Nicht nur Lob erntete das Motorola Xoom 3G bisher, gab es doch den einen oder anderen Benchmarktest, in dem es vom iPad 2 in den Schatten gestellt wurde oder Kritik an der unübersichtlichen Honeycomb-Oberfläche. Motorolas Android-Tablet wurde genauer unter die Lupe genommen. Das Ergebnis zeigt der Praxistest.
Die wichtigsten Details des Motorola Xoom 3G im Überblick:
- Betriebssystem: Android 3.0.1 Honeycomb
- Prozessor: 1 GHz NVIDIA Tegra 2 Dual-Core
- Arbeitsspeicher: 1 GB RAM
- Display: 10.1 Zoll Widescreen HD-Touchdisplay (800 x 1280 Pixel), kapazitiv, 16,7 Mio. Farben
- Interner Speicher: 32 GB
- Kamera (Rückseite): 5 Megapixel, Autofokus, Doppel-LED-Blitz, Videos in 1280 x 720 Pixel (720p HD)-Auflösung
- Kamera (Front): 2 Megapixel
- Konnektivität: WiFi, UMTS
- Netze: GSM Quadband, UMTS Dualband, HSDPA 7,2 MBit/s, HSUPA 5,6 MBit/s
- Schnittstellen: Bluetooth 2.1, Mini-HDMI, MicroSD bis 32 GB (zum Testzeitpunkt noch nicht aktiviert), MicroUSB, 3.5 mm Klinkenanschluss
- Ortung: A-GPS
- Sensoren: Beschleunigungssensor, Gyroskop, Kompass, Helligkeitssensor
- Akku: 1500 mAh Li-Ion 24,5 W-hr
- Maße: 249.1 x 167.8 x 12.9 mm
- Gewicht: 730 g
Hier das offizielle Promo-Video zum Motorola Xoom:
Design & Verarbeitung
Das Motorola Xoom präsentiert sich optisch schlicht und robust. Die Verarbeitung ist sauber und auch die Spaltmaße sind gleichmäßig und gering. Mit seinen Außenmaßen von 249.1 x 167.8 x 12.9 Millimetern liegt das Xoom gut in der Hand, wirkt aber aufgrund seines nicht gerade federleichten Gewichts von 730 Gramm auf Dauer recht schwer.
Die Front wird vom 10.1 Zoll großen, stark spiegelnden Display beherrscht, über dem sich die 2 Megapixel Frontkamera befindet. Unter dem Display sieht man eine kleine Akku-Ladeanzeige. Gut verborgen neben dem Display und im inaktiven Zustand nicht sichtbar versteckt sich zudem eine LED-Leuchte, die durch Blinken über verpasste Ereignisse informiert.
Die Rückseite des Motorola Xoom besteht aus silberfarbenem eloxiertem Aluminium und aus gummiertem schwarzem Plastik. Neben der Kameralinse und zwei großen Lautsprechern ist hier auch die Ein-/Aus-/Sperrtaste angebracht – nicht die günstigste Stelle, da das Tablet zum Aktivieren des Displays jedes Mal angehoben werden muss.
Am unteren Gehäuserand befinden sich nebeneinander MicroUSB-Steckplatz, Mini-HDMI-Anschluss und eine kleine Klinkenbuchse für das Netzteil, das zum Laden benötigt wird, da das Aufladen des Akkus nicht über das USB-Datenkabel möglich ist.
Die Simkarte wird in einen kleinen Einschub am oberen Geräterand gelegt, der zugleich die Abdeckung für den MicroSD-Slot darstellt. Ebenfalls am oberen Geräterand befindet sich der 3,5 mm Klinkenanschluss für ein Headset. Die Lautstärke kann über Tasten am linken Geräterand geregelt werden. Der Akku ist fest im Gehäuse verbaut und sollte nicht eigenständig gewechselt werden.
Ausstattung
Display
Beim Motorola Xoom wurde ein kapazitives 10.1 Zoll Widescreen HD-Touchdisplay verbaut, welches mit 800 x 1280 Bildpunkten auflöst und bis zu 16,7 Millionen Farben darstellen kann. Leider spiegelt die Displayoberfläche so stark, dass es schon der höchsten Helligkeitseinstellung bedarf, um bei seitlichem Lichteinfall Bildschirminhalte klar erkennen zu können. Auch hätte die Farbdarstellung des Screens gerne etwas leuchtender ausfallen dürfen.
Ein Bewegungssensor dreht die Displaydarstellung in alle Richtungen, in die auch das Tablet gedreht wird. Im Test brauchte er ein bis zwei Sekunden zur Anpassung der Darstellung. Super funktionierte hingegen die Spracheingabe. Sprachbefehle zur Google Suche oder Navigation wurden fast alle auf Anhieb vom Gerät erkannt.
5-Megapixel-Kamera
Gut schnitt im Test auch die 5 Megapixel-Kamera mit Autofokus und Doppel-LED-Blitz ab, die auf der Rückseite des Xoom verbaut wurde. Bei optimalen Lichtverhältnissen aufgenommene Fotos präsentierten sich zwar in der Voransicht mit leichtem Bildrauschen, erweisen sich über die Android-Galerie oder auf einem PC-Monitor betrachtet jedoch als klar und leuchtend. Ebenso verhielt es sich mit Videoaufnahmen in 720p-HD-Auflösung. Auch diese überzeugten durch Schärfe und flüssigen Bildlauf. Bei Dämmerlicht oder Dunkelheit sorgt das helle, dauerhaft zuschaltbare Doppel-LED-Blitzlicht für eine gute Aufnahmequalität.
Connectivity
Über Bluetooth 2.1 können kompatible Tastaturen, Mäuse oder Headsets mit dem Motorola Xoom gekoppelt werden. Für den Datenaustausch zwischen PC und Tablet über die Bluetooth-Schnittstelle empfiehlt sich die kostenlose “Bluetooth File Transfer”–App aus dem Android Market herunterzuladen. Vom PC wird das Xoom beim Anschluss über das MicroUSB-Datenkabel als Massenspeicher erkannt, was die Installation von Synchronisations-Software für den Austausch von Dateien mit dem Computer überflüssig macht.
Dank Mini-HDMI-Steckplatz ist die Verbindung zu geeigneten Fernsehern oder Monitoren möglich. Obwohl im Motorola Xoom ein MicroSD-Kartenslot verbaut ist, wurden eingesteckte MicroSD-Speicherkarten zum Testzeitpunkt nicht vom Gerät erkannt. Laut Motorola soll es jedoch ein Software-Upgrade zur Aktivierung des Slots geben, so dass Speicherkarten bis zu 32 GB Größe nutzbar sein werden.
Telefonieren, GSM, WLAN und UMTS
Trotz GSM- und UMTS-Unterstützung ist das Telefonieren mit dem Motorola Xoom 3G lediglich über Internetdienste wie Google Talk oder Skype, nicht aber über Mobilfunk möglich. Eine Internetverbindung läuft auf dem Motorola Xoom 3G sowohl über WLAN als auch über EDGE und UMTS mit HSDPA und HSUPA. Alternativ gibt es das Tablet auch ohne UMTS-Modul. Laut Motorola soll es irgendwann in der Zukunft auch mit einem LTE 4G-Modul nachgerüstet werden können.
Zubehör
Beim mitgelieferten Zubehör zeigt sich Motorola beim Xoom recht knauserig: Ein Netzteil mit Adapter, ein MicroUSB-Datenkabel, die Bedienungsanleitung – das war es. Kein Headset, keine Schutztasche, keine MicroSD-Speicherkarte, obwohl dieses Zubehör in dieser Preisklasse eigentlich selbstverständlich sein sollte.
Honeycomb Menü & Steuerung
Das Motorola Xoom ist eines der ersten Android Tablets mit Honeycomb. Auf dem Tablet läuft Android in der Version 3.0.1 (ab Werk, das Android 3.1-Update kommt derzeit in den Umlauf und sollte in den nächsten Wochen auf allen Geräten verfügbar sein). Dieses stellt für Nutzer, die bislang an Android 2.x gewohnt waren, eine echte Umstellung dar. Der Homescreen wurde, neben der Ausgestaltung mit 3D-Effekten auch in Punkto Bedienelemente komplett überarbeitet: Es gibt keine Pull-Down-Statusleiste mehr, Ereignisse, Uhrzeit, Statussymbole oder Benachrichtigungen befinden sich jetzt am rechten unteren Displayrand. Ein Klick auf die entsprechenden Symbole ermöglicht deren Verwaltung und öffnet Detailanzeigen, ein Tipp auf die Uhrzeit öffnet die Energiesteuerung und den Zugriff auf die Einstellungsoptionen, deren Aufbau sich jedoch im Vergleich zu Android 2.x kaum verändert hat.
Die Google-Suchfunktion findet man nun am linken oberen Displayrand, während installierte Apps unter einem Button am rechten oberen Displayrand verborgen sind. Neben diesem befindet sich ein Kreuzchen zur Auswahl von Widgets, Anwendungsverknüpfungen, Hintergrundbildern, Live Wallpapers und weiteren Verknüpfungen, mit denen der fünfseitige Startscreen bestückt werden kann.
Weitere Bedienelemente sind ein Zurück- und ein Homescreen-Symbol am linken unteren Bildschirmrand. Über einen nebenstehenden virtuellen Button sind die zuletzt genutzten Anwendungen abrufbar. Eine deutliche Verbesserung bringt Honeycomb bezüglich der Übersichtlichkeit von Kalender- und Mail-Client mit sich, diese sind ähnlich großzügig aufgebaut, wie man es von PC-Anwendungen kennt und dadurch sehr komfortabel bedienbar.
Über die große virtuelle QWERTZ-Tastatur lassen sich sehr gut auch längere Texte eintippen. Zur Anwahl von Satzzeichen, Einstellungsoptionen, Nummerntastatur und Sonderzeichen gibt es Extratasten. Umlaute werden bei längerem Halten des Selbstlautes eingeblendet. Außerdem gibt es eine Tab-, eine Enter-, eine Leer-, eine Lösch-, eine Spracheingabetaste und zwei Hochstelltasten.
Software, Browser & Navi-Funktion
Ein komplettes Facelift hat auch der Android Market bekommen, welcher in seiner mehrspaltigen Ansicht an die Market-Darstellung im PC-Browser erinnert, allerdings in stark abgespeckter Version – so fehlt etwa die Sortierungsmöglichkeit nach kostenpflichtigen oder kostenlosen Apps.
Etwa 90 Prozent der Android Apps laufen auch auf Honeycomb. Da die meisten Apps jedoch noch nicht auf Honeycomb zugeschnitten sind, wird die Ansicht gegebenenfalls auf die Tablet-Maße hochskaliert, was optisch zwar nicht optimal ist, sie aber immerhin nutzbar macht.
Werkseitig sind neben dem Kalender auch Google Maps, Google Mail sowie ein Mail-Client für Konten weiterer Anbieter auf dem Tablet installiert. Einen Datei-Manager gibt es nicht, dieser kann aber kostenlos aus dem Market heruntergeladen werden.
Eine echte Verbesserung hat der stark an Google Chrome angepasste Honeycomb-Browser erfahren. Dieser ermöglicht das Öffnen mehrerer Tabs und verfügt über eine URL-Eingableiste, eine Such- und eine Lesezeichenfunktion. Bei WLAN-Verbindung benötigte er gerade mal sechs schlanke Sekunden, um die Androidapptests-Startseite in klassischer Ansicht zu öffnen. Auch das Scrollen sowie Zoomen über Multitouch gingen flüssig vonstatten.
Inzwischen unterstützt das Motorola Xoom auch das Abspielen von Flash-Inhalten – zu diesem Zwecke kann der Adobe Flash Player in der Version 10.3 kostenlos aus dem Android Market heruntergeladen werden. Zum Abspielen von YouTube-Videos ist zudem die YouTube-App werkseitig vorinstalliert.
Mit Google Maps Navigation kann das Motorola Xoom prima als Navi genutzt werden. Der GPS-Empfänger ermittelte den eigenen Standort im Test innerhalb weniger Sekunden und sehr punktgenau. Wünschenswert wäre allerdings auch hier bei Nutzung im PKW ein weniger spiegelndes Display.
Prozessor, Arbeitsspeicher, Akku
Das Motorola Xoom ist mit einem 1 Gigaherz Nvidia Tegra 2 Dual-Core-Prozessor ausgestattet, der von 1 GB Arbeitsspeicher unterstützt wird. Eine nachträglich installierte System Software zeigte 719 MB-RAM an. Damit laufen auf der Speicherkarte installierte Videos sehr flüssig und bei der Navigation durch Menüs oder die Bildergalerie gab es im Test ebenfalls keine Verzögerungen.
In diversen Benchmarktests hinkte das Motorola Xoom arg hinter dem iPad 2 hinterher. Um zu sehen, wie sich die Rechenleistung des Tablets in der Praxis bei Spielen schlägt, wurde das grafisch etwas anspruchsvollere, kostenlose Dungeon Defenders aus dem Android Market heruntergeladen. Dieses lief flüssig auf dem Xoom, allerdings gab es einige Verzögerungen beim Laden von Zwischensequenzen – für ambitionierte Gamer sicherlich ein Manko.
Der fest verbaute 24,5 W-hr Akku soll laut Hersteller beim Surfen über WiFi bis zu zehn Stunden und über 3G Netze bis zu neun Stunden durchhalten. Bis zu 3,3 Tage schafft der Akku angeblich beim Einsatz des MP3 Players, und für den reinen Standby gibt es eine Zeitangabe von bis zu 14 Tagen. Videogucken soll bis zu zehn Stunden am Stück möglich sein.
In der Praxis musste das Motorola Xoom nach vier Tagen Standby mit eingeschaltetem WLAN, moderater Nutzung von Bluetooth, Kamera, Browser und MP3-Player, etwa einer Stunde Gaming und einer halben Stunde Videobetrachtung wieder ans Netz.
Fazit
Im Test präsentierte sich das Motorola Xoom als alltagstaugliches und robustes Arbeitstier. Ob die Umstellung auf Android Honeycomb jedermanns Sache ist, sei dahingestellt: Einige Bedienelemente findet der an Android 2.x gewohnte Nutzer an völlig neuen Orten vor. Bezahlt gemacht hat sich die neue Android-Version jedoch bei der übersichtlichen Ausgestaltung von Browser, Kalender und E-Mail-Clients.
In Punkto Performance erweist sich das Tablet als Sprinter, wenn es um die Nutzung von Apps, Surfen über den Honeycomb-Browser und die Navigation durch Menüs oder Galerien geht – für wirklich anspruchsvolles Gaming könnte noch ein bisschen mehr Dampf unter der Haube stecken.
Vom Display des Xoom hätte etwas mehr erwartet werden können. Dieses spiegelt stark und dürfte gerne über etwas mehr Leuchtkraft und Farbbrillanz verfügen. Überraschend gut präsentierte sich hingegen die 5 Megapixel-Kamera sowohl bei Foto- als auch bei Videoaufnahmen.
Beim Motorola Xoom verhält es sich wie mit so vielen anderen Geräten auch: Es obliegt dem Nutzer, zu entscheiden, wo die Schwerpunkte bei der Gerätenutzung liegen und ob sich die Investition von derzeit 700 bis 800 Euro für das Motorola Xoom lohnt. Für Nutzer, die einen zuverlässigen und robusten Allrounder suchen, ist das Motorola Xoom eine gute Wahl.
- Komfortabler Browser, Kalender und E-Mail-Client
- USB- und HDMI-Anschluss
- WLAN und UMTS
- Robuste Verarbeitung
- Kameraqualität
Contra
- Stark spiegelndes Display mit zu wenig Leuchtkraft
- Honeycomb auf den ersten Blick unübersichtlich
- Ein-/Aus-/Sperrtaste auf der Geräterückseite
- MicroSD-Unterstützung zum Testzeitpunkt noch nicht aktiviert
