Zuletzt ging es in einem Kommentar tierisch verärgert um Free2Play-Games auf. Auch dieses Mal muss er wieder über das leidige Thema Geld reden und prangert die zunehmende Freibier-Mentalität der User an.
Die meisten Apps sind ärgerlich! Dies ist die Meinung des Autors. Da gibt es kaum etwas zu beschönigen. Mittlerweile haben Apps eine Halbwertszeit, die kürzer als ein Quickie von Al Bundy ist. Ja, es werden nicht nur mehr Apps deinstalliert als im Einsatz sind, sondern viele interessant klingende werden erst gar nicht mehr heruntergeladen. Und das obwohl sie kostenlos sind. Damit ist das Thema bereits angesprochen: Das Wörtchen „obwohl“ ist hier falsch gewählt. Es wird festgestellt: Weil die meisten Apps kostenlos sind, werden sie nicht installiert. Und wenn, dann fliegen sie meist innerhalb weniger Minuten vom Android-Gerät.
Warum? Ist dies die Haltung eines alten, nörgeligen Sacks, dem man nichts Recht machen kann? Vielleicht. Und auf jeden Fall ist eine Haltung geprägt von: Skepsis und Entnervung.
Der NSA-Skandal und andere Datenschutz-Debakel sollten alle übervorsichtig sein lassen. Eigentlich müsste man völlig paranoid herumschleichen, denn „Big Brother is watching you“ ist schon lange keine Floskel mehr, sondern harte Realität. Aber was geschieht stattdessen? Es wird sich lieber über nichtigere Dinge wie ein vergeigtes Tor eines Drittliga-Fussballvereins aufgeregt. Und währenddessen wird die moderne Internet-Scheinwelt genossen, in der es alles kostenlos gibt. Ganz vorne mit dabei: Apps.

Wohin man blickt, fast alle Neuerscheinungen im Google Play Store sind kostenlos. Ist das gut? Nein!
Man ist doch nicht blöd!
„Wer für Apps bezahlt, ist doch dumm“, sagte kürzlich ein Bekannter. Er lade sich nur Gratis-Apps herunter. In das gleiche Horn blasen mittlerweile die meisten Smartphone- und Tablet-Besitzer. Wenn eine App zum Kauf angeboten wird, selbst für lächerliche 89 Cent, zieht sofort ein Shitstorm auf. „Abzocke“ (im BILD-Jargon auch als „App-Zocke“ bezeichnet) wird vom Geiz-ist-geil-Volk laut gerufen und dazu eine 1-Sterne-Bewertung abgegeben. „So, das hast du davon, du gieriger App-Entwickler! Wie kannst du dich nur erdreisten, für dein Machwerk Geld zu verlangen?!? Du Kapitalist!“, denken sich viele Wutbürger und schlürfen dabei an ihrem Tall Caramel-Frappucchino mit linksdrehender, laktosefreier Bio-Ziegenmilch für 5,99€.
Weil wenige Cent noch viel zu teuer sind, erleben Gratis-Apps einen gigantischen Boom. Nichts kostet mehr etwas, man kriegt die wunderschöne, bunte App-Welt für Umme. Wie herrlich!
Dumm nur, dass die Entwickler trotzdem irgendwie ihre Brötchen verdienen müssen, um sich und ihre Familien zu ernähren. Also ziehen sie den Millionen von Quoten-Schotten eben hintenrum das Geld aus der Tasche. Free2Play heißt beispielsweise im Gaming-Bereich das Schlagwort. Das bedeutet: Herunterladen und Spielen sind kostenlos, doch wer schneller und bequemer vorankommen möchte, muss Bares locker machen. Da kann eine Handvoll virtueller Diamanten schon mal bis zu 100 Euro kosten.
Oder man lässt den ganzen Zinober mit den In-App-Purchases einfach weg und refinanziert die App über Werbeeinblendungen. Die blinken dann beim Starten und Beenden, vor und nach den Levels, beim Lesen einer Nachricht oder bei vielen anderen unpassenden Situationen auf. Halbminütige Videotrailer, die sich nur schwer oder gar nicht deaktivieren lassen, erhalten vermehrt Einzug. Es soll auch immer wieder Fälle geben, bei denen man durch einen falschen Klick ein Abo untergeschoben bekommt, das man definitiv nicht haben will.
Dieser Werbe-Terror ist mittlerweile gang und gäbe. Leider. Dass die fiesen Blingbling-Banner nebenbei den Akku wie ein ausgedurstetes Kamel nach drei Wochen in der Wüste leersaugen und gelegentlich auch private Daten durch den Äther schicken … tja, das ist halt so.
Oder ist euch schon mal aufgefallen, wie viele Rechte sich die meisten Apps beim Installieren einräumen? Vom Telefon-Status bis hin zum Auslesen der Kontakte müssen selbst simpelste Apps auf alles Zugriff haben. Warum nur?
Hintenrum wird Kasse gemacht
Die vermeintlichen Gratis-Apps sind zwar kostenlos, aber nicht umsonst! Der Geiz wird mit dem Verlust der Privatsphäre bezahlt und man liefert sich der Daten-Mafia und der Werbeindustrie aus. Alles nur, um ein paar Cent zu sparen. Ist dies noch zu verantworten?!?!?
Strom, Miete, Benzin: Alles wird teurer, nur Apps nicht – die werden günstiger. Auf dem PC, da ist es völlig normal, dass ein Virenscanner 30 Euro und ein Spiel 50 Euro kosten – warum gilt das nicht für Smartphones- und Tablet-Software, obwohl sie das Gleiche bieten? Weil die Nutzer von Apple & Co. verzogen wurden. Nun sind die Nutzer verwöhnte Nuckelkinder, die sofort lauthals schreien, wenn sie nicht das bekommen, was sie wollen: Konsum. Möglichst viel Konsum. Und das natürlich, ohne einen Cent auszugeben.
Wer Datenspionage, Werbeterror und nervigen In-App-Käufen entgehen will – und es ist zu hoffen, dass dies alle wollen –, der muss dafür etwas tun. Nämlich Apps mit echten Moneten bezahlen. Deswegen wird gefordert: ehrliche Preise für ehrliche Entwickler! Von null oder popeligen 0,89 Euro kann kein Mensch leben. Auch nicht, wenn eine App tausende Male gekauft wird!
Apps müssen nach Ansicht des Autors teurer werden. Fünf, 10 oder meinetwegen 15 Euro für ein „Plants vs Zombies 2“, dafür ohne „Kauf dir dies und das“-Unterbrecher würden gerne bezahlt. Oder wie wäre es mit 20 Euro im Jahr für WhatsApp, aber dafür mit verschlüsselter Datenübertragung? Mit etwas mehr Wertschätzung und angemessenen Preisen wäre die App-Welt deutlich besser, sicherer und nervenschonender! Somit wird die Forderung wiederholt: Apps müssen teurer werden!
Es wird angeregt, darüber nachzudenken und die eigene Meinung als Kommentar zu hinterlassen.
