Wer viele SMS schreibt, kennt das Problem: Handy weg gleich SMS weg. Das österreichische Unternehmen sms.at bietet mit seiner neuen mysms-App ab sofort einen interessanten Ausweg an.
Im Herbst des letzten Jahres servierte das Marktforschungsunternehmen Nielsen eine Studie, die mit wirklich deftigen Zahlen aufwartete: Über 3000 (!) SMS verschicken Teenager demnach durchschnittlich im Monat. In Deutschland wurden 2010 laut des Branchenverbandes Bitkom 41,3 Milliarden SMS versendet, rund 500 pro Bürger und Nase. Aber selbst wer monatlich im zweistelligen Bereich bleibt, hat trotzdem schnell mit einem unübersichtlichen SMS-Wust auf dem Handy zu kämpfen.
Funktionsumfang
Mit der mysms-App können Viel-Simser Ordnung in ihren Kurznachrichten-Verkehr bringen. Das Prinzip: Als virtuelles Hauptquartier dient ein mysms-Account, der sowohl von Android-Smartphone und -Tablet als auch von PC und Netbook zugänglich ist. Egal, ob über die App oder bequem an der PC-Tastatur: Alle SMS werden über die mysms-Server verschickt und in der Cloud gespeichert, so dass auf jedem Gerät, das man mit seinem mysms-Account synchronisiert, immer alle gespeicherten SMS vorliegen. Da die Nachrichten nicht über Funk verschickt werden, ist zum Senden eine Internetverbindung Voraussetzung.
Alle SMS werden dabei nach Kontakten geordnet. SMS-Wechsel zeigt die App in der bewährten Dialogansicht an. Umsonst ist der Spaß allerdings nicht: Pro SMS bittet der Anbieter mit acht Cents zur Kasse. Der Preis gilt allerdings überall auf der Welt – zum Beispiel auch für Urlauber in Übersee. Dazu kommen natürlich noch die Internet-Gebühren, die im Ausland ohne entsprechenden Vertrag recht hoch ausfallen können. Sinnvoll erscheint die neue mysms-Friends-Funktion. Sie zeigt an, welche Personen aus der Kontaktliste ebenfalls mysms-Nutzer sind. Mit ihnen kann man umsonst kommunizieren.
Technische Kinderkrankheiten
Klingt gut, hakte aber im Test etwas. Über die App lief das Senden und Empfangen von Nachrichten ohne Probleme. Die SMS kamen verzögerungsfrei an. Probleme bereitete aber das Web-Interface. Im Firefox ließ sich die mysms-Bedienoberfläche nicht aufrufen. Mit dem Internet Explorer waren der Zugriff auf und der Versand von SMS hingegen kein Problem. Allerdings tauchten nach Synchronisierungen lediglich die ausgehenden Nachrichten in den Übersichten auf, nicht jedoch die Antworten, die nicht mit mysms versendet worden waren.
Die Ansätze des Konzepts stimmen aber: In Windeseile synchronisierte sich der PC-Client mit der Smartphone-App. Alter SMS-Verkehr und alle Kontakte waren im Nu sichtbar. Jeder SMS-Wechsel ließ sich mit einem Klick nachvollziehen. Da es sich bei den Testanwendungen noch um Beta-Versionen handelte, besteht die Hoffnung, dass die technischen Kinderkrankheiten in den finalen Versionen ausgemerzt wurden.
Das Web-Interface von mysms für den PC:
Bedienbarkeit
Einrichtung und Handhabung von App und Web-Bedienoberfläche gehen zügig von der Hand. Beide verzichten auf überflüssigen Design-Schmonz und präsentieren sich aufgeräumt und zweckmäßig strukturiert, so dass es sich weitgehend intuitiv durch die Anwendungen klickte.
Fazit
Mysms befreit die SMS aus ihrem engen Käfig: Waren die Kurznachrichten bislang an bestimmte Geräte oder SIM-Karten gebunden, wandern sie nun in die Datenwolke und werden damit nun unabhängig vom Endgerät. Egal ob Tablet-PC, Desktop-PC, iPad oder Smartphone: Jedes internetfähige Device kann mit dem mysms-Account synchronisiert werden. Natürlich muss jeder für sich entscheiden, in welchem Maß er seine privaten Nachrichten der Cloud anvertrauen möchte.
Doch die Aussicht auf ein Backup aller Nachrichten in der Datenwolke könnte bei vielen Usern wertvolle Überzeugungsarbeit leisten. Und auch die Möglichkeit, anderen mysms-Nutzern kostenlos zu simsen, ist verlockend. Das mysms-Konzept jedenfalls geht inhaltlich durchaus auf – und hat gute Erfolgsaussichten, wenn die Entwickler die beschriebenen Probleme in den Griff bekommen. Mit mysms kommt die schnöde SMS in der Gegenwart an und könnte sich auch weiterhin als unbequemer Konkurrent für das Instant Messaging erweisen.
Als Testgerät kam ein HTC Legend zum Einsatz. Die mysms-App ist kostenlos und kann im Android Market heruntergeladen werden. Hier geht es zur mysms-Webseite.
Der offizielle PR-Clip: