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Weihnachtswünsche #1: Bessere Tablet-Tests von der Stiftung Warentest [Kommentar]

Die unabhängigen Tester von Stiftung Warentest haben in der Dezember-Ausgabe ihres Magazins Tablets unter die Lupe genommen. Während die Endergebnisse nur zum Teil überraschend sind, stellt sich für technisch versierte Menschen dennoch die Frage, wie und was hier genau getestet wurde. Zudem stellt sich die Frage, ob Stiftung Warentest den Markt mit seinen Empfehlungen verzerren will.

Über ganze acht Seiten erstreckt sich der Test der Tablets in der Dezember-Ausgabe des Test-Magazins. Im Gesamturteil wird nicht zwischen groß und klein unterschieden, 7-Zöller werden mit 10-Zöllern auf eine Stufe gestellt und müssen in direkter Konkurrenz um die Spitzenposition kämpfen.

Einige Details haben es in der Tat in sich. Stiftung Warentest hat einen großen Einfluss auf Kaufentscheidungen, vor allem beim etwas reiferen Publikum. Wer sich nicht im Internet informieren kann oder möchte, ist auf solche Tests angewiesen. Es sollte daher nicht verwundern, wenn bei Oma zu Weihnachten plötzlich ein 7-Zoll-Toshiba-Tablet für schlappe 550 Euro unter dem Baum liegt. Könnte sein, dass Stiftung Warentest es als bestes Tablet seiner Klasse beurteilt hat.

Direkt auf der ersten Seite des Tests (S. 36), der übrigens den Titel „Es muss kein iPad sein“ trägt, findet sich neben allgemeinen Aussagen zur iPad Dominanz und Android-Tablet-Aufholjagd direkt der extra Kasten „Rat“. Hier werden direkt die Testsieger präsentiert:

„Bestes Tablet ist das Galaxy Note 10.1 für 580 Euro. Es hat einen Stift zum Zeichnen und zur Texteingabe. Dicht dahinter folgt das Apple iPad 3 WiFi Cellular (64GB) für 760 Euro, das Apple Anfang November durch den Nachfolger iPad 4 abgelöst hat. Unter den kleineren Tablets liegen das ASUS / Google Nexus 7 (16GB) für günstige 199 Euro und das Toshiba AT270-101 für 550 Euro vorn. Das Toshiba bietet den besten Bildschirm, das Nexus 7 einen deutlich besseren Akku.“

Erste Fragen
Hier können sich bereits die ersten Fragen stellen. In der Einleitung heißt es noch, dass Android-Tablets viel günstiger seien als die iPads von Apple. Vielleicht sollten dann auch die korrekten Preise angegeben werden. Das iPad 3 (das diese Bezeichnung nicht offiziell trägt) ist nicht mehr erhältlich. Der Nachfolger kostet in der getesteten Version 830 Euro. Warum wird aber das iPad in der teuersten Variante getestet? Für einen Vergleich der beiden Tablets hätte auf die gleiche Speichergröße zurückgegriffen werden können. Der Einstieg für das iPad mit 3G liegt bei 600 Euro, also gerade einmal 20 Euro mehr als das Galaxy Note 10.1.

Der Hammer ist jedoch das Toshiba-Tablet, das hier als Tablet mit dem besten Display angepriesen wird. Für 550 Euro. Wer die acht Seiten Test nicht durchliest, bekommt suggeriert, dass es sich um ein Spitzen-Tablet handelt. Das Toshiba-Tablet ist sicherlich nicht das schlechteste, aber ein Spitzenreiter? Mit Sicherheit nicht. Auf der nächsten Seite wird dem Leser mitgeteilt, dass Android-Tablets generell günstiger und flexibler als iPads sind.

Stichwort “Preis”
Der Einstiegspreis für das iPad Mini ist mit 330 Euro zu hoch. An dieser Stelle ergibt sich ein Widerspruch. Die gleichen Leute, die schreiben, dass 330 Euro für ein iPad Mini zu teuer sind, empfehlen ein 7-Zoll-Toshiba-Tablet für 550 Euro. Das iPad Mini, das auf den eigentlichen Testseiten sehr für Akkulaufzeit gelobt wird, taucht in der Testtabelle aber gar nicht auf, scheint also kein Bestandteil des Tests zu sein, obwohl es immer wieder als Vergleichsobjekt herangezogen wird.

Auch das Amazon Kindle Fire HD, dem sich ebenfalls ausführlich gewidmet wird, ist in der Vergleichstabelle vergebens zu suchen. Diese beinhaltet übrigens insgesamt 14 Tablets. Neun davon in einer Größe von 8,9 – 10,1 Zoll, 5 mit einer Größe zwischen 6,9 und 8,0 Zoll.

Testsieger ist also das Galaxy Note 10.1 von Samsung mit einer Gesamtbewertung von 1,9. Das iPad auf dem zweiten Platz bringt es auf eine Gesamtnote von 2,0. Doch wie wurde diese ermittelt? Der Kasten „So haben wir getestet“ wird genauer betrachtet. Um noch spezifischer zu werden: Betrachtet wird der Punkt „Grundsätzliche Prüfdurchführung“. Hier steht geschrieben: „Die Prüfungen wurden mit den vorinstallierten Apps druchgeführt, sofern nicht anders angegeben. Das Betriebssystem und die Firmware wurden zu Testbeginn aktualisiert. Die subjektiven Prüfungen führten drei Experten durch.“

Stichwort “Büroanwendungen”
Die Prüfungen werden also mit vorinstallierten Apps durchgeführt, sofern nicht anders angegeben. In der Testtabelle gibt es einen Punkt „Büroanwendungen“, den sowohl das Samsung, als auch das Apple Tablet mit gut bestanden haben. Apple liefert aber keine Büroanwendungen mit seinem Tablet aus. Das Galaxy Note 10.1 hat ein Office-Paket an Bord und lässt sich dank des S-Pens wesentlich einfacher bedienen als jede Büroanwendung auf dem iPad. Wie wurden Büroanwendungen auf dem iPad getestet? Andere Apps sind nicht angegeben, also muss es wohl irgendwie möglich sein.

In den Funktionen hat das Galaxy Note 10.1 mit einem Durchschnitt von 1,7 die Nase vor dem iPad mit 1,9. Das wiederum geht in Ordnung, das Galaxy Note 10.1 ist in diesen Dingen sehr vielfältig.

Stichwort “Handhabung”
Der nächste Punkt ist die Handhabung. Hier liegt das iPad ebenfalls hinter dem Galaxy Note 10.1. Das Galaxy Note 10.1 erreicht hier 1,8, das iPad 1,9 Punkte. Es kann nur spekuliert werden, was die drei Experten, die dies wohl subjektiv beurteilen, getestet haben; vielleicht wurden die Tablets mit verbundenen Augen gefühlt, aber in Sachen Handhabung ist das iPad unübertroffen.

Das Galaxy Note 10.1 war als Testgerät verfügbar; es ist kein Vergleich zu einem iPad, wenn es um Handhabung geht. Das ist ja auch logisch, schließlich bietet das Galaxy Note 10.1 viel mehr Funktionen, die durch den Einsatz des S-Pen noch einmal erhöht werden. Die Handhabung leidet darunter aber. Solche Probleme treten bei einem iPad nicht auf. Es kann grundsätzlich von jedem bedient werden.

Stichwort “Display”
Beim Display hat das iPad dank Retina alle Trümpfe in der Hand? Dies ist jedoch nicht der Fall. Das iPad erhält die Display-Note 2,4, nur unwesentlich besser als die 2,5 des Galaxy Note 10.1. Wer ein bisschen in Tech-Blogs und Fachpublikationen liest, wird häufig über den Satz stolpern, dass das iPad Retina-Display das beste Display ist, das in einem Tablet verbaut wird. Das Nexus 10 war zu jung, um Eingang in des Test zu finden.

Stiftung Warentest scheint dies anders zu sehen. Bestes Display mit einer Note von 2,2 hat übrigens das eben erwähnte Toshiba-Tablet. Es muss ein ziemlich starkes Display sein, bedenkt man, dass der Notenunterschied zwischen Galaxy Note 10.1 und iPad nur 0,1 Punkte  ist.

Stichwort “Vielseitigkeit”
Die Vielseitigkeit eines Tablets ist ein nicht unwichtiger Punkt. Zumindest liest es sich so, auch wenn die Kategorie gerade einmal 10 Prozent des Gesamturteils ausmacht. Hier räumt das Galaxy Note 10.1 ab. Note 2,0 erhält es von den drei Experten, das iPad kann gerade einmal befriedigen, erreicht immerhin noch einen Wert von 2,7. Vielseitigkeit ist übrigens so gemeint, dass der Lieferumfang im Hard- und Software-Bereich betrachtet wird.

Bei den kleineren Tablets ist die Tabelle leider weniger aussagekräftig. Da weder iPad Mini noch Kindle Fire HD mit aufgenommen wurden, geht das Nexus 7 als klarer Sieger hervor. Obwohl das Toshiba-Tablet das bessere Display hat. Die anderen Kandidaten müssen eigentlich gar nicht erwähnt werden, fallen sie doch in die Rubrik „unter ferner liefen“.

Insgesamt ist der Test von Stiftung Warentest nicht das, was von einem renommierten Testinstitut erwartet wird. Eine Objektivität fehlt im Großen und Ganzen, hier wird gefühlt nur Stimmung für oder gegen bestimmte Tablets gemacht. Es bleibt zu hoffen, dass sich niemand von den Ergebnissen bei seiner Kaufentscheidung beeinflussen lässt. Leider wird es aber genau solche Leute geben.

Dass das Gesamturteil einigermaßen korrekt ausgefallen ist, scheint hier mehr Glück als tatsächliches Expertenwissen zu sein. Wer relevante Tests der Tablets sucht, ist bei den diversen Blogs und Technik-Portalen wesentlich besser aufgehoben. Dort werden die Geräte von Personen getestet, die sich damit auch auskennen. Wer hingegen eine unterhaltsame Abendlektüre sucht, kann sich die acht Seiten Test zu Gemüte führen; dafür sind jedoch 2,50 € zu entrichten. Die Stimmung beim Lesen in der Gesamtheit dürfte zwischen entsetzt und erheitert liegen.