Dass man sich beim allerersten Start seines Android-Phones zunächst durch einen Einrichtungs-Manager hangeln muss, ist üblich und für Neulinge meistens sogar von Vorteil. Was Huawei beim Ascend P7 in diesen Manager eingebaut hat, stieß jedoch auf weniger Begeisterung.
Gestern wurde das jüngst eingetroffene Huawei Ascend P7 Testgerät in freudiger Erwartung ausgepackt (freudig, denn bisherige Erfahrungen mit Huawei Smartphones waren im puncto Preis-Leistung nicht die schlechtesten). Beim Einrichten des Androiden versetzte eine aufpoppende Liste mit Huawei Datenschutzrichtlinien zunächst in Erstaunen und nach dem Durchlesen auch in Ärger.
Nach der obligatorischen Spracheinstellung und Aufforderung zum Einlegen der Simkarte folgte nicht etwa die gewohnte Routine zum Einrichten von WLAN und Google-Konto, sondern Folgendes:
Huawei-Datenschutzrichtlinie
“Lieber Benutzer,
Huawei Technologies Co., Ltd. (nachstehend “Huawei” genannt) ist ein Unternehmen, das der Achtung Ihrer persönlichen Daten und Ihrer Privatsphäre oberste Priorität beimisst. Bitte geben Sie keine persönlichen oder vertraulichen Daten an Huawei weiter bzw. stellen Sie diese Daten Huawei nicht zur Verfügung, bevor Sie nicht diese Datenschutzerklärung gündlich gelesen, verstanden und sich mit ihr einverstanden erklärt haben.”
So weit, so gut – der Gedanke kam auf, dass dies ein netter Hinweis sei. Es sollte ein Häkchen bei „Nicht zustimmen“ gesetzt und auf „Weiter“ geklickt werden, denn eine Nutzung der Daten zu Werbezwecken ist nicht gewünscht. In diesem Fall war die Rechnung allerdings ohne den Wirt, alias Huawei, gemacht: Zwar konnte „Nicht zustimmen“ markiert werden, der „Weiter“-Button blieb jedoch ausgegraut und ließ sich nicht bedienen. Kein Feld zum Überspringen – nichts!
„Gut“, kam der Gedanke auf, „dann müsse wohl erst einmal ganz durchgescrollt werden, um ablehnen zu dürfen.“ Dies erwies sich als Irrtum! Das ersehnte „Weiter“ blieb auch am Ende der beachtlich langen Liste ausgegraut, was sich erst änderte, als ein Häkchen bei „Zustimmen“ gesetzt wurde. Ergo: Zum Startscreen und ins Menü gelangt nur, wer vorher einer ganzen Reihe Nutzungsmöglichkeiten der persönlichen Daten seitens Huawei zustimmt – und diese sind, angesichts der Tatsache, dass der Nutzer ja schließlich ein gekauftes und gezahltes Smartphone und nicht etwa ein Werbegeschenk vor sich hat, teilweise harter Tobak.
Einige Punkte der Datenschutzrichtlinien, wie beispielsweise die Erfassung der Nutzer-Daten zur Optimierung von Updates, zur Fehlerbehebung oder Registrierung des Handys, sind durchaus noch nachvollziehbar und unter Umständen sogar sinnvoll (wenngleich es ja auch die Möglichkeit gäbe, diese einzeln abzufragen, wenn benötigt), andere dagegen mehr als bedenklich: Da ist von der Nutzung von Cookies ebenso die Rede wie von der Teilnahme an Werbeaktionen oder Marktumfragen, der Nutzung der Telefonnummer des Handybesitzers oder seiner E-Mailadresse und natürlich auch der seiner Freunde / Kontakte, mal abgesehen von der Erfassung standortbasierter oder anonymisierter Daten. Alles seicht verpackt in „natürlich nur, wenn den Datenschutzrichtlinien zugestimmt wird“ - wie großzügig! Andernfalls ist die Nutzung des Handys nicht möglich.
Wer sein erstandenes Huawei Ascend P7 nicht nur als Briefbeschwerer nutzen möchte, scheint also um die Zustimmung der Datenschutz-Richtlinien nicht herum zu kommen, es sei denn, das Gerät wird gerootet und bei Verfügbarkeit eine Custom Rom geflasht. Blöd nur, dass sich Hersteller in diesem Fall bei einer möglichen Inanspruchnahme von Garantieansprüchen gerne mal querstellen.
Ist dies seitens Huawei wirklich notwendig?
Den ganzen Datenschutz-Sermon hier vollständig aufzuführen, würde den Rahmen sprengen, deshalb einzelne Punkte zum Anlesen in Screenshots. Um das ansonsten gar nicht mal so üble Huawei Ascend P7 testen zu können, erfolgte die Zustimmung zu den Richtlinien „mutig“, wenn auch zähneknirschend. Nun wird den kommenden Werbemails oder Anrufen entgegengeharrt.
Der Testbericht zum Huawei Ascend P7 wird in ein paar Tagen veröffentlicht.