Wer viel Geld für ein Smartphone ausgibt, darf zu Recht erwarten, entsprechende Qualität zu erhalten. Seit Jahren werden von der Verbraucherseite aus immer wieder Vorwürfe laut, Samsung und Co. würden am Gehäusematerial sparen, während Apple oder HTC auf hochwertigere Metallgehäuse setzen. Die Liebe zum Metall sei niemandem vergönnt, dennoch sprechen die Tatsachen für Plastik, wie dieses Statement verdeutlichen soll.
1. Physische Eigenschaften
Metall. Sieht gut aus, aber? (Foto: HTC)
Dass Metall schwerer als Kunststoff ist, liegt auf der Hand. Auch die Abschirmung von Signalen durch Metallgehäuse und die damit einhergehenden Empfangsprobleme sowie deren Lösungen wurden häufig genug thematisiert – hier stehen deshalb andere Aspekte im Fokus.
Sowohl Polycarbonat – so die Bezeichnung für den bei Smartphones üblicherweise verwendeten Kunststofftyp – als auch Aluminium verfügen über eine relativ hohe, sogenannte Schlagzähigkeit, bei einem Sturz bricht also beides nicht so leicht. Bezogen auf die Elastizität sind die Unterschiede markanter: Während sich Polycarbonat bei einer Krafteinwirkung verformt, um dann wieder seinen ursprünglichen Zustand anzunehmen, behält Alu die neue Form – das Ergebnis sind Dellen im Gehäuse. Immerhin wird die Schlagenergie vom Alu absorbiert und nicht gänzlich an die Technik im Inneren weitergeleitet, solche Macken sind jedoch unerfreulich. Moderne Kunststoffe dagegen sind unter Alltagsbedingungen schwer kaputt zu kriegen, von Kratzern mal abgesehen.
Je nach Oberflächenbehandlung sind beide Materialien anfällig für feine Kratzer, Plastik wegen der geringeren Härte tendenziell noch mehr als Alu. Das selbstheilende LG G Flex zeigt aber anschaulich, welches Material in dieser Disziplin auf lange Sicht die Nase vorn haben wird. Das Beispiel macht auch klar, weshalb die Vorzüge von Kunststoff offensichtlich sind: Dieser Werkstoff unterliegt ständigen Verbesserungen, und das Ende der Fahnenstange ist offenbar noch nicht erreicht.
Selbstheilende Rückseite. (Bild: LG)
Die guten Wärmeleiteigenschaften von Metallen verleiten zu der Annahme, derartige Gehäuse sorgen für eine bessere Kühlung. Das stimmt auch, einen tatsächlichen Nutzen bringt das aber nicht: die Kühlstrukturen im Inneren eines Smartphones leiten die Hitze so oder so ausreichend von ihrer Quelle ab – wie gut das Gehäuse die Wärme ableitet, ist für Lebensdauer und Funktion der Platinen nicht relevant. Wie angenehm ein warmes Handy für die Hand ist, die es hält, hängt wohl von der Jahreszeit ab.
2. Design
Das Erscheinungsbild vieler Kunststoffgeräte der letzten Jahre dürfte der Hauptgrund für die Ablehnung ebendieser sein: bei der geleebohnenartigen Anmutung eines SGS3 beispielsweise ist das auch gut nachvollziehbar. Ursache hierfür dürfte eine Vorstellung von Ästhetik in Fernasien sein, die von der hierzulande doch stark abweicht.
Modelle wie das SGS5, Moto X oder Nexus 5 zeigen aber, dass Kunststoffgehäuse durchaus einen hochwertigen Eindruck vermitteln können. Allein die Tatsache, das sich Plastik in einen Zustand bringen lässt, indem es sich anfühlt wie Leder, lässt auf das Potenzial und die Vielseitigkeit dieses Materials schließen. Es liegt also an den Herstellern, die Möglichkeiten voll auszuschöpfen und Smartphones ein Äußeres aus Kunststoff zu verpassen, das keinen Vergleich zu scheuen braucht.
3. Umweltverträglichkeit
Auch wenn der Punkt Umweltverträglichkeit für die meisten Verbraucher vermutlich keine ausschlaggebende Rolle spielt, soll er der Vollständigkeit halber hier Beachtung finden.
Polycarbonat basiert auf Erdöl und benötigt viele Verarbeitungsschritte, bevor es einem Smartphone seine Form geben kann. Ähnlich wie bei Erdöl setzt auch die Beschaffung von Aluminium der Umwelt zu, zum Beispiel durch die Rhodung von Urwäldern. Um Aluminium aus dem Grundstoff Bauxit gewinnen zu können, muss dieser auf rund 1000°C erhitzt und elektrolytisch aufgespalten werden, was enorme Mengen Energie erfordert. Als Abfallprodukt entsteht dabei hochgiftiger Rotschlamm, dessen Entsorgung längst nicht immer umweltgerecht erfolgt.
Einen Lichtblick gibt es allerdings: Biokunststoffe, unter anderem aus Cellulose oder Gelatine, sind auf dem Vormarsch. Im Optimalfall bestehen sie aus nachwachsenden Rohstoffen und sind kompostierbar. Nur noch eine Frage der Zeit also, bis Kunststoff auch in Hinsicht auf die Umweltfreundlichkeit das Rennen machen wird.
4. Fazit
Leicht, stabil, ideale Empfangseigenschaften, vielseitige Gestaltungsmöglichkeiten und vielversprechende Zukunftsperspektiven – das ist Kunststoff. Demgegenüber steht der Gedanke, das etwas Schwereres und Teureres eben auch etwas Besseres sein muss. Vielleicht ist es an der Zeit, umzudenken.
Welches Material wird am Smartphone bevorzugt – Plastik oder Metall?