Pünktlich zum großen Superbowl Abend (und ohne Stromausfall im Google Play Store) erschien nach ca. einem Jahr Entwicklung der sagenumwobene Twitter-Client Carbon. Will man heute mit einem Twitter-Client noch begeistern, braucht man schon ein paar Besonderheiten, die andere Apps nicht bieten. Die Meinungen zu Carbon auf Twitter selbst sind gespalten. Die einen sind hin und weg, die anderen hätten auf den Release auch verzichten können. Im Test zeigte sich bei Carbon for Twitter ebenfalls ein gemischtes Bild.
Funktionsumfang
Was muss ein normaler Twitter-Client können? Timeline lesen, Tweets absenden und Twitter durchsuchen. Ist man nicht gerade Mega-Power-User mit mehreren Twitter-Accounts, die regelmäßiger Kontrolle bedürfen, sind diese Grundfunktionen im Prinzip ausreichend. Keine Angst, Carbon kann natürlich mehr, auch wenn sich das nicht auf den ersten Blick zeigt.
Nach der obligatorischen Verknüpfung mit Twitter, präsentiert Carbon die normale Timeline. Die schlichte Optik sorgt für eine große nutzbare Bildschirmfläche, am unteren Rand sind lediglich drei Buttons vorhanden. Neuer Tweet, eigenes Profil und ein Menü-Button. Die Tabs für Replies und Direktnachrichten sind eigentlich keine Tabs, wie man es eventuell von anderen Apps gewohnt ist, sondern man erreicht diese per Wischgeste. Sehr schnell, sehr komfortabel und sehr hübsch anzusehen.
In der Menüleiste tummeln sich Buttons für Favoriten, Listen, Trending Topics, die Suche und die praktischen Filtereinstellungen. Mit letzteren ist es möglich, einzelne Begriffe, andere Nutzer oder Hashtags aus der eigenen Timeline auszublenden. Auch wenn es mittlerweile zum Standard gehört, wird diese Funktion nicht von jeder App unterstützt. Twitter lässt sich also schon einmal ganz gut und auch umfangreich bedienen, aber wie sieht es mit den App-Einstellungen selbst aus?
Viel gibt es nicht, das sich einstellen lässt, und hier zeigt sich auch das größte Manko von Carbon. Die Einstellungen erlauben das Hinzufügen oder Löschen weiterer Accounts und Synchronisierungs- oder Benachrichtigungseinstellungen. Das Problem: Carbon for Twitter kann (noch) kein Push, sondern ruft Neuigkeiten in zeitlichen Intervallen ab.
Leider lassen sich diese Intervalle nicht ändern, so kommt es, dass man, wenn überhaupt, nur alle 15 Minuten über Neuigkeiten informiert wird. Im Test funktionierte das allerdings überhaupt nicht. Es ist natürlich möglich, dass während der Testphase Serverprobleme herrschten, da Carbon von vielen Nutzern auf Herz und Nieren untersucht wurde. Aber das Fehlen von Push macht Carbon für viele trotzdem unbrauchbar.
Was Carbon jedoch zweifellos kann, ist: schick aussehen. Animationen hier, Effekte da, alles dunkel gehalten, es sieht einfach hübsch aus. Man merkt, dass die unendlich lange Entwicklungszeit durchaus ihre Vorteile hatte.
Auf Tablets ist Carbon for Twitter übrigens noch nicht nutzbar. So lässt sich die App zwar auf einem Nexus 7 installieren, man erhält beim App-Start aber den Hinweis, dass Tablets noch nicht unterstützt werden.

Bedienbarkeit
Für die normalen Aufgaben ist die Bedienung der App gut durchdacht. Man erreicht alle Funktionen mit wenigen Gesten oder Taps. Wühlt man sich jedoch etwas tiefer in die App, fällt auf, dass einige Punkte nicht so ganz korrekt sind. Die Gestensteuerung ist nicht konsequent genug umgesetzt, zurück kommt man grundsätzlich nur mit dem Standard-Android-Zurück-Button, eine Interaktion mit einzelnen Tweets ist zwar druch Tap & Hold direkt aus der Timeline heraus möglich, allerdings wirkt dies nicht sehr flüssig. Die mageren Einstellungen sind schnell erledigt, ein richtiger Bedienfluss will aber nicht aufkommen.
Fazit
Das Warten hat sich nicht gelohnt. Veranstaltet ein Entwickler soviel Tamtam um eine App, die dann gerade einmal die Grundfunktionen beherrscht, dies spricht nicht gerade für die Entwickler. Optisch ist Carbon for Twitter ein Hingucker, das ist gar keine Frage, funktional liegt aber noch einiges im Argen. Die erkennbaren Ansätze sind gelungen, aber nicht konsequent genug fortgeführt.
Wer Twitter bisher mit dem originalen Twitter-Client genutzt hat, wird mit Carbon sicher eine schickere Alternative finden, allerdings ist Carbon nichts anderes als einer von mittlerweile vielen, vielen Twitter-Clients für Android. Ein wirkliches Alleinstellungsmerkmal fehlt, da täuscht auch das Design nicht drüber hinweg. Wer es etwas umfangreicher und mit Push mag, sollte sich einmal Echofon Pro anschauen.
Carbon for Twitter ist kostenlos im Google Play Store erhältlich. Als Testgerät kam ein Sony Xperia T zum Einsatz.


