Zum Inhalt
n-droid.de
Veröffentlicht am News 3 Min. Lesezeit

Alibaba, Aliyun, Android: Acer ist nicht Googles Problem, sondern Amazon

Oha, Google scheint zu versuchen, allzu großen Android-Wildwuchs einzudämmen. Nun ja, eben da, wo es noch geht.

Am Donnerstag war bekannt geworden, dass Acer eine Partnerschaft mit der chinesischen Plattform Alibaba plante. Gemeinsam wollte man ein Gerät mit dem Aliyun OS herausbringen, eine zwar auf Android basierende, aber mit dem Google-Ecosystem inkompatible Software. Google hat Acer offenbar eine Aufkündigung der Zusammenarbeit angedroht, sollte das A800 Cloud Mobile tatsächlich auf den Markt kommen. Nun veröffentlichte Google mehrere Statements zu Thema.

Zum konkreten Fall hat Google wie folgt Stellung bezogen:

“Kompatibilitäte ist das Herz des Android-Ecosystems und stellt eine konstistente Nutzerfahrung für Entwickler, Hersteller und Konsumenten sicher. Nicht-kompatible Android-Versionen, wie Alyiun, schwächen das Ecosystem. Alle Mitglieder der Open Handset Alliance (OHA) haben vereinbart, gemeinsam eine Android-Plattform zu entwickeln und keine nicht-kompatiblen Devices zu produzieren. Nichts hält sie jedoch davon ab, Geräte mit anderen konkurrierenden Plattformen herauszubringen.”

Win-Win-Situation
Nun meldete sich auch Andy Rubin im offiziellen Google Blog zu Wort, ging jedoch nicht auf den konkreten Fall ein, sondern beschreibt die grundsätzliche Strategie von Google, die – wenn sich jeder an sie hält – eine Win-win-Situation für Entwickler, Hersteller und Konsumenten sei.

“Wir haben Android als Open-Source-Plattform konzipiert, die für jedermann frei verfügbar ist, der sie verwenden möchte. [...] Als Hauptenwickler tragen wir jedoch eine Verantwortung gegenüber den App-Entwicklern, die Apps speziell für Android OS entwickeln. Je mehr Entwickler gute Apps für Android produzieren, desto mehr Konsumenten werden sich ein Android-Smartphone kaufen. Je mehr Konsumenten sich für ein Android-Gerät entscheiden, desto größer wird die potenzielle Kundschaft für Android-Apps.”

Als eine der größten Gefahren für die Android-Plattform bezeichnet Rubin die Inkompatibilität zwischen verschiedenen Android-Versionen. Nur zum Ecosystem kompatible Geräte profitieren von der Totalität der Android-Infrastruktur. Wer der Open Handset Alliance beitrete, bindet sich an die eine, von allen Mitgliedern gepflegte und zu allem kompatible Android-Version. Dies ist der Grund, warum Acer sein Smartphone in China nicht auf den Markt bringen soll.

Amazon kein Mitglied der OHA

Gleichzeitig liegt hierin der Grund, warum Amazon kein Mitglied der OHA ist. Amazon bietet bekanntlich seit dem letzten Jahr sein Kindle Fire-Tablet an – mit einer zum Google-versum inkompatiblen Android-Variante. Statt des Google Play Stores bedient Amazon sein eigenes Contentangebot aus Filmen, Musik, Apps oder Büchern. Heißt: Amazon ist vollkommen unabhängig von Google, selbst wenn Android morgen komplett vom Markt verschwände, könnte das Online-Kaufhaus seine Software-Version eigenständig weiterentwickeln.

Google muss deshalb jede Form von Wildwuchs schon im Keim ersticken. Und zwar 1., um die Nutzerfahrung konsistent zu halten, 2., um Independenzbestrebungen der OHA-Mitglieder zu unterbinden und sie an den Google Play Store zu binden und 3., um in einem Markt wie China, wo über 80 Prozent aller verwendeten Smartphones mit Android laufen, langfristig keine Alternative zum nativen Android-Ecosystem entstehen zu lassen und weitere Einkünfte zu verlieren.

Voodoopuppe von Jeff Bezos?
Acer hingegen verfügt nicht im Ansatz über eine vergleichbare Content-Infrastruktur, sondern ist in Sachen Android voll von Google abhängig. Sonst würde sich das Unternehmen schließlich kaum in dieser Weise zurückpfeifen lassen. Ob Andy Rubin eine Voodoo-Puppe von Jeff Bezos auf dem Nachttisch stehen hat? Es wird sich zeigen, ob es Google auch gelingt, Sonys ehrgeizige Intentionen langfristig im Zaume zu halten.