Mit dem Kindle Fire HD wagt sich Amazon erstmals mit eigener Hardware über die US-Grenzen hinaus. Dem Kunden versucht der Konzern soviel Konsumkomfort zu bieten wie möglich.
Letztes Jahr hatte Amazon es selbst vorgemacht: Mit dem Kindle Fire lieferte das Online-Kaufhaus ein perfektes Tablet zum Konsumieren digitaler Inhalte, die selbstredend nur über Amazons eigene Dienste erhältlich sind. Google Play Store, Google Maps? Fehlanzeige, zwar basiert die Firmware des Kindle Fire auf Android, mit der ursprünglichen Offenheit von Android hat sie aber nicht mehr viel gemein, sondern ist ganz auf Amazons Plattformen abgestimmt. Eine in sich geschlossene Vertriebskette, mit der bislang nur Apple in vergleichbarer Form aufwarten kann.
Mit dem Kindle Fire HD geht das Projekt jetzt in Runde zwei. Nach dem erfolgreichen Start in den USA, wo das Kindle Fire HD auch dank des Weihnachtsgeschäfts binnen weniger Monate zum erfolgreichsten Android-Tablet avancierte, will Amazon nun auch erste Märkte in Übersee erobern. In Deutschland ging Ende August der Amazon App Store an den Start, am 25. Oktober landet dann auch das Tablet.
Surfen, schauen, leihen, spielen, lesen, Musik hören: Das Kindle Fire HD soll Konsum mit wenig Aufwand ermöglichen. Das fängt beim Bestellen des Tablets an: Schon wenn es im Postkasten liegt, ist das Gerät bereits im eigenen Amazon-Konto angemeldet, d.h. es müssen nicht einmal mehr die Kontodaten eingegeben werden. Man benötigt also keine Kreditkarte, sondern kann direkt loslegen.
Die Amazon-Datenbanken bieten Zugriff auf 20 Millionen Songs, eine Million Bücher, Tausende von Apps und über das Tochterunternehmen Livefilm eine Vielzahl von Filmen und Serien. Viele Inhalte also, mit denen sich viel Geld verdienen lässt. Zur Erinnerung: Amazon ist eine der Marken, der die Deutschen das meiste Vertrauen entgegen bringen. Das muss, das wird funktionieren – und in der Breite wahrscheinlich besser als beim Nexus 7.
Aber nicht nur die äußeren Voraussetzungen stimmen. Auch in technischer Hinsicht hat Amazon versucht, sein Tablet so attraktiv wie möglich zu machen. Als Messlatte diente dabei das Nexus 7 von Google und Asus, soviel ist sicher. Drei Indizien sprechen dafür:
- Die 7 Zoll-Variante des Kindle Fire HD, die in Deutschland erhältlich sein wird, kommt wahlweise mit 16 (199 €) oder 32 GB (249 €) internem Speicher daher. Acht Gigabyte mehr als beim Nexus 7, trotz des gleichen Preises. Amazons Begründung auf der offiziellen Produktseite: Ein HD-Gerät benötige mehr Speicherplatz, weil HD-Inhalte beträchtlich größer sein. Hinzu kommt unbegrenzter, kostenloser Speicherplatz in der Amazon-Cloud.
- Zweitens: Um auch anspruchsvollere Spiele ruckelfrei stemmen zu können, muss auch die Performance stimmen. Google und Asus setzten dabei auf Nvidias Quad Core Tegra 3-Chipsatz. Amazon verbaut den OMAP 4470 Dual Core-Prozessor von Texas Instruments mit 1,2 GHz-Taktung, weist jedoch explizit darauf hin, dass dieser leistungsfähiger sei der von Nvidia.
- Das neue Kindle Fire-Modell hat eine Frontkamera an Bord. Beim ersten Kindle Fire hatte Amazon aus Kostengründen noch auf eine Kamera verzichtet. Offenbar sah sich Amazon gezwungen, zum einen Verlangen der Verbraucher nach Videotelefonie nachzugeben und zum anderen mit Google und Asus gleichzuziehen, deren gemeinsames Gerät ebenfalls über eine Frontkamera verfügt.
Ins Internet gelangt der Nutzer über WLAN. Im Innern des Geräts finden sich zwei WLAN-Antennen. Sie sollen dafür sorgen, dass der Kontakt zum WLAN-Netz noch zuverlässiger hält. Amazon setzt zudem auf die MiMO-Technologie, mit der sich die Qualität und die Datenrate einer drahtlosen Verbindung verbessern lassen. Zwar ist auch eine 4G/LTE-Version des Kindle Fire HD geplant, die bleibt jedoch dem US-amerikanischen Markt vorbehalten. Kabelloser Datenaustausch ist zudem über Bluetooth möglich.
Das HD LCD-Display mit 7 Zoll-Diagonale und IPS-Technologie löst mit 1280×800 Pixel auf. Gorilla Glas schützt es vor Kratzern. Dank einer speziellen Anti-Blend-Technik soll der Bildschirm auch bei seitlichen Blickwinkeln und sogar bei Licht von oben gut sichtbar sein. Mit einem Passwort können in den Einstellungen der Zugriff auf Silk-Browser, Shops oder gespeicherte Inhalte beschränkt werden.
Auch an der Klangqualität hat Amazon gedreht, auf der Rückseite sind zwei Dual Stereo-Lautsprecher verbaut, die auch ohne Kopfhörer ein “Audio-Erlebnis” auf höchstem Niveau gewährleisten sollen. Mittels des HDMI-Anschlusses können HD-Inhalte an kompatible Monitore übertagen werden, an den Computer wird das gerät per MicroUSB-Kabel angeschlossen. Seitlich sitzt zudem eine 3,5 mm-Klinkenbuchse.
Das Amazon Kindle Fire HD wird ab dem 25. Oktober in Deutschland erhältlich sein. Geplant sind offenbar verschiedene Farbvarianten. Preislich liegt die Varante mit 16 GB internem Speicher bei 199 Euro, die mit 32 GB Speicherkapazität bei 249 Euro.
Die wichtigsten Specs des Amazon Kindle Fire HD im Überblick:
| Betriebssystem: | Android (stark angepasst, nicht mit Googles Ecosystem kompatibel) |
| Prozessor: | 1,2 GHz TI OMAP 4470 Dual-Core |
| Display: | kapazitiv, 7 Zoll, HD LCD (1280 x 800 Pixel) |
| Interner Speicher: | 16/32 GB |
| Frontkamera: | ja |
| Konnektivität: | WiFi 802.11 a/b/g/n, Bluetooth |
| Schnittstellen: | 3,5 mm Klinkenanschluss, MicroUSB, HDMI |
| Akku: | bis zu elf Stunden Videowiedergabe |
| Maße: | 193 mm x 137 mm x 10,3 mm |
| Gewicht: | 168 g |

