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Veröffentlicht am Features 5 Min. Lesezeit

RePhone: Das modulare Papp-Smartphone im Praxistest mit ersten Experimenten

Das modulare Smart-Device ist bislang eine Enttäuschung. In exzellenten Geräten wie dem LG G5 (Test hier) angepriesen, verkommt die Idee eines Gerätes, das nach dem eigenen Gusto zusammengestellt werden kann, zu einer Farce. Mehr als eine Spielerei ist es nicht. Aber: RePhone zeigt, wie gut und interessant der Ansatz ist.

Was ist RePhone?

Das RePhone Kit ist ein modularer Bausatz, der binnen weniger Minuten zu einem funktionierenden Smart-Device zusammengesetzt werden kann. Vertrieben wird es derzeit exklusiv vom Technikfachhändler Conrad zu einem Preis von knapp 90 Euro, der zudem in Sachen Internet of Things Vorreiter der Branche ist – das RePhone kann gar als Hub für allerlei Smart-Geräte dienen, die unter- und miteinander kommunizieren sollen.

Das „Re“ in RePhone steht für Reinaissance – und den Machern zufolge für eine Neuintepretation des Telefons. Sperriger Klotz? In Aluminium gepresstes Hightech? RePhone ist nichts von beidem und in dieser Hinsicht wirklich eine Kuriosität.

Was ist im Lieferumfang enthalten?

Im Lieferumfang enthalten sind:

  • Die Hauptplatine mit Prozessor und Speicher
  • Ein Touchscreen mit 1,54 Zoll Bildschirmdiagonale
  • Ein GSM-Modul, das zur Telekommunikation, Bluetooth und WLAN genutzt wird
  • Eine Batterie mit 520 mAh Kapazität
  • Flachbandkabel mit 35 PINs
  • Zwe Pappgehäuse zum Falten (eines mit grünem Muster bedruckt, eines ohne Druck)
  • Nieten für den Zusammenbau des Devices
  • Eine reich bebilderte Beidenungsanleitung

Weitere Bauteile können quer durch alle Kategorien der Elektronik gekauft werden – das RePhone ist mit vielen Elektronikbausätzen kompatibel und ist das ultimative Angebot an Bastler mit schier unbegrenzten Einsatzmöglichkeiten.

Noch einmal auf einen Blick: Vieles hiervon ist bereits im Create-Kit enthalten, Duino-Adapter und Sensoren müssen separat erworben werden. (Bild: Seedstudio)

Wie leistungsfähig ist RePhone?

Ein Android-Smartphone im Kleinstformat sollte nicht erwartet werden. Mit 260 MHz ist der 32-bit-Prozessor langsam im Takt, 4 MB (!) Arbeitsspeicher sind von vorgestern und die geringe Auflösung des Displays sorgt für Schaudern. Modern ist anders, aber darum geht es RePhone auch gar nicht. Der Bausatz soll zum Entdecken einladen und den unter Normalusern wenig bekannten IFTTT-Dialog („If This Then That“) in breitere Kreise tragen, da dieser ein Fundament des Internet of Things ist.

Start des Zusammenbaus

Beim Öffnen der hübsch gestalteten Schachtel des RePhone wird ein sauber verpackter und gut geordneter Bausatz sichtbar, dessen Herzstück die englischsprachige Anleitung ist. Die ersten Seiten sind den einzelnen Bausteinen gewidmet  und bewerben weitere Kits, die zusätzlich zu erwerben sind. Mit dem RePhone Strap Kit for Pebble Time (die mittlerweile eingestellte Smartwatch) wird das Standard-Band der smarten Uhr durch eine Variante mit RePhone-Prozessoren und Modulen ersetzt, das RePhone Geo Kit verwandelt den Bausatz in ein Geo-Messgerät und das Lumi-Kit setzt Schnittstellen für Arduino auf.

Mit dem Create-Kit sind die Möglichkeiten beschränkter, worauf später noch eingegangen wird. Zunächst werden die Tütchen geöffnet, die Bauteile auf dem Tisch neu sortiert und mit dem Zusammenbau gestartet. An und für sich ist der nicht kompliziert, allein die Anleitung setzt voraus, bereits nach dem ersten Anschauen der Abbildungen zu begreifen, wie das RePhone montiert wird – insbesondere das Anbringen der Nieten, die letztlich das Pappgehäuse zusammenheften, gestaltet sich schwierig. Viel zu leicht gibt die Pappe nach, oft kann von der Gegenseite nicht ausreichend Druck aufgebaut werden, um die Nieten in die Öffnungen zu quetschen und zu spreizen. Mit Geduld ist das dann doch geschafft.

Großes Lob hingegen gibt es für den kompakten Aufbau und die exzellent verarbeiteten Steckverbindungen – Neueinsteiger in der Elektronik sollten ohne Vorkenntnisse alle Kabel

Der erste Start des zusammengebauten RePhone

Fertig montiert sollte das RePhone an die Steckdose gehängt und erst einmal geladen werden, was angesichts der 520 mAh im Akku nicht allzu lange dauert. Danach wird der On/Off-Knopf für 2 Sekunden gedrückt, und der Startbildschirm erscheint. Und nun? Danach können die begrenzten Einsatzmöglichkeiten des Create Kit ausgekostet werden – SMS versenden und empfangen, Kontakte einspeichern und die Einstellungen der Display-Helligkeit und Lautstärke vornehmen.

Für die Art und Weise, wie RePhone genutzt wird, ein Beispiel: Das Einpflegen eines neuen Kontakts:

Hierzu wird das angeschaltete RePhone via USB-Kabel mit dem PC verbunden und der Massenspeicher aktiviert. Das RePhone wird nun als reguläres Laufwerk angezeigt, in welchem die Datei address_book.txt zu finden ist.

Der Inhalt des RePhone. (Bild: N-Droid.de)

Hier interessiert nur die besagte Text-Datei address-book.txt, die mit jedem beliebigen Editor geöffnet werden kann. Erstaunlich? Sie ist leer. Nun wird die Zeile Format: „Name, Phone Number“. hinzugefügt und in einer zweiten Zeile Examples: (inkl. Doppelpunkt) ergänzt. In den folgenden zwanzig Zeilen (mehr speichert RePhone nicht) werden durch ein Komma getrennt Namen und Rufnummer der Kontakte in jeweils einer Zeile notiert. Das fertige Dokument könnte dann wie folgt aussehen:


Das Dokument wird abgespeichert, das RePhone vom Rechner getrennt, und schon sind erste Einträge im RePhone eingerichtet. Wird das hinter dem Telefonsymbol versteckte Menü aufgerufen, sind die eingespeicherten Kontakte sichtbar und können diese – eine eingelegte SIM-Karte vorausgesetzt – auch angerufen werden. Eine SMS zu senden benötigt ebenfalls den Umweg über die USB-Massenspeicherverwaltung – danach wird die Datei sms_book.txt aufgerufen und in jede Zeile eine Nachricht gesetzt, wobei nur acht (!) SMS-Vorlagen gespeichert werden, von denen jede eine maximale Länge von 100 Zeichen zulässt.

Das erste Experiment ist geglückt! (Foto: N-Droid.de)

Dies sind nur zwei kleine Beispiele, was sich mit dem RePhone machen lässt – und sie kratzen nur an der Oberfläche. Weitere RePhone-Projekte werden in den kommenden Wochen vorgestellt, viele davon sind auf der Seite der RePhone-Macher zu finden.

Fazit: RePhone – für Bastler gut, für Einsteiger interessant

Das RePhone mag in der Anschaffung etwas teuer sein, wenn man nur die technischen Daten betrachtet. Hinter dem reduzierten Konzept steckt ein intelligentes und leicht zusammenzubauendes Kit, das ganz bewusst Elektronik-Spielereien einlädt. Mit dem Basis-Bausatz ist zunächst wenig mehr möglich, trotz IFTTT-Dialog (der auch noch vorgestellt wird) benötigt man für viele Projekte zusätzliche Bauteile. Unterm Strich ein Bausatz, der sein Geld wert ist und in Zukunft wohl wesentlich näher am modularen Versprechen der Android-Smart-Devices dran ist, als diese in absehbarer Zeit sein werden.

Das RePhone kann im deutschen Einzelhandel exklusiv beim Elektronikfachhändler Conrad erworben werden.