Wie bereits berichtet, trübten die unumgänglichen Huawei Datenschutz-Bestimmungen im Einrichtungs-Manager den ersten Eindruck vom Ascend P7. Ob es sich, davon einmal abgesehen, beim Huawei-Neuling um ein alltagstaugliches Smartphone handelt, klärt der Test.
Optik und Verarbeitung
Das Huawei Ascend P7 gibt es in Schwarz oder Weiß. Das weiße Modell liegt auf dem Redaktionstisch und macht mit seinem mattsilbernen Metallrahmen gleich auf den ersten Blick einen edlen Eindruck. Die flache Rückseite liegt plan auf der Ablagefläche und ist nicht abnehmbar, sprich, auch der Akku ist fest verbaut und lässt sich nicht eigenständig wechseln. Die Oberfläche des Backcovers wirkt auf den ersten Blick leicht geriffelt, ist aber aufgrund der Gorilla Glas 3 Beschichtung glatt und eben. Etwas ungünstig ist die Linse der 13 Megapixel-Kamera nebst LED-Blitz am linken oberen Rand der Rückseite platziert. Ungünstig deshalb, weil sie so nah an der Kante liegt, dass man beim Fotografieren schnell mal mit dem Mittel- oder Ringfinger davorrutscht.


Das Backcover beherbergt außerdem die silberfarbene Abdeckung des Lautsprechers, der beim Testgerät für einen überraschend lauten und ausgeglichenen Klang sorgte. Dieser wurde allerdings beim Ablegen des Handys dadurch beeinträchtigt, dass der Speaker vollständig verdeckt ist. Die Front ist ebenso wie die Rückseite mit Gorilla Glas 3 geschützt. Über dem 5 Zoll Display befinden sich ein silberfarbenes Hörer-Gitter, Sensoren sowie die Linse der 8 Megapixel Frontkamera. Wie die meisten Huawei-Smartphones hat auch das Ascend P7 erfreulicherweise eine Notification-LED, die in diesem Fall über dem Hörer-Gitter angebracht und nur im aktiven Zustand sichtbar ist.


Unter dem Screen ist lediglich ein dezent silberfarbener Huawei-Schriftzug zu sehen, da auf Sensortasten verzichtet wurde. Zurück-, Home- und Menü-/Tastkmanager-Funktionen lassen sich bei beleuchtetem Display über On-Screen Tasten ansteuern. In den silbernen Zierrahmen sind auf der rechten Außenseite eine ebenfalls silberfarbene Lautstärke-Wipptaste (die etwas größer ausfallen könnte), ein runder Ein-/Aus-/Sperr-Button sowie jeweils ein verdeckter Einschub für die MicroSim- und die MicroSD-Karte eingelassen.
In der Lade für die MicroSD-Karte gibt es beim Testmodell eine querliegende Steckmöglichkeit, die einer Nano-Simkarte Platz bietet und beim deutschen Modell eigentlich nicht vorgesehen ist. Die Software des deutschen Ascend P7 Modells ist demnach (derzeit) nicht auf eine Dual-Sim Funktion ausgerichtet. Die Steckplatz-Abdeckungen lassen sich mittels mitgelieferter Klammer öffnen. In der abgerundeten Kunststoff-Unterkante, unter der sich auch die LTE-Antenne befindet, sitzt der Steckplatz für das MicroUSB-Kabel. Der 3,5 Millimeter Audio-Anschluss ist an der Oberkante angesiedelt.


Insgesamt wirkt das Huawei Ascend P7 sehr sauber verarbeitet. Ein winzig kleiner Kritikpunkt ist ein dünner Spalt beim Randabschluss zwischen Rückseite und Unterkanten-Kunststoff. Wäre da nicht das große Display, würde man bei den schlanken Außenmaßen von 139,8 x 68,8 x 6,5 Millimetern gar nicht erwarten, einen 5 Zoller in der Hand zu haben, zumal das P7 mit 124 Gramm sehr leicht ist.


Zubehör
Mit dem Huawei Ascend P7 werden ein USB-Datenkabel mit passendem Netzteiladapter, ein robust wirkendes Stereo-Headset mit runden Ohrstöpseln, NFC-Tags sowie die Klammer zum Öffnen der MicroSD- und MicroSim-Steckplätze geliefert. Auf der Rückseite des Smartphones klebt bei Auslieferung eine Folie mit Hinweisen zu den einzelnen Bedienelementen und Tipps (beispielsweise zum Ein- und Ausschalten des Handys).
Die wichtigsten Daten des Huawei Ascend P7 im Überblick:
| Betriebssystem: | Android 4.4.2 (KitKat), EmotionUI 2.3 |
| Prozessor: | 1,8 GHz Quad-Core Hisilicon Kirin 910T |
| Display: | 5 Zoll (11,7 cm) In-Cell LCD (1920 x 1080 Pixel) |
| Arbeitsspeicher: | 2 GB |
| Interner Speicher: | 16 GB |
| MicroSD | bis 32 GB |
| Kamera: | 13 Megapixel, LED-Blitz, Autofokus |
| Videoaufnahme: | 1.080p |
| Frontkamera: | 8 Megapixel |
| Konnektivität: | WiFi b/g/n, WLAN Direct, WPS Push, DLNA, Bluetooth 4.0, NFC |
| Netzwerke: | 2G, 3G, 4G (LTE) |
| Schnittstellen: | 3,5 mm Klinkenanschluss, MicroUSB, USB OTG |
| Ortung: | A-GPS / Glonass |
| Sensoren | Näherung, Umgebungslicht, Beschleunigung, Kompass, Gyroscope |
| Akku: | 2.500 mAh |
| Maße: | 139,8 x 68,8 x 6,5 mm |
| Gewicht: | 124 g |
5 Zoll Display
Das 5 Zoll (11,7 cm) große LCD Display löst mit 1920 x 1080 Pixeln auf und ist dementsprechend knackig scharf in der Darstellung – einzelne Pixel sind auch bei genauem Hinsehen nicht zu erkennen. Aufgrund seiner In-Cell Technologie, welche die Touch-Funktion ohne dazwischen liegende Luftschicht direkt in das LCD-Panel integriert, lassen sich Seiteninhalte auch aus einem sehr engen Betrachtungswinkel noch gut ablesen. Farben werden brillant dargestellt. Wer nicht so sehr auf knallige Farben steht, hat die Möglichkeit, die Farbtemperatur im Einstellungsmenü stufenlos hoch oder herunter zu regeln. Auch die Sensibilität des gut reagierenden Touchscreens lässt sich für die Bedienung mit Handschuhen hochschalten. Direkte Sonneneinstrahlung erschwert die Ablesbarkeit aufgrund der reflektierenden Displayoberfläche erheblich – im Schatten oder bei bewölktem Himmel lässt sich die Anzeige jedoch sehr gut erkennen.
13 Megapixel-Kamera und 8 Megapixel-Frontcam
Überzeugend präsentierte sich die rückwärtig angebrachte 13 Megapixel-Kamera des Testgerätes, die mit einem hellen LED-Blitz und Autofokus ausgestattet ist. Fotoaufnahmen gelangen nicht nur bei optimaler Beleuchtung im sogenannten “Intelligenten Modus” sehr gut, kontrastreich und scharf, sondern auch bei Dämmerlicht immerhin noch recht ansehnlich und mit verhältnismäßig wenig Bildrauschen. Auf Nahaufnahmen die aus ca. 5 Zentimetern Entfernung im Automatikmodus geknipst wurden, ließen sich einzelne Details sehr gut erkennen. Zur Verbesserung der Fotos können Features wie Verschönern, HDR, Filter oder Bestes Foto genutzt werden. Außerdem gibt es einen Normal-, einen Panorama-, einen Audionotiz- und einen Audio Steuerungs-Modus sowie die Möglichkeit, Wasserzeichen hinzu zu fügen, ISO-Werte zu verändern oder den Weißabgleich zu nutzen.




Für Selfies ist die 8 Megapixel-Frontkamera dank Verschönerungs- und Lächelerkennungs-Funktion und hoher Auflösung bestens geeignet. Videos lassen sich in maximal 1.080p aufnehmen und mit einem Bildstabilisator oder dem Beauty-Modus optimieren, außerdem gibt es eine Objektverfolgungs-Option. Auch die Videofunktion wusste im Test durch ruckelfreie Aufnahmen in guter Bildqualität zu überzeugen. Zum Filmen lässt sich die Foto-LED in den Dauermodus schalten.
Prozessor, Speicher und Akku
Im Huawei Ascend P7 ist ein 1,8 Gigahertz Hisilicon Kirin 910T Prozessor mit vier Kernen verbaut, dem eine Mali-450 MP GPU und 2 Gigabyte RAM zur Seite stehen. Anwendungen öffneten sich auf dem Testgerät nahezu verzögerungsfrei, und das Abspielen von Videos oder Surfen im Internet gingen flott vonstatten, wenn zum Browsen der vorinstallierte Chrome- statt dem Standard-Browser verwendet wurde, da dieser ebenso wie Facebook zu Rucklern neigte. Beim Scrollen durch Startscreens oder Menülisten kam es ebenfalls immer wieder zu Mikrorucklern, die allerdings nach einem Zurücksetzen auf die Werkseinstellungen verschwanden und auch der EmotionUI-Benutzeroberfläche zuzuschreiben sein könnten. Im AnTuTu Benchmarktest machte das Testgerät eine recht gute Figur (siehe Screenshot).



Der 16 Gigabyte große interne Speicher lässt sich durch MicroSD-Karten um bis zu 32 Gigabyte erweitern. Außerdem schenkt Huawei seinen P7-Nutzern zeitlich unbegrenzt nutzbare 20 Gigabyte BitcasaTM infinite DriveTM Online-Speicher mit Auto-Upload Funktion für Fotos und Videos.
Mit einer Ladung des 2.500 mAh Akkus ist auch bei mehrstündiger Nutzung energieintensiver Anwendungen ein guter Betrieb über den Tag möglich. Im reinen Standby, bei aktiviertem WLAN, NFC und 3G-Netz, hielt das Testgerät zwei Tage durch, bis es wieder an die Steckdose musste. Angesichts des relativ starken Akkus wären zwar noch längere Standbyzeiten denkbar, hier macht sich aber offensichtlich die hohe Displayauflösung bemerkbar, die besonders bei Dauerbeleuchtung (beispielsweise beim Surfen im Internet) zur schnellen Akkuentladung beiträgt. Ein intelligenter Display-Beleuchtungsmodus sowie eine Energiesparfunktion, mit der sich stromfressende Anwendungen ausschalten lassen, helfen bei der Verlängerung der Standbyzeiten. Eine Besonderheit stellt der Ultra-Energiesparmodus dar, der die Menüfunktionen auf Telefon und SMS/MMS beschränk, die Darstellung in einen Schwarz/Grau-Modus schaltet und dazu beitragen soll, die Laufzeit noch einmal drastisch zu verlängern.
Software und Alltagstauglichkeit
Auf dem Huawei Ascend P7 läuft Android 4.4.2 (KitKat) mit EmotionUI-Benutzeroberfläche in der Version 2.3. Diese bringt einen eigenen Lockscreen mit, der bei einem Fingerwisch nach oben Schnellzugriffe auf häufig benötigte Anwendungen und den Music-Player öffnet und durch einen Seitenwisch entsperrt wird. Der mehrseitige Startscreen bietet eine Pull-Down Statusbar, deren Hintergrund sich beim Aufziehen cremeweiß darstellt. Einen App-Drawer gibt es nicht: Anwendungs-Icons werden automatisch auf dem Startscreen platziert, von wo aus sie sich auch direkt verschieben, deinstallieren oder in Ordner zusammenfassen lassen. Das Einstellungsmenü unterteilt sich in die Kategorien Allgemein und Alle und präsentiert sich mit schwarzer Schrift auf weißem Hintergrund und weitestgehend in der von Stock-Android gewohnten Menülisten-Unterteilung.
Wer es übersichtlich mag, kann den Startbildschirmstil in “Einfach” umstellen und findet dann sowohl auf dem mehrseitigen Startscreen als auch im Einstellungsmenü die wichtigsten Apps und Einstellungen in Kachelansicht, ähnlich wie bei Windows Phone.
Icons, Hintergründe und Menüleisten lassen sich über zahlreiche vorinstallierte und herunterladbare Themes (Designs) dem Geschmack des Nutzers anpassen, was allerdings nur für die Standard-Ansicht des Startscreens und nicht für die einfache Ansicht gilt. Einige nützliche Helferlein, wie ein Benachrichtigungsmanager, eine schwebende Schaltfläche mit Schnellzugriffen oder die Bewegungssteuerung, lassen sich den eigenen Bedürfnissen nach an- oder abschalten und konfigurieren.



Ein kleiner Wermutstropfen: Die On-Screen Tasten werden bei der Betrachtung von Videos oder beim Spielen nicht ausgeblendet, was teilweise störend wirkt und bei der Bedienung (besonders bei Spielen) stört.
Vorinstallierte Apps und Spiele
Neben den vorinstallierten Google Apps hat Huawei es bei der werkseitigen Ausstattung mit Anwendungen gut gemeint, was bei Nutzern sicher auf unterschiedliche Reaktionen stoßen dürfte. So gibt es beispielsweise ein Wetter-Widget, eine DLNA-App, Polaris Office 4.0, Magic-Tag, Twitter, Bitcasa sowie die Gameloft-Spiele Spider-Man, Dragon Mania, Green Farm 3 und Littlest Pet Shop freihaus zum P7 dazu. Ein UKW Radio und eine Spiegelfunktion sind ebenfalls installiert.



Telefonfunktion und Verbindungen
Das Ascend P7 funkt sowohl in 2G- als auch in 3G- und in 4G (LTE)-Netzen und hatte im Test mit einer O2-MicroSim im 2G- und im 3G-Netz durchweg einen guten bis sehr guten Empfang. LTE konnte aufgrund fehlenden Netzausbaus vor Ort nicht getestet werden. Die Stimmwiedergabe bei Telefonaten ist deutlich und laut genug, um auf beiden Seiten gut verstanden zu werden, dürfte allerdings etwas authentischer sein.
Verbindungen zu anderen kompatiblen Geräten lassen sich über NFC, Bluetooth 4.0, WLAN 802.11 b/g/n und den MicroUSB-Anschluss mit OTG-Unterstützung aufbauen. Der GPS-Empfänger leistete im Test auch ohne hinzugeschaltete Hilfe von Mobilfunk oder WLAN gute Arbeit und ermittelte den eigenen Standort punktgenau und in wenigen Sekunden.



Fazit
Wenn die Sache mit den ominösen Datenschutzrichtlinien nicht wäre, könnte eine nahezu uneingeschränkte Empfehlung für das Huawei Ascend P7 ausgesprochen werden. Es gibt eigentlich kaum etwas, was an dem Smartphone nicht stimmt: Der Bildschirm ist brillant, Prozessor und RAM liefern eine ordentliche Arbeit, die Connectivity-Ausstattung (inklusive NFC und LTE) ist gut, und selbst die anfänglich vorhandenen Mikroruckler beim Scrollen durch Startscreens oder Menüs waren beim Testgerät nach einem Zurücksetzen auf den Werkszustand verschwunden.
Außerdem wussten die rückwärtig verbaute 13 Megapixel-Kamera und die 8 Megapixel-Knipse auf der Front sowohl durch gute Bilder und Videos als auch durch ihre Einstellungsmöglichkeiten ebenso zu überzeugen, wie Lautstärke und Empfang bei Telefonaten.
Idealo.de listet das Huawei Ascend P7 derzeit (Stand 19. Juli 2014) ab 295 Euro in Schwarz und ab 309 Euro in Weiß.
Pro
- LTE, NFC, MicroSD-Erweiterung
- Gute Kamera
- Brillantes Display
- Extrem Schlank und leicht
- Notification-LED
Contra
- “Datenschutzrichtlinien” im Start-Manager
- On-Screen Tasten bleiben bei Spielen und Videos ständig eingeblendet
- Ungünstige Platzierung der rückwärtigen Kamera-Linse



