“Ultra-secure & stronger than steel” – Das Turing Phone von Turing Robotic Industries soll der Iron Man der Smartphone-Branche werden. Doch was steckt hinter der sogenannten Liquidmorphium-Verschalung des zukünftigen Super-Smartphones? Was kann es wirklich? Ist es stark genug um den Hype, den es im Netz ausgelöst hat, gerecht zu werden?
“Die meisten Smartphones sind Volkswagen, aber manche Leute wollen auch Aston Martins, Ferraris und Lamborghinis fahren”, so der Turing Roboting Industries CEO Syl Chao im Gespräch mit dem Magazin Wired. Das, was der Geschäftsführer des kalifornischen Herstellers einen Supersportwagen nennt ist selbstredend kein Automobil, sondern das Turing Phone, in seinen Augen das nächst Super-Smartphone. Aber was macht das Gerät von Turing Roboting Industries denn so besonders? Drei Features sollen das Luxus-Smartphone vom restlichen Markt abheben: Eine besondere Mettalllegierung macht das Gehäuse besonders Stabil, durch eine spezielle Nanobeschichtung ist der “Tod durch Wasser” nahezu ausgeschlossen, zudem soll das Turing Phone dank sicherer End-to-end Encryption (Ende-zu-Ende-Verschlüsselung) unhackbar sein.
Ausstattung
Das Gehäuse des 151,8 x 77,10 x 9,05 Millimeter messenden und damit nicht unbedingt schlanken Turing Phones soll aus Liquidmorphium gefertigt werden. Die Metalllegierung, die auch als amorphes Metall oder metallisches Glas bekannt ist, ist dank seiner Härte widerstandsfähiger als das häufig verwendete Aluminium und zudem noch wesentlich einfacher zu verarbeiten. Folglich ist Liquidmorphium genau das richtige Material, aus dem häufig sturzanfällige Smartphone-Chassis gefertigt werden sollten. Entsprechend dem in der Verschalung zum Einsatz kommenden Stoffe der Zukunft, trägt das Turing Phone auch optische seinen innovativen Charakter nach Außen – das ganze Gerät sieht ein wenig nach wahr gewordenem Jugend-Science-Fiction-Traum aus. Besonders die rot-silberne Variante des Smartphones mutet stark wie eine Erfindung des Iron Man Schöpfers Tony Stark an.
Innerhalb des futuristischen Gehäuses arbeitet ein, etwas weniger revolutionärer, Snapdragon 801-SoC Quad-Core-Prozessor mit 2,5 GHz Taktung, unterstützt von 3 Gigabyte DDR3 Arbeitsspeicher. Mit 3000 mAh Kapazität verspricht der Akku im direkten Vergleich mit anderen Smartphones ein gewisses Plus an Laufzeit – Leider ist der jedoch fest verbaut und kann im Falle eines Defektes nicht selbstständig ausgetauscht werden. Das Turing Phone wird optional mit 16, 64 oder 128 Gigabyte internem Speicher auf den Markt kommen. Die Erweiterung des Speicherplatzes via microSD-Karte ist nicht vorgesehen. Eine weitere Sensation: Alle innen liegenden Komponenten werden mit einer speziellen Nanobeschichtung überzogen, die das Herzstück des Turing Phones selbst bei eindringendem Wasser am Leben erhalten sollen. Wie lange die superhydrophobische Beschichtung hält, oder welche etwaigen Folgen sie für die Wärmeentwicklung innerhalb des Gerätes mit sich bringt ist bislang noch unklar.
Abseits davon ist die Ausstattung des Turing Phones schon beinahe konservativ. Das Liquidmorphium-Kostüm beherbergt ein 5,5 Zoll Display, das mit 1920 x 1080 Pixeln auflöst, sowie eine 13 Megapixel Kamera und eine 8 Megapixel Selfie-Knipse. Neben dem, in den Rahmen eingelassenen Fingerabdrucksensor, gibt es anstelle eines herkömmlichen USB-Ports einen Magnetport. Der dient lediglich der Aufladung des Smartphones, bietet also keinerlei Möglichkeit zum Datentransfer. Hierfür, und zur Kommunikation mit Peripherie-Geräten ist ausschließlich die integrierte Bluetooth 4.0-Schnittstelle vorgesehen. Dazu gibt es noch WiFi 802.11 a/c, NFC, GPS/GLONASS und das hauseigene Turing-Unique-Identification X-RFID. Turing Roboting Industries verzichtet sogar auf eine Kopfhörerbuchse. Das Weglassen diverser Schnittstellen soll das Gerät vor unbefugten Zugriffen schützen.
Sicherheit
Nicht nur im Hinblick auf die nicht existenten Schnittstellen, nein auch software-seitig soll das Turing Phone das Nonplusultra der Smartphone-Sicherheit sein. Das verspricht unter anderem auch der Name: Alan Turing (1912-1954), einer der Väter der Computerwissenschaften, hatte während des Zweiten Weltkrieges einen entscheidenden Anteil an der Entschlüsselung der deutschen Chiffriermaschine Enigma. Jetzt, 61 Jahre nach seinem Tod, darf er den Namenspatron für das vermeintlich bestens verschlüsselte Turing Phone mimen.
Turing Robotic Industries setzen auf ein, auf Android 5.1 Lollipop basierendes Betriebssystem, das von dem kalifornischen Hersteller mit einer eigens entwickelten Benutzeroberfläche ausgestattet wurde. Dessen Systemanwendungen unterstützen fast ausschließlich eine End-to-end Encryption (Ende-zu-Ende Verschlüsselung), die übertragenen Daten über alle Übertragungsstationen hinweg verschlüsselt.
Außerdem kommt der so genannte Turing Key zum Einsatz. Dabei handelt es sich um einen speziellen, für jedes Gerät einzigartigen Schlüssel, der dank zahlreicher und nicht minder komplexer Sicherheitsmechanismen unmöglich zu hacken oder anderweitig in Erfahrung zu bringen sein soll. Sinn der Sache soll, im Zusammenspiel mit dem Fingerabdrucksensor, die eindeutige Identifikation eines jeden Nutzers sein. Dies wiederum dient beispielsweise der sicheren Tätigung von Einkäufen über das Smartphone. Hierzu muss allerdings der Dienstleister ebenfalls einen entsprechenden Turing Key in die API (Anwendungsprogrammierschnittstelle) der jeweilige Anwendung einbinden. Damit ist ein digitaler Einkauf auch ohne die Übertragung sensibler Daten möglich, da sich alle beteiligten Fraktionen über den Turing Key identifizieren. Einziges Problem bei der Sache: Die Daten, die sich hinter einem jedem Schlüssel verbergen, lassen sich ausschließlich über einen Master Key dechiffrieren, der wiederum im Besitz von Turing Robotic Industries ist. Alle Parteien müssten also daran glauben, dass das Unternehmen vollkommen vertrauenswürdig mit diesen Daten umgeht. Sonst wird sicheres und anonymes kommunizieren im Netz wohl kaum möglich sein.
Ergänzend soll zum Turing Phone eine neue Kryptowährung eingeführt werden: die Turing Coins. Jeder Käufer eines entsprechenden Smartphones bekommt eine Währungseinheit “geschenkt”.
Noch Fragen?
Entsprechend der Angaben von Turing Robotic Industries ist das Turing Phone ab dem 31. Juli vorbestellbar. Unabhängig davon ist der tatsächliche Marktstart jedoch noch nicht wirklich absehbar. Neben einigen Entwickleraufgaben, arbeitet der Konzern aktuelle noch an einer neuen Akkulösung. Zudem könnte eine Rechtsstreit mit Apple ins Haus stehen, da der Konzern ein Patent auf die Verwendung der Metalllegierung Liquidmetal besitzt, von der sich Liquidmorphium kaum unterscheidet.
Ob die, in der Theorie gut klingenden Sicherheitsmechanismen auch in der Praxis bestehen können, bleibt abzuwarten, ebenso wie die Frage, ob das Turing Phone den hohen Erwartungen stand halten wird. Nach aktuellen Informationen soll der Preis zwischen 610 Dollar für die 16 Gigabyte und 870 Dollar für die 128 Gigabyte-Version schwanken.
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