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Veröffentlicht am Android-Themen · Android Tablets · Geräte-Tests 9 Min. Lesezeit

Test: Nvidia Shield K1 – Das Tablet, das Spielkonsolen den Kampf ansagt

Android ist ein tolles Betriebssystem. Es ermöglicht relativ einfach neue Smartphones, Tablets und ganz andere Systeme auf den Markt zu bringen. Wie zum Beispiel die Spielkonsole Ouya. Obwohl diese zum Flop avancierte, glauben weiterhin viele Hersteller an Android. Einer davon ist Nvidia.

Die Hardware-Profis versuchen mit ihren Shield-Tablets am Thron von Playstation 4, Xbox One und Konsorten zu sägen. Nun ist das neue Modell da. Welche Neuerungen bringt das Nvidia Shield K1? Dies wird hier erläutert.

Was bietet das neue Shield?

shield-tablet-k1-built-for-gamersAuf den ersten Blick fällt einem auf, dass einem eigentlich nichts auffällt: Das schwarze, acht Zoll große Tablet sieht aus wie sein Vorgänger. Mit seiner gummierten Oberfläche liegt es gut in der Hand, zumal es mit seinen rund 360 Gramm etwas leichter als sein Vorgänger ausfällt.

Positiv ist: Der eigene Geldbeutel bleibt schwerer. Denn das neue Shield  kostet rund 150 Euro weniger als das Vorgängermodell. Das heißt, das K1 schlägt nur noch mit 199 Euro zu Buche. Mit dem neuem „Sparpreis“ setzt Nvidia ein deutlicheres Zeichen gegen verschiedene Mitbewerber. Da wären zum einen die Tablet-Konkurrenten (bspw. Samsung Galaxy Tab und Apple iPad), zum anderen attackiert man Sony, Microsoft und Nintendo mit ihren Spielkonsolen.

Für den neuen Kampfpreis wurde aber nicht gespart. Das sind die Hardware-Spezifikationen des Nvidia Shield K1:

  • 8 Zoll Multi-Touch IPS Display mit einer Auflösung von 1920×1200 Pixel (1080p Full HD
  • Prozessor: 2,2 GHz Quad Core CPU, Nvidia Tegra K1 192-Core Kepler GPU, 2 GB RAM
  • Speicher: 16 GB, mittels MicroSim-Card auf bis zu 128 GB erweiterbar
  • 2 Kameras (Front & Back) mit jeweils 5MP
  • Audio: Stereo-Lautsprecher mit eingebautem Mikrofon
  • Anschlüsse: 1x Mini-HDMI 1.4a, 1x Micro-USB 2.0, 3,5mm Kopfhöreranschluss
  • Akku: 19.75 Wattstunden
  • Betriebssystem: Android 5.1.1 („Lollipop“) bei Auslieferung mit Option auf ein baldiges Android 6.0-Update („Marshmellow“)

Zusammengefasst: Das Shield K1 bietet die gleiche Hardware wie sein Vorgänger, mit dem kleinen Unterschied, dass der Stylus wegrationalisiert wurde. Der Wegfall des Stylus stellt jedoch keinen wesentlichen Nachteil dar, da ein Stift für Gamer in der Regel nicht erforderlich ist.

Dagegen ist das Gamepad für rund 60 Euro eine extrem sinnvolle Anschaffung. Nur so wird das Shield K1 zum vermeintlichen „Konsolen-Killer“. Mehr dazu in einem späteren Absatz.

Das ultimative Tablet für Gamer?

Laut Nvidia ist das K1 angeblich je nach Einsatz bis zu doppelt so schnell sein wie ein iPad 4 oder ein Galaxy Tab S2, was folgende Benchmark-Ergebnisse unterstreichen sollen:

shield-benchmarks

Um zu schauen, ob Nvidia zumindest tendeziell Recht hat, wurde der Benchmark „The Citadel“ (basierend auf der „Unreal-Engine“) und verschiedene Demos von „3D Mark“ ausgeführt. Die Ergebnisse überraschen etwas.

Das Shield K1 erreichte bei „The Citadel“ int Ultra High Quality (Auflösung: 1920×1080) durchschnittlich 57 fps – den gleichen Wert schaffte im Testlauf auch sein Vorgänger. Somit hat sich hier nichts verändert, trotzdem gehören die Werte noch zur Spitzengruppe. Zum Vergleich: Ein Samsung Galaxy S5 Neo bringt es auf nur knapp 30 Bilder pro Sekunde.

Zieht man „3D Mark“ zur Messung heran, werden zwar auch Top-Werte bescheinigt – aber die Pole Position erreichte das Testmuster nicht. Mit seiner Performance liegt das K1 laut den Vergleichstabellen von „3D Mark“ zwischen dem alten Shield und dem kürzlich erschienenen Shield Android TV.

So schlägt es sich in der Praxis

shield-store-920x540_0002s_0002_tablet-gallery_3_0Zahlenschiebereien hin oder her: Das K1 besitzt genügend Power unter der Haube, um alle aktuellen Android-Games flüssig darzustellen. Und auch für die nächsten Generationen dürfte die Leistung locker reichen.

Da es aktuell eigentlich fast keine Games gibt, welche die Hardware ins Schwitzen bringen, hat Nvidia ein paar exklusive Titel im Angebot: Zum Beispiel spezielle Adaptionen der PC-Klassiker „Doom 3“ und „Half Life 2“, sowie angepasste Versionen von „Need for Speed: No Limits“, „CodeX – The Warrior“ oder „Unkilled“.

Software sells Hardware – diese altbekannte Weisheit hat man bei Nvidia verstanden, deswegen erscheinen ständig weitere Games, die für das Shield optimiert sind.

Eine Konkurrenz für Konsolen?

Nach dem Spielen einiger Games zeigt sich eine beeindruckende Leistung. Obwohl „Half Life 2“ schon über zehn Jahre auf dem Buckelt hat, kann es optisch und spielerisch sofort wieder überzeugen. Auch andere Shooter wie „Unkilled“, „Dead Effect 2“ oder „Modern Combat 5“ lassen einen schnell vergessen, dass die Grafikpracht „nur“ auf einem Tablet berechnet wird.

Das Gleiche Bild bei „Asphalt 8“ und „Need for Speed: No Limits“: Die Racing-Titel flutschen derart geschmeidig und prachtvoll in HD über die Mattscheibe, dass mit dem Shield das Wohnzimmer zur Spielhalle wird.

Zur Wohlfühlatmosphäre tragen neben der beeindruckenden Grafikleistung noch zwei weitere Dinge bei. Zum einen: Mittels Mini-HDMI-Anschluss wird das Spielgeschehen in Full HD auf den Fernseher gebracht. Selbst auf großen Bildschirmen sieht das Bild noch gestochen scharf aus.

shield-thumbs-554x357_0004_controller-gallery_1Zum anderen ist das Gamepad der heimliche Star der Shield-Tablets. Es liegt sehr angenehm in der Hand und bietet alle Buttons, die man von Xbox und Playstation kennt. Das heißt: Von L1 und L2 über die Shoulder-Buttons, den zwei Analog-Sticks und dem Digitalkreuz bis hin zu A, B, X und Y – fast alles ist hier genauso, wie es Gamer seit vielen Jahren kennen. Mittlerweile gibt es zahlreiche Android-Games, welche das Gamepad unterstützen. Damit kommt echtes Konsolenfeeling am Tablet auf.

Was Konsoleros ebenso kennen: Der Controller bietet in der Mitte einen Home-Button. Mit diesem gelangt man zum sogenannten „Nvidia Hub“, wo man unter anderem Shield-News lesen kann und einen schnellen Zugriff auf Spiele-Apps erhält, die sich besonders gut für das Nvidia-Tablet eignen.

Zudem startet man über den Hub den Dienst „GeForce Now“. Hierbei handelt es sich um das Nvdia-eigene Cloudgaming-Angebot, das bislang „GRID“ hieß.

Das Netflix für Games

„GRID“ waberte schon lange durch die Medien. Bereits mit dem letzten Shield-Tablet wollte Nvidia damit ganz groß durchstarten. Leider war der Dienst auf wenige Länder beschränkt. Passend zur Veröffentlichung des K1 ging das Cloud-Angebot nun endlich auch in Deutschland an den Start – und das eben unter neuem Namen.

Wer sich bei „GeForce Now“ anmeldet, kann das Angebot drei Monate lang kostenlos testen, danach werden 9,99 Euro pro Monat fällig. Für dieses Geld hat man Zugriff auf ein stetig wachsendes Portfolio an PC-Spielen: Von „Dirt 3“, „Batman: Arkham Origins“ und „Darksiders 2“ über „Lego Hobbit“, „Street Fighter X Tekken“ und „F1 2010“ bis hin zu „The Witcher 2“, „The Book of Unwritten Tales 2“ und „Grid Autosport“ wird einem eine breite Auswahl von zeitlos guten Klassikern geboten.

geforce-nowZudem bietet „GeForce Now“ neue Titel an, zu denen unter anderem „The Witcher 3“ und „Mad Max“ zählen. Hierfür muss man allerdings extra bezahlen – und das ordentlich: Nvidia bietet die Titel zum Vollpreis an. Somit schlägt das dritte „Witcher“-Game mit satten 59,99 Euro zu Buche.

Knapp 60 Euro für ein Game – das ist ganz schön teuer. Besonders, da man die Spiele nicht besitzt, indem man sie beispielsweise auf sein Tablet herunterlädt. Stattdessen werden die Games-Inhalte wie bei Video-Angeboten (bspw. Netflix oder Maxdome) gestreamt. Nur so ist es überhaupt möglich, dass PC-Games, die eigentlich die Hardware des Shield überfordern würden, auf dem Tablet dargestellt werden können.

Somit benötigt man für „GeForce Now“ eine schnelle DSL-Leitung und einen flotten WLAN-Empfang, ansonsten könnten die Daten nicht nahezu in Echtzeit auf dem Mobilgerät landen. Das heißt: 25 Mbit/s sind mindestens erforderlich, mehr als 50 Mbit/s werden empfohlen. Zudem sollte der Ping bei unter 40 ms liegen.

Bei den Testläufen mit einem VDSL50-Anschluss mokierte zwar „GeForce Now“, dass die Verbindung nicht optimal sei, trotzdem liefen die Games ohne Probleme. Selbst Action- und Racing-Games kamen nicht ins Stocken. Somit fiel nicht auf, dass die Spiele lediglich als Stream übers Internet kamen und nicht direkt auf dem Tablet erzeugt wurden.

Streaming im eigenen Haushalt

Nicht nur über die Cloud, auch über das eigene Netzwerk können PC-Spiele aufs Shield gebracht werden. Das erfolgt über den Dienst „GameStream“. Hierfür benötigt man aber einen Windows-Computer mit GeForce-GTX-Grafikkarte und die Games müssen den „GameStream“ unterstützen. Von „World of Warcraft“ bis zu „GTA V“ und „Far Cry 4“: Die Liste der unterstützen Titel ist bereits recht lang und bekommt fortlaufend neue hinzu.

„GameStream“ konnte nicht getestet werden, da der Testrechner zum alten Eisen gehört und somit die Anforderungen nicht erfüllt werden.

Was gibt es noch zu sagen?

Streaming ist das große Thema beim neuen Shield. Um diese Features nutzen zu können, benötigt man ein WLAN, das die Daten flott durch die Luft schubst. Das ist auch die einzige Möglichkeit, um Daten auf das Tablet zu bringen, denn ein LTE-Modul gibt es nicht.

Da das Shield ein Hybrid aus Handheld und Spielkonsole darstellt, ist eine gute Akkuleistung von Nöten. Im Kurzzeittest hielt die Batterie zwischen drei (z.B. bei leistungshungrigen Games und beim Cloudgaming) und fünf Stunden (im Web surfen und Videos schauen) durch, bevor sie an die Steckdose musste.

Was beim K1 wie beim vorherigen Shield-Modell leicht negativ auffällt: Der Bootvorgang dauert über 30 Sekunden. Dafür wird das Gerät nicht mehr so heiß, was ja bei einigen Modellen des Vorgängers zu einer Rückruf-Aktion führte.

Macht das K1 nun Playstation 4 und Xbox One Konkurrenz?

shield-tablet-k1-frontDarauf eine Antwort zu geben, ist schwer – denn hier vergleicht man teilweise Äpfel mit Birnen. Auch wenn jede Menge Hochleistungs-Hardware unter der schicken, schwarzen Hülle verbaut wurde, so handelt es sich beim Shield immer noch „nur“ um ein Tablet. Das neue Shield stellt ein Allround-Gerät dar, das auf einem Betriebssystem basiert, das milliardenfach zum Einsatz kommt und somit verschiedene Anforderungen meistert.

Somit kann man nicht erwarten, dass die Games für das Shield mit massiven Mehrspieler-Schlachten wie ein „Star Wars: Battlefront“ auffahren oder dass sie opulent wie ein „Assassin’s Creed: Syndicate“ aussehen. Aber es gibt schon einige Apps, die einem die Kinnlade herunterklappen lassen.

Wem die Apps nicht genügen, der muss ihre Welt verlassen und auf die integrierten Streaming-Dienste setzen. Damit wächst zusammen, was bislang nicht zusammen gehörte. Chapeau, Nvidia!

Kurz: Ja, das Shield K1 definitiv das beste Tablet für Gamer!

Aber nicht nur für diese Zielgruppe ist das Shield eine lohnenswerte Anschaffung. Da Nvidia auf ein gängiges Android setzt und den Google Play Store unterstützt, können auch alle Nicht-Gaming-Apps voll und ganz genutzt werden. Wer also zwischen zwei heißen Sessions ein paar Excel-Tabellen bearbeiten, Videos schauen oder Facebook-Posts absetzen möchte – alles kein Problem.

Fazit

Mit seinem Preis von nur 200 Euro setzt Nvidia ein deutliches Zeichen. Einerseits erhält man dafür ein hochwertiges Android-Tablet zum Arbeiten, andererseits eine vielseitige und leistungsstarke Spielmaschine für Gamer.

Das Nvidia Shield K1 ist also eine eierlegende Wollmilch-Sau, die verschiedene Zielgruppen bestens bedient. Dafür wird eine klare Kaufempfehlung ausgesprochen.