In LGs Mobilsparte geht derzeit alles Schlag auf Schlag: Rekordzahlen, Erfolgsmeldungen und Innovationen wechseln einander ab. Doch wo liegen die Gründe für den Erfolg?
Für LG läuft es im Mobilgeschäft derzeit rund: Im dritten Quartal meldete der südkoreanische Hersteller Rekordverkäufe und -gewinne. 16,8 Millionen Smartphones setzte das Unternehmen im Zeitraum von Juli bis September ab. Das sind 39 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Das gab LG im Rahmen einer Pressemitteilung bekannt. Im letzten Quartal waren es 14,5 Millionen Geräte gewesen.
Im Ranking der größten Smartphone-Hersteller der Welt landet LG damit auf dem fünften Platz, wie Bloomberg anhand neuer Zahlen der Marktforscher von Strategy Analytics berichtet. Kein Zweifel: LG hat Fuß gefasst im Mobilgeschäft. Doch wo liegen die Gründe für den Erfolg?
LG verfolgt in Teilen eine Strategie, die auch bei Samsung zum Erfolg geführt hat.
Selbst entwickeln
Wichtige Komponenten fertigt LG einfach selbst, um flexibler, schneller und nicht von Zulieferern abhängig zu sein. So hatte das Unternehmen vor einigen Tagen seinen ersten eigenen Prozessor für Mobilgeräte vorgestellt. Der Acht-Kern-Prozessor Nuclun ist für LTE-A Cat.6-Netze ausgelegt, die Geschwindigkeiten von bis zu 300 Mbit/s im Download und bis zu 50 Mbit/s im Upload erlauben.
Eine Erfolgsmeldung lieferte am Donnerstag auch LG Display. Die LG-Tochter präsentierte einen 5,3 Zoll großes Full HD LCD-Display, das eine seitliche Einfassung von lediglich 0,7 Millimeter aufweist. Zum Vergleich zieht die Pressemitteilung eine Kreditkarte heran: Die seien 0,8 Millimeter dick.
Zugrunde liegen LGs “Neo Edge” und “Advanced In-Cell Touch (AIT)”-Technologie. Als Neo Edge bezeichnet LG ein Verfahren, in dem statt eines doppelseitigen Klebebands ein Klebstoff verwendet wird, um Platine und das Element zur Hintergrundbeleuchtung zu fixieren. AIT spart Platz, weil das Touch-Panel direkt in das LCD-Modul eingebettet wird. Die Massenproduktion des Displays soll im November starten.
Investieren
Eigene Entwicklung ist allerdings teuer, dafür investiert LG kräftig. Im Jahr 2013 investierte das Unternehmen laut der Nachrichtenagentur Reuters über 14 Milliarden Euro in Forschung. Drei Milliarden Euro fließen in diesem Jahr in die Erbauung eines eigenen Forschungsparks in Seoul, den größten des Landes. LG Science Park soll der Komplex heißen.
Modellvielfalt
Zudem ist LG nicht abhängig von seinem Flaggschiff-Modell LG G3, sondern arbeitet auch in Mittel- und Einsteigerklasse an einem breiten Gerätesortiment. Im September hatte das Unternehmen den weltweiten Verkaufsstart für seine neue L-Serie verkündet. Die L-Geräte sollen ein Top-Benutzererlebnis bieten, aber dennoch erschwinglich bleiben und sich auch auf aufstrebenden Märkten gut verkaufen.
Experimentieren
Zudem versucht LG mit Innovationen und Experimenten bei den Nutzern zu punkten. Erinnert sei hier an die KnockCode-Funktion oder die Platzierung von Power-Button und Lautstärkewippe auf die Rückseite. Geholfen hat LG sicherlich auch, dass es mit den Nexus-Modellen 4 und 5 zwei viel beachtete Smartphones fertigte, die weltweit enorm viel Aufmerksamkeit bekamen.
Investitionen, eigene Innovationen, ein breites Sortiment: Es wird spannend zu sehen sein, ob LG mit diesem Rezept seinen Erfolg weiter ausbauen kann. Vor allem mit Blick auf Samsung, dessen Handygeschäft derzeit in der Krise steckt, und auf den gleichzeitigen Aufstieg chinesischer Hersteller wie Xiaomi oder Lenovo, die ihre Geräte sehr günstig produzieren können.
