Auf dem offiziellen Apple Keynote Event in San Francisco verlautbarte Tim Cook wissenswerte Neuigkeiten über die smarten Apfel-Produkte. Die nächste Generation iPhones, ein riesiges iPad, weiter Apple Watch-Modelle, ein „neues“ Apple TV und iOS 9 –Apple glaubt sich abermals ein Denkmal gebaut zu haben.
Das diesjährige Apple Keynote Event war vielleicht nicht, wie sonst üblich, ein Feuerwerk der Selbstverherrlichung – dick aufgetragen hat Tim Cook, Apple CEO, dennoch. Für all diejenigen, die ein solche Präsentation noch nicht live und in Farbe mitverfolgen durften: Apple lässt kein Stein auf dem Anderen, kein Auge bleibt trocken! Üblicherweise werden technische Neuerungen mit revolutionären Weiterentwicklungen gleichgesetzt. Apple TV ist natürlich nicht lediglich eine TV-Streaming-Box, vielmehr ist es die „Zukunft des Fernsehen“ („Future of TV“). Die Vielzahl vorgestellter neuer Produkte ließ viel Platz für Übertreibung und Erhebung und natürlich einige technische Daten.
iPhone 6S und 6s Plus
„Alles, was sich geändert hat, ist alles!“ Mit dem iPhone 6S und 6S Plus präsentiert Apple das elfte und zwölfte Gerät seiner Smartphone-Familie, deren erster Spross 2007 das Licht der Welt im sonnigen Kalifornien erblickte. In diesen acht Jahren hat Apple seine Geräte von Generation zu Generation Stück für Stück weiter optimiert, Neuerungen und technische Verbesserungen immer mit sehr viel Bedacht eingeführt, und damit fast schon einen Kult generiert, der minimale Veränderungen zum Vorgängermodell mit jährlich investierten 700 Dollar wie ein neues Raumschiff zelebriert.
Optik
Der Sprung von iPhone 6 zum 6S, gleiches gilt natürlich auch für die Plus-Variante, hinterlässt optisch kaum Spuren: Die Displaygröße von 4,7 beziehungsweise 5,5 Zoll und das Design bleiben unverändert, während das Gerät in Breite, Höhe und Stärke im Zehntelmillimeter-Bereich minimal zulegt. Grund dafür ist die Verwendung des neueren, robusteren und auch schon bei der Apple Watch zum Einsatz kommenden 7000er Aluminium – bislang eher in der Raumfahrt eingesetzt, soll die Legierung das iPhone vor dem Verbiegen bewahren. Das Display wird in der kommenden Smartphone-Generation darüber hinaus von einem stärkeren und resistenteren Glas geschützt, um das superteure Saphirglas handelt es sich hier allerdings nicht. Neben den bekannte Farboptionen Gold, Silber und Space Grau wird die Palette nun noch durch ein iPhone in Roségold-Optik erweitert.
Kamera und Touchscreen
Seit 2011 und dem damals aktuellen iPhone 4S hat sich die Kameraeinheit der Apple Smartphones kaum verändert. Nun nimmt man Abschied vom alten 8 Megapixel-Bildsensor der rückwärtigen iSight-Kamera und wartet künftig mit 12 Megapixeln Auflösung auf. Die Front-Knipse, auch FaceTime-Kamera genannt, steigert sich von 1,2 auf 5 Megapixel. Zudem fungiert das Frontdisplay künftig als True-Tone-Blitz für die Selfie-Knipse. Die „Live Foto“ Funktion hält Momente kurz vor und kurz nach der Bildaufnahme in einem kurzen Video mit reduzierter Auflösung fest.
Darüber hinaus ist das iPhone 6S ab sofort in der Lage Videos in 4K-Auflösung (3840 x 2160) mit 30 Bildern pro Sekunde anzufertigen. HD Videos stemmt die Kamera auch mit 60 fps. Leider ist ein optischer Bildstabilisator für Videos nur beim teureren iPhone 6S Plus an Board. Größter Kritikpunkt dürfte allerdings die weiterhin hervorstehende iSight-Kamera sein.
Trotz 4K-Videoaufnahmen hat sich an der Auflösung der Retina-Displays nichts geändert. Das iPhone 6S zeigt lediglich 1334 x 750, das iPhone 6S Plus 1920 x 1080 Bildpunkte an. Andere Hersteller bringen mehr Pixel auf kleiner Displays, darunter ZTE mit seinem Nubia Z9. Apple verbessert zudem mit seiner neuen iPhone-Generation den Touchscreen. Neben Multitouch gibt es jetzt auch „3D Touch“. Dahinter verbirgt sich die Force-Touch-Technologie, die bereits bei der Apple Watch zum Einsatz kam. Das Display reagiert nun auch auf Druck und schanzt der Länge der Display-Berührung mehr Bedeutung zu – Apple nennt das Peek und Pop. So sehr Tim Cook die Erweiterung der Touch-Gesten auch feierte, so wenig ist sie eine Erfindung Apples – andere Geräte, darunter das Huawei Mate S, bieten das gleiche Funktionsspektrum, natürlich für weniger Bares.
Leistung
Hinter den Alu-Fassaden des iPhone 6S und 6S Plus arbeitet mit dem A9 abermals ein 64 Bit-SoC (System-on-a-Chip) aus dem Hause Samsung. Die Prozessor-Einheit des Chips soll ganze 90% mehr Rechenleistung, die Grafik-Einheit um 70% schnellere Grafik als das Vorjahresmodell A8 zu bieten haben – der Quad-Core-Prozessor bietet eine Taktfrequenz von bis zu 2 GHz. Der bislang im iPhone zum Einsatz gekommene Arbeitsspeicher wird auf 2 Gigabyte verdoppelt und schließt somit endlich an die RAM-Kapazität eine zwei Jahre alten Samsung Galaxy S5 auf. Ferner wurde der M9-Koprozessor verbessert, der neben dem permanenten Aufzeichnen der Fitnessaktivitäten, künftig auf Wunsch dauerhaft für Siri-Anfragen zuhören soll.
Weiterhin wurde der Fingerabdrucksensor, alias Touch ID, sowie das WLAN (bis zu 866 MBit/s) beschleunigt und optimiert. Das Mobilfunkmodul erreicht den Cat 6 LTE-Standard, der Downloadgeschwindigkeiten von bis zu 300 MBit/s erreichen soll – in der Praxis werden hierzulande allerdings weitestgehend nur Geschwindigkeiten zwischen 10 bis 50 MBit/s bereitgestellt.
Je nach Ausführung, das iPhone 6S und 6S Plus wird weiterhin wahlweise mit 16 GB, 64 GB oder 128 GB angeboten, und Farbe müssen Käufer zwischen 739 und 1069 Euro für Apples Smartphone blechen. Vergleichbare Android Smartphones gibt es übrigens bereits ab 300 bis 400 Euro. Darüber hinaus soll, vorerst nur in den USA, ein Abonnement-Modell angeboten werden, über das Kunden jährlich ein neues iPhone erhalten sollen.