Nintendos Switch ist hardwareseitig eng an Android-Devices angelehnt. So viel ist bekannt. Diese Tatsache und die neue, offenere Lizenzpolitik verhilft auch kleinen Titeln zum Sprung auf den Spiele-Hybriden. Geht oft gut, kann aber auch daneben gehen.
Dark Witch Music Episode: Rudymical wurde aus Redaktionsmitteln im Nintendo eShop erworben.
Verdammichnochmal! Bereits zum fünften Mal prüft den Spieler eine viel zu kleine, rehäugige (und vermutlich auch minderjährige) und nur knapp bekleidete Dame mit viel zu großen Brüsten. Immer wieder schmeißt sie rote, grüne und blaue Bälle, verschießt Feuerbälle – und das im Takt zur hektischen Synthesizer-Mukke im Hintergrund. Die einzige Aufgabe: Die Bälle abwehren, dem Feuer ausweichen. Jeder zerstörte Ball fügt der Konkurrentin Schaden zu, ist ihr Balken geleert, ist der Kampf gewonnen. Umgekehrt bedeuten zu viele verpasste Bälle den schnellen Tod. Simple as that? Fast.
Je nachdem, wann die Bälle getroffen werden, wird ein Good, Great oder Perfect erzielt, welches den Score füllt. Am Ende eines Kampfes wird abgerechnet und ein Ranking präsentiert, bei dem es von E (verdammt schlecht) bis zu S (exzellent) geht. Ein sehr gutes Ergebnis gewährt Kristalle, die in neue Charaktere und Stages investiert werden und die (zugegeben sehr dünne) Story voranbringen. Es erwarten den Spieler mit allen Bonusleveln insgesamt 13 Stages, die in vier Schwierigkeitsstufen (Easy, Normal, Hard, Lunatic) bewältigt werden müssen.
Die Qualität? Nun ja…
Der Umfang mag für einen gut acht Euro teuren Titel stimmen, die Qualität allerdings… nun ja. Dark Witch Music Episode: Rudymical ist nur der Spin-Off einer auf dem 3DS höchst erfolgreichen RPG-Reihe, und mehr als diese Rhythmusspielereien bietet es halt nicht. Da jeder Song höchstens drei Minuten dauert, sind die 13 Lieder schnell durchgespielt. Das wäre weiter nicht schlimm, blieben die Melodien im Ohr. Stattdessen sind sie beliebig, wie Musik eben nur sein kann. „Fahrstuhlmusik“ hätte man früher dazu gesagt.
Erschwerdend kommt hinzu, dass die Spielidee (Bälle im Takt der Musik treffen) witzig ist, viele der Ziele aber außerhalb des Taktes getroffen werden müssen, um einen Perfect abzustauben. Im Lunatic-Modus verkommt das rhythmische Knöpfchendrücken gar zur Tastenklopperei, so schnell schießen die Ziele über den Bildschirm. Uff! Dark Witch Music Episode: Rudymical bietet Solospielern trotzdem keine angemessene Herausforderung, eine Rangliste mit den besten Scores weltweit etwa fehlt, die Luft entweicht ab der ersten Minute und nach einer Stunde ist sie komplett raus.
Rudymical will die so Enttäuschten erneut ködern, mit den zwei Mehrspielermodi Versus und Coop für zwei Spieler im Splitscreen. Doch der VS-Modus wird faktisch noch immer gegen die CPU gespielt, der Spieler mit dem höheren Score gewinnt. Da hilft es auch nicht, dass die Charaktere gewisse Spezialfähigkeiten haben – die Versus-Drückerei verödet. Im Coop-Modus werden die finalen Scores addiert. Simple as that.
Einzig der Pixelart-Look ist nett. (Bild: Flying Works)
Die Präsentation ist spartanisch, die Geschichte langweilt, die Charaktere entsprechen stereotypischen JRPG-Vorstellungen. Die redundante Musik schmerzt nach wenigen Takten, die quiekenden Stimmen sind geradezu nervtötend. Und die Steuerung? Unpräzise, der Dolchstoß für ein Musikspiel. Der durchaus charmante Pixelart-Look ist der vermutlich einzige Aspekt, der positiv zu bewerten ist.
Fazit: Lohnt nicht, es sei denn, zu viel Geld ist übrig
Bislang wurden auf Switch rezensiert: Das fordernde Has-Been Heroes (Test hier), das zeitlose Minecraft Nintendo Switch Edition (Test hier) und zuletzt Fast RMX (Test hier). Genannte Titel sind toll, mindestens aber interessant. Dark Witch Music Episode: Rudymical kann an genannte Titel nicht anknüpfen und ist ein seelenloses wie undurchdachtes Musikspielchen, dessen Melodien sich nicht im Kopf festsetzen, dessen Steuerung reichlich unpräzise ist und auch den Mehrspieler-Part sträflichst vernachlässigt. Von einem Kauf wird abgeraten.
Wer acht Euro zu viel hat? Dann kann Dark Witch Music Episode: Rudymical im Nintendo eShop heruntergeladen werden.
Dark Witch Music Episode: Rudymical (Switch) im Test: Aus dem Takt geraten
Pros
- Günstiger Preis
- Charmanter Pixelart-Look
Cons
- Musik geht nicht ins Ohr
- Steuerung unpräzise
- Unmotivierendes Spielprinzip
