Segas 16bit-Konsole Mega Drive wird dieses Jahr 28 Jahre alt. Was früher in einem großen dunkelgrauen Kasten untergebracht werden musste, kann heute sogar ein günstiges Smartphone wunderbar emulieren. Nur welche Android-Apps und Spielen lohnen sich überhaupt?
Es war einmal…
Noch bevor Nintendo das SNES in den Handel brachte, schickte SEGA das Mega Drive ins Rennen. Die erste „echte“ 16bit-Konsole konkurrierte 1988 in Japan mit dem NES sowie der PC Engine von NEC. Beide Geräte waren dem Mega Drive technisch unterlegen, der bot mit seinem MC68000 Prozessor mit 7,6GHz technisch Erstaunliches – ungefähr auf der gleichen Stufe wie Amiga 500 und Atari ST, den damals populären Heimcomputern. Dennoch: In Japan favorisierten die Spieler die Nintendo-Plattform, besser lief es in Europa (Launch: 30.11.1990) und den USA (Launch: 09.01.1989 unter dem Namen Genesis). Allerdings ließ das Super Nintendo nicht lange auf sich warten. 1990 eroberte es erst Japan, dann die Vereinigten Staaten (11.08.1991) und zum Schluss hiesige Gefilde (11.04.1992).
Mit weltweit über 30 Millionen verkauften Exemplaren kann der Mega Drive sicherlich nicht als Flop bezeichnet werden, nur stand er stets im Schatten von NES und SNES. Dazu kamen teils skurrile Experimente von Sega. Als Reaktion auf die Meldungen, Nintendo könnte eine SNES-Variante mit CD-Laufwerk planen, wurde das Mega-CD veröffentlicht. Auch gab’s eine 32bit-Erweiterung namens 32x, die in den Modulslot der Konsole gesteckt wurde – quasi als Vorbereitung auf die anstehende 32bit-Konsolengeneration, die sich mit Sonys PlayStation (und dem hauseigenen Sega Saturn) anbahnte. Beide Zubehör-Produkte floppten, obwohl für diese durchaus eins, zwei interessante Spiele entworfen wurden. Nur das genügte den Konsumenten nicht.
Nach etlichen Variationen, Modellen und sogar Ablegern wie der Handheld-Konsole Sega Nomad oder dem eigenartigen Hybriden Mega PC lebt der Mega Drive unverändert weiter. Chinahersteller produzieren immer noch Klone mit vorinstallierten Games zum Schnäppchenpreis. Und was natürlich nicht vergessen werden sollte: Für Segas 16bit-Maschine erschienen zahllose tolle Werke, angefangen beim ersten richtigen „Sonic the Hedgehog“-Teil. Der blaue Igel wurde zum Maskottchen des japanischen Konzerns, auch wenn er nüchtern betrachtet nie so populär war wie der Klempner des damaligen Erzrivalen.
Emulatoren: Kostenlos und für wenig Geld
Zurück in die Gegenwart: Ihr braucht euch nicht zwangsläufig eine alte Mega Drive-Konsole auf dem Trödelmarkt oder bei eBay kaufen, möchtet ihr die Klassiker von damals wieder erleben. Diverse Mega Drive-Emulatoren finden sich im Google Play Store, einige sind sogar gratis. Der Vorteil stets: Ihr benötigt keine Bios-Dateien der originalen Konsole, ebenfalls genügt sogar ein preisgünstiges Einsteiger-Smartphone. Quasi jedes halbwegs aktuelle Android-Telefon ist in der Lage, softwareseitig die Hardware früherer Tage abzubilden.
Ihr bewegt euch mit den Apps an sich also nicht in rechtlichen Grauzonen, sehr wohl aber mit den Spielen, die ihr für diese benötigt. Wollt ihr legale Games verwenden, lohnt ein Blick auf pdroms.de mit einer Vielzahl an Mega Drive-Titeln, die freigegeben oder vom Hersteller angeboten wurden.
Beim Ausprobieren diverser Emulatoren stellen sich zwei Favoriten in den Vordergrund: MD.emu kostet regulär 3,99 Euro, zum Ausprobieren ist auch eine Free-Variante erhältlich. Fast identisch, aber mit weniger Funktionen ausgestattet, ist der kostenfreie gGens. So oder so erhaltet ihr eine breite Auswahl an Konfigurations-Optionen, das visuelle Verbessern des Bildes (Hochskalieren, Filter) ist möglich. Gesteuert werden die Spiele über den Touchscreen und die dort abgebildeten Buttons bzw. dem Steuerkreuz. Sehr viel komfortabler ist ein Controller, den ihr via Bluetooth oder USB mit eurem Smartphone bzw. Tablet verbindet. Erkannt wird dieser automatisch vom Emulator eures Vertrauens.
Schön außerdem: Speichert jederzeit euren Spielstand, verwendet optional ein 6-Button-Gamepad bei ausgewählten Spielen oder optimiert euer Erlebnis während des Spiels. MD.emu besitzt eine einfache Unterstützung von Mega CD und 32x, allerdings laufen nur wenige Spiele („Sonic CD“ und „Virtua Racing“ zum Beispiel). Immerhin. Die nötigen ROMs legt ihr auf Speicherkarte oder in eurem internen Speicher ab, das ist alles kein Aufwand oder mit Frust verbunden.
Wie auf vielen anderen Plattformen auch, ist die Emulation des Mega Drive unter Android recht unkompliziert und führt euch schnell zum Spaß. Subjektiv betrachtet ist der MD.emu ein klein wenig besser, da ein paar mehr Optionen zum Pimpen zur Verfügung stehen. Dringend benötigt werden diese allerdings nicht.


