Nachdem im ersten Teil des “Studieren mit Android”-Specials erst einmal die Anforderungen an die Geräte auseinandergesetzt wurden, geht es im zweiten Teil in die Praxis. Angenommen, die Studienplatzzusage sowie ein WG-Zimmer (oder ein Platz im Wohnheim) wurden erhascht und nun stehen die ersten Wochen bevor. Als Erstsemester kann es Stress pur sein, die Selbstorganisation zu wuppen, Studien- und Prüfungsordnungen zu durchschauen und sich für den Studienalltag zu motivieren (Partystudenten sind früh genug kennenzulernen).
Was “digitale Unterstützung” bedeutet
Mit den in Teil 1 vorgestellten Geräten wird digitale Unterstützung im Studienalltag erhalten. Vieles können die Geräte abnehmen – das Studieren aber nicht. “Studere” aus dem Lateinischen für “sich bemühen” heißt eben, sich auch mal in der Unibibliothek den Arsch platt zu sitzen. Auch Wikipedia wird kaum die komplexesten Zusammenhänge darbieten – als Übersicht mag das funktionieren, ansonsten ist es aber alles andere als wissenschaftlich und von Fehlern (die den Professoren eher auffallen als den Studierenden) nur so übersät. Und selbst wenn die Android-Geräte tausende Euros gekostet haben: Sie übernehmen weder das Schreiben noch das Lernen, werden Ideen und Gedankengänge kaum interpretieren können. Die meiste Arbeit bleibt also beim Nutzer.
Geisteswissenschaftler sollten sich deshalb über Apps mit ihrer Literatur vertraut machen (können), Studenten der MINT-Fächer (Mathe, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) möglichst mächtige Werkzeuge an die Hand bekommen, um Formeln Herr zu werden. Im Folgenden nun also sinnvolle Apps, nah am Studienalltag, um das Studienchaos zu bändigen. Mit Apps für die Umsetzung von Seminararbeiten oder Präsentationen wird sich im dritten (und letzten) Teil beschäftigt. Jede der vorgestellten Applikationen steht exemplarisch für die zahlreichen Alternativen im PlayStore, haben sich aber in den letzten Jahren gut beim Studium bewährt.
Gemeinsame Apps
Der Campus-Navigator
Zunächst einmal wird Orientierung benötigt, weshalb eine Campus-App ans Herz gelegt wird. Fast jede größere Universität hat eine solche schon programmieren lassen oder reicht die entsprechenden Informationen an andere Apps weiter – so im Fall der Campus App der gleichnamigen GmbH. Dort sind Lagepläne der Campi, Mensapläne, Neuigkeiten und Events der Uni wie auch Jobs drin verzeichnet – und all das kostenlos. Dabei sollte auch in Kauf genommen werden, dass die Benutzeroberfläche etwas langsam ist und der Traffic vergleichsweise hoch. Da die Universitäten aber in der Regel ihren kompletten Campus mit kostenlosem WLAN abdecken, ist es verschmerzbar. Die App kann hier kostenlos im Google Play Store heruntergeladen werden.
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Die Bibliotheks-App
Wie bereits erwähnt: Es wird sich auch in der Bibliothek befunden. Dort lagern nun einmal die Bücher, weshalb ein Besuch in vielen Fällen unumgänglich ist, steht zwischen den Buchdeckeln doch meist das, was der Prof in Klausuren wissen möchte oder was der Seminararbeit zuträglich ist. Auch hier bieten die meisten großen Bibliotheken eine eigene App an, die unter dem Namen der jeweiligen Bibliothek im Google Play Store zu finden sein sollte. In Dresden wäre dies die SLUB. Findet sich die eigene Bibliothek nicht, bleibt der Weg über den sogenannten Web OPAC. Das ist ein Verzeichnis von über 300 universitären sowie öffentlichen Bibliotheken und bietet eine sehr gute Suche von Buchtiteln, Autoren, Filtern wie Erscheinungsjahr, Disziplinszugehörigkeit oder inhaltliche Schwerpunkte. Der Web OPAC ist hier im Google Play Store zum kostenlosen Download zu finden.
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Der eReader für digitale Bücher
Leider sind gedruckte Bücher als Neuanschaffung eine Seltenheit. Mittlerweile werden Neuveröffentlichungen lieber als digitales Miet-Exemplar aufgenommen – in der Regel übernimmt die Bibliothek als öffentliche Institution die Ausleihgebühr. Das kommt die öffentliche Hand billiger zu stehen als die sündhaft teuren Folianten großer Wissenschaftsverlage. Wie dem auch sei: Die Datei, in die das digitale Exemplar gepackt wurde, ist in der Regel mit einem Kopierschutz versehen, der das Lesen nur in bestimmten Apps möglich macht. Auf Android heißt das Mittel der Wahl Aldiko – diese App gibt es sowohl in einer kostenlosen Fassung als auch als kostenpflichtige Premium-App für faire 2,49 Euro. Es wird ausdrücklich die Premium-App empfohlen, da mit dieser im digitalen Buch Notizen eingefügt werden können. Das Hinzufügen von Tags oder Einordnen in Sammlungen beherrschen beide Versionen. Es ist jedoch zu beachten: Für den DRM-Kopierschutz wird ein kostenfreier Adobe-Account benötigt. Ohne diesen können die Bücher nicht angesehen werden. Die kostenlose Fassung von Aldiko ist hier im Google Play Store zum Download zu finden.
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Scannen
Es mag sein, dass der ein oder andere Buchtitel nicht zur Ausleihe gedacht ist. Solche Präsenzliteratur ist natürlich ein Ärgernis, da diese nicht mit nach Hause genommen werden kann. Auch hier gibt es eine praktische App, die diesen uni-Malus wett macht: Den CamScanner. Letztlich ist es nichts anderes als eine Foto-Applikation, mit der die Seiten abfotografiert werden. Doch statt den Fotoordner mit Dutzenden Dateien zu belegen, werden die Bilder zu handlichen, schnell druckbaren PDFs zusammengefasst und abgelegt. Jedes dieser Dokumente kann dann mit den Kommilitonen geteilt werden. Wobei es hier zu einer Einschränkung kommt: Nur zehn Personen kann das Dokument in der Gratisversion zugespielt werden, die mit 1,47 Euro günstige und kommerzielle Version kennt kein Limit. Und blendet denn auch die selten aufploppende Werbung komplett aus. Die kostenlose Fassung des CamScanner ist hier im Google Play Store zu finden.
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Aufnehmen von Vorlesungen – Diktiergerät
Sitzt man in den Vorlesungen und der Referent/Prof rast nur so durch die Stichworte und Powerpointfolien? Dabei kann es schwierig sein, mitzukommen! Um alles noch einmal nachhören zu können, sollten Vorlesungen akustisch mitgeschnitten werden. Das klappt mit den Android-Bordmitteln einigermaßen komfortabel und zufriedenstellend, der PlayStore bietet aber weitere Applikationen, deren Aufnahmequalität (ein gutes Mikro im Gerät vorausgesetzt) um einiges besser ist. Stellvertretend wird hier die App Diktiergerät genannt. Mit ihr kann auch die Mikrofonempfindlichkeit eingestellt werden, was in hellhörigen Hörsälen fast unumgänglich ist. Auch das Diktiergerät kann direkt über den Google Play Store heruntergeladen werden.
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Apps für Geisteswissenschaftler
Projekt Gutenberg – Die Privatbibliothek
Zugegeben: Mit den oben genannten Apps sind Geisteswissenschaftler schon gut ausgestattet – Lesen, Schreiben, Aufnehmen. Alles dabei. Deshalb sei auf eine App verwiesen, die ein großartiges Projekt unterstützt: Projekt Gutenberg. In diesem sind zehntausende Bücher der Menschheitsgeschichte aufgenommen und mit modernen Fonts lesbar gemacht worden. Von Homer über Heine bis Clausewitz – hier sind viele der alten bis heute wertvollen Texte zu finden. Auch Seiten wie http://gutenberg.spiegel.de unterstützen dies, alternativ sind im Google PlayStore mit den Filterkritierien Bücher und kostenlos weitere Werke zu finden. Die App zum Projekt Gutenberg ist im Google Play Store zum kostenlosen Download zu finden.
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Zwar wäre es noch angebracht gewesen, eine App-Alternative zum Zitierschwergewicht Citavi anzubieten – doch diese gibt es bis heute nicht.
Lexika
Die Bundeszentrale für Politische Bildung (oder kurz: bpb) ist die den Landeszentralen übergeordnete Institution, die den Bürgern der Bundesrepublik alle Informationen zum aktuellen (Welt-)Geschehen, Hintergründen, Geschichte und Zusammenhänge bereitstellt. Lexika, die App zum Bildungsauftrag, ist denn auch ein geisteswissenschaftliches (und zitierfähiges) Kaleidoskop der wichtigsten 8000 Schlagworte. Zwar ist vieles auf die Politische Bildung ausgerichtet, doch die meisten Begriffe tauchen auch in der Geschichtswissenschaft oder Soziologie auf. Die kostenlose Lexika-App ist im Google Play Store zu finden.
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Apps für die MINT-Fächer
Panecal Scientific Calculator – Der Taschenrechner
Studiert man in den MINT-Fächern, wird Mathe sicherlich das ein oder andere Mal begegnen, einhergehend mit den Formeln. Im Vergleich zum Unistoff waren die Aufgaben der Abiprüfung eine Faschingsveranstaltung. Und der Taschenrechner, der noch zu guten Resultaten verhalf, mag in seinen Möglichkeiten etwas zu beschränkt sein. Mit Panecal Scientific Calculator steht eine App zur Verfügung, die das Android-Gerät in einen wissenschaftlichen Taschenrechner verwandelt. Die App ist zuverlässig, leicht zu bedienen und kommt ohne Werbung aus. Negativ nur, dass dieser Taschenrechner nicht mit in Prüfungen genommen werden darf und eine grafische Darstellung der Ergebnisse fehlt. Für den Studienalltag aber vollends zu gebrauchen. Die Taschenrechner-App steht zum kostenlosen Download im Google Play Store zur Verfügung.
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Grafische Formelausgabe – Mathematics
Bunter und verspielter kommt Mathematics daher. Diese App ist darauf ausgelegt, grafische Funktionen zu visualisieren. Das tut sie gut und schnell, selbst anspruchsvollere Aufgaben wie das Lösen von Nullstellen oder Füllen von Formeln beherrscht die App. Kostenlos, bunt und gut. Weitere Ausführungen sind nicht nötig. Mathematics steht zum kostenfreien Download im Google Play Store bereit.
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Das Tafelwerk
Vermutlich ist diese App schon aus der Schulzeit bekannt, nur eben gedruckt. Das Tafelwerk ist die wissenschaftliche Bibel des Studiums, erspart einiges an Gewicht und beinhaltet alle relevanten Formeln und Vorgehensweisen, die benötigt werden. Gut, kostenlos und in eleganter Schlichtheit aufgemacht ist diese App eins: Top. Die schlanke und kostenlose App ist zum Download im Google Play Store zu finden.
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Wolfram Alpha
Zugegeben: Selbst als angehender Geisteswissenschaftler wird Wolfram Alpha als sehr nützlich empfunden. Anders als die Wikipedia setzt diese App nicht nur vorhandene Texte vor, die App kann mit Formeln und Fragen gefüttert und so die Inhalte kontextualisiert werden. Für jede Eingabe spuckt Wolfram Alpha nicht nur eine schnöde Antwort aus – hier wird mit Graphen, dreidimensionalen Gebilden, anderen Kontexten und den Lösungswegen um sich geschmissen. Je nach Anfrage, selbstverständlich. Im Hintergrund rattert nicht nur ein mathematisch effizienter Algorithmus, sondern auch eine Datenbank, die bis zum Bersten gefüllt ist mit Infos aller Art. Es war schon immer interessant zu wissen, wie das Wetter am 13. Juni 1963 in Frankfurt am Main gewesen ist und wie lange die Sonne an eben jenem Tag schien? Wie viele Jahre Hitler und Stalin parallel lebten oder welches Gebilde die StarWars-Formel V=r²d² auslöst? Wolfram hilft und kann fast alles beantworten.
Der Preis von gut 2,30 Euro mag happig sein – die Leistung aber ist unschätzbar wertvoll. Einschränkungen? Die App ist auf Englisch und zu bearbeitende Anfragen brauchen eine stehende Internetverbindung. Die kostenpflichtige App ist selbstverständlich im Google Play Store zum Download zu finden.
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Math Keyboard
Um den eleganten Übergang ins nächste Special zu tätigen: Die mathematische Tastatur. Von Werk an ist die Android-Tastatur nicht darauf ausgerichtet, dem MINT-Akademiker das Tippen von wissenschaftlichen Formeln zu ermöglichen. Math Keyboard schafft da Abhilfe und lässt sich komfortabel in das System einbinden. Je nachdem, welche Android-Version und -Variante vorhanden ist, reicht eine Geste oder ein Tipp auf das Wechsel-Symbol aus, um das Math Keyboard zum Vorschein zu bringen. Für Seminararbeiten unerlässlich. Die zusätzliche Tastatur gibt es als kostenlosen Download im Google Play Store.
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