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Veröffentlicht am Android-Themen · Hardware · Features 10 Min. Lesezeit

iPhone 6 Clones im Test: Was taugen die Plastikbomber?

Das iPhone 6 schlug nicht nur in der Apple-Welt hohe Wellen, nein, auch Android-Nerds hatten dem Konkurrenzprodukt den einen oder anderen Artikel gewidmet. Wo ein berühmtes Original, da auch meistens ein Clone mit Android. So auch beim iPhone 6, von dem es inzwischen einige Android-Nachbauten gibt. Ein gebührender Anlass, zwei iPhone 6 Clones unter die Lupe zu nehmen.

iPhone 6 Clones_9 (Bild: N-Droid.de)Es gibt die iPhone 6 Plagiate sowohl im 1/1 Format, mit 4,7 Zoll Screen und nahezu identischen Gehäuse-Abmessungen als auch als 5 Zoller oder in der Größe des iPhone 6 Plus. Zwei dem iPhone 6 nahezu abmessungsgleiche Modelle wurden aufgetan, von denen das schwarze laut Artikelbeschreibung eigentlich sogar eine Alu-Rückseite haben sollte, wie es beim Full Metal Goophone i6 der Fall ist. Es kam dann allerdings leider doch im Plastik-Gewand und nicht mit dem versprochenen höher auflösenden Display. Dies tat der Neugier aber keinen Abbruch, immerhin hat auch Plastik nicht nur Nachteile.

Hier sind sie also, die zwei iPhone 6 Plagiate in Weiß-Gold und in Schwarz:

Verpackung und Lieferumfang

Schon bei der Verpackung gibt es einige Unterschiede. Die Verpackung des weiß-goldenen Modells zeigt zwar einen iPhone 6 ähnlichen Geräte-Aufdruck, weist aber (wie da Handy auch) keinerlei Beschriftungen oder gar den obligatorischen angebissenen Apfel auf, womit bei einer Verzollung im Fall der Fälle die deutlich besseren Karten vorhanden sein dürften. Zwar wird das Einführen von Kopien in einzelner Stückzahl für den Eigenbedarf inzwischen toleriert, dieses gilt allerdings eher für die Situation, dass das Gerät als Reisender mit sich geführt wird, und eher nicht für den Versand.

Beim schwarzen Modell handelt es sich um einen deutlich dreisteren Clone, denn nicht nur der Karton weist sowohl Apple-Logo als auch den iPhone 6 Aufdruck auf, nein, sogar das Handy hat beides, inklusive “Designed by Apple …”, mit Modell-Nummer und allem Drum und Dran auf der Rückseite aufgedruckt (siehe Foto Galerie unten). Der Akku lässt sich bei diesen beiden Clones nicht wechseln, ohne das Gerät aufzuschrauben. Es gibt jedoch auch Clones mit Wechselakku und zusätzlicher Dual-Sim Funktion, bei denen die Rückseite abgenommen werden kann. Die entsprechen in ihren Abmessungen allerdings nicht ganz dem Original. (Beispiel: Das Star T6)

iPhone 6 Clone_14 (Bild: N-Droid.de)iPhone 6 Clone_15 (Bild: N-Droid.de)

Auch der Lieferumfang unterscheidet sich bei beiden Modellen in Umfang und Aussehen. Das weiße Modell, das im Schnitt (vermutlich alleine wegen der fehlenden Aufdrucke) allerdings auch gut dreißig Euro unter der schwarzen Variante liegt, bringt ein USB-Datenkabel in Gestalt eines Lightning-Kabels, einen Apple-ähnlichen Netzstecker, eine englischsprachige Kurzanleitung und eine Klammer zum Öffnen des Simkartenslots mit. Gleiches liegt im Zubehörkarton des schwarzen Modells, dazu allerdings noch eine Displayschutzfolie und ein Flipcover. Mit beiden Handys wird ein Stereo-Headset geliefert, beim weißen allerdings eines im Design, das zu iPhone 3G-Zeiten angesagt war, während das des schwarzen Clones zumindest optisch (qualitativ eher weniger) dem aktuell mit dem iPhone 6 ausgelieferten Kopfhörer ziemlich nahe kommt.

Design und Verarbeitung

Optisch unterscheiden sich beide Fake-Phones vor allen Dingen durch die Platzierung der Sensoren über dem Display vom Original (siehe Screenshots), wobei es auch Clones gibt, bei denen zusätzlich die Frontkamera nicht mittig sitzt. Qualitativ scheint das schwarze Clone-Modell besser verarbeitet zu sein als das weiß-goldene. Der Home-Button ist hier gut und bündig im Gehäuse eingefasst, während der goldfarbene und scharfkantige Rand des Home-Buttons beim weißen Modell ein wenig hochsteht. Auch knarzt der weiße Clone im Gegensatz zum schwarzen beim Ausüben von Druck auf die Rückseite leicht.

iPhone 6 Clones_6 (Bild: N-Droid.de)iPhone 6 Clones_2 (Bild: N-Droid.de)

Alle weiteren Anschlüsse, Taster und Knöpfe sitzen identisch zum iPhone 6, wobei der Lightning-Anschluss an der Unterkante kein echter Lighning-Anschluss ist, sondern ein MicroUSB-Anschluss, in den allerdings kein Standard MicroUSB-Kabel passt. Auch der beim Original iPhone 6 links am Gehäuse angebrachte kleine Schieber ist bei den Fake-Geräten kein Schieber, sondern ein Knopf, der praktischerweise den Klingelton auf Stumm schaltet. Der ebenfalls an der Unterkante angesiedelte Lautsprecher gibt Musik, nun ja, schön laut, blechern wieder.

iPhone 6 Clones_4 (Bild: N-Droid.de)iPhone 6 Clones_5 (Bild: N-Droid.de)

Das Original iPhone 6 stand leider nicht zum direkten Vergleich auf dem Redaktionstisch, aber beiden Clones fühlt und sieht man das verarbeitete Plastik an, wenngleich die Verarbeitung bei beiden Modellen gut ist, beim schwarzen Modell sogar sehr gut. Bei beiden Fake-Phones haben die physischen Tasten an den Geräteseiten einen strammen Druckpunkt, beim weißen Handy neigen sie allerdings etwas zum Klappern, was bei der schwarzen Variante nicht der Fall ist.

iPhone 6 Clone - Original und Fake (Bild: N-Droid)

Hier wurde das Fake Phone vor den Bildschirm mit dem Original iPhone 6 gehalten

Würde das Original daneben liegen, wäre ein gewisser Qualitätsunterschied zwischen den Geräten zu erkennen, der sich noch verstärken dürfte, wenn die Geräte in die Hand genommen werden. Besonders das schwarze Fake-Modell ist auf den ersten Blick aber verblüffend gut gelungen (sehe Foto). Als Gag, um Freunde auf den Arm zu nehmen, oder weil das Design des iPhone 6 einfach gefällt, aber lieber mit Android gearbeitet und auch nicht so viel Geld investiert werden soll, eignen sich diese beiden Plagiate optisch allemal.

Speicher, Prozessor und Akku

Beide iPhone 6 Clones sind in puncto Prozessor und Arbeitsspeicher identisch ausgestattet, nämlich mit einem Quad-Core MT6582 Prozessor und laut AnTuTu Benchmark und Elixir mit 2 Gigabyte RAM, die allerdings stark angezweifelt werden dürfen, da solche Analyse-Apps ja bekanntlich seitens der Hersteller ausgetrixt werden können. Fest steht allerdings, dass beide Geräte sehr flüssig laufen, Anwendungen zügig öffnen und auch für grafisch anspruchsvollere Games einsetzbar sind.

In die Irre führend ist ebenfalls die Angabe des internen Speichers mit 32 Gigabyte, dieser ist nämlich tatsächlich lediglich 8 Gigabyte groß und lässt sich nicht erweitern, ohne das Gerät zu öffnen. Wird dies gewagt, können tatsächlich bis zu 32 Gigabyte große MicroSD-Karten eingesetzt werden.

iPhone 6 Clone_11 (Screenshot: N-Droid.de)iPhone 6 Clone_10 (Screenshot: N-Droid.de)iPhone 6 Clone_12 (Screenshot: N-Droid.de)

Wie groß die Akkukapazität beider Clones ist, ist nur demjenigen bekannt, der die Kraftzellen verbaut hat. Beim weißen Modell ist bei angeschaltetem Display und Webbrowsen regelrecht zu beobachten, wie sich der Akku entlädt, während das schwarze Modell mit einer Akkuladung bei durchschnittlicher Nutzung und aktiviertem WLAN recht gut über den Tag kommt.

Display und Kamera

In beiden Clones ist ein 4,7 Zoll IPS-Display mit einer Auflösung von 540 x 960 Pixeln verbaut. Obwohl es sich offensichtlich nicht um ein OGS-Display handelt, da ein deutlicher Spalt zwischen Touch- und TFT-Einheit auszumachen ist, erscheint die Darstellung klar und ohne erkennbare Pixelbildung und ist sogar aus einer engen Seitenansicht noch gut zu erkennen. Die Ausleuchtung beider Screens ist sehr hell und lässt sich manuell oder automatisch den äußeren Gegebenheiten anpassen. Der Helligkeitssensor funktionierte im Test erstaunlich gut.

iPhone 6 Clones 8 (Bild: N-Droid.de)

Au weia, die Kamera!

Beide Geräte sind laut Herstellerangaben und AnTuTu Benchmark mit einer 13 Megapixel-Kamera auf der Rückseite und einer 2 Megapixel-Knipse auf der Front ausgestattet. Während die 2 Megapixel der Frontkamera mit der tatsächlichen Qualität der Bilder und Videos einigermaßen konform gehen und glaubhaft scheinen, wurde die Megapixel-Anzahl der rückwärtigen Kamera höchstwahrscheinlich hoch-interpoliert, denn die Bildqualität der Hauptkameras ist gelinde gesagt grottig. Während Nahaufnahmen bei optimaler Beleuchtung noch einigermaßen akzeptabel gelingen, wirken Landschaftsaufnahmen durchgängig verschwommen, zu dunkel und unscharf – diesbezüglich nahmen sich beide Fake-Phones nichts.

iPhone 6 Clone Kamera Nahaufnahme_2 (Bild: N-Droid.de)iPhone 6 Clone Kamera Nahaufnahme (Bild: N-Droid.de)iPhone 6 Clone Kamera Landschaftsaufnahme (Bild: N-Droid.de)

Das Blitzlicht ist eher eine Funzel, und der vorhandene Touch-Fokus funktioniert nicht wirklich gut, beziehungsweise lässt sich mal gar nicht, mal nur widerspenstig platzieren. An diesen Tatsachen änderte auch die Installation einer anderen Kamera-App nichts. Hier wurde entweder schlechte Hardware verbaut, oder es fehlt der passende Treiber, um diese optimal anzusprechen – was nahe liegt, da die Kamerasoftware insgesamt nur sehr zögerlich und unrund auf Eingaben reagiert.

Erstaunlicherweise zeigt sich das Unschärfe-Phänomen bei Videoaufnahmen deutlich weniger. Hier stellt sich der Autofokus auf die Entfernungen ein, so dass die Darstellung deutlich klarer und kontrastreicher herauskommt als bei Fotos.

Menüführung: Das Fake-iOS zum Fake-Phone

Was wäre ein Clone ohne die entsprechende Fake-Firmware, und tatsächlich legt der Hersteller bei beiden iPhone 6 Clones eine mehr oder weniger gelungenes iOS 7.1.1 Oberfläche über das Android 4.3, die einen Apple-Bootscreen bietet und sogar bis in das Einstellungsmenü hinein reicht. Einige Einstellungsmenüpunkte sind hier aber auch eher Schein als Sein, so lassen sich etwa die Menüpunkte Sina Weibo, Facebook und iTunes öffnen, ein Weiterkommen ist dann allerdings nicht möglich. In der Modellbezeichnung findet sich in der schwarzen Fake-Version “iPhone 6“, beim weiß-goldenen Modell “alps hedy82_wet_v116“.

iPhone 6 Clone_13 (Screenshot: N-Droid.de)iPhone 6 Clone_3 (Screenshot: N-Droid.de)iPhone 6 Clone_8 (Screenshot: N-Droid.de)

Wie beim echten iOS lässt sich die Status-Leiste herunterziehen und ist in die Register Heute, Alle und Verpasst eingeteilt. Durch einen Wisch nach oben lässt sich außerdem die obligatorische Schaltfläche mit Schnellzugriffen auf die Energiesteuerung und den Music-Player hochschieben. Unter den Icons auf der Startseite verbergen sich die Android-Pendants zu den entsprechenden iOS-Programmen. So findet sich unter dem App Store Symbol beispielsweise der Google Play Store. Anwendungen wie Facebook, MTK Tools, Antutu Benchmark, SwiftKey oder Airdroid lassen sich bei diesen Clones problemlos über den Play Store installieren und funktionieren auch einwandfrei.

Das Problem, dass Android-Apps nicht die vom iOS gewohnten Menü- oder Zurück-Schaltfläche beinhalten und die Clones lediglich über einen Home-Button, nicht aber über Sensortasten verfügen, löst der Entwickler des Fake iOS mit einem konstant präsenten (allerdings auch über das Einstellungsmenü deaktivierbaren), verschiebbaren Menüpunkt auf dem Display, über den sich Menü, Zurück-Funktion, der Hauptbildschirm und Siri anwählen lassen. Siri ist hier selbstredend durch die Google Sprachsuche ersetzt worden, die sich im Übrigen auch durch einen langen Druck auf den physischen Home-Button öffnen lässt.

iPhone 6 Clone_1 (Screenshot: N-Droid.de) iPhone 6 Clone_14 (Screenshot: N-Droid.de)iPhone 6 Clone_7 (Screenshot: N-Droid.de)

Alles in Allem recht nett gelöst, dadurch, dass der Extra-Menüpunkt zwar verschiebbar, aber trotzdem immer irgendwo im Bild ist, stört er allerdings häufig bei der Bedienung von Apps und irgendwann nervt auch der ständige Umweg zur Zurück-Funktion. Die Option, sich vielleicht doch (zugegeben, nicht ganz iOS-like) On-Screen-Tasten am unteren Bildschirmrand einblenden lassen zu können, wie sie beispielsweise von Nexus 4 oder 5 bekannt sind, wäre gar nicht mal so unangebracht.

Hinzu kommt eine ziemlich widerspenstige englisch-chinesische Quertz-Tastatur, die sich aber natürlich durch bessere Tastenfelder aus dem Play Store ersetzen lässt. So kam schon nach kurzer Bedienung der Wunsch nach einer guten Custom ROM auf, die iOS-Icons und -Look mit einer etwas komfortableren Bedienbarkeit vereint. Werkseitig sind die Clones jedoch noch nicht gerootet.

Telefonieren und Connectivity

iPhone 6 Clones_1 (N-Droid.de)Zum Telefonieren muss eine NanoSim in den seitlichen Einschub eingelegt werden. Unterstützt werden die Netze GSM: 850/900/1800/1900 MHz und 3G: 850/2100 MHz. Die Empfangsqualität im O2 Netz ist an gut ausgebauten Netzstandorten sehr gut, und auch über die Tonqualität bei Telefonaten lässt sich sowohl auf der Handy als auch auf der Festnetzseite nicht meckern.

Überdurchschnittlich gut präsentieren sich WLAN-Empfang und der Empfang des GPS-Empfängers, der bei beiden Geräten gleich beim ersteniPhone 6 Clone_9 (Screenshot: N-Droid.de) Mal innerhalb einiger Sekunden einen Sat Fix bekam. Hier macht sich allerdings ein weiterer Nachteil der iOS-Fake Software bemerkbar, zumindest für Leute ohne Datenflatrate: Der GPS-Empfänger lässt sich nur gemeinsam mit den Netzverbindungen und WLAN aktivieren. Unterteilungen in nur GPS, GPS mit WLAN- und Netzunterstützung oder gar ein EPO Assistent sind hier nicht vorgesehen. Abhilfe würde ein komplettes Deaktivieren von Netzwerken während der Navigation schaffen – in diesem Fall werden aber natürlich auch keine Telefonate oder Nachrichten empfangen.

Über die Bluetooth Schnittstelle lassen sich die Clones problemlos mit anderen bluetoothfähigen Geräten koppeln. Eine MicroSD-Erweiterungsmöglichkeit oder NFC ist bei den Clones vergeblich zu suchen.

Fazit

Beide iPhone 6 Clones sind in puncto Materialauswahl und Haptik dem Original unterlegen. Für Leute, die mit einem Einsteiger- bis Mittelklasse Gerät zufrieden sind und den iPhone-Formfaktor lieben, aber lieber mit Android arbeiten, eignen sich die Fakes dennoch relativ gut. Voraussetzung ist allerdings, dass kein allzu großer Wert auf eine Top-Kamera gelegt wird, denn die ist wirklich unterdurchschnittlich. Zumindest bis zur ersten guten Custom Rom muss wohl mit dem vorinstallierten Fake iOS Launcher gelebt werden, der zwar nett anzuschauen ist, die Bedienung des Handys jedoch nicht in allen Bereichen komfortabel macht.

20141025_124213Der Außenlautsprecher der Clones konnte nicht überzeugen. WLAN- und GPS-Empfang sind hingegen sehr gut, und auch am Netzempfang und der Klangqualität des Hörers und Mikrofons bei Telefonaten gibt es nichts auszusetzen.

Insgesamt ist alles also mal wieder in erster Linie eine Frage des Geschmacks. Wer sich für eines der Fake Phones interessiert und den Versand aus China nicht scheut (Achtung, bei Versand über DHL erheben diese mittlerweile eine Gebühr für im Voraus ausgelegte Einfuhrumsatzsteuer beim Zoll!) kann sich bei Aliexpress oder DHgate.com umschauen – hier gibt es viele Händler, die solche Phones in allen möglichen Varianten anbieten. Dabei sollte immer darauf geachtet werden, dass der Verkäufer schon möglichst viele positive Bewertungen hat, denn es tummeln sich auch schwarze Schafe dort! Das Star T6 mit abnehmbarer Rückseite und Dual-Sim gibt es über einen Händler bei Amazon.de.