Die Entwickler des Miren Browsers versprechen ein „einzigartiges und intuitives Surferlebnis“. Ob die App eine ernsthafte Alternative zu Dolphin HD, Skyfire, Firefox und Co. darstellt, zeigt sich im Test.
Optik/Übersicht
Der Miren-Startscreen ist sehr übersichtlich ausgefallen. Thumbnails dienen als Schnellstartsymbole für oft besuchte Webseiten. Voreingestellt sind Twitter und Facebook, generell lassen sich die Seiten, auf die auf der Startseite verwiesen werden soll, aber frei zusammenstellen. Dazu gesellen sich allerdings die „Top Sites“, hinter denen sich eine Reihe festgelegter Webseiten verbirgt. Unterteilt sind sie in verschiedene Rubriken wie „News“, „Tech“ oder „Sports“. Ein Großteil dieser Seiten ist jedoch vorrangig für US-Nutzer interessant. Verändern oder löschen lassen sich diese Seiten leider nicht.
In der unteren Bildschirmhälfte finden sich außerdem die Optionen:
- Top Seiten ( identisch mit dem Inhalt der „Top Sites“ )
- Favoriten
- Verlauf
- RSS Feeds
- Downloads
Favoriten, Downloads und dem Verlauf sind selbsterklärend. Bei den RSS-Feeds verhält es sich leider wie mit Top Sites: Bereits abonnierte Feeds lassen sich nicht abbestellen, erneut also ein nicht frei konfigurierbarer Bereich.
Navigation
Als äußerst angenehm stellt sich die Navigation heraus. Vor und zurück gelangt man mit Fingertipps auf die Pfeilsymbole oder mit Wischgesten nach links oder rechts. Paralleles Surfen auf mehreren Seiten ermöglichen die Tabs am oberen Bildschirmrand. Praktischerweise sind die Tabs mit dem entsprechenden Seitennamen beschriftet, so dass die Orientierung auch bei vielen offenen Tabs leicht fällt.
Mit der „Smart Fullscreen“-Funktion wird der gesamte Display-Platz zur Darstellung der Webseiten genutzt. So zeigt die App die Adressleiste nur an, wenn man entweder nach ganz oben scrollt oder das Vollbildsymbol berührt. Ein weiteres Beispiel für die komfortable Navigation hängt mit dem Laustärkeregler des Smartphones zusammen. Ihm kann der User über das Einstellungsmenü eine andere Funktion zuweisen. Möglich ist zum Beispiel, ihn zum Scrollen oder zum Tabwechsel zu nutzen.
Das Einstellungsmenü bietet weitere praktische Optionen: So lässt sich zudem die Schriftgröße einstellen oder ein wirksamer Pop Up-Blocker aktivieren. Die Wiedergabe von Flash-Videos kann auf Wunsch auch deaktiviert werden. Wer nicht die mobilen Versionen der besuchten Webseiten absurfen möchte, hat darauf mit den „User Agents“ Einfluss. Zur Wahl stehen die Standardeinstellung, Chrome Desktop, iPhone oder iPad.
Geschwindigkeit
Auch größere Seiten baut der Miren Browser recht schnell auf. Während des Tests gab es an der Performance nichts zu meckern. Mittels eines integrierten „Bandbreiten Sparmodus“ lädt die App auf Wunsch nur den Text der Seiten. Nähert sich der Traffic dem Limit an oder leidet unter einer schlechte Datenverbindung, dürfte eine solche Option geschätzt werden. In den Text schleichen sich allerdings immer wieder chinesische Schriftzeichen ein, unter anderem bei Umlauten.
Die Zeit zum Aufrufen der Startseite von Androidapptests.com betrug acht Sekunden im 3G-Netz Bzw. sechs Sekunden im WLAN-Netz. Die Seite des Musikmagazins Visions.de war in 12 bzw. 8,5 Sekunden geladen.
Außerdem werden auf einigen Seiten auch im Bandbreiten Sparmodus immer wieder Bilder angezeigt, auf anderen wiederum nicht. Hier lässt sich in den Einstellungen mit der Option “Bilderanzeige deaktivieren” Abhilfe schaffen. Leider klappt auch das nicht immer. Beide Features arbeiten während des Tests nicht zuverlässig.
Lesezeichen/Verlauf
Auf die Lesezeichen und die Surfhistory kann der User direkt über den Startbildschirm des Browsers zugreifen. Die History lässt sich einfach über den entsprechenden Bereich leeren. Das Hinzufügen von Lesezeichen funktioniert denkbar einfach über das Sternsymbol neben der Adressleiste. Bereits von anderen Browsern gespeicherte Lesezeichen von anderen Browsern können problemlos importiert werden. Während des Tests unterstützte der Browser bei der Adresseingabe leider keine Autovervollständigung.
Videos & Downloads
Downloads liefen sowohl im WLAN- als auch im UMTS-Netz sehr flott. Jedenfalls dann, wenn es sich um kleine Dateien handelte. Bei Dateien jenseits der 60 MB kam es jedoch permanent zu Abbrüchen des Prozesses. Auch nach mehrfachen Versuchen klappte das Herunterladen nicht. Zudem muss jeder Download neu begonnen werden, die Möglichkeit, ihn an der Stelle des Abbruchs fortzusetzen, gibt es leider nicht.
Erfreulich ist, dass der Browser Flash unterstützt. Umso unerfreulicher, dass die Wiedergabe von Youtube-Videos sich etwas umständlich gestaltet. Zum Starten des Videos stehen zwei Play-Symbole zur Verfügung: Zum einen das des Miren Browsers und zum anderen das YouTube-Symbol, die obendrein beide dicht nebeneinander stehen. Klickt man nun das Play-Symbol des Browsers, gibt die App eine Fehlermeldung aus („Das Video kann nicht abgespielt werden“). Über das YouTube-Symbol startete die Wiedergabe ganz normal.
Gelegentlich kam es bei Flash-Videos auf anderen Webseiten zu kurzen Aussetzern. Dabei fror entweder das Bild kurzzeitig ein (der Ton lief aber normal weiter), oder das ganze System wurde ausgebremst. HTML 5-Videos und solche im H.264-Standard liefen hingegen butterweich und ohne Probleme.
Sicherheit/Datenschutz
Im Bereich Datenschutz und Sicherheit macht die Anwendung allerdings wieder eine gute Figur. In den Einstellungen ist für diesen Bereich ein eigenes Untermenü reserviert. Cookies, der Cache und auch der Verlauf können einfach gelöscht werden. Ebenso kann das Speichern von Passwörtern und Formularen deaktiviert werden. Für einen mobilen Browser ist das mehr als ausreichend.
Fazit
Machte der Miren Browser zu Beginn noch einen wirklich viel versprechenden Eindruck, offenbaren sich während des Tests einige Mängel. Angefangen bei den fest gelegten Top-Sites und RSS Feeds über die Downloadabbrüche bis hin zum mangelhaften Bandbreite-Sparmodus ist die App noch ziemlich buggy. Das gipfelte in einer Premiere: dem kompletten Absturz des Systems, bei dem nur noch die Herausnahme des Akkus Abhilfe schuf.
Die App punktet in den Bereichen Übersichtlichkeit, Navigation und Sicherheit. Nutzt man den Browser jedoch in vollem Umfang, stellt sich früher oder später Ernüchterung ein. Um mit den anderen Browsern konkurrieren zu können, muss Miren deshalb noch ein wenig nachsitzen. Nur dank der genannten positiven Punkte langt es für eine durchschnittliche Bewertung. Für einen dauerhaften Umstieg ist der Miren Browser in seiner jetzigen Form noch nicht geeignet.
Als Testgerät kam ein HTC Desire zum Einsatz. Miren Browser ist kostenlos und kann im Android Market heruntergeladen werden.