Der Mobile World Congress in Barcelona hat nicht wirklich große Überraschungen hervorgebracht. Verliert die Messe an Bedeutung oder bietet sie eine Chance für kleinere Hersteller?
In der Vergangenheit stand der Mobile World Congress für Neuvorstellungen, Flaggschiff-Präsentationen und riesige Pressekonferenzen der Branchenriesen. In den letzten Jahren schwindet die Bedeutung der Messe jedoch gefühlt immer mehr. Die großen Hersteller gehen dazu über, mehr und mehr Neuheiten auf eigenen Events zu präsentieren.
Aus Marketinggründen ist das verständlich: Bei einem Einzelevent konzentrieren sich die Medien voll und ganz auf den einen Hersteller und sein neues Produkt. Was aber bedeutet es für eine große Messe, wenn Samsung, HTC, Apple oder Google lieber eigene Plattformen für die Präsentation neuer Produkte nutzen? Google ist 2013 nicht einmal mit einer eigenen Ausstellungsfläche vertreten.
Samsung zeigte zwar das Galaxy Note 8.0, hakte das aber bereits am Sonntag ab. Das Xperia Tablet Z von Sony war bereits im Januar vorgestellt worden. Ansonsten gab es viel aus der zweiten Reihe zu sehen. Mit dem Fehlen der großen Hersteller böte sich den Underdogs die Gelegenheit, mehr Aufmerksamkeit einzuheimsen. Viel war in den letzten Tagen zum Beispiel von Huawei und ZTE zu lesen, die eine Vielzahl neuer Geräten vorgestellt haben.
Ein richtig innovativer Hingucker war nicht dabei. Ist die Branche satt – oder ist die Zeit der großen Innovationen erst einmal vorbei? Ist es Segen oder Fluch für den Mobile World Congress, dass sich die Großen immer mehr zurückziehen? Schwer zu beantworten. Sicher wäre die Messe aber wesentlich bedeutender, wenn Samsung sein Galaxy S IV dort präsentieren würde. Auch eine eigene Google-Ausstellungsfläche wäre sicherlich ein Publikumsmagnet gewesen.
Es steht zu erwarten, dass sich dieser Trend fortsetzt. Mit wachsendem Erfolg dürften auch Huawei und ZTE zu eigenen Events übergehen. Beide sind in China schon sehr erfolgreich, warten hierzulande aber noch auf den Durchbruch. Der aufgewühlte Smartphone-Markt pendelt sich langsam ein, die Hersteller finden zu ihren Entwicklungszyklen. Passt da ein Mobile World Congress da noch hinein?
Natürlich: als Schnittstelle zwischen Verbraucher und Hersteller, nicht jedoch als das Mega-Event, zu dem der Kongress in den vergangenen Jahren hochgejazzt wurde. Kleinen Herstellern, die von ihren Ideen leben, aber nicht die gleichen Entwicklungsbudgets wie die großen Hersteller haben, bietet er weiterhin eine gute Plattform, ihre Produkte zu präsentieren.
Wenn aber die größten Hersteller der Branche nicht mitmachen, stellt sich die Frage, welche Bedeutung der MWC künftig haben kann. Immerhin ist er ausschließlich auf Mobile ausgerichtet, auf CES oder IFA werden ja auch noch andere Produkte gezeigt. Oder kommt er einfach in der Normalität an?