Bereits vergangene Woche teaserte Nintendo seine neue Konsole Switch an. „Teasern“ deshalb, weil man die eigentliche Präsentation des Systems erst im Januar vollzieht. Da das System – und Nintendo ebenfalls – über die vergangenen Monate hinweg begleitet wurde, wird sich nochmals mit der neuen Plattform auseinandergesetzt.
Dass dabei so lange gewartet und nicht gleich nach dem Teaser-Trailer alle möglichen Spekulationen oder gar eine Wertung vorgenommen wurde, hat seinen Grund. Denn nach wie vor ist nicht so recht klar, was Switch eigentlich sein soll. Eine Spurensuche beginnt, an dessen Anfang der schon angesprochene Teaser-Trailer steht:
Fällt etwas auf? Ja? Nein? Es fällt auf. Nintendo präsentiert im Trailer keine durchgängig kohärente Welt, in der seine Kunden und Spieler leben. Da zockt jemand die ganze Nacht über und macht munter weiter am nächsten Morgen, wenn der Köter beim Gassi gehen seinen Haufen auf die Wiese setzen muss. Da zocken junge Menschen auf einer Rooftop-Party gemeinsam, wo an anderer Stelle eine Vierergruppe auf dem Boden lümmelt und sich in Duellen erquickt. Man sollte nicht glauben, dass Nintendo tatsächlich denkt, dass die eigene Kundschaft tatsächlich so lebt – dazu hat der Konzern zu viel Erfahrung. Die Botschaft stattdessen: Switch ist für alle da. Eine Botschaft, die bei der Wii vor exakt zehn Jahren einschlug wie eine Bombe und bei der Wii U vernachlässigt wurde. Im Trailer sind deshalb leidenschaftliche Zocker, Splatoon-Spieler und der „klassische“ Casual Gamer zu sehen.
Spekulationen teils bestätigt
Bereits im März wurde spekuliert, wofür das NX als Projektname der Nintendo Switch stehen könnte. Eine Vermutung, dass die neue Konsole als Hub für vier Plattformen dient, scheint sich langsam, aber sicher zu bestätigen. Indiz #1: Nintendo treibt seinen Mobileinstieg weiter voran – bald kommt gar Nintendos Maskottchen Super Mario auf den Touchscreen. Indiz #2: Nintendos Treueprogramm wurde umgestellt und belohnt nun jene, die sich für den Konzern interessieren – man muss nicht einmal eine Konsole gekauft haben, um in den Genuss diverser Boni oder Preisnachlässe auf Merchandise zu kommen.
Taufrisch ist Nvidias Shield-Tablet nicht – Anleihen der NX an diesem Produkt sind daher nicht zu übersehen. (Bild: Nvidia)
Das dritte Indiz: Nintendo baut mit seiner Switch auf mobile Technologie. Drehen wir das Rad der Zeit 27 Jahre zurück. Damals wurde eine englische Schmiede mit der Konstruktion mobiler Prozessoren beauftragt, die leistungsstark sein sollten und zugleich wenig Strom benötigten, um ihren Betrieb zu verrichten. Der Name des britischen Unternehmens? ARM – auf dessen Chiparchitektur so gut wie alle mobilen Prozessoren in Smartphones, Tablets und anderen tragbaren Gadgets basiert. Dass Nintendo eine entsprechende AMD-CPU mit ARM-Architektur verbaut und nVidia- einen modifizierten Tegra-Chipsatz spendiert, zeigt, dass sich der Kreis schließt. Neu ist das nicht, schließlich gibt es mit Nvidia Shield eine tolle Konsole, die den Spagat zwischen Casual-Android-Gameplay und Harcore-Zocken bravourös meisterte! Aber sich eben nicht verkaufte – was eine andere Geschichte ist.
Mobiltechnologie als Fort- nicht Rückschritt
Die Unkenrufe, gerade durch den Einsatz solcher Technologie würde Nintendo nie und nimmer nicht zu PlayStation 4 und Xbox One aufschließen, sind aber falsch. Die in Sonys und Microsofts Plattformen verbaute Technik ist viele Jahre alt, längst haben die mobilen Prozessoren hinsichtlich der puren Leistung aufgeholt. Ein Achtkern-Prozessor mit über 2 GHz? Möglich, die Performance hängt nämlich noch von anderen Aspekten ab. Dem Arbeitsspeicher etwa, zu dem keine Informationen bereit gestellt wurden. Oder zur Bus-Anbindung an die Module, die das größte Plus im Switch-Konzept werden könnten. Stellt euch vor: Spielen ohne Ladezeiten! Wie in den guten alten Zeiten.
Sinnbild für mobiles Gaming: Module statt optischer Datenträger. (Bild: Nintendo via YouTube)
Dass Nintendo Mobiltechnik verbaut, hat natürlich seinen Grund in der Konzeption der Plattform. Ein Nintendo-Smartphone hätte es fast gegeben, stattdessen werden nun eben Spiele für Android und iOS veröffentlicht. Damit will Nintendo die Spieler einfangen, die irgendwann mal auf die Free-to-Play-Sachen aus dem Google Play Store umschwenkten – oder auch die Jüngsten überhaupt für sich begeistern, die Super Mario allenfalls aus den Erzählungen ihrer Eltern kennen.
Es ist nämlich nach wie vor nicht bekannt: Ist die Switch nun eine stationäre oder portable Konsole? Beides, so die mögliche Antwort. Denn obwohl sich die Controller an den Seiten abziehen lassen und die Switch auch als Tablet genutzt werden könnte, muss eine portable Einsatzmöglichkeit nicht zwangsläufig bedeuten, dass die Tablet-Einheit alles an Leistung ist, was Switch spendiert bekommt. Möglich ist, dass im Dock, in das die Tableteinheit versenkt werden kann, weitere Prozessoren und Chips integriert sind. Wäre dem so, hieße es: Volle Grafikpracht und Features für das stationäre Spielen; abgespeckter Umfang und/oder reduzierte Grafikdetails im portablen Betrieb. Revolutionär wäre es, wenn sich die Modi so schnell umschalten ließen wie im Trailer gesehen. Wunschdenken? Vielleicht – aber ein schönes.
Fazit: Abwarten, Tee trinken, (vor)freuen
So oder so: Nintendo Switch hat neugierig gemacht auf das, was Nintendo in Zukunft vorhat. Und das Entwicklerportfolio reicht von ehemals sehr skeptisch eingestellten Videospielstudios bis hin zu denen, die Nintendo prinzipiell die Treue halten. Im Trailer finden sich hinweise auf ein neues Splatoon, ein Elder Scrolls, Super Mario und – als einzigen bestätigten Titel – The Legend of Zelda: Breath of the Wild. Bekannte Studios, bekannte Marken sind erwähnenswert, weil Nintendo auch in dieser Konsolen-Generation den ressourcenraubendem Kampf mit Sony oder Microsoft aus dem Weg zu gehen versuchen wird. Denn PlayStation 4 und XB1 versuchen immer mehr, so zu sein wie der PC. Eine Alles-in-einem-Maschine, die als PC funktioniert – und die Konsolen fast egalisiert.
Nintendo ist tot? Events wie dieses Splatoon-Finale sprechen eine andere Sprache. Wird Switch zur eSport-Plattform? (Bild: Nintendo via YouTube)
Es steht und fällt also mit den Spielen und dem Konzept. Es wird angenommen, dass Nintendo die Reaktionen auf das Teaser-Video aufmerksam mitschneidet und das Konzept dahingehend feinjustiert. Android-Unterstützung, Wachablösung von Wii U und 3DS und volle Breitseite gegen die Konkurrenz? Alles ist möglich – und im Januar werden weitere Informationen erwartet.