Im ersten Teil dieser Serie wurden die „kostenlosen“ SIM-Karten vorgestellt, mit denen man heutzutage ja im Prinzip an jeder Straßenecke konfrontiert wird. Sie sollen natürlich erstmal vordergründig überzeugen. Klar, man ist daran interessiert, Kunden zu gewinnen. Doch dann muss auch etwas Geld verdient werden, ist auch klar. Aber welche Alternativen gibt es jenseits eines langfristigen Laufzeitvertrages?
Im zweiten Teil der Serie werden die SIM-Karten behandelt, die nicht aus der Werbung bekannt sind und nicht als „kostenlos“ vermarktet werden. Sind sie vielleicht die bessere Wahl und überraschen nicht mit versteckten Kosten oder Vertragsklauseln? Mal sehen…
Das Test-Panel
Für den Vergleich wurden folgende Discounter-Tarife aus verschiedenen Mobilfunknetzen herangezogen:
- winSim im o2-Netz (LTE All 1 GB)
- Klarmobil im D1-Netz (Handy-Spar-Tarif)
- Congstar im D1-Netz (wie ich will)
- maxxim im D2-Netz (LTE Mini SMS 1 GB)
Seit dem ersten Tarif-Special hat sich bei O² noch etwas getan. Ab 29. März 2016 wird der aktualisierte O² Loop-Tarif gestartet. Die Preise bleiben gleich, das monatliche Inklusiv-Volumen erhöht sich und ist nun etwas fairer verteilt. Während die M-, L- und XL-Tarife aufgewertet werden, steht die kostenlose O² Loop-Freikarte in Zukunft schlechter als bisher da, hier verringert sich die Bandbreite von 21,6 Mbit/s auf nur noch 7,2 Mbit/s.
Generell empfiehlt es sich, sich mit dem Begriff der Datenautomatik vertraut zu machen. Dahinter verbirgt sich ein perfider Trick der Provider, mehr Geld zu verdienen. „Datenautomatik“ bedeutet, dass Folgekosten entstehen, wenn das Highspeedvolumen aufgebraucht ist – weitere (verhältnismäßig teurere) Volumenpakete werden vom Provider automatisch hinzugebucht. Es gibt in diesem Zusammenhang einige Anbieter, bei denen sich dieser Vorgang nicht abschalten lässt. Aber eben auch Provider, die diesen Vorgang transparent gestalten und eindeutig kommunizieren. Es wird empfohlen, hierzu die AGBs durchzulesen und bei Unklarheiten den Anbieter zu kontaktieren.
Von den kostenlosen Prepaid-Karten geht es nun also zu den sogenannten Postpaid-Karten.
Prepaid vs Postpaid
Prepaid („vorausbezahlt“) dürfte mittlerweile wirklich jeder kennen, der zumindest einmal im Leben eine Tankstelle oder einen Drogeriemarkt betreten hat. Dieses Tarifmodell gibt es jetzt mittlerweile gut 20 Jahre und wird einem typischerweise mit kostenlosen SIM-Karten im Paket um die Ohren gehauen, wie man sich erinnert.
Aber was ist dieses Postpaid? Kurz gesagt: das genaue Gegenteil des Prepaid-Tarifes. Die Prepaid-Karten werden vorher mit Guthaben aufgeladen und dieses dann verbraucht – die Dauersabbelei ist mit dem letzten Euro beendet und selbst die dringendsten Anrufe können nicht mehr getätigt werden, Notrufe mal ausgenommen. Das hat den Vorteil der absoluten Kostenkontrolle. Irgendwann ist das Guthaben aufgebraucht und damit auch erstmal die Dauersabbelei beendet.
Und genau hier setzt der Postpaid-Tarif an. Telefonieren kann man immer, die Rechnung wird am Ende des Monats beglichen. Preislich bewegt man sich aber dennoch im Rahmen der Prepaid-Tarife.
winSim im O²-Netz
Wer sich für 24 Monate verpflichtet spart 3 Monate. (Bild: N-Droid.de)
Der günstigste Flat-Tarif in diesem Vergleich funkt im O²- beziehungsweise im E-Plus-Netz. Dies war sicherlich vorhersehbar. Aber das muss ja nichts schlechtes bedeuten, die Erfahrungen belegen dann auch das genaue Gegenteil. In einer norddeutschen Mittelstadt (Bremerhaven) ist die Zufriedenheit mit O² absolut gegeben. Die Zufriedenheit war so groß, dass nach Ablauf eines teuren LTE-Tarifs mit inkludiertem Handy bei der Telekom wieder zu O² gewechselt wurde, da es für das Nutzungsverhalten keinen bedeutenden Unterschied macht. Liegen die Dinge also ähnlich, ist dieser Tarif auf jeden Fall einen näheren Blick wert.
Für 6,99 Euro erhält man hier 1 GB LTE mit bis zu 50 Mbit/s und eine Telefonie und SMS Flat in alle Netze. Da kann man nicht meckern. Zusätzlich erhält man einen Wechselbonus von 25 Euro, falls der vorherige Anbieter nicht zur Drillisch-Gruppe gehört. Das heisst, der Anschlußpreis von circa ’nem Zehner und eine eventuell anfallende Gebühr für die Portierung der Rufnummer sind nahezu abgedeckt. Dies ist eine wichtige Angelegenheit. Denn es stellt sich die Frage nach dem Nutzen, wenn zunächst bis zu 50 Euro an Gebühren investiert werden müssen, um zu einem Anbieter zu wechseln, bei dem man spart. Das Ganze ist hier also zufriedenstellend gelöst.
Bis vor kurzem wurde ein kleiner Tarif bei winSim (3,99 Euro) für ein Zweithandy genutzt, welches auf Festivals und so weiter mitgenommen wurde. WinSim bietet, den Erfahrungen nach, eines der besten Kundenportale im Netz. Völlig einfach aufgebaut und hilfreich. Das kann echt nicht jeder Anbieter von seinen Lösungen behaupten. Weiterhin werden auch keine Steine in den Weg gelegt, wenn gekündigt wird. Dies konnte letztens völlig unaufgeregt, komfortabel, schnell und verbindlich online erledigt werden, das Konzerthandy hatte den letzten Gig nicht überlebt. Bei der Telekom war es ähnlich komfortabel gelöst. Hier herrscht also Gleichstand mit dem Branchenprimus, Daumen hoch!
Zu dem LTE muss allerdings beachtet werden, dass es vorkommen kann, dass das schnelle Datenvolumen bis zu viermal schneller aufgebraucht sein wird, falls der Datenverkehr nicht komprimiert übertragen wird. Das muss hier nicht so sein. Die Erfahrungswerte beziehen sich auf einen Magenta-Tarif der Telekom. Das also nur am Rande. Es spricht ja auch durchaus nichts dagegen, in gut abgedeckten Gebieten das 3G-Netz zu benutzen.
Für jeweils 3 Euro Aufpreis erhält man dann auch das Paket mit 2 oder 3 GB an Datenvolumen. Hier dürfte also für fast jeden etwas dabei sein, wenn das o2-Netz genutzt werden kann. Die monatliche Abrechnung erfolgt per Lastschriftverfahren. Der Wechselbonus und die reduzierte Anschlußgebühr sind eine Aktion bis zum 31.03.2016 um 18.00Uhr. Aber die Erfahrung zeigt, dass es solche Aktionen eigentlich ständig gibt.
Klarmobil im D1-Netz
Plus Internet Flat 100 für 2,- Euro fahrt ihr hier theoretisch am günstigsten. (Bild: N-Droid.de)
Klarmobil ist mittlerweile nicht mehr ganz so der Geheimtipp, was auch an den massiven Werbekampagnen liegt.
Damals wechselten wohl einige der Ersten dorthin. Zu dieser Zeit war noch kein Smartphone vorhanden und es wurden nur wenige Minuten und ein oder zwei SMS pro Monat benötigt. Dafür war der Tarif damals wie geschaffen. Keine Grundgebühr und kein Mindestumsatz, das war ein richtiger Knaller. Doch mit einem Smartphone sieht es schon anders aus. Hier kosten die 600MB schon 9,-Euro monatlich. Dafür surft man aber auch im gut ausgebauten Netz der Telekom. Attraktiver erscheint das Angebot, wenn man nur das absolute Minimum an Datenflat (100MB) benötigt, hierfür werden nämlich nur schlanke 2,-Euro fällig. Für knapp 4,-Euro mehr gibt es jedoch das zehnfache an Volumen bei winSim und alles flat. Hier werden für jede Minute Telefonie und jede verschickte SMS auch immer noch 9 Cent bezahlt. Das sind immer noch die gleichen Konditionen, die vor circa 10 Jahren dort geboten wurden, also überhaupt nicht mehr zeitgemäß. Lohnen könnte sich dieses Angebot für die absoluten Minimalisten, denn hier ist der absolut niedrigste Preis möglich. Wie gesagt, wer das o2 Netz nutzen kann, hat natürlich auch die Wahl. Eine Alternative im D1-Netz wäre folgender Anbieter, von dem bestimmt schon einmal eine Werbung gesehen wurde.
Congstar im D1-Netz
Congstar – Hoher Einstiegspreis, dafür aber maximale Flexibilität. (Bild: N-Droid.de)
Der Tarif von Congstar im Netz der Deutschen Telekom wird als außerordentlich gut empfunden. Hier werden zwar 8 Euro für die 500 MB bezahlt und höhere Datenvolumen gibt es nicht (außer der verdoppeln-Option für +5,- Euro), aber es kann dafür enorm schnell auf Änderungen des Nutzungsverhaltens reagiert werden. Bei einem anderen Anbieter wäre man gezwungen, in einen anderen Tarif zu wechseln, falls sich etwas ergibt (wofür dann noch eventuelle Gebühren anfallen könnten).
Bei diesem Baukastentarif kann monatlich per App (!) hin und her gewechselt werden, je nach Bedarf. Dies bietet maximale Flexibilität. Falls man mit den Daten auskommt und nicht viel telefoniert, ist dies ein guter Kompromiss zwischen Qualität und Kosten. Es ist natürlich nicht der günstigste Tarif und die Einstiegskosten werden mit 30 Euro vergleichsweise hoch empfunden (es gibt 25 Euro Wechselbonus..), zumal man ja eventuell noch eine Nummer abzulösen hat. Aber dafür bewegt man sich halt auch im besten Netz und wird wahrscheinlich wenig bis gar keine Probleme haben.
maxxim im D2-Netz
Maxxim – Sehr ausgewogener Tarif im Netz von Vodafone. (Bild: N-Droid.de)
Ein Anbieter, der vielleicht der Aufmerksamkeit entgangen sein könnte, ist maxxim.
Das ist ein Mobilfunk-Discounter im D2-Netz der wirklich interessante Angebote vorlegt, vor allem auch im Bereich des höheren Datenvolumens (es gibt Tarife mit bis zu 10GB LTE und mehreren Multicards inklusive). Und das kleinste Paket toppt sogar noch das Angebot von winSim im o2-Netz um einen Euro. Das geht allerdings auf Kosten der Flat, denn hier gibt es nur jeweils 50 SMS und Freiminuten (in alle Netze).
Daten werden heutzutage zunehmend wichtiger. Es ist angebracht und zeitgemäß, wenn Anbieter darauf reagieren und die etwas angestaubte SMS-Flat, die sowieso keiner mehr braucht, zugunsten eines niedrigeren Preises weglassen. Auch hier gilt jedoch wieder der Vorbehalt des schnellen, aber dann auch schnell aufgebrauchten Inklusiv-Volumens (dank eventuell fehlender Komprimierung). Aber, wie gesagt, es spricht ja nichts dagegen, HSDPA zu benutzen und in tendenziell besser LTE-ausgebauten Gebieten den Datenturbo einzulegen.
Wie fast schon üblich gibt es auch hier netterweise den 25,- Euro Wechselbonus dazu, was bei der Entscheidung ungemein hilfreich wäre. Ohne diesen Wechselbonus wird eigentlich kein Tarif mehr abgeschlossen. Da die Rufnummer immer mitgenommen und Ablöse beim alten Anbieter gezahlt wird, gehört es zum guten Ton, dass der Betrag beim neuen Anbieter sozusagen erstattet wird. Nun läuft dieses Angebot bald aus, aber man kann sicher sein – es wird ein neues geben…
Etwas sehr Negatives gibt es von der Datenautomatik-Front zu berichten. Denn diese ist fester Bestandteil, mit Kündigen ist da also leider nichts.
Was bei allen diesen Tarifen klar sein muss, ist folgendes. Diese Billiganbieter kaufen ihre Kontingente bei den Netzbetreibern (D1,D2,e+). Wenn es nun in stark frequentierten Funkzellen (in schlecht ausgebauten Gebieten) beim hiesigen Knotenpunkt mit der Kapazität mal eng wird, ist man der Erste, der aus dem Netz fliegt. In dem Moment ist man Nutzer zweiter Klasse. Wohnt man in, zum Beispiel touristisch, stark frequentierten Regionen, wurde dieses Phänomen vielleicht schon einmal kennengelernt. Klar, die Netzbetreiber bevorzugen in dem Moment ihre eigenen Kunden. Aber diese Problematik spielt nicht vielerorts eine Rolle. Und der Ausbau schreitet ja im allgemeinen auch voran. Man sollte das wissen, aber bei der Entscheidung für oder gegen einen Tarif spielt das wohl eher eine untergeordnete Rolle.
Falls Unsicherheit bezüglich des zu wählenden SIM-Karten Formats besteht – sollte am besten immer die NANO-SIM (die kleinste) gewählt werden. Bei einigen dieser Discounter wurde in dem Fall immer eine Triple-SIM zugeschickt. Diese kann im Notfall auch immer noch wieder in die vorgestanzten größeren Formate eingesetzt werden, falls mehrere Geräte mit unterschiedlichen SIM-Kartenformaten vorhanden sind.
Fazit
Postpaid Tarife stehen mittlerweile gleichberechtigt neben denen der Prepaid Kategorie. Preislich gibt es da gefühlt keinen Unterschied.
Während sich Prepaid SIM-Karten gut eignen um Kinder und Jugendliche in diesem Bereich zu erziehen (oder ist doch eine günstige Flat mittlerweile die bessere Alternative?), können Postpaid Tarife für erwachsene und verantwortungsvolle Wenigtelefonierer und Surfer eine sinnvolle Alternative sein, ganz einfach weil man dem Aufladen und Überwachen des Guthabens aus dem Weg gehen kann. Diese Tarife sind deutlich komfortabler als die Guthabenkarten, können jederzeit gekündigt werden und bieten ein Mindestmaß an Datenvolumen.
Im nächsten Teil der Reihe wird etwas über die klassischen Verträge mit einer Dauer von bis zu 24 Monaten geschrieben. Wer sich nicht vor einer festen Vertragslaufzeit fürchtet (und nicht unbedingt ein Gerät benötigt) kann hier abseits der großen Provider heutzutage sehr günstige und auch gute Tarife abschließen. Preislich hat sich in den vergangenen Jahren ja wirklich so einiges getan.