Musik machen nur mit Notenblatt und Gitarre? Das war einmal! Android-Geräte sind die perfekten Musikmaschinen, Studios und Instrumente – die entsprechende Apps vorausgesetzt.
Deshalb wurden die besten und interessantesten Apps im Bereich Musik herausgesucht. Nicht in wahlloser Abfolge, sondern nach einem System. Zunächst sollen digitale Instrumente nähergebracht werden, dann der Schwung zu klassischen Instrumenten gewagt werden und Apps gezeigt werden, mit denen die Kreativität in neue Kompositionen umgesetzt werden kann. Für jede dieser Apps gibt es zahlreiche Alternativen – die meisten davon überzeugen weder in der Benutzerführung, noch im Umfang oder Sound oder sind simple Klone, die Ihr Geld nicht wert sind.
1. BeatPad
Die erste App appelliert an Ihre Experimentierfreude. Einfach mal drauf los musizieren, ohne musikalische Vorkenntnisse, Rhythmusgefühl – BeatPad ersetzt die analogen Synthesizer und Sequenzer á la Korg nanoPAD. Mit diesen könnt ihr mittels Schlagflächen Klänge oder Geräusche erzeugen, die ihr zuvor eingespeist habt. Was sich wie eine simple Audio-Spielerei anhört, hat sich auf den Bühnen dieser Welt durchgesetzt und wird von Größen wie LinkinPark im Konzert eingesetzt. Die Funktionsweise ist simpel und durchdacht: 16 virtuelle “Schlagflächen” bilden den Hauptbildschirm – ein Tipp auf eine dieser Flächen spielt einen zuvor vom Nutzer hinterlegten Soundeffekt oder eine Tonsequenz ab. Da nicht nur eine Spur zur Verfügung steht, sondern derer acht, wird aus der kleinen Tipp-Orgie mit etwas Übung eine viel klingendes Meisterwerk.
BeatPad gibt es einerseits als Free-Version im Google Play Store. Investiert ihr die 73 Cents für die kostenpflichtige Version im Google PlayStore, stehen euch alle Soundbibliotheken zum kostenlosen Download zur Verfügung.
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2. Gitarre Lernen Anfänger LITE
Nachdem ihr euch im BeatPad erst einmal ausgetobt habt und vollkommen ungezwungen Klangteppiche knüpft, empfiehlt sich das Erlernen eines Instruments. Natürlich könnte hier auch auf zig Apps verwiesen werden, die eine Gitarre oder ein Piano nachbilden, doch die Haptik lässt auf Gorilla-Glas zu wünschen übrig. Neben dem Klavier ist die Gitarre das klassische Musikinstrument schlechthin – preiswert und klangvoll. Und was dem 90er Jahre-Kind seine Peter Bursch-Gitarrenschule in Buchform war, ist der Smartphone-Generation Gitarre Lernen Anfänger LITE. Ein sperriger, lieblos aus dem Englischen übersetzter Titel, von dem sich Interessierte nicht abschrecken lassen sollten. Denn was die App bietet, ist nicht mehr als ein umfangreicher Kurs, der didaktisch mustergültig vom Aufbau der Gitarre über die Stimmung des Saiteninstruments, das Lesen von Notationen bis zu Spieltechniken und Akkorden all das an die Hand gibt, was es braucht, um am Lagerfeuer überzeugen zu können.
Im Unterschied zu anderen Apps ähnlichen Inhalts bietet Gitarre Lernen Anfänger nicht nur Text und Bilder, sondern auch Videos, die das Beschriebene um visuelle und akustische Eindrücke sinnvoll erweitern. Zu beachten: Die Videos werden nicht auf das Android-Device geladen, sondern von einer externen Quelle gestreamt, was viel Bandbreite kosten kann. Von den 52 Lektionen sind in der LITE-Version die ersten 14 freigeschaltet – um den vollen Zugriff auf alle Inhalte zu erhalten, werden 2,50 Euro fällig. Ein fairer Preis.
Gitarre Lernen Anfänger LITE ist gratis im Google Play Store erhältlich.
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3. Carl Tune
In Zeiten teils Gigabyte großer App-Downloads ist Carl Tune schon aufgrund seines geringen Speicherbedarfs ein Sonderling. Nur gut 500 kb belegt das kleine Programm, das eigentlich nichts anderes als ein Stimmgerät für Gitarre, Klavier und Co ist. Unspektakulär? Mag sein, dafür umso durchdachter. Nicht nur wird das Tuning chromatisch, das heißt auf einer Kreisskala, angezeigt, Carl Tune bietet verschiedene Gitarren-Stimmungen an. Fans amerikanischen Rocks nach 1990 wissen, dass gerne mal die ein oder andere Seite tiefer gestimmt wurde, um einen moll-artigen Klang zu erzeugen oder Powerchords leichter spielbar zu gestalten. Diesen Ansprüchen wird Carl Tune gerecht, überzeugt zudem damit, dass es komplett kostenlos ist. Einzig die Hardware des Smartphones oder Tablets kann einen Strich durch die Rechnung machen - Carl Tune setzt ein möglichst von Tonverzerrungen befreites Mikrofon voraus, damit das Tuning akkurat wird.
Carl Tune ist gratis auf Google Play verfügbar.
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4. Guitar Pro
Seit jeher ist Guitar Pro der Goldstandard der schnellen Notation von Partituren. Für Komponisten und all jene, die ihre Lieblingssongs gerne nachspielen, bietet Guitar Pro auf dem Desktop all die Funktionen, die es braucht, um seine Kreativität auf der Gitarre, dem Drumset oder am Klavier voll zu entfalten. Die Android-App steht dem in nichts nach, ist einerseits Musikmaschine für gedownloadete Tabulatoren (die man beispielsweise über ultimate-guitar.com kostenlos und legal downloaden kann) und dient andererseits als Notationshilfe für eigene Musikstücke, wenngleich die Bedienung via Touchscreen ungewohnt und auf einem Tablet angenehmer ist. Komfortfunktionen wie die Übertragung von Dateien via Browser und Drag’n'Drop runden den positiven Gesamteindruck ab. Abzüge in der B-Note gibt es lediglich für die Soundqualität, die eher an polyphone Klingeltöne denn großer Rockoper erinnert.
Guitar Pro finden Sie im Google Play Store zum Herunterladen.
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5. Walk Band Premium
Es muss nicht immer gleich das ganz große Ding sein, wenn Sie erste Klangideen oder Eigenkomposition aufnehmen. Backt zunächst kleinere Brötchen und macht euch via Walk Band Premium mit den Prozessen der Musikerstellung vertraut. Wie das FL Studio (im nächsten Tipp) bietet auch diese App alles, was das Komponistenherz erwärmt. Nur eben etwas spartanischer und weniger umfangreich. Wobei dies ungerecht erscheinen mag angesichts des Umfangs. Als Instrumente sind Piano mit fünf Klangfarben und Gitarre als Nylone-, Western- und E-Version verfügbar. Wenn ihr es klassischer mögt, ladet ihr euch eines der zahlreichen Sound Plugins herunter und erweitert die Bibliothek um Cello, Saxophon oder Bassgitarre. Ein Drum Pad (ähnlich wie BeatPad) und die komfortable Drum Machine runden das Angebot ab. Die Mehrspuraufnahme samt Effektvoreinstellungen ist Standard bei solchen Programmen, die Unterstützung von MIDI-kontrollierten Geräten über USB-Adapter aber ein klares Highlight und leider in vielen Konkurrenz-Apps nicht berücksichtigt.
Walk Band Premium steht im Google Play Store zum Herunterladen bereit und kostet dort nur konkurrenzlose 99 Cent. Zum Ausprobieren gibt es eine abgespeckte, kostenfreie Version, ebenfalls im Google Play Store.
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6. FL Studio Mobile
Was dem Desktop-User sein Cubase ist, ist dem Android-Liebhaber das FL Studio: Eine mächtige Aufnahme- und Bearbeitungsumgebung, die von Live-Aufnahmen über Samples, Drumcomputer, diverse Soundeffekte für jede Spur samt Schnittstellen zur Desktop-Version und Export der gemasterten Sounddateien. Der Umfang kann euch sprichwörtlich erschlagen: Nicht weniger als 133 verschiedene Instrumente haben die Entwickler integriert, weitere 250 stehen als kostenpflichtige Add-Ons zur Verfügung, was in der Summe genau den Instrumenten der Desktop-Version entspricht. Und nicht weniger als 99 verschiedene Spuren können simultan in einem Projekt untergebracht werden – mit dieser stattlichen Anzahl kriegt ihr ganze Orchester-Kompositionen untergebracht, und damit das nicht wie Klangsalat aus den Lautsprechern schallt, regeln ihr für jede dieser Spuren die Lautstärke individuell und dynamisch oder packt Effekte wie etwa Hall drauf.
Ganz einfach ist die Bedienung nicht, die vielen Reiter verwirren zunächst, die Einstellungsmöglichkeiten überfordern. Doch zahlreiche Youtube-Tutorials und mitgelieferten Demo-Projekte führen auch Neulinge einigermaßen gezielt in die Funktionen ein. Daher ein Tipp: Immer mal wieder Tutorials im Netz studieren, denn die aktive FL Studio-Community hilft sich gern. Es zeigt sich also: In Sachen musikalischer Schöpfung ist das FL Studio Mobile die Krone. Und dem Preis nach, muss die aus Gold sein: Knapp 15 Euro sind für den Download zu entrichten. Nicht wenig, aber Qualität und Umfang rechtfertigen dies.
Diese App ist im Google Play Store zum Herunterladen erhältlich.
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7. SoundCloud: Musik & Audio
MySpace, einst Inbegriff des musikalischen Netzwerks, ist nun schon seit Jahren “tot” und neue Seiten dieser Art haben kaum ein größeres Publikum gefunden. Wenn ihr euch durch unbekannte Künstler und (wenige) gestandene Größen inspirieren lassen möchtet, dann sei euch SoundCloud: Musik & Audio ans Herz gelegt. Dort finden sich unendlich viele Tracks, Kommentare fungieren wie Rezensionen, die Community diskutiert angeregt miteinander und gibt dem Künstler konstruktives Feedback zu seinen Werken. Was dann entsteht, ist fast magisch: Tracks ändern sich mit der Zeit, werden in neuen Versionen präsentiert und so nach und nach zu kleinen Meisterwerken. Ihr seid aber nicht zur Passivität verdammt. Mittels Mikrofon oder Upload aus der Musikdatenbank (so z.B. eure FL Studio-Werke) beteiligen ihr euch aktiv an der SoundCloud und werdet Teil dieser unglaublichen Gemeinschaft Musikliebender.
Eine kostenfreie Registrierung (auch über Facebook oder Google+) ist Pflicht – und obwohl SoundCloud gratis ist, ist zu beachten, dass die Musikstreams das mobile Datenvolumen schnell aufzehren.
SoundClouc: Musik & Audio ist kostenlos im Google Play Store erhältlich.
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8. Google Play Music
Nun mag es vielleicht so sein, dass euch die freien Stücke nicht ausreichen und ihr lieber populäre Musik hören möchtet – Klassiker, vergessene Perlen oder die aktuellen Charts. Damit das Portmonee nicht schnell geleert wird, empfiehlt sich daher ein Streaming-Dienst. Derer schießen aus dem Boden wie Pilze und zu den bekanntesten zählt sicherlich Spotify. Die meisten Angebote haben klare Nachteile, viele kleine Musikverlage sind nicht berücksichtigt, auch ist die Streaming-Qualität nicht optimal. Daher empfiehlt sich die Nutzung der „Bordmittel“ von Android. Genauer: Play Music von Google. Ein Streaming-Angebot, das mit gut zehn Euro pro Monat zu buche schlägt, aber einen der komplettesten Musikkataloge aufweist, komfortables Zusammenstellen und Teilen von Listen wie auch den Download der Lieblingstitel oder Festsetzen der Streamingqualität erlaubt, sodass ihr euer Datenvolumen schonen könnt. Alles in allem ist der Gegenwert mehr als fair, nur hier und da ist der Back-Katalog größerer Firmen nicht vollständig, wenn die Künstler exklusiv an andere Konzerne gebunden sind. Etwa die Beatles an Apples iTunes.
Google Play Music ist bei Google Play kostenlos erhältlich, nach einem 30-Tage-Probeabo werden rund zehn Euro pro Monat fällig. Das Abo lässt sich monatlich kündigen, zuvor gedownloadete Musiktitel können dann nicht mehr gehört werden.
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