Nach einer Reihe von Leaks, bestätigte Apple auf seiner Keynote gestern das, was alle bereits ahnten. Das neue iPhone ist nicht wirklich neu, die Android-Konkurrenz wird nicht wirklich abgehängt und Apple geizt bei der Vorstellung nicht mit Superlativen.
Android-Fan hin oder her, es gibt ein paar Punkte, die Apple deutlich besser macht als Google, Samsung, HTC, Motorola oder die Vielzahl anderer Smartphone-Hersteller, die auf Android setzen. Diese Punkte werden im Folgenden beleuchtet, ohne die Objektivität zu verlieren. Es geht hier nicht um die Frage, welches Smartphone “besser” ist, denn in technischer Hinsicht findet sich für fast jedes iPhone 5-Feature ein ebenbürtiges oder sogar überlegenes Gerät. Nein, es geht um den Umgang der Hersteller mit dem gesamten System.
1. Zügige System-Updates
Android 4.1 (Jelly Bean) erschien im Juli, das erste Gerät war das Nexus 7, kurz darauf folgten das Galaxy Nexus und auch das ältere Nexus S. Zwei Monate später sind die Nexus-Geräte immer noch die einzigen Smartphones, die Android 4.1 nutzen. Smartphone-Giganten wie Samsung sind immer noch damit beschäftigt, das System an die eigenen Smarpthones anzupassen. Im Oktober wird mit einem Jelly Bean Update für das Samsung Galaxy S III gerechnet. Zu diesem Zeitpunkt werden dann auch erste Neugeräte mit Android 4.1 ausgeliefert, wie zum Beispiel das Galaxy Note II.
Apple bringt iOS 6 am 19. September heraus – auf alle iOS-Geräte bis zum iPhone 3GS (2009). Man wird nicht alle Funktionen der neuesten Version nutzen können, dies bleibt dem iPhone 4S und dem iPhone 5 vorbehalten, dennoch gibt es ein weltweites Update zu einem fixen Termin. Alle gleichzeitig.
Bei Android wird es dies nie geben. Die einen nennen es Fragmentierung, die anderen Wahlfreiheit, Fakt ist, dass die Masse an Android-Geräten mit unterschiedlichen Spezifikationen nicht gerade förderlich für System-Updates ist. Google arbeitet aber bereits daran und wird künftig den Herstellern vorab die Möglichkeit geben, neue Android-Versionen anzupassen. Wie sich das auf Software-Updates auswirkt, wird sich bei Android 5.0 (Key Lime Pie) zeigen.
2. Rechenpower ist zweitrangig
Wer die Keynote von Apple verfolgt hat, wird festgestellt haben, dass man sich in Sachen Prozessor und RAM in großes Schweigen gehüllt hat. Es ist bekannt, dass ein A6-Prozessor im iPhone 5 steckt, nicht bekannt ist jedoch dessen Taktung und die Anzahl der Rechenkerne.
Warum schweigt Apple zu so einem Thema, das in der Android-Welt eine sehr große Bedeutung hat?
Android misst sich an Rechenleistung. Je mehr, desto besser. Quad-Core, 2GB RAM, das sind Dinge, die Android Nutzer wissen wollen. Schuld ist auch hier die Anpassung von Android an viele hunderte Geräte. Die Power wird benötigt, um das System flüssig laufen zu lassen. Man könnte dem mit weiteren Anpassungen entgegen wirken. Dennoch läuft ein Galaxy Nexus mit Android 4.1 kaum besser als ein iPhone 3GS mit iOS 5.
Die Perfektion, die Apple versucht in das Betriebssystem zu bringen, ist beispiellos. Kein Wunder, muss man sich doch nur um eine Handvoll Geräte kümmern, die alle aufeinander aufgebaut sind. Ein Vorteil, den Android wegen der großen Gerätevielfalt nicht hat.
3. Volles Sortiment, voller Software-Support
Android ist das meist verbreitete Betriebssystem für Smartphones. Der geneigte Nutzer kann sich ein Smartphone aussuchen, das perfekt auf seine Bedürfnisse zugeschnitten ist. Aber um dieses perfekt zugeschnittene Smartphone zu finden, bedarf es einer guten Recherche, um im Nachhinein nicht enttäuscht zu sein.
Apple bietet ebenfalls Geräte für unterschiedliche Bedürfnisse. Seit dem iPhone 4S hat man ein Einsteiger-Smartphone, ein Mittelklasse-Produkt und ein High-End-Gerät im Portfolio. Man verschiebt die Geräteklasse Jahr für Jahr. Was dieses Jahr High-End ist, wird nächstes Jahr zur Mittelklasse und in zwei Jahren zum Einsteiger-Gerät – bei vollem Software-Support, solange die Geräte zum Verkauf angeboten werden.
Neue Geräte mit Android erscheinen dagegen fast täglich. Es dürfte schwierig sein, ein Android-Smartphone im Einsteiger-Bereich zu finden, das bereits drei Jahre alt ist und trotzdem noch Android 4.1 bekommt. Die Gängelung des iPhone-Käufers entwickelt sich hier zu einem Vorteil, dem Android nur mit einer besseren Update-Politik entgegenwirken kann.
Kein Zweifel, die gute Versorgung mit Software-Updates wiegt schwer. Es ist natürlich ein Leichtes, ein Betriebssystem für ein paar Geräte aktuell zu halten, insofern kann man die Offenheit von Android nicht dafür verantwortlich machen. Vielmehr ist es an den Herstellern, ihre Smartphones so zu gestalten, dass sie schnell mit den neuen Android-Versionen ausgestattet werden können.
Das gelingt natürlich nicht, wenn man alle paar Wochen ein neues Gerät auf den hart umkämpften Markt wirft. Während Android-Smartphone-Hersteller kaum einen Nutzen daraus ziehen, wenn sie ein Firmware-Update anbieten, ist dies bei Apple dank der eingeschränkten Geräteauswahl anders.
Die Meinungen zu diesen Punkten gehen auseinander. Es stellt sich die Frage nach möglichen Verbesserungen an Android, um einen ähnlichen Zyklus wie bei Apple zu erreichen, sowie nach der allgemeinen Zufriedenheit mit der aktuellen Update-Situation von Android.