Kleine Android-Alleskönner werden immer beliebter, besonders, wenn sie den Geldbeutel nicht allzusehr belasten. Zu den besonders günstigen Smartphones gehört das Huawei Ascend Y200, welches Ende April 2012 beim Discounter Lidl für 99,99 Euro auf die Ladentische kam und so schnell ausverkauft war, dass der Hersteller gleich noch eine Auflage hinterherschieben musste. Grund genug, das Device einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.
Die wichtigsten Specs des Huawei Ascend Y200 im Überblick:
- Betriebssystem: Android 2.3.6 (Gingerbread)
- Prozessor: 800 MHz Qualcomm Snapdragon MSM7225A Single-Core
- Arbeitsspeicher: 256 MB
- Interner Speicher: 512 MB
- Speicherkarten: MicroSD (bis 32 GB)
- Kamera: 3,2 Megapixel
- Konnektivität: WiFi 802.11 b/g/n, Bluetooth 2.1, WLAN Hotspot
- Netzwerke: UMTS, HSDPA 7.2 MBit/s
- Schnittstellen: 3,5 mm Klinkenanschluss, MicroUSB
- Ortung: A-GPS
- Sensoren: Bewegungssensor, Näherungssensor, Helligkeitssensor
- Akku: 1400 mAh (1250 mAh beim Testgerät)
- Maße: 116.9 X 61.5 X 11.7 mm
- Gewicht: 125 g
Design & Verarbeitung
Auf den ersten Blick macht das Huawei Ascend Y200 einen sehr robusten Eindruck, der durch die griffige geriffelte Rückseite noch verstärkt wird. Auch bei festerem Zupacken lässt sich dem 116.9 X 61.5 X 11.7 Millimeter großen Gehäuse kein Knarzen entlocken. Zum Einlegen des Akkus muss das Backcover entfernt werden. Der Deckel lässt sich durch das Einhaken mit dem Fingernagel in eine kleine Rille aus seinen Verankerungen lösen. SIM-Kartensteckplatz und MicroSD-Kartenslot liegen leicht versenkt neben der Akkumulde.
Die Front wird vom 3,5 Zoll großen Display beherrscht, über dem sich ein breites Lautsprechergitter und ein silberner Huawei-Schriftzug befinden. Unter dem Bildschirm sitzen Softtasten mit Menü-, Homescreen- und Zurück-Funktion. Die Tastensymbole sind bei Benutzung von unten grau beleuchtet. Im Gegensatz zu den Softtasten seines großen Bruders Ascend G300 reagieren die Tasten des Y200 sehr präzise.


Eine Wipptaste zur Lautstärkeregulierung befindet sich am linken Geräterand, der MicroUSB-Slot an der unteren Geräte-Kante. An der oberen Kante sind eine Ein-/Aus-/Sperrtaste und die 3,5 Millimeter Klinkenbuchse angesiedelt. Mit seinen 125 Gramm Gewicht zählt das Device zwar nicht zu den Leichtesten, lässt sich aber noch recht angenehm in der Hemdentasche transportieren.
Ausstattung
Der kapazitive 3,5 Zoll große IPS-LCD-Touchscreen löst mit 320 x 480 Pixel auf. Da mag sich die Frage stellen, warum bei dieser doch eher geringen Auflösung ein teures IPS-Display verbaut wurde. Zumindest ist die Beleuchtung bei höchster Helligkeitseinstellung sehr hell. Bei genauerem Hinsehen ist eine deutliche Pixelbildung auf dem Display erkennbar – dennoch ist die Darstellung gut ablesbar. Farben werden nicht allzu brillant wiedergegeben, aber immerhin, sollte nicht außer Acht gelassen werden, dass es sich hier um ein Low-Budget-Gerät handelt. Auf die Fingereingabe reagiert der Touchscreen sensibel und punktgenau.
Beim Drehen des Handys passt ein Bewegungssensor die Displayansicht in drei Richtungen an. Dieser reagierte im Test fast verzögerungsfrei.
3,2 Megapixel-Kamera
Die Kamera verfügt über keinen Blitz und keinen Autofokus. Als Software kommt die Standard-Android-Kamera zum Einsatz, die einige Einstellungsmöglichkeiten wie Weißabgleich oder Effekte bietet. Zum Knipsen brauchbarer Aufnahmen muss das Handy im Kamerabetrieb sehr ruhig gehalten werden. Aber auch dann produzierte die Knipse im Test in der Mehrzahl leicht verrauschte Aufnahmen. Für den Gelegenheitsschnappschuss langt es, für den Fotoausdruck eher nicht.
Videoaufnahmen weisen ebenso wie Fotos recht blasse und teilweise unecht wirkende Farben auf und fangen bei schnellen Kameraschwenks stark an zu wabern, so dass auch sie eher dem Spaßfaktor zuzuordnen sind.

Connectivity und Navigation
Ins Internet gelangt man auf dem GSM-Quadband-Handy über WLAN 802.11 b/g/n und UMTS mit HSDPA 7.2 MBit/s. Der Datenaustausch mit anderen Geräten ist über Bluetooth 2.1 mit A2DP möglich. Bei Kopplung mit dem PC via USB-Kabel wird das Ascend Y200 als Massenspeicher erkannt. Der mit 512 Megabyte sehr klein ausfallende interne Speicher lässt sich mit MicroSD-Karten um bis zu 32 Gigabyte erweitern.
Zur Navigation ist Google Maps Navigation (Beta) auf dem Ascend Y200 vorinstalliert. Dieses unterstützt die sprachgeführte Fußgänger- und Fahrzeugnavigation. Um die GPS-Ortung zu optimieren, können GPS-Satelliten und Drahtlosnetzwerke genutzt werden. Per optional einstellbarem Schnell-GPS werden Server zur Verbesserung der GPS-Leistung verwendet, was jedoch mit höheren Kosten für den Datenverkehr verbunden ist. Bei der ersten Nutzung der Navi-Software benötigte der GPS-Empfänger unter freiem Himmel sechs Sekunden, um den eigenen Standort zu lokalisieren.

Zubehör
Mit dem Huawei Ascend Y200 werden der Akku, eine Kurzanleitung und ein USB-Datenkabel mit Netzteiladapter geliefert. Trotz des 512 Megabyte kleinen internen Speichers befindet sich keine MicroSD-Karte im Lieferumfang. Angesichts des günstigen Gerätepreises lässt sich dies jedoch verschmerzen – allerdings hätte der interne Speicher tatsächlich etwas größer ausfallen dürfen. Dem Testgerät lag ein 1.250 mAh-Akku bei (siehe Foto) – laut Produktseite sollte jedoch eine 1.400 mAh Kraftzelle im Zubehörkarton liegen.
Software & Alltagstauglichkeit
Zu Testzeitpunkt läuft auf dem Huawei Ascend Y200 Android in der Version 2.3.6 (Gingerbread), das Huawei mit einer übersichtlichen und ansprechenden Benutzeroberfläche überzogen hat. Diese beinhaltet einen eigenen Lockscreen, welcher neben der Entsperrfunktion Direktzugriffe zu den meist genutzten Anwendungen bietet. Auf einem fünfseitigen Startscreen ist jede Menge Platz für Hintergrundbilder, Live-Wallpaper, Schnelltasten, Widgets und Ordner.
Eine Statusbar am oberen Bildschirmrand informiert über Uhrzeit, Akkuladestand, Netzverbindungen und Ereignisse. Zieht man sie per Figerwisch herunter, kommt zudem eine Energiesteuerungsleiste zum Vorschein.

Softwareausstattung
Das mehrseitige App-Menü präsentiert auf nebeneinanderliegenden Screens alle installierten Anwendungen und Programme, auch die typischen Google-Apps wie Google Mail, Kalender, Latitude, Place, Suche, Messenger oder Google+. Außerdem gibt es eine praktische Wetteruhr mit tollem Widget, eine Sicherungsfunktion, einen AppInstaller, Documents To Go, zum Betrachten von Word-, Excel-, PowerPoint und Adobe PDF-Dateien sowie einen Datei Manager, eine Weck- und eine Notizfunktion. Weitere Apps können kostenlos oder kostenpflichtig aus dem Google Play Store heruntergeladen werden.
Ein Mail-Client ermöglicht die Einrichtung von POP3- und IMAP-Konten beliebiger Anbieter sowie das Anlegen von Exchange-Konten. Social Network Programme wie Facebook, Twitter oder Flickr werden im Client “Streams” zusammengefasst.
Tippen und Telefonieren
Texte lassen sich wahlweise über eine virtuelle Android-Tastatur oder die virtuelle TouchPal-Tastatur eingeben. TouchPal unterstützt Funktionen wie Wortvorhersage, Tippfehler korrigieren, Rechtschreibprüfung, adaptives Lernen oder eine Kontextvorhersage. Zur Auswahl stehen eine QWERTZ-Tastatur, eine Tastatur mit jeweils zwei Buchstaben auf einem Tastenfeld sowie eine alphanumerische Tastatur. Durch Wischgesten können Tastaturlayouts geändert oder Symbole eingeblendet werden.
Ebenso wie die Empfangsstärke im O2-Netz erwies sich die Klangqualität des Handylautsprechers bei Telefonaten als sehr gut. Stimmen wurden im Test authentisch und laut wiedergegeben, und es waren kaum störende Hintergrundgeräusche zu vernehmen. Die Lautstärke der Freisprechfunktion reicht für den Einsatz in mittellauter Umgebung aus – für den Einsatz im Auto empfiehlt sich die Nutzung eines Headsets.

Browser und MP3-Player
Zum Öffnen der N-Droid-Startseite in mobiler Ansicht benötigte der Webkit Browser des Ascend Y200 bei WLAN-Verbindung im Test sechs Sekunden. Pinch-to-Zoom und Scrollen innerhalb ladeintensiver Webseiten läuft teilweise etwas ruckelig, da immer wieder Seiteninhalte nachgeladen werden. YouTube-Videos werden über ein Browser-Plugin im Media-Player geöffnet.
Der MP3-Player des Y200 ordnet Musik in Alben, Lieder, Playlists, Ordner, Interpreten, Komponisten und Genres. Einen Equalizer bringt der Player nicht mit. Über den Handylautsprecher wiedergegeben, tönt Musik recht laut und voll, allerdings etwas höhenlastig. Auch ein UKW-Radio hat das Smartphone mit an Bord.
Prozessor, Arbeitsspeicher, Akku
Der 800 Megahertz Prozessor des Ascend Y200 wird von mageren 256 Megabyte RAM unterstützt. Nichts desto trotz läuft die Navigation durch Handy-Menüs weitestgehend flüssig und auch YouTube-Videos werden ruckelfrei abgespielt. Selbst Angry Birds hat auf dem Y200 noch einen gewissen Spaßfaktor – für aufwändige 3D-Games sollte man aber eindeutig ein besser ausgestattetes Device ins Auge fassen.
Huawei bescheinigt dem Ascend Y200 bis zu 300 Stunden Standby und bis zu vier Stunden Gesprächszeit. Im Test wies der 1.250 mAh Akku nach einem Tag mit moderater Nutzung von Kamera, MP3-Player, Kamera und Browser sowie einer halben Stunde telefonieren noch 86 Prozent seiner Ladung auf, was keinen schlechten Wert für ein Smartphone darstellt. Sollte den Geräten im Handel tatsächlich ein 1.400 mAh Akku beiliegen, dürfte sich die Laufzeit dementsprechend noch verlängern.
Fazit
Günstig muss eben doch nicht immer billig sein. Klar, den Gaming-Wettbewerb gewinnt das Ascend Y200 mit seinem 800 Megahertz-Prozessor nicht und auch Geschwindigkeits-Rekorde wird es nicht brechen – für eine flüssige Navigation durch das Handymenü, gängige Apps und das eine oder andere weniger aufwändige Spiel reicht die Performance des Smartphones aber dicke aus.
Sein Äußeres ist nicht edel, aber robust und nicht hässlich, und für den niedrigen Preis ist das Y200 auch noch gut verarbeitet. Die Kameraqualität konnte nicht überzeugen. Wer also ein gutes Zweitgerät oder ein günstiges Device mit allen wichtigen Android-Funktionen sucht und dabei auf Hight-Performance verzichten kann, ist mit dem Huawei Y200 bestens bedient.
Wer nicht auf das nächste Lidl-Angebot warten möchte, findet das Ascend Y200 bei Amazon.de für derzeit 122,85 Euro (Stand 18.07.2012).
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