Zum Inhalt
n-droid.de
Veröffentlicht am Android-Apps · Soziale Netzwerke Kommunikation · Top Apps 6 Min. Lesezeit

Test: Threema – Sicherheit geht vor bei dieser WhatsApp-Alternative

Über Threema wurde in den letzten Tagen häufig als Alternative zu WhatsApp gesprochen. Daher wurde die App etwas genauer angesehen.

Threema ist ein Chat-Client wie viele andere und wirbt mit sicherer Kommunikation. Die App wird in der Schweiz produziert und unterliegt damit den dortigen strengen Datenschutzkriterien.

Handhabung und Aussehen

Die Einrichtung der App ist wohl der größte Unterschied zur weniger sicheren Konkurrenz, aber trotzdem keine wirkliche Hürde, auch für unerfahrene Nutzer. Beim ersten Start nach der Installation wird man durch mehrere Menüpunkte geführt, die mit ausreichend Erklärungen dafür sorgen, dass eine ID und ein Schlüsselpaar erstellt und optional Kontakte aus dem Adressbuch synchronisiert werden sowie die eigene Identität auf einem Server hinterlegt wird. Zudem wird die Identität, genau wie bei WhatsApp auch, mittels einer SMS verifiziert. Anschließend kann man noch einen Nickname erstellen und die ganze App auf Wunsch mit einem Masterpasswort schützen. Nach der anschließenden Synchronisation der Kontakte ist die App sofort einsatzbereit.

Nutzen einige der eigenen Kontakte aus dem Adressbuch ebenfalls schon Threema, so werden diese in einer Liste dargestellt. Die App läuft dabei sehr flüssig und startet subjektiv deutlich schneller als Whatsapp, was natürlich auch an komplett leeren Chatfenstern liegen kann.

Das Schreiben einer Nachricht oder das Erstellen einer Gruppe ist intuitiv und unproblematisch.
[Update 1:] Leider ist die Gruppenfunktion noch ziemlich unausgereift, so lassen sich nach Erstellen der Gruppe keine weiteren Kontakte hinzufügen und erstellte Gruppen lassen sich auch nicht mehr löschen.
Der Sicherheitsaspekt steht überhaupt nicht im Weg. Genau wie bei anderen Chat-Clients lassen sich Videos, Fotos und Ortsangaben verschicken sowie die Nachrichten mit diversen Emoticons individualisieren. Lediglich die Icons in der Kontaktliste sind etwas zu groß geraten. So lassen sich auf einem Smartphone nur vier Kontakte gleichzeitig darstellen. Dafür ist aber die Verknüpfung zum Adressbuch so eng, dass sich alle Kontaktinformationen über einen einfachen Klick auf das Icon präsentieren lassen.

Sicherheit und Datenschutz

Das Hauptalleinstellungsmerkmal der App ist, wie schon erwähnt, der Sicherheitsaspekt. Und der wirkt gut umgesetzt. Mittels Schlüsselpaar wird die gesamte Kommunikation, auch die Datenübertragung , z.B. von Fotos und Videos, verschlüsselt. Der private Schlüssel lässt sich lokal noch durch ein Passwort absichern, das man allerdings bei jedem Neustart des Geräts neu eingeben muss. Inwieweit das ein Mehr an Sicherheit bedeutet, lässt sich nicht einschätzen. Dies zeigt jedoch, dass sich die Entwickler wirklich Gedanken gemacht haben. Vergisst man aber diesen Schlüssel, so sind alle Nachrichten unwiederbringlich verloren, da man die App komplett neu aufsetzen muss, um sie wieder nutzen zu können.

Für diesen Fall existiert noch die Möglichkeit, ein Backup der Nachrichten auf der SD-Karte zu erstellen, das man ebenfalls wieder mit einem Passwort versehen kann. Eine Automatisierung ist hier nicht vorhanden, aber dieses Feature gibt es bei Whatsapp zum Beispiel überhaupt nicht. [Update:] Backups werden bei WA täglich um 4:00 Uhr gemacht und in den Einstellungen lassen sich auch manuelle Backups erstellen. [/Update] Schlussendlich lässt sich auch noch die App selber mit einer PIN versehen, die man nach einer selbst definierten Zeit eingeben muss, um sie weiterhin nutzen zu dürfen.

Zur besseren Nutzbarkeit werden Kontaktdaten mit einem Server abgeglichen. Hier muss man den Entwicklern der App sehr viel Vertrauen entgegen bringen. Es wird  zwar versprochen, dass nur Email und Telefonnummer verschlüsselt übertragen werden, aber überprüfen lässt sich das dank Androids grobem Berechtigungssystem nicht. Auch das optionale Opt-Out aus der Synchronisation ändert nichts daran.

Threema bietet drei Levels der vertrauenswürdigen Kommunikation. Die schwächste Stufe ist die manuelle Eingabe einer bekannten ID, die zweite Stufe wird bei Abgleich mit den Servern der Firma erreicht. Und die sicherste Ebene bekommt man durch den Beweis eines persönlichen Treffens. Hierfür scannt man gegenseitig einen QR-Code direkt vom Gerät des Kontakts ab. Das Ganze wird durch drei Punkte visualisiert, die je nach Level in Rot, Orange oder Grün eingefärbt sind.

Grundsätzlich gibt es ein letztes Bedenken, was die gesamte App angeht. Der Source Code ist nicht, wie bei sicherheitsrelevanten Apps wünschenswert, frei verfügbar und somit auch nicht kontrollierbar.  Eine Offenlegung des Codes durch die Entwickler könnte mehr Vertrauen schaffen.

Einstellungsmöglichkeiten, Verbreitung und Preis

Die App bietet alle Einstellungsmöglichkeiten, die man von einem Messenger erwartet. Von Benachrichtigungstönen über Privatsphäre bis hin zum Aussehen lässt sich einiges individualisieren. So kann man die bei WhatsApp von vielen ungeliebte Empfangsbestätigung unterbinden und die Mediengröße individuell einstellen. Auch darf man eigene Hintergründe für das Chatfenster auswählen und natürlich Klingeltöne nach Wunsch verändern.

Das größte Hindernis zur Installation der App dürften die geringen Nutzerzahlen sein. So haben laut Google Play Store erst maximal 100.000 Nutzer diese App installiert. Threema unterstützt bisher lediglich iOS und Android , daher wäre hier ist zum einen mehr Werbung gefragt und zum anderen die Unterstützung weiterer Plattformen wie Windows Phone und Firefox OS wünschenswert. Leider gibt es bisher auch noch keine Desktop-Variante. Auf der Website der Entwickler wird die Hoffnung auf eine solche geschürt. Durch eine fehlende API sind andere Systeme nicht in der Lage, mit dieser App zu kommunizieren. Hier ist also viel Potential ungenutzt.

[Update 1:] Android wird lediglich ab Version 4.0 unterstützt, was leider immer noch über 20% der Nutzer ausschließt.

Der Preis der App liegt im Google Play Store bei einmalig 1,60 € oder auf der Website bei 1,71 €, was vermutlich an den PayPal-Gebühren liegt.

Fazit

Threema muss sich, was Handhabung und Funktionsumfang betrifft, nicht hinter anderen Messengern verstecken. Die App reagiert schnell, Nachrichtenübertragungen waren im Test sehr flott und zuverlässig. Abgesehen von der Ersteinrichtung ist die Handhabung so einfach wie jede andere Chat-App. Lediglich die Kontaktliste und die gesamte Gruppenfunktion bedarf einer Optimierung.

Für die Sicherheit der App ist zwar ein Grundvertrauen in die Schweizer Firma Kasper Systems GmbH nötig, aber wenn die vorhanden ist, dann ist sowohl für den Ottonormalverbraucher ein deutlicher Sicherheitszuwachs ohne große Einschränkungen gegeben als auch für Sicherheitsfanatiker ein hohes Maß an Schutz der Daten und Privatsphäre vorhanden.

Im Vergleich zu WhatsApp bietet die App vor allem mehr Sicherheit, aber auch einen größeren Funktionsumfang, wie das Abschalten von Empfangsbestätigungen oder das Erstellen von Backups. WhatsApp besitzt im Gegensatz zu Threema eine Broadcast-Liste, die es ermöglicht, Massennachrichten zu verschicken. Auch preislich kann Threema über einen Zeitraum von zwei Jahren mit WhatsApp konkurrieren, steht aber verbreitungsmäßig quasi noch an der Startlinie.

Threema ist insgesamt eine gute App mit viel (ungenutztem) Potential und kleinen Sicherheitsbedenken.

Es stellt sich die Frage: Warum nicht schon früher?



Threema benötigt bei der Installation folgende Berechtigungen:
Netzkommunikation
Zugriff auf alle Netzwerke, Netzwerkverbindungen abrufen, Google Play-Lizenzprüfung, Daten aus dem Internet abrufen
Personenbezogene Daten Kontaktkarten lesen
Telefonanrufe Telefonstatus und Identität abrufen
System Zugriff auf geschützten Speicher testen
Konten
Konten auf dem Gerät suchen, Konten hinzufügen oder entfernen, Konten erstellen und Passwörter festlegen, Google-Servicekonfiguration lesen
Soziale Informationen
Kontakte lesen, Kontakte ändern

Weitere WhatsApp-Alternativen:

Telegram
Surespot
Heml.is
myEnigma