Eine weitere Chat-App mit End-to-End-Verschlüsselung aus der Schweiz, der aber etwas die Transparenz fehlt.
Genau wie Threema kommt myEnigma auch aus Zürich und kann gerade mit raketenhaft ansteigenden Nutzerzahlen aufwarten. So lag am Dienstag die Marke der Downloads laut Appbrain noch bei 50.000. Bei einem Blick in den Play Store zeigt sich heute, dass sich die Zahl in drei Tagen mehr als verdoppelt hat und bei 100.000-500.000 Downloads liegt.
Dabei lässt sich über die Sicherheit der App leider nur spekulieren, denn weder ist die Software Open Source, noch geben die Entwickler genaue Auskunft über die Verschlüsselungsmethoden.
In den FAQs auf der Homepage wird nur sehr schwammig von “sophisticated security mechanisms”, also fortschrittlichen Sicherheitsmechanismen, gesprochen, die auf offenen Standards aufbauten. Aber es werden keinerlei Details der Verschlüsselung offen gelegt, außer dass es sich um eine End-to-end-Verschlüsselung handeln soll und die Entwickler sowie Server-Betreiber keinen Zugriff auf den Inhalt der Nachrichten hätten. Der Implikation, dass Software aus der Schweiz grundsätzlich sicherer sein muss, ist nicht nachvollziehbar, obwohl ein Artikel der Tagesschau davon ausgeht.
Unter Android ist die App erfreulicherweise schon ab Version 2.2 kompatibel. Die Nutzerzahlen sind dementsprechend, aber wohl auch dank der Publicity, beeindruckend. Und mit Blackberry wird eine Plattform unterstützt, die kaum ein anderer sicherer Messenger anbietet. Auch für iOS gibt es eine Version, trotzdem fehlen weitere Portierungen für Desktop und andere Systeme.
Die Oberfläche scheint die Akzeptanz bei den meisten Nutzern, bei denen die Nutzerfreundlichkeit und nicht der Sicherheitsaspekt im Vordergrund steht, nicht gerade zu fördern.
Funktional allerdings ist dieser Messenger ziemlich weit vorne. Eine besondere Eigenschaft ist die Möglichkeit, bei fehlendem Datennetz die Nachricht automatisch per SMS zu versenden. Gruppenchats werden ebenso unterstützt wie der Austausch von Daten, alles in verschlüsselter Form. Die Berechtigungen der App sind allerdings entsprechend weitgreifend. Da die Kontaktliste über das Adressbuch generiert wird, hat die App vollen Zugriff darauf und auch der Zugriff auf kostenpflichtige Dienste wird benötigt um SMS verschicken zu können.
Den Vergleich mit WhatsApp muss myEnigma wohl nicht scheuen, angesichts der Funktionalität, obwohl jede Art von Sprachnachricht noch nicht integriert ist. Das Layout hingegen ist lange nicht so ansprechend wie WA, dafür ist die App kostenlos und hat keine In-App-Kosten im Rucksack. Nachteil ist gegenüber anderen Messengern mit Sicherheitsanspruch, dass hier ein vollständiges Vertrauen in die Entwickler erforderlich ist, was aus kryptografischer Sicht ein absolutes no go ist.