Das wahr ja (fast) klar: Viele Gerüchte der letzten Wochen haben sich auf der Konferenz Google I/O bestätigt. So arbeitet der Konzern mit Hochdruck an Android L, Android TV, Android Wear, Android Auto und vielen anderen Dingen, um seine Finger überall drin zu haben. Die Menge an Vorstellungen und Neuerungen war überwältigend. Hier eine Zusammenfassung.
Android L
Wird es “Lollipop” heißen oder nicht? Das ist nicht klar. Sicher ist aber, dass Google die nächste Android-Version – die derzeit noch die Bezeichnung Project L oder Android L trägt – schicker machen wird. Das Betriebssystem bekommt ein überarbeitetes Aussehen.
Das sogenannte “Material Design” soll das Erscheinungsbild von Desktop, Chrome OS, Apps und andere Google-Dienste vereinheitlichen. Im Kern des neuen Designs stehen farbige Ebenen, die sich wie unterschiedliche Ebenen verschieden schnell zueinander bewegen. Hierdurch entsteht ein leichter 3D-Effekt.
Neben der aufgefrischten Optik soll Android L auch einige Verbesserungen und neue Features bieten. So wird es die Batterie-Laufzeit erhöhen, enger mit Chromebooks zusammenarbeiten, 64-Bit-Prozessoren unterstützen, die Benachrichtigungen nach Wichtigkeit sortieren und unter anderem die User ihre Sicherheitseinstellungen feiner justieren lassen.
Android L erscheint im Laufe des Jahres. Für Nexus 5- und Nexus 7-Geräte gibt es bereits eine Preview-Fassung.
Android One
Um Smartphones noch schneller und günstiger herstellen zu können, hat Google Android One in petto. Hersteller, welche ihre Geräte mit Android One austatten, erhalten direkt von Google die neuen Android-Versionen.
Eines der ersten Handys, die das nutzt, ist ein Smartphone von Micromax. Das soll im Herbst für unter 100 Euro in Indien verkauft werden.
Android TV
Android auf Smartphones und Tablets – das ist Google nicht genug. Auf der I/O-Konferenz hat Google deswegen unter anderem Google TV angekündigt. Hierbei handelt es sich um eine angepasste Android-Version, die in Fernsehern zum Einsatz kommt. Erste Hersteller wie Sony, Sharp oder Philips haben bereits Modelle in der Arbeit, die 2015 erscheinen.
Android TV bietet viele Vorteile für die Hersteller und die Käufer: Die Fernseher reagieren beispielsweise auf Sprachsteuerung und mittels integriertem Chromecast werden Smartphone-Inhalte auf die Mattscheibe gebracht.
Außerdem erlaubt Android TV die Nutzung von Spiele-Apps direkt auf dem Fernseher. Diese können ohne zusätzliche Hardware mit Gamepads, wie zum Beispiel einem drahtlosen Xbox 360-Controller, gespielt werden. Ein kluger Schachzug: Mit dieser Möglichkeit startet Google einen Angriff auf Sony, Nintendo und Microsoft, die bislang die TV-Geräte als Territorium für ihre Spielkonsolen sahen.
Android Auto
Android Auto (Bild: Google)
Seit ein paar Monaten treten Apple und Google in einem recht neuen Gebiet gegeneinander an: bei den Automobilen. Vernetzte und “smarte” Fahrzeuge sind ein Zukunftsmarkt, in dem die Rivalen gerade ihre Reviere abstecken.
Nachdem Google Anfang des Jahres mit der “Open Automobile Alliance” gestartet ist, zeigte Google nun auf der I/O eine spezielle Android-Version namens Android Auto.
Die Zentrale von Android Auto stellt Google Now dar, das unter anderem mittels Spracheingabe Apps starten kann. Zudem ermöglicht das angepasste Google Betriebssystem den Fahrzeugherstellen, dass sie die Armaturenbretter oder Displays leichter mit zusätzlichen Informationen bespielen können.
Android Wear
Im Großen wie auch im Kleinen will Google präsent sein. Neben Android L, Android TV und Android Auto zeigte Google zudem noch Android Wear.
Dabei handelt es sich um das Betriebssystem für Wearables, also “intelligente” Kleidung. Dazu zählen auch Smartwatches, denen eine rosige Zukunft vorausgesagt wird. Im Rahmen der I/O wurden die ersten Uhren mit Android Wear vorgestellt, beispielsweise die G Watch von LG, die Gear Live von Samsung oder die Moto 360 von Motorola.
Die rund 200 Euro teuren Smartwatches laufen mit Android 4.3 und sind nach ersten Angaben ziemlich Energie-hungrig. Nach einem Tag müssen sie bereits an die Steckdose. Ob das die Uhrenträger auf sich nehmen, um am Armgelenk Apps nutzen zu können? Das kann noch bezweifelt werden!
Fazit
Android, Android, Android – überall nur Android. Und damit Google. Es ist beeindruckend und erschreckend zugleich, wie der einstige Suchmaschinenbetreiber mittlerweile zu einem Giganten wurde, der auf fast jedem neuen Markt mitmischt. Ein Leben ohne Google scheint in Zukunft nicht mehr vorstellbar.
Einerseits ist das gut, denn so werden viele Dienste und Funktionen vereinheitlicht. Egal, ob im Auto oder vor dem Fernseher, bei der Handybedienung oder beim Blick auf die Uhr – stets ist eine ähnliche Bedienung und Funktionswelt gegeben.
Andererseits: Google ist eine Datenkrake, damit wird das Geld verdient. Aufgrund der neuen Angebote multipliziert sich das. Das Unternehmen wird Nutzer in Zukunft überall begleiten und deren Leben analysieren – ob dies gewünscht ist oder nicht. Eine Zukunft, die kaum einem gefallen dürfte.
Die Keynote in voller Länge
Wem diese Zusammenfassung nicht ausreicht, der kann sich die Google I/O 2014-Keynote ungeschnitten hier anschauen: