Zum Inhalt
n-droid.de
Veröffentlicht am Android-Themen · Features · Geräte-Tests 9 Min. Lesezeit

Test: LG G Flex – Wie ein verbogener Filzlatschen

Schon vor dem Verkaufsstart machte das LG G Flex wegen seiner gebogenen Form und selbstreparierenden Rückseite Schlagzeilen. Das Gerät wurde genauer untersucht.

Design und Verarbeitung

Auf Pressefotos wirkte das LG G Flex ansprechend, doch beim Auspacken entstand der Eindruck eines verbogenen Filzlatschens. Schaut man aus einem Seitenwinkel auf das Gerät, hat sein Formfaktor zwar noch so ein “Gewisses Etwas”, bei der direkten Front- oder Rückansicht ist es schon ein ganz schöner Flatschen. Für eine objektive Betrachtung wurde das Gerät anschließend mit innerem Abstand betrachtet. Hierbei fiel ausnahmsweise mal nicht die Front mit ihrem 6 Zoll großen Display , einem darunter liegenden LG Schriftzug sowie darüber liegendem Lautsprechergitter, Sensoren, 2,1 Megapixel Front-Cam und gut versteckten Notification-LEDs zuerst ins Auge, sondern  die Rückseite des Smartlets.

Besonderes Merkmal: Der Rear Key, bestehend aus einer Wipptaste, deren Druckpunkte ziemlich weich und schwammig daherkommen sowie einer mittig liegenden Ein-/Aus-/Sperrtaste, die ihrerseits gleichzeitig als zweite, überdimensionale Notification-LED dient. Mit dem Rear Key lässt sich beispielsweise die Lautstärke regeln und die Kamera oder Notizfunktion schnellstarten. Ob die hinten angebrachten Tasten von Vor- oder Nachteil sind, ist ganz klar Geschmacksache: Während die Bedienung der Lautstärke während eines Telefonats auch nach der Eingewöhnungszeit noch besondere Aufmerksamkeit erforderte, erntet dieses Feature in manch einem anderen Testbericht wahre Lobeshymnen. Jedem das Seine. Auch tapst man beim Verfehlen des Rear Keys des Öfteren auf die darüber liegende Kameralinse, was unschöne Fingerabdrücke darauf hinterlässt.

Wenngleich sich der Sinn des gebogenen Formfaktors nicht jedem sofort erschließen mag, hat dieser zumindest einen Vorteil: Beim Ablegen des Gerätes auf die Displayseite wird der Screen durch die Wölbung vor Kratzern geschützt. Auch bei Telefonaten erweist sich die Biegung als nützlich, da sich das das Mikrofon hierdurch dichter am Mund befindet. Eine einhändige Bedienung des 160,5 x 81,6 x 8,7 Millimeter großen Smartlets ist dennoch (auch bei aktivierter Einhandbedienungsoption) kaum möglich – jedenfalls nicht mit normal großen Fingern.

Das insgesamt sehr ordentlich verarbeitete Phablet ist tatsächlich leicht biegsam, wie sich im Test erwies, als es auf die Displayseite gelegt und mittig nach unten gedrückt wurde – ein bisschen knarzte es dabei allerdings schon im Gebälk.

Sowohl der Audio-Anschluss als auch der MicroUSB-Slot befinden sich nebst Mikrofon an der Unterkante des LG G Flex, der Einschub für die MicroSim sitzt an der linken Außenseite. Dieser lässt sich mit einer mitgelieferten Klammer öffnen. Sowohl die glänzend titanfarbene Rückseite als auch das reflektierende Display scheinen Fingertapsen und Staub nahezu magisch anzuziehen – Sauberkeitsfanatiker sollten beim Mitführen eines G Flex also stets ein Putztuch zur Hand haben.

Der Kratztest

A propos Rückseite – diese ist laut LG selbstreparierend. Die Regenerationsfähigkeit soll durch einen Speziallack zustande kommen, der bei Kratzern (beispielsweise durch Schlüssel in der Tasche) immer wieder in seine ursprüngliche Form zurückfließt. Die Rückseite des Testgerätes sollte einer kleinen Schlüsselprobe unterzogen werden. Nach dem Abziehen der Schutzfolie wurde jedoch festgestellt, dass auf dem (offensichtlich schon von einer anderen Testredaktion genutzten) Device allem Anschein nach bereits ein solcher Belastungstest durchgeführt wurde, denn: Es prangte bereits einer dieser typischen Zickzack-Kratzer, die typisch für Belastungstests auf angeblich extrem belastungsfähigen Covers sind. So viel zu selbstreparierend – na ja! Zumindest feine Kratzer milderten sich innerhalb von ein paar Minuten nach dem Draufkratzen deutlich – wenngleich auch sie nicht ganz verschwanden.

Zubehör

Der ebenfalls flexible 3.500 mAh Akku ist fest verbaut und lässt sich nicht eigenständig wechseln. Im Zubehörkarton des LG G Flex befinden sich außer dem Smartphone: Ein USB-Datenkabel mit Netzteiladapter, ein qualitativ recht hochwertiges In-Ear Stereo-Headset mit Ersatzohrstöpseln, eine Kurzanleitung sowie die Klammer zum Öffnen des MicroSim-Schachtes.

Die wichtigsten Daten des LG G Flex im Überblick:

Betriebssystem: Android 4.2.2
 Prozessor:  2,3 GHz Quad-Core Qualcomm Snapdragon 800
 Display:  6 Zoll (15,24 cm) Curved POLED (1.280 x 720 Pixel)
 Arbeitsspeicher:  2 GB
 Interner Speicher:  32 GB
 MicroSD  nein
 Kamera:  13 Megapixel, Autofokus, LED-Blitz
 Videoaufnahme:  UHD (3.840 x 2.160 Pixel)
 Frontkamera:  2.1 Megapixel
 Konnektivität:  WiFi 802.11 a/b/g/n, DLNA, Bluetooth 4.0, NFC, Infrarot
 Schnittstellen:  3,5 mm Klinkenanschluss, MicroUSB, HDMI (Slimport)
 Netzwerk: 3G, 4G
 Akku: 3.500 mAh
 Maße: 160,5 x 81,6 x 8,7 mm
 Gewicht:  177 g g

Display

Das 6 Zoll (15,24 cm) große Curved POLED Display des LG G Flex ist das in Deutschland erste Display mit vertikaler Wölbung. Der Gorilla Glas 2 geschützte Screen löst mit 1.280 x 720 Pixeln auf, was für einen Bildschirm dieser Größenordnung nicht wirklich viel ist. Vorteil: Eine verhältnismäßig niedrige Auflösung geht meist zugunsten der Performance und schont den Akku. Nachteil: Die Darstellungsqualität wusste im Test nicht vollends zu überzeugen. Zwar gibt es auch bei kleinen Schriften kaum eine Treppchenbildung, auch der Kontrast ist gut – schaut man aber auf einheitlich farbige Flächen, wirken diese stets leicht unscharf, wie man es von verrauschten Fotografien her kennt (siehe Bild mit 91 %). Für ein Device der mittleren Preisklasse sicherlich akzeptabel – von einem Smartphone, das nahezu 800 Euro kosten soll, dürfte man jedoch eigentlich eine überragende Displayqualität erwarten.

Das vom Hersteller verheißene “Panoramagefühl” mag bei der Videobetrachtung trotz gebogenem Screen nicht aufkommen, dafür ist das Gerät wohl doch eher mal zu klein. Nichtsdestotrotz ist die Videobetrachtung nicht zuletzt wegen der flüssigen Performance auf dem Real RGB Display sehr angenehm.

Farben stellt der Screen sehr kräftig und brillant dar. Eine weitere Auffälligkeit gab es im Test bei der Nutzung des Telefons unter freiem Himmel. Wurde es bei direkt einfallender Sonne in einem bestimmten Neigungswinkel gehalten, wirkte es, als würde sich eine silbrige Folie unter dem Displayglas befinden, die eine Ablesbarkeit trotz ansonsten guter Ausleuchtung gänzlich unmöglich machte. Bei indirekter Beleuchtung hingegen ist die Blickwinkelstabilität gut, so dass sich Bildschirminhalte auch dann noch gut ablesen lassen, wenn man von der Seite, oben oder unten auf das Display schaut. Nützlicherweise lässt sich das Phablet durch doppeltes Tippen auf das Display aufwecken, so dass hierfür nicht immer erst der Ein-/Ausschalter gesucht werden muss.

Kamera

Die 13 Megapixel-Kamera des LG G Flex knipst bei optimalen Lichtverhältnissen gute Bilder, besonders im Nahbereich oder bei bewegten Objekten in der Serienbildfunktion. Lediglich auf Landschaftsaufnahmen lassen sich leichte Unschärfen zu den Bildrändern hin ausmachen. Die Farbintensität der Aufnahmen erwies sich im Test als sehr abhängig von herrschenden Lichtverhältnissen: Während bei Sonnenschein geknipste Bilder eine hohe Farbintensität und Brillanz aufwiesen, wirkten Fotos, die bei leicht bedecktem Himmel aufgenommen wurden, farblich recht blass. Bei Dämmerlichtaufnahmen kam es ohne den Einsatz des Blitzlicht zu leichtem Bildrauschen – die Fotoleuchte leistete gute Dienste und leuchtete einen mittelgroßen Raum gut aus.

Richtig gut gelangen Videoaufnahmen. Der Sensor steckte rasche Wechsel zwischen hellen und dunklen Bildbereichen sowie schnelle Kameraschwenks ohne Anpassungsverzögerungen oder Ruckler weg. Eine Besonderheit: Video-Aufnahmen sind in UHD-Qualität bis zu 3840 x 2160 Pixel möglich.

Software

Zum Testzeitpunkt lief auf dem LG G Flex Android 4.2.2 mit angepasster, ziemlich bunter LG Flex-Oberfläche, die werkseitig einen eigenen Lockscreen mit Echtzeit-Live-Wallpaper, einen mehrseitigen Startscreen zum Ablegen von Widgets und Anwendungen sowie einen mehrseitigen App-Drawer mit sich bringt. Mangels Softtasten werden die entsprechenden Symbole zum Aufrufen von Menü-, Homescreen oder Zurückfunktion am unteren Bildschirmrand eingeblendet. Das Einstellungsmenü unterteilt sich in die Kategorien Netzwerke, Klang, Anzeige und Allgemein.

Wer das leuchtende Flex-Schema nicht mag, kann sich das etwas dezentere LG-Theme als Oberfläche auswählen oder weitere Themes aus der LG smartWorld kostenlos herunterladen.

Neben den Google Apps und dem Google Play Store sind einige nützliche Anwendungen wie Notebook (zum Anlegen von Notizen), QuickTheater, ein UKW-Radio, ein Update-Center, Polaris Viewer 5, Quick Translator, Safety Care und ein Wörterbuch schon vorinstalliert. Auch die beliebte Quick Memo Funktion (zum Erstellen von Notizen durch Schreiben oder Zeichnen auf dem Startscreen oder Aufnahme von Screenshots), Multitasking mit Dual-Window-Funktion sowie QSlide sind integriert.

Telefonieren und Lautsprecher

Das LG G Flex funkt in 2G, 3G und LTE Netzen. Der Empfang des Testgerätes war fast durchgehend sehr gut, Klangqualität und Lautstärke bei Telefonaten gingen in Ordnung. Auch am rückwärtig angebrachten Lautsprecher ließ sich nicht viel kritisieren – bei der Musikwiedergabe lieferte er einen satten Klang und ausreichend Lautstärke. Hier erschließt sich ein weiterer Vorteil des gebogenen Gehäuses, da der Lautsprecher beim Ablegen des Handys durch die Wölbung nicht auf der Tischplatte aufliegt.

Prozessor, Speicher, Akku

Im AnTuTu Benchmark-Test war das LG G Flex das schnellste Smartphone, Smartlet oder Tablet, das bislang im Testlabor vorlag und sahnte mit sagenhaften 36.494 Punkten ab. Nun sagen Benchmark-Werte nicht immer etwas über die tatsächliche Performance des Gerätes aus, aber auch hier leistete die Kombination aus 2,3 Gigahertz Quad-Core Qualcomm Snapdragon 800 Prozessor und 2 Gigabyte RAM ganze Arbeit, denn Ruckler beim Scrollen durch Menüs oder Verzögerungen beim Öffnen von Anwendungen gab es so gut wie gar nicht. Die niedrige Displayauflösung dürfte sich zusätzlich positiv auf die Performance auswirken.

Der nicht erweiterbare interne Speicher beläuft sich auf 32 Gigabyte, von denen etwa 24 Gigabyte frei nutzbar sind. Für ein 6 Zoll-Device hat das LG G Flex eine gute Ausdauer, was nicht zuletzt am 3.500 mAh großen Akku liegen dürfte. Im Testdurchlauf musste die Kraftzelle erst nach über 22 Stunden Standby bei aktiviertem WLAN und NFC inklusive drei Stunden Videobetrachtung, vier Stunden Internet, moderatem Kameraeinsatz sowie einem halbstündigen Telefonat wieder ans Netz.

Fazit

Ob das gebogene LG Smartlet seinen hohen Preis wert ist oder nicht, muss wohl jeder für sich selbst entscheiden. Die Verarbeitung des G Flex ist bis auf einen ziemlich wabbeligen Rear Key-Druckpunkt gut, die Optik Geschmackssache, aber Schönheit liegt ja bekanntlich im Auge des Betrachters. Ob die gekrümmte Form einen deutlichen Mehrwert bringt, hängt vom Nutzungsverhalten jedes einzelnen Nutzers ab.

Nicht gänzlich überzeugen konnte das gebogene 6 Zoll Display: Dessen Auflösung ist für ein High-End Gerät doch sehr niedrig und bringt zwar keine Pixel- oder Treppchenbildung, sehr wohl aber ein leichtes Bildrauschen bei flächigen Darstellungen mit sich.

Auf der anderen Seite geht die niedrige Screen-Auflösung deutlich zugunsten Performance und Ausdauer, was für manch einen ein weitaus größerer Pluspunkt sein dürfte, als eine perfekte Display-Darstellung. A propos Performance: Diese gab keinen Grund zur Kritik, sowohl was die theoretische Bewertung in den Benchmarktests als auch die Schnelligkeit bei Alltagsaufgaben oder Spielen anbetraf.

Kamera-, Klang- und Telefonqualität entsprachen im Test der hohen Preisklasse des LG G Flex, allerdings gibt es diese Qualität auch schon bei Smartlets, die zu einem deutlich niedrigeren Preis zu haben sind.

Pro

  • Hervorragende Performance
  • Ausdauernder Akku
  • Gute Kamera
  • Gleich mehrere Notification LEDs

Contra

  • Displayauflösung
  • Rear Key mit wabbeligem Druckpunkt
  • Selbstreparierende Rückseite nicht ganz so selbstreparierend wie angenommen
  • Keine Speicher-Erweiterungsmöglichkeit
  • Fest verbauter Akku