für Samsungs Erfolg, der den Google-Offiziellen offenbar langsam aber sicher unheimlich zu werden beginnt.
Wie es in dem WSJ-Artikel heißt, ist man bei Google beunruhigt, weil Samsung seine Dominanz dafür ausnutzen könnte, seine geschäftlichen Arrangements mit Google neu zu verhandeln. Tatsächlich birgt sie jede Menge Erpressungspotenzial: Am Ende könnte Samsung dem Beispiel von Amazon folgen und eine eigene Android-Version ohne jeden Bezug zur Google-Welt aufsetzen. Google bräuchte Samsung mehr als Samsung Google.
Doch nicht nur das: Ist ein Unternehmen erst einmal so dominant wie Samsung geworden, wird es immer schwerer für andere Hersteller, mit ihm zu konkurrieren. LG, HTC und Sony bekommen das derzeit mit voller Wucht zu spüren – begleitet allerdings von eigenen Fehlern und schmaleren Budgets. HTC muss mit seinem neuen Spitzenmodell HTC One punkten, Sony will 2013 zwar den endgültigen Durchbruch schaffen. Ob das gelingt, muss sich jedoch erst einmal zeigen.
Wettbewerb ist aber wichtig, weil er dazu führt, dass Anbieter ihre Preise senken oder ihre Produkte weiterentwickeln, um für die Kunden weiter attraktiv zu bleiben. Ein funktionierender Wettbewerb beugt der Entstehung allzu starker gesellschaftlicher und politischer Machtstellungen vor. So schreiben es zumindest die Wettbewerbshüter des Bundeskartellamts in einer aktuellen Broschüre.
Eine drohende Folge: Die anderen Hersteller wenden sich von Android ab und suchen ihr Heil mit anderen, konkurrierenden Betriebssystemen. Erste Anzeichen gibt es bereits: HTC setzt neben Android auf Windows Phone, wie CEO Peter Chou kürzlich im Interview mit The Verge verriet. Sony gab im Rahmen des MWC 2013 bekannt, für 2014 den Release eines eigenen Modells mit Firefox OS anzupeilen. ZTE will mit dem ZTE Open schon 2013 das erste Firefox-Gerät auf den Markt bringen. Was, wenn sie mit den OS-Alternativen irgendwann mehr Erfolg haben als mit Android?
Auch Händler und Provider sehen die Entwicklung mit Sorge. Allister Jones, der beim US-amerikanischen Unternehmen Best Buy als Marketingchef arbeitet, sagte im Interview mit venturebeat, die Kunden müssten auf der Suche nach dem passenden Smartphone mehr als zwei Auswahlmöglichkeiten haben: “We need HTC back in the market.”
Die europäischen Provider setzen gleich eine Ebene höher an: Ihnen ist die Dominanz von Android und iOS ein Dorn im Auge. Sie wollen das Duopol der beiden Systeme brechen und setzen ihre Hoffnungen dabei auf Firefox OS – an dem Samsung übrigens angeblich kein Interesse hat.
Google selbst wird versuchen, Samsung verstärkt mit eigener Hardware die Stirn zu bieten und das Wachstum des koreanischen Konzerns auf diese Weise zumindest zu verlangsamen. In vorderster Front steht dabei die Nexus-Serie, die auf die Google I/O im Mai um ein neues Nexus 7 wachsen dürfte. Auch ein verbessertes Nexus 10 und ein neues Nexus-Smartphone dürfte in diesem Jahr noch zu erwarten sein.
Motorola spielt in Googles Planungen ebenfalls eine große Rolle. Wie Andy Rubin durchblicken ließ, waren es keineswegs die Motorola-Patente, die Google zum Kauf von Motorola bewegten. Vielmehr ging es schon damals darum, sich selbst eine Art Versicherung zu schaffen, falls ein anderes Unternehmen zuviel Einfluss auf dem Android-Markt gewinnen sollte.
Mit dem Motorola X Phone will Google zusätzlich zum HTC One und dem Sony Xperia Z eine attraktive Alternative zum Samsung Galaxy S4 schaffen. Samsung hatte gestern bekannt gegeben, sein neues Android-Flaggschiff am 14. März in New York vorstellen zu wollen. Schon im April soll es angeblich in den Verkauf gehen – und sich vermutlich wie geschnitten Brot verkaufen.
