Mit dem Galaxy S5 hat Samsung nun endlich den 80er Jahre Krawatten-Look des S4 entsorgt – Lederoptik ist angesagt. Lohnt sich die Anschaffung des neuen Samsung-Flaggschiffs? Der Bolide wurde einmal genauer betrachtet, wobei sich die eine oder andere überraschende Entdeckung zeigte.
Kunstleder statt 80er Jahre Kitsch
Natürlich war auch die glänzend gemusterte Rückseite des “schwarzen” Galaxy S4 Geschmackssache und mag bei einigen Käufern für Begeisterung gesorgt haben – subjektiv betrachtet, gefiel sie nicht. Die griffig weiche Oberfläche des S5 ist lobenswert, da sie sich nicht nur gut anfühlt, sondern mit ihrer Kunstlederoptik zudem recht edel ausschaut. Fingertapsen sind auch nach längerem Gebrauch so gut wie keine sichtbar. Wie die Back-Cover der Vorgänger-Modelle ist auch das des S5 sehr biegsam. Eine Besonderheit fällt gleich beim ersten Öffnen ins Auge: Eine Gummidichtung, die den Akku und andere wichtige Teile vor dem Eindringen von Wasser schützen soll. Das ist natürlich kein Freifahrtschein für stundenlange Tiefsee-Tauchgänge in Begleitung des Galaxy S5 – eine IP67-Klassifizierung hat das Smartphone jedoch. Auszug aus der Bedienungsanleitung:
“Tests mit diesem Gerät in einer kontrollierten Umgebung haben ergeben, dass es unter bestimmten Umständen gegen Wasser und Staub resistent ist und dadurch die Anforderungefür die IP67-Klassifizierung (siehe internationale Norm IEC 60529) erfüllt. Diese Klassifizierung bezieht sich auf den Schutz, den Gehäuse bieten [IP-Code]. Die Testbedingungen für die Prüfungwaren wie folgt: 15 bis 35 °C, 86 bis 106 kPa, 1 Meter für eine Dauer von 30 Minuten. Trotz dieser Klassifizierung ist das Gerät nicht in allen Situationen wasserdicht.”


Auf der (letztendlich erfolgreichen) Suche nach dem MicroSD-Steckplatz
Der 2.800 mAh starke Akku ist ungewöhnlich lang und schmal. Bei dem Versuch, eine MicroSim und die MicroSD-Speicherkarte einzulegen, zeigte sich Verwunderung: Die MicroSim gehört unverkennbar in einen Einschub über dem Akkusteckplatz, so weit klar – aber wohin mit der Speicherkarte, wurden doch schon S4 und jetzt auch das S5 für ihre Erweiterungsmöglichkeit gerühmt?! Nach dem Entfernen des Akkus zeigten sich keine zuvor verborgenen Einschübe, und auch beim Blick auf den silberfarbenen Zierrahmen rund um das Gerät offenbarten sich lediglich die (angeblich) wasserdichte Abdeckung des breiten USB Steckplatzes (unterstützt USB 3.0) an der Unterkante, eine Lautstärke-Wippe (links) und die Ein-/Aus-/Sperrtaste (rechts) an den Seiten sowie die Infrarot-LED und ein Audio-Steckplatz an der Oberkante.


Die Bedienungsanleitung musste her, um zu klären, dass ZUERST die MicroSimkarte in ihren Einschub gesteckt wird und DARÜBER die MicroSD-Karte. Dieser Hinweis ist wichtig. Bei genauer Betrachtung und mit etwas Logik hätte dies auch selbst erschlossen werden können. Wichtig ist jedenfalls, die Rückseite komplett in ihre Verankerungen einzurasten und den USB-Steckplatz sorgfältig mit seiner Abdeckung zu verschließen – beim Starten des Smartphones oder Abziehen des USB-Kabels erscheint nämlich extra diesbezüglich eine Warnung auf dem Display von wegen Wasserschäden und so – dies erinnert ein bisschen an das Warnblinklämpchen im Auto bei nicht angelegtem Anschnallgurt.


Es blinkt, es misst – und Fingerscannen kann es auch!
Unter der Aussparung für die rückwärtige Kameralinse befindet sich neben dem LED-Blitz ein Sensor zum Messen der Herzfrequenz. Dieser ist funktional in die vorinstallierte Fitness-Anwendung S Health integriert. S Health erkannte im Test mittels Pulsmesser zwar den aufgelegten Finger, weigerte sich aber zunächst, einen Wert anzuzeigen. Stattdessen forderte die Anwendung wiederholt dazu auf, die Fingerspitze mittig aufzulegen, dabei nicht zu stark zu drücken und das Handy ruhig zu halten. Schließlich, beim gleichzeitigen Fingerdraufhalten und Fotografieren, erfolgte die Pulsmessung.


Auch beim Galaxy S5 darf sich der Nutzer über eine mehrfarbig blinkende Notification-LED freuen, die nebst Hörergitter, Samsung-Schriftzug, Sensoren und 2 Megapixel-Kamera über dem Display platziert ist. Der mittig zwischen zwei beleuchteten Sensortasten mit Menü- und Zurück-Funktion angesiedelte physische Home-Key ist noch so eine Sache, an der sich die Geister scheiden: Während manch einer die Taste als taktile Orientierung schätzt, bevorzugen andere ein durchgängig glattes Sensorfeld. Eine Besonderheit verbirgt sich jedoch im Home-Key des Galaxy S5: Der Finger-Scanner, der im Test auch tatsächlich recht sensibel funktionierte (beispielsweise als Ersatz für die Passworteingabe bei PayPal) – allerdings nur, wenn darauf geachtet wurde, den Finger mittig und ganz gerade über den Sensor zu ziehen. Dass sich Fingerabdruck-Sensoren leider mit dem entsprechenden Know-How auch von unbefugten Griffeln bedienen lassen und somit nicht das ultimative Sicherheitsutensil darstellen, dürfte wohl allgemein bekannt sein – schade eigentlich.
Was ist im Lieferumfang enthalten?
Im holzgemaserten Zubehörkarton des Galaxy S5 befinden sich außer dem Handy der wechselbare 2.800 mAh Akku, ein USB-Datenkabel mit einem USB 3.0 kompatiblen breiten Stecker, ein Netzteiladapter, ein Stereo-Headset sowie eine Kurzanleitung. Neben dem mitgelieferten Datenkabel können auch herkömmliche MicroUSB-Kabel am Steckplatz des Galaxy S5 genutzt werden, dann allerdings mit der dementsprechend niedrigeren Übertragungsrate.
Die wichtigsten Daten des Samsung Galaxy S5 im Überblick:
| Betriebssystem: | Android 4.4.2 (KitKat), TouchWiz UI |
| Prozessor: | 2,5 GHz Quad-Core Snapdragon 801 |
| Display: | kapazitiv, 5,1 Zoll (12,95 cm), Full HD Super-AMOLED (1920 x 1080 Pixel), Corning Gorilla Glas 3 |
| Arbeitsspeicher: | 2 GB |
| Interner Speicher: | 16 GB / 32 GB |
| MicroSD | bis 64 GB |
| Kamera: | 16 Megapixel, LED-Blitz, Autofokus, Echtzeit HDR |
| Videoaufnahme: | 3.840 x 2.160 Pixel |
| Frontkamera: | 2 Megapixel, 1080p@30fps Videos |
| Konnektivität: | WLAN 802.11 a/b/g/n/ac Dual-Band, Wi-Fi MIMO (2×2), Download-Booster (gleichzeitig Wi-Fi MIMO und LTE-Netz), Wi-Fi Direct, Bluetooth 4.0, DLNA, NFC, Infrarot |
| Netzwerke: | 4G, 3G, 2G |
| Schnittstellen: | 3,5 mm Klinkenanschluss, USB 3.0 mit MHL (HDMI-Unterstützung) |
| Ortung: | A-GPS mit Glonass |
| Besonderheiten: | Fingerabdruck-Scanner, Pulsmesser, IP67-Zertifizierung |
| Akku: | 2.800 mAh |
| Maße: | 140 x 71,5 x 7,9 mm |
| Gewicht: | 145 g |
Tolles Display und prima Kamera mit Echtzeit-HDR
Das 5,1 Zoll (12,95 cm) Full HD Super AMOLED Display des Samsung Galaxy S5 ist gegenüber dem Screen des S4 nur geringfügig gewachsen und wartet mit einer Auflösung von 1.920 x 1.080 Pixel auf. Wie auch die Screens seiner Vorgänger ist der des neuen Flaggschiffs ein echter Hingucker. Eine gute Ausleuchtung, knackige Schärfe und brillante Farben (die Liebhabern von IPS-Displays vermutlich etwas zu kräftig sein dürften) wissen auch beim S5 wieder zu überzeugen, ebenso wie die präzise Bedienbarkeit per Fingereingabe. Die Funktion “Adapt Display” optimiert über Sensoren Farben, Sättigung und Schärfe. Aus einem engen seitlichen Betrachtungswinkel sind auch kleine Details auf dem Display noch gut erkennbar, direkte Einstrahlung von Sonnenlicht erschwert die Ablesbarkeit aufgrund der reflektierenden Screen-Oberfläche jedoch erheblich.


Die 16 Megapixel-Kamera auf der Rückseite des S5 liefert Fotos in einer maximalen Auflösung von 5.312 x 2.988 Pixel. Langer Rede kurzer Sinn: Fotoaufnahmen gelangen bei optimaler Beleuchtung einfach klasse. Schärfe, Farbtreue und Kontraste waren stimmig, Fokus und Auslöser reagierten superschnell. Dämmerlichtaufnahmen wirkten dezent verrauscht, wurden aber auch ohne Nachbearbeitung und Blitzeinsatz ausreichend hell dargestellt (siehe Galerie). HDR und ein selektiver Focus sorgen bei der Knipse neben vielen weiteren Einstellungsmöglichkeiten fürs Feintuning – bei einer so guten Aufnahmequalität sind weitere Labor-Messungen oder -Auswertungen kaum notwendig. Gleiches gilt für Videoaufnahmen, die in UHD mit 3.840 x 2.160 Pixel möglich sind und im Test sowohl in der Bild- als auch in der Tonqualität zu überzeugen wussten.


Android 4.4.2 und TouchWiz: Altes raus, Neues rein
Auf dem Samsung Galaxy S5 läuft werkseitig Android in der Version 4.4.2 mit leicht überarbeiteter TouchWiz Oberfläche. Die Änderungen der TouchWiz UI gegenüber der Vorgängerversion sind nicht wirklich spektakulär, jedoch fällt auf, dass einige sowieso nicht perfekt funktionierende Funktionen erfreulicherweise entsorgt wurden, wie beispielsweise SmartScroll, bei dem man eher den ganzen Körper als nur die Augen bewegen musste, um einigermaßen durch eine Seitenansicht scrollen zu können. Dafür gibt es auf der linken Seite des Startscreens die Funktion “My Magazine”, welche den Interessen des Nutzers entsprechende Inhalte präsentiert – S Health, Geo-Neuigkeiten, Galaxy Essentials und Galaxy Gifts sind über weitere Widgets aufrufbar.
Integriert wurde ein Notfallassistent ebenso wie die bereits vom S4 bekannte Multi Window Funktion, ein einfacher Modus, Energiesparmodus, Air View oder Screen Mirroring.



Neben dem aufgeräumt wirkenden App-Drawer gibt es ein weniger aufgeräumt wirkendes Einstellungsmenü, das werkseitig in einer ungewohnten Rasteransicht daher kommt, sich aber glücklicherweise in die gewohnte Liste umschalten lässt. Die einzelnen Menüpunkte zieren farbige Punktsymbole, die Anordnung der Menüstruktur ist teilweise gänzlich anders als vom Stock-Android gewohnt und wirkt subjektiv betrachtet nahezu ebenso unübersichtlich und ellenlang wie das Listenmenü von Smartphones mit Windows Phone OS.
Natürlich sind solche Feinheiten Geschmackssache, und dies stellt eine Kritik auf hohem Niveau dar, denn bedienen ließ sich die Oberfläche insgesamt sehr flüssig und fehlerfrei.



Und wie schlägt sich das Samsung Galaxy S5 in der Praxis?
Der 2,5 Gigahertz Quad-Core Snapdragon 801 Prozessor sorgt gemeinsam mit 2 Gigabyte RAM für eine erwartungsgemäß flüssige Performance, wenngleich sich manch einer sicherlich einen 3 Gigabyte großen Arbeitsspeicher erhofft hätte. In puncto Benchmarkwerte lassen die Screenshots sprechen:



Vom 16 Gigabyte großen internen Speicher des Testgerätes stehen dem Nutzer etwa 11 Gigabyte zur Verfügung, die sich mit MicroSD(TM)-Karten um bis zu 64 Gigabyte (es gibt auch Datenblätter, in denen von 128 Gigabyte die Rede ist) erweitern lassen (wenn der MicroSD-Kartenslot gefunden wird). Ein werkseitig integrierter Direktzugang zum Dropbox-Konto bietet zusätzlich zwei Jahre lang 50 Gigabyte kostenlosen Cloud-Speicher. Das Galaxy S5 ist außerdem in einer Version mit 32 Gigabyte internem Speicher erhältlich.
Wer hätte es gedacht: Telefonieren kann man auch mit dem Galaxy S5, und das sogar ziemlich gut. In O2-Netzen war sowohl der 2G- als auch der 3G-Empfang durchgehend gut bis sehr gut, die Sprachwiedergabe auf beiden Gesprächsteilnehmer-Seiten klar und deutlich – Stimmen klangen authentisch und auch zu Gesprächsabbrüchen kam es nicht. Der Empfang im LTE-Netz konnte mangels Netzabdeckung nicht getestet werden. Sehr positiv wusste der GPS-Empfänger zu überzeugen, der unter freiem Himmel auch ohne die optional hinzuschaltbare Unterstützung durch WLAN oder mobile Netze innerhalb weniger Sekunden einen Sat-Fix zustande brachte.



Der rückseitig verbaute Medienlautsprecher wirkt winzig im Vergleich zu den Front Stereo-Lautsprechern einer HTC One Serie, sorgt aber für einen ausgewogenen Klang und ausreichend Lautstärke.
Bei moderater Nutzung stromfressender Anwendungen wie Internet, Kamera oder Music-Player kommt man mit einer Ladung des 2.800 mAh-Akkus auch ohne aktivierten Energiesparmodus gut über den Tag. Welche Standby-Werte die App Akku & Batterie HD dem Akku (bei deaktivierter Energiesparfunktion) des Galaxy S5 bei der Nutzung von Media-Player, Internet oder Telefon bescheinigte, ist im Screenshot ersichtlich.
Wer einen Vertrag mit LTE-Unterstützung und eine gute Netzabdeckung hat, kann dank Download Booster hohe Datenübertragungsraten durch gleichzeitigen Einsatz von WLAN und LTE erzielen und so innerhalb kurzer Zeit große Datenmengen aus dem Netz herunterladen.
Fazit
Abgesehen von einem etwas fummelig zu bedienenden Finger-Scanner und dem (im Test) störrisch agierenden Herzfrequenz-Sensor gibt es auch beim Samsung Galaxy S5 kaum etwas zu bemängeln. Angefangen beim brillanten Display, bis hin zur schnellen Performance oder überragenden Kamera-Qualität erfüllt das Device alles, was man sich von einem Smartphone dieser Preisklasse erhoffen darf.
Das eher unübersichtlich strukturierte, ellenlange Einstellungsmenü hinterließ einen etwas unzufriedenen Eindruck – die Entrümpelungsaktion in puncto unnötige Anwendungen (siehe SmartScroll) wusste hingegen zu begeistern.
Wer sich an der glatt-glänzend gemusterten Rückseite des Galaxy S4 gestört hat, dürfte vielleicht an der matten und griffigen Kunstlederoberfläche des S5 Backcovers Gefallen finden. Die Front des S5 hat sich gegenüber dem S4 bis auf etwas ausladendere Ecken kaum verändert.
Wenngleich sich Samsungs neues Flaggschiff insgesamt in vielen Punkten verbessert hat, stellt sich die Frage, ob diese doch eher geringfügigen Upgrades die Mehrkosten einer Neuanschaffung des S5 rechtfertigen, wenn man schon Besitzer eines Galaxy S4 ist. Beide Smartphones sind super, das S5 sicherlich noch einen Tucken besser, dafür aber auch teurer. Die Entscheidung bleibt wie immer jedem selbst überlassen.
Pro
- Starke Performance
- Brillantes Display
- Super Kamera
- Fitness-Anwendungen
Contra
- Unübersichtliches Einstellungsmenü
- Etwas “launische” Fingerprint- und Herzfrequenz-Sensoren
