Samsung ist der einzige Hersteller, der derzeit das richtig große Geld mit Android verdient. Warum?
Gestern veröffentlichte Gartner Inc. neue Zahlen zu den aktuellen Verkäufen von Mobilgeräten. Der Absatz von Smartphones wuchs dem Unternehmen zufolge um 47 Prozent. Beherrscht wird der Markt von Samsung, das mehr Geräte als alle anderen Hersteller an den Mann bringen konnte. Die Südkoreaner konnten den Abstand zu Apple im dritten Quartal 2012 noch einmal vergrößern, was natürlich auch daran liegen dürfte, dass Apples neues iPhone 5 noch keinen Einfluss auf die Statistik hatte.
Samsungs starkes Ergebnis begründet Gartner mit der starken Nachfrage nach Galaxy-Smartphones in jeder Preisklasse. 55 Millionen dieser Geräte setzte Samsung im Zeitraum von Juli bis September ab. Das Galaxy S III verkaufte sich mittlerweile über 30 Millionen Mal, das Galaxy Note II bereits vor dem offiziellen US-Start drei Millionen Mal.
Zahlen, von denen die Konkurrenz nur träumen kann.
LG, HTC oder Sony ist es bislang nicht gelungen, in vergleichbarer Weise zu reüssieren. HTC hat sein Momentum vorerst verpasst, LG ist zwar in Asien erfolgreich, findet jedoch in Europa keinen Anschluss, Sony setzt zwar für 2013 verstärkt auf Smartphones, richtig ausgezahlt hat sich der Aufwand, mit dem z.B. das Xperia T als Bond-Phone in die Köpfe der Konsumenten eingehämmert wird, noch nicht richtig. Und alle bekommen Konkurrenz von preisgünstigen Herstellern wie Huawei und ZTE. Wie erfolgreich Google mit seinen neuen Nexus-Geräten sein wird, muss sich noch zeigen.
Tatsächlich ist Samsung der einzige Hersteller, für den Android bislang eine einzige Erfolgsgeschichte war, die ordentlich Geld ins Unternehmenssäckli spülte. Solange das Geschäft mit den Inhalten nicht richtig läuft, verdient selbst Google nicht allzuviel mit Android. Trotz des weltweit, durchschlagenden Erfolges. Analysten vermuten, dass Apple und Microsoft 2013 sogar erheblich mehr mit Android verdienen als Google selbst.
Nun stellt sich die Frage, wieviel Einfluss und Macht Samsung gewinnen darf. Eine spannende These warf Asymco-Analyst Horace Dediu hier in den virtuellen: Was wäre, wenn Samsung finanziell so erfolgreich werden würde, dass es Google theoretisch kaufen könnte? Das ist natürlich nur eine theoretisches Gedankenspiel, dennoch könnte man sich bei Google fragen, wie sehr man den Erfolg von Android eigentlich von einem Anbieter abhängig machen möchte.
Worin liegt das Geheimnis von Samsungs Riesenerfolg? Hier acht Gründe:
1. Samsungs Gerätepolitik
Obwohl oft als unübersichtlich angeprangert, bietet Samsungs Android-Fuhrpark vor allem eins: ein Gerät für jeden Geschmack und jede Geldbörse. Wer nur wenig Geld anlegen möchte, wird ebenso fündig wie derjenige, der es auf ein Oberklasse-Smartphone abgesehen hat, das neue Maßstäbe setzt. Allein in den USA verkauft Samsung über 150 Modelle. Was macht es da, wenn das Sortiment ein wenig unübersichtlich ist? Irgendwo liegt sowieso immer ein Samsung-Gerät dazwischen.
2. Samsung hört auf die Community
Einer der Hauptgründe, die für Samsung sprechen, ist wohl die Riesen-Community, die sich rund um Samsungs Geräte gebildet hat. Sie liefert Custom-Roms, hilft in hunderten Foren stante pede bei Problemen. Samsung fördert das und veröffentlicht z.B. die Kernel-Quellcodes seiner Geräte und versucht seine Updates schnell auszuliefern (auch wenn das nicht immer gelingt). Auch das Samsungs Edelgeräte, anders als viele Boliden der Konkurrenz, weiterhin mit MicroSD-Slots ausgestattet sind, dürfte stark mit dem Einfluss der Community zusammenhängen.
3. Samsung hat dreister kopiert als alle anderen
Dieser Faktor spielte wohl nur in der Anfangszeit eine Rolle, damals, als Android noch jung und unbekannt war und jedermann ein iPhone wollte. Mit seinen ähnlich aussehenden Designs holte Samsung all jene ab, die keine Lust auf teure Apple-Hardware hatten und trotzdem ein optisch ansprechendes Phone wollten. Das half bei der schnellen Verbreitung und schuf Freiraum für eigene Experimente, siehe die Note-Serie. Ein Vergleich eines Galaxy Ace mit einem iPhone kann die Ähnlichkeit verdeutlichen.
4. Genosse Trend
Inzwischen spielt auch ein anderer Faktor eine Rolle. Samsung hat es geschafft, dass sich einige Releases selbständig gemacht haben, d.h. über sie wird geredet. Es ist wohl auch Apples verbittertem Kampf gegen Samsung zu verdanken, dass Samsung von vielen als einzig wahrer Apple-Konkurrent angesehen wird. Kürzlich ließ JK Shin wissen, dass eine Einigung mit Apple nicht möglich sei. Samsung wäre auch schön blöd, auf dieses Werbemittel zu verzichten.
Jeder kennt jemanden mit Samsung-Gerät. Jeder bekommt inzwischen den schwitzigen Hype mit, der vor dem Launch eines neuen Galaxy S-Modells entsteht und Samsung viel Presse und Netzpräsenz bringt, ebenso wie die fortlaufenden juristischen Auseinandersetzungen mit Apple übrigens. Es gibt Photoshop-Fakes an allen Ecken und Enden, Gerüchte und Spekulationen ebenso. Das ist in diesem Umfang bislang keinem anderen Hersteller gelungen.
5. Samsung wagt eigene Experimente
Auch dieser Grund ergibt sich aus dem Anfangserfolg, der Samsung das finanzielle Polster für eigene Entwicklungen ermöglichte. Denn das muss der Neid Samsung lassen: Mit dem Galaxy Note ist den Koreanern ein eigener Erfolg gelungen. Erst heute, über ein Jahr nach dem Release des ersten Galaxy Note kommen so langsam die ersten Geräte der Konkurrenz, die in ähnliche Größenregionen vorstoßen. Hier profitiert Samsung merklich von einem Entwicklungsvorsprung, so wie ihn einst Apple mit dem iPhone genoss. Aber auch die Galaxy S-Serie wird sinnvoll weiterentwickelt und als eigene Marke auf dem Markt installiert.
6. Samsung entwickelt und produziert seine Hardware selber
Sicher spielt auch eine Rolle, dass Samsung selber zu den führenden Herstellern von Hardware-Komponenten wie Prozessoren und Displays gehört. So beliefert das Unternehmen z.B. Apple mit Prozessoren. Dass es bei der Entwicklung weniger als andere von Drittherstellern abhängig ist, macht Samsungs Entwicklungs- und Produktionsmöglichkeiten so effizient und kostensparend wie bei keinem anderen Hersteller.
7. Samsung hatte bereits eine funktionierende Infrastruktur
Samsung war schon ein Weltkonzern, bevor es mit Android losging. Es verfügte über funktionierende Vertriebsketten in weltweitem Maßstab und Dependencen überall auf der Welt. Konkurrenten wie HTC oder ZTE konnten oder können damit nicht aufwarten. Ein Beispiel für Schwierigkeiten beim Eintritt auf neue Märkte: Huawei und ZTE mussten sich jüngst vor dem US-Senat wegen des Verdachts auf Spionage verantworten.
8. Inkompetenz der anderen Hersteller
Auch ein Punkt, den man nicht vernachlässigen sollte. Die Entwicklung von HTC wäre möglicherweise anders verlaufen, hätten die Taiwaner dem HTC Desire ein zweites Kultgerät folgen lassen. Ebenso wäre der Erfolg von LG heute größer, wenn es keinerlei Probleme mit den Updates auf neue Android-Versionen gäbe. Die aktuelle Situation ist jedoch gegeben.
Die hier genannten Punkte tragen zum Erfolg von Samsung bei. Die Gewichtung der einzelnen Aspekte kann dabei variieren und zu unterschiedlichen Einschätzungen führen.


