Was kann man von einer Smartwatch erwarten, die lediglich 50 Euro kostet? Ist das nur China-Schrott? Oder steckt hinter der Simvalley Mobile PW-430.mp etwa mehr als man vermuten mag? Im Test zeigte sich die smarte Schnäppchen-Uhr.
Nicht gerade „sexy“, aber smart
Pebble Watch, G Watch oder Apple Watch. Wer diese Namen hört, weiß sofort, was einen erwartet: eine Uhr. Besser gesagt: eine Smartwatch. Die „intelligenten“ Zeitanzeiger sind gerade total angesagt, somit ist es nicht verwunderlich, dass zahlreiche Hersteller auf den Markt drängen und etwas vom wachsenden Kuchen abhaben wollen.
So auch der Versandhändler Pearl, der unter seiner Eigenmarke Simvalley ebenso eine Smartwatch herausbrachte. Diese hört auf den Namen „Simvalley Mobile PW-430.mp“. Zugegeben, dieser Name klingt in keinster Weise „sexy“, trotzdem weckte die Uhr Interesse. Der Grund dafür ist simpel: Es ist der extrem niedrige Preis. Die PW-430.mp wird aktuell für knapp 50 Euro verschleudert (ehemaliger UVP: 129,90 Euro). Das ist ungefähr ein Zehntel dessen, was die Apple Watch Sport mit einem schicken Armband kostet.
Eine Apple Watch mit einem Billig-Konkurrenten im gleichen Satz zu erwähnen – ist das nicht Blasphemie? Ein Vergleich von (im wahrsten Sinne) Äpfel mit Birnen? Um dies zu klären, wurde das günstige Pearl-Produkt getestet.
Ersteindruck: Ist das eine Apple Watch?
Fangen wir mit dem Ersteindruck an: Der geht in Ordnung. Holt man die Smartwatch aus der Verpackung, erinnert sie auf den ersten Blick wirklich an das Apple-Produkte. Auch die Maße fallen extrem ähnlich aus: Die „iWatch“ wie das Simvalley-Produkt sind rund 4,2 Millimeter hoch und 12 Millimeter dick, auch die Größe des farbigen Touch-Displays fällt mit 1,5 Zoll (4 Zentimeter Durchmesser) identisch aus.
Nur bei der Auflösung des Mini-Bildschirms zieht die PW-430.mp den Kürzeren: Die 240×240 Pixel sind deutlich weniger als die 390×312 Pixel der Apple Watch (42mm Modell).
Jetzt geht’s los
Wie sieht es bei der Inbetriebnahme der Smartwatch aus? Kann sie auch da punkten? Drückt man auf den einzigen Button des in schwarz gehaltenen Wearables, fährt das Betriebssystem innerhalb von 10 Sekunden hoch, was von einem lauten Jingle und einer kleinen Animation des Simvalley-Schriftzuges begleitet wird.
Im Hauptmenü sieht man neben der Uhrzeit und der Datumsanzeige zwei große Icons: Der grüne Button führt zur Telefonier-Funktion, der orangene zur Kontaktliste. Beide Funktionen sind so wie viele Features unter den zwei weiteren Menüpunkten „Menü“ und „Werkzeug“ anfangs nicht nutzbar.
Das liegt zum einen daran, dass man die Smartwatch via Bluetooth mit seinem Android-Smartphone verbinden muss. Zum anderen sollte man noch seine SIM-Karte einlegen – dazu später mehr.
Dubioser Download für die Bluetooth-Verbindung
Kommen wir zurück zur Bluetooth-Verbindung: Deren Einrichtung gestaltet sich als … nun ja … seltsam. Man soll nämlich laut dem Handbuch in einem Untermenü eine QR-Code-Darstellung mit seinem Smartphone abfotografieren (wozu man logischerweise einen QR-Code-Scanner-App benötigt). Der hinterlegte Link führt zu einem APK-Download auf der Webseite des asiatischen Hardware-Herstellers Zzhonggu. Oha, das wirkt nicht gerade vertrauenserweckend. Zudem funktionierte im Test der Download gar nicht.
Der bessere Weg ist der über den Google Play Store. Hier gibt es die App „BT Notification“ zum Herunterladen und Installieren. Nach etwas „Fummelei“ in den Einstellungen stand die Verbindung nach ein paar Minuten.
Damit ist es beispielsweise möglich, auf der Simvalley Mobile PW-430.mp die auf dem eigenen Android-Handy zuletzt ausgewählten Musikstücke zu hören. Diese scheppern lautstark aus den kleinen Boxen der Smartwatch.
Zudem kann man sich über Nachrichten-Eingänge (z.B. SMS) informieren, seine Telefon-Protokolle einsehen oder seine Smartphone-Kamera über die Pearl-Uhr auslösen. Leider kam es in den Tests immer wieder zu Problemen mit verschiedenen Apps: Mal bauten sie plötzlich keine Verbindung mehr auf, mal verweigerten sie ganz den Dienst.
Apps, aber keine Android-Anwendungen
Obwohl im Produkttext der Simvalley Mobile PW-430.mp immer wieder das Wort „Android“ auftaucht, basiert die smarte Uhr nicht auf dem Google-Betriebssystem. Stattdessen kommt ein eigenes OS zum Einsatz, das nur mit Android-Geräten verbunden werden kann – iPhone-Besitzer schauen in die Röhre.
Laien mögen trotzdem den Eindruck erhalten, sie hätten eine Android-Watch erstanden, denn die Gestaltung der Icons und Menüs erinnern frappierend daran. Auch die Bedienung lehnt sich an das Vorbild an, ohne aber dessen Klasse zu erreichen. Manche Menüs fallen extrem klein aus, mit „Wurstfingern“ hat man seine liebe Mühe damit.
Taschenrechner, Alarm, Weltuhr, Kalender, Schrittzähler oder Schlaf-Überwachung: Auf der Uhr sind zahlreiche Anwendungen vorinstalliert. Games oder andere Spielereien zur Zerstreuung fehlen. Da es leider keinen App-Store gibt, können somit keine weiteren Applikationen nachinstalliert werden.
Sprich mit deiner Uhr
Apropos Erweiterbarkeit: Die Rückseite der Smartwatch ist abnehmbar. Hier bietet sie zwei Slots. Ein Slot dient dazu, dass man eine microSD-Karte (max. 32 GB Größe) einschiebt. Darauf werden zum Beispiel die Fotos und die Videos, die man mit der integrierten Kamera schießt, abgelegt. Die Ergebnisse sind allerdings ernüchternd: Die Kamera löst lediglich mit 640×480 Pixel auf – das erinnert an Anfangszeiten der ersten Fotos-Handys.
Zudem bietet die Simvalley Mobile PW-430.mp ein Mikrofon, mit dem Sprachnachrichten aufgezeichnet werden können. Mit seiner Uhr zu sprechen – das ist einerseits witzig, weil es an Serien wie „Knight Rider“ erinnert. Andererseits kann die Qualität der Aufnahmen nicht wirklich überzeugen.
R-U-F M-I-C-H A-N-!
Was ebenso an „Knight Rider“ oder „James Bond“ erinnert: Wird man auf dem Smartphone angerufen, kann man den Call auch über die Simvalley-Uhr annehmen, darüber reden und auch wieder auflegen. Das sorgt in der Öffentlichkeit wahrlich für seltsame Blicke.
Als pfiffig erweist sich: Der zweite der bereits erwähnten Slots dient dazu, dass man eine SIM-Karte einlegt. Das kann entweder die Erstkarte oder eine Zweitkarte sein. Damit lässt sich die Smartwatch als probater Mobiltelefon-Ersatz verwenden.
Das man von der PW-430.mp aus telefoniert, geht übrigens auch ohne SIM-Karte: Einfach die gewünschte Nummer auf dem kleinen Display eintippen, Bluetooth-Option anwählen und schon baut man über sein Smartphone eine Verbindung auf, ohne dass man es in die Hand nehmen muss.
Telefonieren mit der Uhr – das ist echt smart. Allerdings lässt einen die Sprachqualität nicht gerade in Freudentaumeln ausbrechen, denn auch hier „schepperts“ durch die Boxen.
Fazit
Zugegeben, die Simvalley Mobile PW-430.mp sieht auf den ersten Blick wie ein Apple Watch-Klon aus, erreicht aber nicht die Klasse des hochkarätigen Vorbildes. Doch ist zu bedenken: Das Pearl-Produkt kostet gerade mal 50 Euro, das ist ein Spottpreis!
Für dieses Schnäppchen-Angebot erhält man deutlich mehr, als man erwartet. Im Test zeigte sich immer wieder eine positive Überraschung über die Menge an Technik, die in dem kleinen Gerät steckt. Schon alleine die Möglichkeiten, dass man mit der Billig-Smartwatch über eine SIM-Karte telefonieren und Fotos bzw. Videos schießen kann, hebt die PW-430.mp von anderen Mitbewerbern ab – und diese kosten ein Vielfaches!
Wer also eine günstige sowie pfiffige Smartwatch sucht und auf einen Markennamen verzichten kann, der hat mit der Simvalley Mobile PW-430.mp seine Freude.