Nach dem Release seiner Navigationssoftware für Android, musste TomTom viel negative Kritik einstecken. Aktuelle Smartphones mit HD Display-Auflösungen werden nämlich noch nicht unterstützt. Die App wurde im direkten Vergleich mit einem TomTom Go 820-Navigationsgerät getestet. Das Ergebnis ist ein wenig überraschend, TomTom hat sich mit der App sichtlich Mühe gegeben.
Funktionsumfang
Installation
Nach dem Download der App mit einer Größe von 23 MB muss innerhalb der App noch das Kartenmaterial heruntergeladen werden. Bei der Europa-Version sind das 3,31 GB. TomTom empfiehlt den Download über eine WLAN-Verbindung. So kommt es, dass der Download von Anfang bis Ende mit voller Geschwindigkeit statt findet, keine Unterbrechung und keine Slowdowns, so wie man es eventuell von anderen Apps kennt.
Das ist sehr erfreulich und nimmt wesentlich weniger Zeit in Anspruch als man bei der Menge der Daten annehmen könnte. Varaiblen stellen allerdings die Bandbreite des Internet-Anschlusses und die WLAN-Leistung des verwendeten Smartphones dar. Eine frisch formatierte 4 GB Speicherkarte reichte übrigens im Test nicht aus, um das Kartenmaterial zu laden. Die App fängt in diesem Fall gar nicht erst mit dem Download an.
Kartenmaterial und Extras:
Das Kartenmaterial ist aktuell, TomTom gibt eine Garantie auf lebenslange Karten-Updates, kostenlos natürlich. Die Karten kommen mit den üblichen POIs, Tankstellen, Hotels, Einkaufszentren und Ähnlichem. Die Darstellung ist in 2D oder 3D möglich. Selbst auf einem rechenschwachen Sony Ericsson Xperia Ray läuft die 3D-Darstellung flüssig. Die 3,5 Zoll des Display reichen für eine gut sichtbare Navigationsübersicht aus, was der sauberen Anordnung der Details ebenso geschuldet ist, wie der gewählten Zoomstufe der Karten. Hier muss der Anwender nicht selbst die passende Stufe suchen, sondern kann die App letztendlich Out-Of-The-Box verwenden.
TomTom HD Traffic kann zusätzlich zur Navigation gekauft werden. Die zusätzlichen Kosten belaufen sich auf knapp 30,- Euro pro Jahr. Staus können mit diesem Service frühzeitig erkannt und gegebenenfalls umfahren werden. Ebenso kann die App für knapp 19,- Euro pro Jahr auf Blitzer aufmerksam machen. Auch können die User selbst Blitzer melden. Dafür genügt ein einziger Fingertipp auf das Blitzer-Symbol auf dem Display.
Leider (oder auch nicht) war auf der Testfahrt weit und breit kein Stau zu sehen, so dass die Funktion von TomTom HD Traffic nicht komplett getestet werden konnte. Die Funktionen von TomTom HD Traffic und Warnungen von Radarkameras können bei Bedarf auch nur für einen Monat gebucht werden. Hier werden 4,99 Euro bzw. 1,59 Euro fällig. Für beide Funktionen ist ein Account bei TomTom nötig.
Navigation
Die Navigation ist – wie bei anderen Apps auch – sehr unspektakulär. Zieladresse eingeben, losfahren, ankommen. Bei TomTom hat man die Wahl zwischen verschiedenen Routen. Neben den bekannten Optionen “schnellste Route”, “kürzeste Route” und “Autobahnen vermeiden”, stehen bei dieser App auch Exoten wie “Öko-Route”, “Fußgänger Route” und “Fahrrad Route” zur Verfügung. Für die Testfahrt wurde in bekannter Umgebung die schnellste Route gewählt, die von der App zuverlässig berechnet wurde.
Einziges Problem: Eine wegen einer Bausteller gesperrte Straße wurde trotz TomTom HD Traffic nicht erkannt. Die Neuberechung der Route erfolgte erst mehrere Kilometer nach dem Befahren der Alternativstrecke. Als Ortsunkundiger wäre man permanent aufgefordert worden, umzukehren und die Baustelle zu befahren. Das gleichzeitig laufende TomTom Go 820 Navigationsgerät berechnete die Alternativroute schneller, führte aber dank fehlender Mobilfunkanbindung ebenfalls in die Baustelle.
Als Zielorte kann man neben Adressen auch POIs angeben. Auch Adressen aus den Kontakten können gewählt werden, oder es kann zu einem bestimmten Punkt auf der Karte navigiert werden. Die Auswahl erfolgt sehr schnell und ist unkomplizierter als auf TomToms eigenen Navigationsgeräten. Über die erweiterte Routenplanung können auch bestimmte Wegpunkte in die Navigation mit einfließen. In den Einstellungen ist es möglich, die App zu personalisieren und die Karten zu aktualisieren.
Die Navigationsangeban dürften jedem bekannt sein, der schon einmal eine Navigationsanwendung genutzt hat. Ein Pfeil bezeichnet der Standort, eine rote Linie zeigt an, wo die Route entlang führt. Außerdem stehen Geschwindigkeits- und Entfernungsinformationen zur Verfügung.
Auf Autobahnen oder mehrspurigen Straßen steht dem Nutzer zudem ein Fahrspurassistent zur Seite. Er bedeutet dem Fahrer, wo er sich mit seinem Fahrzeug einordnen sollte. Für die Ansagen können übrigens verschiedene Stimmen ausgewählt werden. Die Standardstimme Yannick (erweitert) ist klar und deutlich verständlich und sagt auch Straßennamen an. Insgesamt steht die Navigation mit der App der mit einem dedizierten Navigationsgerät des gleichen Herstellers in nichts nach.
Es handelt sich um eine on-Board-Lösung für die keine ständige Datenverbindung notwendig ist. Wer HD Traffic und den Blitzer Warner ebenfalls nutzen will, benötigt aber eine Netzanbindung. Der Vorteil der permanenten Internetverbindung mit einem Smartphone kann hier unkompliziert ausgespielt werden. Die Navigation wird so in der Tat noch unkomplizierter als auf einem Navigationsgerät, die Displaygröße spielt eine eher untergeordnete Rolle.
Bedienbarkeit
Die Bedienung der App erfolgt intuitiv und ohne größere Schwierigkeiten. Trotz der umfangreichen Funktionen verläuft man sich in den Menüs nicht und findet gesuchte Funktionen sehr schnell. Mit wenigen Schritten initiiert man eine Navigationsanfrage, bevor es los geht, zeigt die Navigationsübersicht, ob auch alles korrekt eingegeben wurde. Die App kann im Hoch- oder Querformat verwendet werden. Die Elemente werden so angeordnet, dass die Bedienoberfläche jederzeit übersichtlich ist.
Fazit
TomTom Europe ist eine großartige Navigations-App. Die Navigation hat zwar ihren Preis, verglichen mit einem Navigationsgerät ist sie aber immer noch günstig. Die Funktionen, die die App mitbringt und das aktuelle Kartenmaterial sind qualitativ sehr hochwertig. Vielfahrer können sich dank der TomTom-App ein eigenes Navigationsgerät sparen.
Die App ist sauber programmiert, es kam während dem Test zu keinerlei Abstürzen oder Fehlfunktionen. Radar-Warner und HD Traffic kosten zwar noch einmal extra, aber auch hier gilt: wer viel navigiert, wird sich über die Möglichkeiten freuen.
Einziger Haken ist jedoch, dass bislang nicht alle Display-Auflösungen unterstützt werden. TomTom steht bislang nur für Displays mit den Auflösungen 800×480 Pixel oder 854×480 Pixel zur Verfügung. HD-Displays werden also noch nicht unterstützt. TomTom will die App aber sukzessive für weitere Auflösungen optimieren.
TomTom Europe kann für 59,99 Euro im Google Play Store geladen werden. Dort stehen auch andere Versionen (z.B. D-A-CH) zu unterschiedlichen Preisen zur Verfügung. Da sich diese nur im Kartenumfang unterscheiden, kann man getrost auf die passende Version zurückgreifen. Als Testgerät kam ein Sony Ericsson Xperia Ray zum Einsatz.
| TomTom Europa verlangt bei der Installation Zugriff auf: | |
| kostenpflichtige Dienste | Telefonnummern direkt anrufen |
| Hardware-Steuerelemente | Audio-Einstellungen ändern |
| Standort | genauer (GPS-)Standort, simulierte Standortquellen für Testzwecke |
| Netzkommunikation | uneingeschränkter Internetzugriff, Bluetooth Verbindung herstellen |
| Ihre persönlichen Daten | Kontaktdaten lesen |
| Speicher | Inhalt des USB-Speichers/SD-Karte ändern/löschen |
| System-Tools | Standby-Modus deaktivieren, allgemeine Systemeinstellungen ändern, aktive Apps abrufen |