Der Sommer ist nicht nur die ideale Urlaubszeit, sondern für Sparfüchse und Schnäppchenjäger besonders attraktiv. Der Grund: Bevor auf der IFA in Berlin die neuste Generation der elektronischen Unterhaltung präsentiert wird, versuchen die Hersteller von Smartphones, Tablets und Co. ihre Lager zu leeren. Davon lässt sich profitieren, und die Vorgehensweise wird aufgezeigt.
Schnäppchen ist nicht gleich Schnäppchen
Es ist ein Kreuz mit der Elektronik. Samsung schmeißt alle paar Monate ein neues Flaggschiff-Smartphone auf den Markt (etwa das getestete Galaxy S7), Sony überholt sich selbst beim Versuch, die Xperia-Produktreihe auszutauschen und dann wäre da noch der Wust unzähliger anderer Hersteller, die glücksritterartig einen Anlauf nach dem anderen starten, um Kunden für sich gewinnen zu können.
Die IFA ist traditionsgemäß eine jener Messen, auf denen die Neuigkeiten aus dem Tech-Segment großspurig angekündigt werden. Während die Flaggschiffe und Innovationen eher höherpreisig angesetzt sind und meist noch viele Monate auf sich warten lassen, befinden sich die Preise für die mit einem halben oder ganzen Jahr nur minimal veraltete Technik im freien Fall. Dieser Effekt setzt nicht mit Eröffnung der IFA ein, sondern Monate dafür, zumeist schon im Mai.
Was ein Taschenmesser mit Android zu tun hat? Es illustriert, wie absurd Kundenbewertungen sein können. (Foto: Wenger)
Die Spreu vom Weizen trennen zu können ist bei der Schnäppchenjagd wichtig. Zum einen lässt sich mittels Testberichten ein Überblick verschaffen – solche Reviews, die ebenfalls angeboten werden, zeigen oftmals schonungslos, wie gut oder schlecht ein Gerät ist. Gerätestests sind aber nur ein Indikator, ebenso wichtig sind die Kundenbewertungen und -rezensionen, wobei deren Tendenz – sagen wir – öfter merkwürdig sein kann, wie dieses Produkt auf Amazon.de zeigt. Die Kundenrezension als Witz? Für einen Lacher gut, jedoch wenig hilfreich.
Der Online-Anbieter selbst gilt zwar als eines der größten Versandhäuser, nicht jedoch unbedingt als jenes, welches Kundenbewertungen und Produktqualität so gewichtet, dass ein in sich schlüssiges Bild entsteht, das zum Kauf animiert oder davon abhält. Gerade bei der Technik werden die Fanboys aktiv, also jene Fraktionen, die einen Hersteller bis hin zur religiösen Verblendung hin unterstützen oder aber regelrecht vernichten wollen. Da ist das Samsung-Handy doof, weil es von Samsung ist und Sonys Xperia-Reihe die heilige Kuh, weil Sony ansonsten noch die PlayStation fertigt.
Vergleichs- und Schnäppchenportale wie Preis24.de sind oftmals transparenter als reine Versandhändler. (Bild: N-Droid.de)
Hilfreiche Reviews im Netz gibt es dennoch und sie lassen sich auf einigen Schnäppchenseiten finden. Exemplarisch hierfür soll preis24.de stehen. Die Seite vermittelt ausschließlich Elektronik und günstige Tarife, die günstig als Schnäppchen erworben werden können. Da eine solche Seite die feil gebotenen Waren nicht selbst verkauft, sondern lediglich vermittelt, ist das Unternehmen darauf erpicht, Kunden ein möglichst hochwertiges Produkt anzubieten.
Während der Einkauf über die Seite wirklich flott vonstatten geht, wird jedoch moniert, dass die Preisentwicklung der Produkte nicht dargestellt wird. Ob ein Smartphone nun über einen sehr langen Zeitraum preisstabil blieb, sich im leichten Sinkflug befindet oder im freien Fall, das lässt sich nur erahnen. Billiger.de ist hierin klar im Vorteil.
So grenzt man Schnäppchenkandidaten ein
Schnäppchenseiten sind also benannt, nun wird sich der günstigen Technik gewidmet, auf die jeweiligen Bedürfnisse zugeschnitten. Da hier die Empfehlungen in die Millionen gehen würden, sollen lieber einige allgemeine Tipps gegeben werden.
- Budget. Es sollte zunächst ein Budget festgelegt werden, welches ausgegeben werden soll. Android-Technik ist mittlerweile so günstig und solide, dass sogar Billig-Handys wie das Cubot P12 im Test mit ihrer Fertigung und der guten Hardwarezusammenstellung überraschen.
- Günstiger = Kompromiss. Generell gilt: Je günstiger das Smartphone oder Tablet, desto mehr Kompromisse muss der Hersteller eingehen, um den niedrigen Preis zu erreichen. Ein schwächerer Chipsatz, eine miese Kamera, weniger Arbeitsspeicher oder gar – besonders schlimm – eine minderwertige Verarbeitung schmälern die Freude am Gerät. Dennoch: Es empfiehlt sich, die Vorlieben festzulegen und nicht nach der eierlegenden Wollmilchsau zu gieren. Braucht man etwa eine super Kamera, ist man mit einem Xperia-Smartphone gut bedient; für die Büroarbeiten eignen sich die Note-Devices von Samsung. Jeder Hersteller hat neben besagten „Allroundern“ auch immer ein paar Smartphones und Tablets im Aufgebot, die ihre Stärken in einer Disziplin ausspielen.
- Rezensionen subjektiv lesen. Wurde festgelegt, was das Smartphone bieten soll, so können die Reviews höchst subjektiv gelesen werden. Aber sollten Rezensionen denn nicht objektiv sein? Stimmt schon, aber die Objektivität heißt auch, Pros und Contras klar zu benennen. Bleiben wir beim Kamerabeispiel: Was schert es, wenn Smartphone X eine tolle Knipse hat, aber dafür 200 mehr kostet als Modell Y, welches einen 08/15-Sensor verbaut bekam. Die Preisersparnis ist enorm und Schnäppchenseiten drücken den günstigeren Betrag nochmals.
- Handy mit oder ohne Vertrag. Eher ein Unterpunkt, aber nicht ganz unwichtig. Natürlich werden Handys und Tablets gerne mit einem Vertrag angeboten – dann kostet das Gerät der Begierde „nur“ einen Euro. Oder auch nicht – in einem Tarifspecial findet sich ein ausführliches Pro und Contra von Langzeitverträgen, das die Entscheidung erleichtern kann.
- Schnäppchenseite nutzen. Preis24.de und Co. bieten viele Produkte in ihren Listen nicht einfach an, oftmals handeln sie mit Versandhändlern direkt um Rabatte, die an die Kunden weitergegeben werden. So kann es vorkommen, dass ein Smartphone auf preis24.dewesentlich günstiger ist als auf conrad.de, reichelt.de oder eben Amazon. Der Grund liegt eben in der Abmachung, bestimmte Produkte nur über diesen oder jenen Kanal zum Schnäppchenpreis anzubieten. Im Zweifel führt der Weg über die Vergleichsportale – das kostet nichts und bringt, im Gegenteil, eine Ersparnis, die teils bei einem Drittel der UVP liegen kann.
Für den Sommer als Jahreszeit zur Schnäppchenjagd spricht, wie eingangs erwähnt, dass die großen Messen vor der Tür stehen, Lager geräumt werden müssen und die (vermeintlich) veraltete Technik noch vor der Erneuerung der Produktpalette an den Endkunden gebracht werden soll. Wird jetzt gekauft, ist zum Weihnachtsgeschäft vielleicht nicht mehr das taufrischste Gerät vorhanden – aber viele Euros mehr im Portmonee.