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n-droid.de
Veröffentlicht am Allgemein · Features · Geräte-Tests 5 Min. Lesezeit

Sprocket: HPs kleinster Drucker fürs Smartphone

Da die Polaroid-Kamera tot ist (traurig, traurig) und viele Nutzer gerne ihre Fotos sofort drucken würden, hat sich eine Marktlücke aufgetan, in die HP gerne reinsticht. Sprocket heißt der portable Drucker. Was er kann, klärt der Test.

Den Ersten beißen die Hunde

Ironie der Geschichte. Wenig bekannt ist, dass Kodak die Digitalkamera erfand. So kann Geschichte verlaufen. Man macht eine revolutionäre Erfindung, nutzt sie aber nicht und letztlich bricht einem das Geschäft mit klassischen Umsatzbringern weg – in Kodaks Fall diversen Fotofilmen, die dem Unternehmen zu Weltruhm halfen. Mehr als der klangvolle Name und ein Neustart blieb nicht von der goldenen Vergangenheit. Anders bei HP: Das Unternehmen kann fast alles. Kleinstrechner, Desktop-PCs, Drucker, Scanner, neuerdings eben auch portable Drucker.

Sprocket klingt zunächst wie die ganz große Verheißung: Ohne Druckerpatrone, dafür mit USB und kleinen Klebefotos kann jedes Bild auf dem Smartphone ausgedruckt werden. Sofort. Ohne große Warterei. und eben überall. Die Innovation lässt sich HP einiges kosten: 134,95 € werden aktuell in der UVP für den portablen Drucker aufgerufen. Der Preis mag hoch erscheinen. Die Folgekosten sind horrender! 20 Blatt des patentierten Zink-Fotopapiers kosten knapp 16 Euro! Das entspricht also 80 Cents pro Bild – ein happiger Preis, an den sich Sprocket-Nutzer gewöhnen müssen. Es gibt es nämlich kein alternatives (bzw. günstigeres) Papier, das in den Thermodrucker passt.

Wenig Inhalt, schnörkellose Verarbeitung

Aber der Reihe nach. HP liefert neben Sprocket ein USB-Kabel zum Laden und eine kleine zweiseitig bedruckte Karte, auf der nur der Verweis zu finden ist, die Sprocket-App aus dem Google Play Store zu laden. Die ist tatsächlich notwendig, um das Gerät nutzen zu können. Trotz diverser Schnittstellen in Android verweigert Sprocket nämlich den Betrieb mit Googles Druckdialogen. Was die Fertigung des Geräts angeht, so ist das 172 Gramm leichte und mit 7,5 mal 11,5 mal 2,2 cm kompakte Gerät von zeitloser Eleganz und Schönheit. Den Deckel kann aufgeschoben und in dem Fach darunter das Papier (maximal 10 Blatt) verstaut werden.

Wurde dies getan, wird das Gerät in Betrieb genommen: Einfach die On/Off-Taste für einige Sekunden gedrückt halten, loslassen und über das Bluetooth-Pairing unter Android mit dem Smartphone verbinden. Fertig, also… fast! Um Fotos nun zu drucken, wird die Sprocket-App gewählt, eines der vorhandenen Bilder ausgewählt oder ein neues Foto über die Smartphone-Kamera geknipst, das sofort an Sprocket gesendet wird. Dabei kann der Schnappschuss per Fingergesten gedreht, geschoben und gezoomt werden, sodass der gewählte Ausschnitt der Vorstellung entspricht. Das Gerät benötigt nach Auftragsübermittlung etwas Zeit, um sich aufzuwärmen, bringt das Resultat dann aber binnen weniger Sekunden aufs Papier.

Das Papier wird einfach eingelegt, nachdem ihr den Deckel abgezogen habt. Schade: Nur 20 Bögen passen gleichzeitig rein. (Bild: N-Droid.de)

Das Papier wird einfach eingelegt, nachdem ihr den Deckel abgezogen habt. Schade: Nur 20 Bögen passen gleichzeitig rein. (Bild: N-Droid.de)

Schade nur: Das Testgerät (ein Bluboo Maya Max, Test hier) verweigerte konsequent den Betrieb nach dem Druck eines Fotos – die App stürzte ab. Zwar war ein sofortiger Neustart möglich und das nächste Bild konnte in Auftrag gegeben werden, der reproduzierbare Absturzfehlder trat aber auf einer ganzen Reihe weiterer Devices auf, darunter Sony-Smartphones und einem Huawei (alles Android 6.0 Marshmallow).

Durchschnittliche Druckqualität, heftige Farbverfälschungen

Das Resultat könnte zwiespältiger nicht sein. Klar, es ist schon reizvoll, wenn die Schnappschüsse nicht nur auf dem Display aufblitzen, sondern greifbar sind und als Sticker sofort irgendwo hingeklebt werden können. Doch Sprocket bietet keine allzu gute Qualität – gegenüber einer Polaroid-Sofortbildkamera fällt das Ergebnis arg ab. Konturen verwischen, Farbverläufe sind entweder unklar oder werden flächig so ausgerechnet, dass weiche Farbverläufe mitunter an Malen nach Zahlen erinnern; statt kraftvoller Farben wirken die Fotos auf Zink-Papier blass und kontrastarm. Denkbar ungünstig außerdem: Viele der Fotos haben einen Rotstich an einer Bildkante, der in den folgenden Tagen noch stärker wurde. Dieses Problem wurde auch von anderen Nutzern berichtet. Diverse, verifizierte Kundenmeinungen erwähnen farbige Stiche ebenfalls, bemängeln außerdem die geringe Druckauflösung

Gehen wir einmal darauf ein:

Links der Sprocket-Ausdruck, rechts das Originalbild, beide für die Darstellung nebeneinander angepasst. Auffällig ist: Schwarztöne, Tiefen, Lichter und Kontraste sind im Digitalbild auf dem Smartphone wesentlich besser. Auch ist die Bildschärfe (trotz des Down-Scalings) wesentlich besser, während beim Sprocket-Ausdruck alles ein wenig verschwimmt. Am oberen Rand außerdem auszumachen: Der leichte Rotstich des Sprocket, der in den Tagen nach einem Ausdruck noch zunahm.

Ähnlich wie dieses Resultat sind auch viele andere Fotos. Da die Bildgröße aber recht klein ist, ist der Sprocket ohnehin kaum für mehr gedacht, als Schnappschüsse in eben jener Schnappschuss-Qualität auszuwerfen.

Fazit: Teurer Fotospaß, der stark optimierungsbedürftig ist

Sporkcet ist ein großer Spaß, allerdings ein teurer. Neben 135 Euro fürs Gerät greift das Fotopapier mit 16 Euro für zwanzig Blatt schnell ins Portmonee. Der Thermodrucker für die Westentasche und das Smartphone hält sein Versprechen, jederzeit Schnappschüsse drucken zu können, qualitativ aber sind die Resultate dürftig. Farbverfälschungen, verwaschene Konturen – an den Instantbild-Primus Polaroid kommt Sprocket bei weitem nicht heran! Ob der kleine Foto-Spaß diesen Preis wert ist, bleibt letztlich dem Nutzer überlassen. Positiv aber: Die hochwertige Verarbeitung, die gut gestaltete App und das Tempo, in welchem die Fotos aus dem Sprocket kommen.

Ein Nachfolgegerät, das die Negativpunkte ausmerzt, wäre wünschenswert, da die Idee hinter Sprocket wirklich gut ist.

Sprocket kann in weiß oder schwarz auf Amazon.de gekauft werden.

Pro

+ Schneller Druck
+ Hochwertige Verarbeitung im zeitlos guten Design
+ App ist einfach zu bedienen

Contra

– Hohe Folgekosten für Fotopapier
– Mäßiges Druckergebnis (Farbverfälschungen, verwaschene Konturen)
– Nicht über Googles Druckdialog nutzbar
– Nur zehn Blatt in der Kassette