Browser gibt es en Masse im Android Market. Nicht wenige landen trotz toller Features der Alternativen nach einiger Zeit bei der vorinstallierten Surfhilfe. Der Test zeigt, ob der Maxthon Browser daran etwas ändern kann.
Installation
Bei der Installation verlangt die App folgende Berechtigungen:
Hardware-Steuerelemente: Bilder und Videos aufnehmen
Mein Standort: Ungefährer (netzwerkbasierter) Standort, genauer (GPS-)Standort
Netzwerkkommunikation: Uneingeschränkter Internetzugriff, Netzwerkstatus anzeigen, WLAN-Status anzeigen
Ihre persönlichen Daten: Browserverlauf und Lesezeichen lesen
Telefonanrufe: Telefonstatus lesen und identifizieren
Speicher: Inhalt des USB-Speichers und der SD-Karte ändern/löschen
System-Tools: Standby-Modus deaktivieren, Hintergrundprozesse beenden
Optik/Übersicht
Der Startbildschirm des Browsers beinhaltet standardmäßig eine Übersicht verschiedener, nach Rubriken sortierter Webseiten an. Der User kann zwischen Kategorien wie Suchmaschinen, sozialen Netzwerken, Nachrichten oder etwa Videoportalen wählen. Die entsprechenden Seiten sind verlinkt. Ausgelegt ist die Auswahl allerdings auf den US-Markt. So ist etwa das Videoportal für deutsche Nutzer nahezu nutzlos, da aus urheberrechtlichen Gründen die meisten Videos in Deutschland nicht angesehen werden können. Die Links manuell zu entfernen oder hinzuzufügen ist nicht möglich.
Ein weiterer Bereich des Startbildschirms zeigt Thumbnails wichtiger Seiten. Natürlich dürfen hier Facebook und Google nicht fehlen. Zusätzlich ist der Zugriff auf Favoriten und RSS-Feeds möglich. Unbrauchbare Thumbnails können gelöscht und neu hinzugefügt werden. Auch unter den vorab abonnierten RSS-Feeds finden sich einige, die eher für US-Nutzer interessant sind. Dafür können hier nicht benötigte Feeds entfernt werden.
Im Großen und Ganzen präsentiert sich der Startbildschirm relativ übersichtlich und aufgeräumt. Überambitioniert erscheint die Dreiteilung des Startbildschirms: Der dritte Bereich ist für Addons reserviert, von denen es allerdings bis jetzt nur vier Stück gibt. Dafür wäre kein eigener Bereich notwendig gewesen. Nett: Der User kann zwischen verschieden gestalteten Bedienoberflächen (Skins) wählen.
Navigation
Die Navigation mit dem Browser gestaltet sich sehr angenehm. Eine Besonderheit beim Surfen ist die Gestensteuerung. Durch spezielle Bewegungen auf dem Display können beispielsweise Tabs geschlossen oder Seiten gewechselt werden. Alle Gesten werden während der Ausführung auf dem Screen kurz in Form einer gelben Spur sichtbar gemacht. Informationen zu den fünf möglichen Gesten gibt es auch in den Einstellungen unter „Hilfe“. Aber auch die einfachen Vor- und Zurück-Tasten auf dem Bildschirm stehen zur Verfügung.
Ansonsten gibt es einen Vollbildmodus, der durch einfaches Tippen auf das entsprechende Symbol am Bildschirmrand aktiviert wird. Tab-Browsing ist ebenfalls verfügbar. Pinch to zoom ist ebenfalls an Bord und lässt sich problemlos anwenden. Praktisch ist auch, dass – sofern RSS Feeds verfügbar sind – diese per Symbol auf dem Bildschirm angezeigt werden. Diese können dann einfach in zu den restlichen Feeds hinzugefügt werden.
Darüber hinaus bietet das Einstellungsmenü diverse Optionen an, darunter Zoom, Einstellung des Startbildschirms oder die Wahl der Browser-Identifikation nach außen (Android, Desktop, iPhone, iPad).
Hin und wieder zickt der Browser beim Start und verlangt ein Passwort. Das wird jedoch nur dann benötigt, wenn die App mit dem Desktop-Browser synchronisiert werden soll. Abhilfe schafft nur der mehrfache Neustart des Browsers, da aus der Maske auf andere Weise kein Entkommen möglich ist.
Ebenfalls etwas gewöhnungsbedürftig ist die Copy & Paste-Funktion. Um sie zu verwenden, muss eine Textstelle lange berührt werden, bis sich ein Menü öffnet. Durch die Auswahl „Text auswählen“ kann der gewünschte Bereich markiert werden. Das klappt aber nur, wenn stark in den gewünschten Textausschnitt hineingezoomt wurde, andernfalls gestaltet sich die Markierung der kompletten gewünschten Passage und das Kopieren in die Zwischenablage schwierig. Zudem wird nur der sichtbare Teil kopiert, ein automatisches Runterscrollen für längere Texte ist nicht vorgesehen. Gerade bei großen Fingern kann dies zur Herkulesaufgabe mutieren.
Geschwindigkeit
Der Seitenaufbau klappt bei Maxthon recht zügig. Die Startseite von Androidapptests.com baute er im WLAN-Netz in 6,5 Sekunden und im 3G Netz in 9 Sekunden auf. Die Seite des Musikmagazins visions.de benötigte 8,8 beziehungsweise 11,8 Sekunden für den Aufbau. Wird der Cache beim Browser nicht geleert, geht es sogar noch etwas flotter. Die Geschwindigkeit ist somit tadellos.
Lesezeichen/Verlauf
Die Lesezeichen sind sowohl über die Startseite als auch während des Surfens erreichbar. Jederzeit ist der Zugriff auf die Lesezeichen und den Verlauf über die Menütaste möglich. Neue Lesezeichen werden über das Sternsymbol an der unteren Navigationsleiste hinzugefügt. Dafür ist jedoch das Verlassen des Vollbildmodus erforderlich.
Videos & Downloads
Maxthon unterstützt auch Flash-Inhalte. Im Test kam es aber immer wieder zu Abspielproblemen, sowohl auf der Youtube Seite als auchbei eingebetteten Videos. Häufig ließ sich der Vollbildmodus nicht aktivieren, das Bild fror ein oder das Gesamtgefüge der Seite wurde beim Abspielen zerstört. Am wenigsten Probleme gab es, wenn der Bildschirm nicht berührt wurde. Eine Option zum Deaktivieren von Flash-Videos gibt es nicht.
Der Download-Manager leistet sehr gute Arbeit. Die Möglichkeit, Downloads anzuhalten, ist ein Feature, das bei einigen Browsern vermisst wird. Mehrere Testdownloads (5, 20, 50, 100 MB) klappten problemlos.
Sicherheit/ Datenschutz
Im Bereich Datenschutz agierte die App vorbildlich. Alle wichtigen Bereiche haben in den Einstellungen einen eigenen Punkt. Ganz gleich, ob der Verlauf oder Cookies gelöscht werden sollen: Beim Maxthon Browser ist alles möglich. Genauso verhält es sich mit Formulardaten und Passwörtern, die gelöscht oder gespeichert werden können. Die volle Kontrolle liegt beim Nutzer. Warum der Browser allerdings den Telefonstatus auslesen können muss, ist nicht einsichtig. Vorsichtige Zeitgenossen dürften dies zu Recht kritisch hinterfragen.
Fazit
Maxthon ist insgesamt ein sehr guter Browser. Er reagiert flott und baut die Seiten schnell auf. Auch bei Downloads ist er schnell und zuverlässig. Lobenswert sind auch die Sicherheitseinstellungen. Abzüge gibt es für die schlechte Videofunktion und die Schwierigkeiten beim Markieren von Texten.
Aber kann Maxthon den nativen Android-Browser ablösen? Nein.
Auch wenn die Maxthon-App besser als der Durchschnitt ist, hakt es doch an einigen Punkten. Insbesondere bei den Videowiedergabe liegt der vorinstallierte Browser deutlich vor Maxthon. Der minimale Vorteil in der Surfgeschwindigkeit langt dazu, einen Wechsel zu rechtfertigen. Interessant könnte er aber insbesondere für die Nutzer sein, die auch den Desktop Client nutzen und die Lesezeichen synchronisieren möchten.
Als Testgerät kam ein HTC Desire zum Einsatz. Maxthon ist kostenlos und kann im Android Market heruntergeladen werden.
