Vor einigen Wochen verstarb Ottmar Hornbach, Gründer der nach ihm benannten Kette von Baumärkten. Die Hornbach-Märkte appellieren erfolgreich an den inneren Willen, Projekte selbst anzugehen, statt sie fertig zu kaufen. Das hat sie und ihre Konkurrenten groß gemacht. Der Trend geht auch abseits großer Möbel und neuer Terrassierungen weg vom bloßen Kaufrausch hin zu kleinen Projekten, die man besser selbst machen kann. Sinnvoll? Nicht immer.
Diese leidvolle Erfahrung wurde in den letzten Wochen gemacht. Für n-droid.de wurden im Internet Projekte rund ums Smartphone recherchiert. Diese kleinen Bastelarbeiten sollten den Taschenandroiden um wichtige oder spektakuläre Fähigkeiten erweitern, nicht allzu teuer und für jedermann umsetzbar sein. Das Projekt eines Lautsprechers aus einer Chipsdose Illustriert ganz gut, in welche Richtung das gehen sollte. Das Gadget kann fast jeder bauen, irgendwann fällt eine runde Chipsdose ab – und der Wunsch nach dem sattesten Sound aus dem Smartphone ist nachvollziehbar. Eben.
Und so wurde das Internet durchsucht, getrieben von der Vorstellung, irgendwas Unglaubliches zu finden. Fündig wurde bei einem Schuhkarton-Beamer und der Mikro-Linse für die Smartphone-Kamera. Beide Vorhaben schienen so simpel und einleuchtend. Der Wunsch, Smartphone-Filmchen auf einer großen Diagonale zu genießen, ist nachvollziehbar. Ebenso der Wunsch, die Natur unter die Lupe zu nehmen und festzuhalten.
Gescheitert #1: Der Schuhkarton-Beamer

Exakt dieses Foto verwenden viele Seiten – ob sie jemals das Ding nachbauten..:? (Bild: http://schoenhaesslich.de)
Voller Begeisterung wurden also ein Schuhkarton, eine Lupe, ein Spiegel und etwas Klebeband besorgt. So wie es die Bastelanleitung vorsah. Der Aufbau war tatsächlich simpel. Einfach an der Stirnseite des Kartons ein kreisrundes Loch hineinschneiden, in das die Lupe perfekt passt, dann die Lücken und Öffnungen abdichten, den Spiegel im hinteren Teil des Kartons im 45°-Winkel anbringen und das Smartphone darunter legen, während es beginnt, ein Video abzuspielen. Es war sooo simpel – und doch alles andere als perfekt.
Denn die Physik, die vermaledeite, machte dem Vorhaben einen Strich durch die Rechnung. Obwohl das Sony Xperia Z über ein kontrastreiches und sehr helles Display verfügt, waren die Projektionen bei Tageslicht nicht zu erkennen (anders, als es hd-beamer.net suggeriert). Schlimm war das nicht, denn optimaler Filmgenuss herrscht eh erst in totaler Finsternis. Aber auch im Dunklen konnte der Beamer nicht mehr als ein paar schwache Lichter an die Wand werfen, unscharfe Konturen waberten in einem kaum definierbaren Rechteck, während der Smartphone-Lautsprecher quäkte. Das Problem mit der mangelnden Schärfe konnte durchaus korrigiert werden, indem der Beamer näher an die Wand gestellt wurde – sodann war das etwas kontrastreichere Bild aber kaum größer als der Bildschirm eines 10-Zoll-Tablets. Wer möchte, kann auch mittels Objektiv (teuer) oder variabel zu fixierender zweiter Lupe (umständlich) das Bild korrigieren. Heller und erkennbarer wurde es nicht, von den prächtigen Farben war nicht mehr als das traurige Abbild übrig. Es wurde noch einmal recherchiert und die Gesetze der Physik mussten anerkannt werden, die da sagen, dass die ausgesendete Lichtintensität um ein Vielfaches höher sein musste als das, was von der Wand an den Betrachter reflektiert wird.

Nach mehr oder minder erfolgreicher Montage sieht das Resultat zumeist aus wie aus dem Kindergarten…
Die Physik kann man mit einfachen Do-it-Yourself-Projekten nicht schlagen. Erschreckend war zudem die Erkenntnis, dass die meisten Beamer-Bastelanleitungen einem Ei glichen wie das andere. Wurde hier etwa nach dem Stille-Post-Prinzip abkopiert? Es sieht ganz danach aus. Trotz der Überlegungen, doch noch über diverse Linsen, Lichtverstärker und externe Boxen einen für Filmabende tauglichen Beamer zusammenzubasteln, wurden die Ideen verworfen und das Problem kleiner Bilddiagonalen und schlechtem Sound für Filmgenuss anders gelöst – mit einem Adapter, der das Smartphone mit einem HDTV verband. Das war unterm Strich sogar billiger als die Bastelei.
Gescheitert #2: Die Makro-Linse
Die Bilder der alten Mikro-Linse konnten sich durchaus sehen lassen. (Bild: n-droid.de)
Projekt #2 wurde vor einigen Jahren schon einmal durchgeführt und es gab durchaus gute Erinnerungen: Die Makro-Linse. Herausoperiert aus einem DVD-Laufwerk, wird eine kleine Linse vor die eigentliche Smartphone-Kamera gesetzt. Mit dieser etwas abenteuerlichen Anordnung können dann Fotos von den kleinen Dingen in der Umgebung gemacht werden. Pflanzen von Nahem knipsen, Insekten ablichten, Papierfasern als obskure Muster festhalten… toll! Zwischen dem ersten Mal und diesem Versuch lagen fünf Jahre.
Damals war die Linse recht groß, konnte mühelos mit Tesa-Streifen auf der Rückseite des Smartphones präpariert werden. Der Versuch vor wenigen Tagen mit der Linse aus einem Slim-DVD-Laufwerk war dann nicht nur Gefummel, sondern eine Sucharbeit sondergleichen. Die nur ein oder zwei Millimeter kleine Linse fiel auf den Boden, bis sie wiedergefunden wurde, vergingen gut 15 Minuten. Nachdem die Anordnung hergestellt wurde, wurden Fotos gemacht – und das Ergebnis war enttäuschend. In der Mitte war einigermaßen etwas zu erkennen, der Rest aber verschwommen. So verschwommen, dass das Resultat wie ein Garantiefall der Kamera aussah. Jedenfalls nicht wie hohe Kunst oder – mit niedrigen Ansprüchen – ein vernünftiges Foto.
Seit dem ersten Mal hat sich wohl einiges getan in die Fertigung der Linsen – hier und da wurde eben Material eingespart und schon war die Linse derart klein, dass man sie kaum noch vernünftig greifen konnte. Und das verhagelte dieses Experiment. Klar, irgendwann war die auf dem Deckglas der Smartphone-Kamera bugsiert, aber die Qualität und das Handling alles andere als praktikabel.
Basteleien – lohnen fast kaum

Der neue Formfaktor der Linse beschert nur noch unscharfe Bilder und komische Farben.
Das Internet ist voll von solchen Projekten und gerade Android-Smartphones sind ein willkommenes Experimentiertfeld. Die Smartphones sind weit verbreitet, günstig und normiert, zudem suggeriert die DIY-Community, dass man gut und gerne alles Zusätzliche selbst machen könne, eben von einer Notification-LED über den Beamer bis hin zu obskuren Lademöglichkeiten.
Doch gerade in der Elektronik sind viele Spielereien sinnlos – wer für einen Schuhkarton plus Lupe und Spiegel nur ein paar Euro ausgibt, hat sich zwar nicht vollends verausgabt, aber das Resultat taugt kaum dazu, Freunde zu beeindrucken. Im Gegenteil, schnell kann die Freude am Handwerklichen als Spleen abgetan werden. Und die (hämischen) Lacher sind selten gut für das eigene Ego. Die Mikro-Linse ist tatsächlich um einiges praktischer für den Smartphone-Alltag. Hier machte aber die Industrie einen Strich durch die Rechnung. Schade.
Sind Basteleien deshalb komplett sinnlos? Es kommt darauf an. Wer stricken kann, ist durchaus in der Lage, coole Handysocken zu zaubern, die sich vom Industrieeinerlei abheben. Wer sich in CAD auskennt und eine Smartphone-Hülle am Rechner designt, kann via 3D-Drucker ein echtes Unikat fabrizieren.
Der Unterschied zu den beiden Projekten oben: Die Einstiegshürde ist niedrig, der Nutzen aber wesentlich höher. Der Rat, nach diesen missratenen Projekten: Nicht in Euphorie verfallen, sondern abwägen, ob es die Zeit wirklich wert ist, in ein Projekt ohne größeren Nutzen investiert zu werden. Auf n-droid.de finden sich einige, die tatsächlich einen Mehrwert bieten, etwa den Verstärker auf einer Pringles-Dose - um ihn nochmals anzuführen. Oder der Smartphone-Ständer, der hier zu finden ist. Komplexere Sachen aber… sollten eher beim Fachhändler gekauft werden, anstatt Zeit, Geduld und Geld zu verschwenden.