Gestern präsentierte Google seine neuen Geräte, darunter das LG Nexus 4 in einer 8 GB-Variante – die man nicht kaufen sollte.
Google fährt die Preisschiene, das wurde gestern offenbarer denn je. Es ist die einzige Möglichkeit, sich langfristig gegen die Konkurrenz zu behaupten: Gute Hardware zum Selbstkostenpreis, Aufstockung des Contentangebots. Hört auf, so sein zu wollen wie Apple, ihr seid es nicht, hatte Google die Hersteller vor einigen Wochen wissen lassen. Statt mit hochpreisigen Edelgeräten probiert Google es mit kostengünstiger Pragmatik: Gut designte Geräte von namhaften Herstellern zu Kampfpreisen.
Dafür drückte Google die Kosten, wo es nur ging. Ein LTE-Modul kostet, also ließ man es weg, auch wenn Google einige andere Gründe anführt. Weil LTE in Deutschland noch nicht so verbreitet und zudem teuer ist, fällt das hierzulande weniger ins Gewicht als in den USA. Speicher kostet ebenfalls, also sparte man auch hier. Das Nexus 4 wird es optional nur mit 8 oder 16 GB Speicherplatz geben. Das geht nur, weil Google gleichzeitig sein Cloud-Angebot ausbaut.
Die von androidcentral völlig zu Recht aufgeworfene Frage ist: Was will man mit einem 8 GB-Gerät ohne die Möglichkeit, den Speicherplatz aufzustocken?
Natürlich: Das Nexus 4 hat technisch einiges zu bieten. Sein Snapdragon S4 Pro Quad Core-Prozessor mit 2 GB RAM, der 4,7 Zoll IPS-Display mit HD-Auflösung, den Vorzügen von Android 4.2 – alles der aktuelle Stand der Dinge. Doch: Technisch gibt es nur wenig, das gegen das Nexus 4 spricht. Bis auf den geringen Speicherplatz.
Nexus 4 mit 8 GB Speicher ist ein Marketing-Gag
Klar, ein Spitzenklassetelefon für 299 Euro klingt superb, gerade in Anzeigen oder Werbevideos, wie androidcentral richtig anführt – und das um eine weitere Beobachtung ergänzt: Wer sich auf der Produktseite des Nexus 4 umsieht, bekommt standardmäßig die 16 GB-Version zuerst angezeigt. Auch Google scheint also darauf Wert zu legen, dass zuerst über den Kauf der teureren Version nachgedacht wird.
Alltagspraktische Gedankenspiele sprechen aber ebenfalls gegen das Gerät: Smartphones nutzt man bekanntlich nicht nur zum Telefonieren, sondern auch zum Mailen, Musik hören, Spielen, Filme Schauen, Fotografieren, Videos drehen etcpp. Von den acht GB darf man im Geiste schon mal den Platz abziehen, den das Betriebssystem verbraucht. Für Musik, Filme, Spiele, Mailanhänge oder Fotos bleibt da nicht viel.
Aber…aber…die Cloud?
Natürlich ist das Gerät auf die extensive Nutzung der Google-Cloud ausgelegt. Doch wer unterwegs ist, wird aus Rücksicht auf seinen Datenverbrauch nicht die ganze Zeit Musik oder Filme streamen – von der fehlenden Bandbreite oder Funklöchern ganz zu schweigen. Und über LTE verfügt das Gerät ja nicht.
Nein, das ein oder andere Album, der ein oder andere Film landet sicher auf dem Gerät – und beides knuspert beharrlich weiteren Speicherplatz weg. Wer die Kamera z.B. auf Konzerten oder Partys nutzen will, legt die entstandenen Mitschnitte und Fotos auch erst einmal im internen Speicher ab – wieder etliche MB weg. Zumal die neuen Kamera-Features von Android 4.2 vermuten lassen, dass die Fotogrößen – je nach gewähltem Format – ordentlich anschwellen.
Speicherfresser sind bekanntlich auch Spiele. Ein Beispiel: Gameloft hat kürzlich sein neues Game Wild Blood veröffentlicht, das erste, das auf der Unreal Engine basiert. Tolles Spiel, nur: Die Setup-Datei ist schon stattliche 948 MB schwer, lädt aber obendrein noch satt Daten nach. Zwei Gigabyte freien Speicher benötigt das Game insgesamt.
Zwei von dem Kaliber auf dem Nexus 4 – und man wird fluchen, wenn man sich das dritte Spiel herunterladen möchte, zumal Android-Apps insgesamt rasant größer und größer werden. Auf die MicroSD-Karte auslagern kann man sie nicht mehr. Punkte, die die Kaufentscheidung beeinflussen sollten.
Die 16 GB-Version kostet 50 Euro mehr. Gut investiertes Geld. Anderer Meinung?


