Was wurde eigentlich aus SciFi-Rennspielen? WipeOut wird nur lauwarm aufgekocht, Nintendos F-Zero ist faktisch tot. Bevor in wenigen Wochen Redout zur Ausfahrt jenseits der Schallmauer einlädt, ist es erst einmal Fast RMX, das auf Nintendo Switch in seinen Bann zieht.
Der Review-Code wurde freundlicherweise von Hersteller Shin’en Multimedia bereitgestellt. Getestet wurde die aktuellste Version, die über einen zusätzlichen Spielmodus verfügt.
Es war einmal ein Studio, das sich in Technik reinfuchsen konnte wie kaum ein anderes. Notiz nahmen davon nur wenige. Ein Shooter (Nanostray) wurde von der Presse gelobt, ansonsten aber waren die eigenen Spiele stets unter dem Radar der spielenden Öffentlichkeit. Alles änderte sich, als dieses Studio sich im Jahr 2011 an einem SciFi-Rennspiel probierte. WipeOut und F-Zero waren da längst tot, mit Fast Racing League war aber nicht der Versuch, eine Hommage an die Klassiker zu veröffentlichen. Man sprengte die Grafikmöglichkeiten der Wii und bot ein durchaus interessantes Spielkonzept, das eigene Akzente setzte.
Die Strecken sind abwechslungsreich und echte Hingucker. (Bild: Shin’en / Nintendo)
Wenige Jahre später kam dann der Nachfolger auf der glücklosen Wii U: Fast Racing Neo war größer, hübscher, schneller – und vom Schwierigkeitsgrad her geradezu brutal. Es etablierte sich aber bereits mit diesem Teil als einer der herausragenden Genre-Beiträge und kann bis heute auf einen Metacritic-Schnitt von 81 % verweisen. Die Formel ist simpel: Gleiter + hohe Geschwindigkeit + enorme Schauwerte * Wiederspielwert = mordsmäßig viel Spaß. Der Clou ist das Phasensystem: Euer Gleiter leuchtet entweder orange oder hellblau auf – auf Knopfdruck wechselt ihr in den jeweils anderen Zustand. Fahrt ihr über ein orangenes Beschleunigungsfeld, muss euer Gleiter die gleiche Farbe haben, andernfalls wird er ausgebremst. Bei Sprüngen führt die falsche Phase zum Sturz in den Abgrund. Das Spiel in Bewegung wird hier gezeigt:
Alles neu?
Die Switch-Version mit dem Namen Fast RMX ist gegenüber dem nur eineinhalb Jahre jungen Vorgänger eine nur dezent aufgebohrte Variante. Nicht schlimm, denn „dank“ der geringen Verbreitung der Wii U dürften die wenigsten Zocker Fast Racing Neo jemals zu Gesicht bekommen habe. Das Gesamtpaket umfasst satte 30 Rennstrecken und 15 unterschiedliche Gleiter. Mit denen kämpft ihr um die Meisterschaft, stellt Rundenrekorde im Zeitfahren auf oder beweist euch im Heldenmodus. In letzterem fahrt ihr die Rennen unter erschwerten Bedingungen – Boost-Energie steht euch nicht, wie sonst, in Form kleiner Kügelchen zur Verfügung und kann immer wieder aufgeladen werden. Jeder Turbo zwackt stattdessen etwas von eurer Schildenergie ab. Ist diese komplett auf null runter, war es das mit der Zielankunft. Game Over. Bitte noch einmal von vorn.
Plasmastrahl voraus! Mit der richtigen Phase könnt ihr den aber problemlos passieren. (Bild: Shin’en / Nintendo)
Neben dem Solospiel könnt ihr mit bis zu vier Spielern an einer Switch zocken und online oder im lokalen Netzwerkmodus gar gegen sieben weitere Fahrer antreten. Während der Splitscreen-Modus nur auf dem großen Fernseher Sinn macht, da der Handheld-Bildschirm für zwei zu klein ist, sind die Einzelspieler-Rennen auch im Handheld-Modus ein audiovisueller Genuss.
Grafik, Sound und Präsentation auf Top-Niveau
Fast RMX setzt die Messlatte für technisch beeindruckende Grafik plattformübergreifend ein gutes Stück höher. 1080p (720p im Handheld-Modus) bei butterweichen 60 Bildern pro Sekunde transportieren die Geschwindigkeit perfekt. Die tollste Grafikroutine bringt nichts, wenn das Design hinter den Möglichkeiten zurückbleibt. Die Gleiter etwa wirken einerseits elegant und windschntitig, aber auch massiv und schwer – so wie ein solches Geschoss vermutlich auch in der Realität aussehen würde. Besonders hervorzuheben sind allerdings die Strecken. Shin’en Multimedia haben jeder Strecke ein forderndes Layout maßgeschneidert und die Umgebungen mit allerlei Schauwerten vollgepackt.
Bis zu vier Spieler rasen im Splitscreen – bis zu acht im lokalen Netzwerk oder online. (Bild: Shin’en / Nintendo)
Im Kuiper-Gürtel rasen Asteroiden an euch vorbei, im Dschungel blitzt und regnet es, in der Wüste blendet euch die gleißend helle Sonne und in einer Hafenanlage werden fleißig Frachtcontainer verschoben – manchmal auch direkt in eure Ideallinie. Die Gestaltung der Strecken ist derart beeindruckend, dass sie sich mit F-Zero GX messen kann.
Steuerungsmöglichkeiten
JoyCon einzeln: Ja / quergehalten
JoyCon links und rechts: Ja / ein Paar pro Mitspieler
Switch Pro Controller: Ja /ein Controller Pro Mitspieler
Touch-Eingabe: mit Abstrichen, Menüs können bedient werden, zum Spielen wird ein Controller/JoyCon-Paar benötigt
Treibende Beats und wuchtige Geräusche komplettieren die Kulisse. Die Steuerung verlangt etwas Einarbeitung und Kenntnis über die Gleiter, denn diese verhalten sich teils arg unterschiedlich. Langsame, aber gut zu steuernde Boliden finden sich ebenso im Aufgebot wie das wuchtige PS-Gefährt mit schwammiger Kurvenlage. Dank der verschiedenen Steuerungsmöglichkeiten dürfte aber jeder Spielertyp damit klar kommen, wobei sich der Pro Controller für Switch empfiehlt.
Fazit: Nahe an der Perfektion und einer der besten Switch-Titel
Rennspiele auf Switch? Klar, Mario Kart 8 Deluxe! Abseits der quietschbunten Comic-Raserei gibt es mit Fast RMX eine tolle Alternative, die sich aber an ein erfahreneres Publikum richtet. Die Geschwindigkeit überzeugt, die Grafik ist phänomenal und der Umfang ordentlich. Allein der hohe Schwierigkeitsgrad dürfte einige abschrecken, Fast RMX über eine Anspielsession hinaus eine Chance zu geben. Für Fans von F-Zero, WipeOut oder Quantum Redshift sind sind die 19,99 € perfekt angelegt.
Das Spiel erhaltet ihr exklusiv im Nintendo eShop zum Download.
Fast RMX (Switch) im Test: Für Liebhaber von Wipeout und F-Zero
Pros
- Erstklassiges Spielkonzept
- Audiovisuell überragende Präsentation
- Guter Spielumfang mit 30 Strecken und 15 Gleitern
- Hoher Wiederspielwert
- Günstiger Preis
Cons
- Etwas zu schwer für Einsteiger
- "Nur" Aufguss der Wii U-Variante