Mit dem Desire S liefert HTC einen würdigen Nachfolger für sein letztjähriges State Of The Art-Smartphone HTC Desire. Der Nachfolger des Vorzeige-Androiden präsentiert sich als flottes und handliches Android-Gerät, mit dem man viel Spaß haben kann. Doch so ganz ohne Macken und kleine Schönheitsfehler kommt das Desire S leider nicht aus.
Die wichtigsten Details zur Ausstattung des HTC Desire S im Überblick:
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- Betriebssystem: Android 2.3.3 (Gingerbread)
- Oberfläche: HTC Sense 2.1
- Prozessor: Qualcomm Snapdragon MSM8255, 1 GHz
- Grafik: Qualcomm Adreno 205
- Arbeitsspeicher: 768 MB RAM
- Interner Speicher: 1,1 GB ROM
- Display: Super-LCD, kapazitiv, 3,7 Zoll/4,8 x 8,1 cm
- Displayauflösung: 480 x 800 Pixel (254 dpi)
- Konnektivität: UMTS/HSDPA/HSUPA, EDGE, GPRS, WLAN
- Schnittstellen: MicroSD, MicroUSB 2.0, Bluetooth 2.1, 3,5 mm Klinke, DLNA
- Kamera: 5 Megapixel mit Power LED-Blitzlicht, HD-Videos mit 720p (23fps)
- Ortung: GPS, digitaler Kompass
- Abmessungen: 116 x 60 x 13 mm
- Gewicht: 131 g
- Akku: 1450 mAh Li-Ion
- Zubehör: USB-Kabel, Netzteil, Headset
Hier das offizielle Promo-Video von HTC:
Design & Verarbeitung
Der erste Eindruck nach dem Auspacken überzeugt sofort: Das Desire S liegt perfekt in der Hand. Wo das Sensation oder das Desire HD dem ein oder anderen zu groß ausfallen dürften, passt das Desire S hervorragend in die Handfläche. Gewicht und Verarbeitung machen einen sehr wertigen Eindruck – hier macht sich die Entscheidung für den Unibody aus gebürstetem Aluminium bezahlt.
Wer die Plastikschalen älterer und günstigerer Geräte gewohnt ist, wird das kühle Metall lieben. Lediglich der obere Bereich des Smartphones, hinter dem die Antenne verborgen liegt, und die Klappe auf der Unterseite des Geräts, hinter der sich Akku, microSD-Karte und SIM-Karte verbergen, sind aus Plastik.
Die Powertaste auf der Oberseite und der Lautstärkebutton an der linken Seite sind zudem die einzigen mechanischen Bedienelemente, die vier Android-Buttons sind lediglich hintergrundbeleuchtete Sensorfelder.
Auf eine getrennte Unterbringung von Akku und SIM- und SD-Karten hat HTC beim Desire S (im Gegensatz z.B. zum Desire HD) leider verzichtet. Das macht sich nachhaltig negativ bemerkbar: Wer die SD-Karte nur einmal kurz herausnehmen oder die SIM-Karte auswechseln will, löst nämlich gleichzeitig den Akku aus seiner sicheren Position und schaltet so das Gerät aus.
Auch die kleine Plastikabdeckung, die den Akku und die SIM- und MicroSD-Karte schützt, ist alles andere als benutzerfreundlich. Wie man das Ding nämlich aufbekommt, erschließt sich nicht ohne weiteres, und selbst wenn man das Prinzip begriffen hat (mit beiden Daumen an der Seite drücken und dann schieben), lässt sich die Abdeckung nur mit großer Mühe, unter Fluchen oder unter der Anwendung von roher Gewalt lösen.
Die Klinkenbuchse für das Headset ist beim Desire S wieder auf die Oberseite des Gerätes gewandert – hier ist sie natürlich besser aufgehoben als auf der Seite, so mancher wünscht sich die Schnittstelle jedoch auf der Unterseite. Wie man es lieber hat, ist wohl Geschmacksache, praktisch oder unpraktisch kann beides sein.
Apropos unpraktisch: Die seitliche Platzierung des USB-Anschlusses erweist sich in der Handhabung ebenfalls als unpraktisch – Linkshändern wird es dadurch erschwert, ihr Smartphone zu bedienen, wenn ein USB-Kabel eingesteckt ist – ein Problem, das aber leider nicht nur dem Desire S vorbehalten ist.
Display, Prozessor, Kamera
Die Reaktionszeiten des kapazitiven Super-LCD-Displays lassen nichts zu wünschen übrig. Der Touchscreen reagiert flott und zuverlässig. Die 3,7 Zoll-Bildschirmdiagonale sind für normale Nutzung völlig ausreichend und auch zum Anschauen von Videos noch im grünen Bereich, auch wenn man sicherlich keine ganzen Filme auf dem Display sehen will. Zum Anschauen von YouTube-Videos oder kurzen Nachrichten-Clips reicht’s aber – 480 x 800p sind eine komfortable Auflösung, und in Sachen Farbbrillanz weiß das Android-Smartphone ebenfalls zu überzeugen.
Der 1 GHz Snapdragon-Prozessor von Qualcomm, der das Desire S mit der nötigen Power versorgt, leistet gute Arbeit: Das Navigieren durch’s Menü, Öffnen von Apps und Surfen im Internet gehen zackig und ohne Verzögerungen von der Hand, Geruckel sucht man hier weitestgehend vergebens. Auch etwas rechenintensivere Aufgaben wie das zügige Navigieren durch die Kartensoftware Google Maps oder die Darstellung von aufwändigen Webseiten mit vielen Bildern gehen mit dem Androiden gut von der Hand. Dazu tragen auch die 768 MB Arbeitsspeicher bei, die dem Prozessor zur Seite gestellt werden. Auch das Anschalten des Smartphones geht erfreulich fix über die Bühne – nur wenige Sekunden, und das Desire S ist einsatzbereit.
Diese Power macht sich auch beim Kameratest bemerkbar: Die eingebaute 5 Megapixel-Linse mit LED-Blitz ist innerhalb von zwei Sekunden startklar – ein Superwert. Der automatische Weißabgleich reagiert jedoch wesentlich behäbiger und benötigt unter Umständen auch mal ein Testbild, bevor er sich auf die Lichtverhältnisse eingestellt hat.
Der LED-Blitz leistet bei schlechten Lichtverhältnissen gute Schützenhilfe und kann im Videomodus per Knopfdruck an- und ausgeschaltet werden – das ist durchaus nützlich, um auf Änderungen in den Lichtverhältnissen reagieren zu können. Im Dunkeln und bei dämmerigem Kunstlicht gerät die Kamera jedoch, wie alle anderen Smartphone-Cams auch, ins Schlittern: Starkes Bildrauschen und Unschärfe sind die Folge, schnelle Bewegungen kann die Kamera im Video-Modus nur verzögert nachvollziehen, wodurch ein waberndes Bild entsteht.
Tagsüber sieht das natürlich besser aus, aber auch da können die 5 Megapixel, die geringe Bilddynamik und mangelnde Farbbrillianz nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich eben nur um eine Handy-Kamera handelt.
Über das Zauberstab-Tool kann man den Bildern noch zusätzliche Effekte verpassen und damit noch ein bisschen rausholen – wer zuviel erwartet, wird aber definitiv enttäuscht. Einziger Trost: Die meisten anderen können’s auch nicht viel besser.
Software, Musik, Alltagstauglichkeit
Das Desire S ist mit der aktuellen Android-Smartphone-Software Gingerbread ausgestattet (Android 2.3.3). Über die Android-Oberfläche von Google hat HTC seine hauseigene, recht gelungene Bedienoberfläche HTC Sense in Version 2.1 gelegt, die z.B. den Netzwerk-Hub Friendstream mit sich bringt und die Verwaltung des Handys über die Webseite htcsense.com erlaubt. Außerdem bietet Sense sieben Homescreens, die nach Belieben mit Apps und Widgets, Verknüpfungen und Ordnern gefüllt werden können.
Das Tippen von SMS geht selbst im Hochformat gut von der Hand, auch wenn für Android-Neulinge sicher ein bisschen Smartphone-Übung von Nöten ist, um sich an das Fehlen von “echten” Tasten zu gewöhnen. Das Display reagiert aber erfreulich präzise, die automatische Worterkennung bügelt zudem kleinere Fehler zuverlässig aus. Wer nicht tippen will, ruft an – auch das geht mit dem Desire S gut, die Gesprächsqualität ist sehr gut und ermöglicht auch längere Gespräche.
Der Musikplayer bietet dank Coverflow gute Übersicht über die Musikbibliothek und einen Direktlink zu Amazon MP3. Die Wiedergabequalität ist gut, die mitgelieferten Kopfhörer können allerdings nicht besonders viel: Die auf den ersten Blick stylische Formgebung stellt sich in der Praxis als unpraktisch heraus – die Kopfhörer bleiben bei Bewegung nicht gut im Ohr und sind im Bassbereich äußerst schwach, zumindest wenn man sie sich nicht fest ins Ohr drückt. Das wiederum führt aber nach kurzer Zeit zu schmerzenden Ohren – zumindest beim Tester. Das ist natürlich abhängig von der Anatomie und bei jedem unterschiedlich, ein externes Kopfhörerset sei an dieser Stelle aber trotzdem jedem ans Herz gelegt. Wer komplett auf Kopfhörer verzichten will, sollte sich allerdings unbedingt externe Speaker anschaffen, denn der Lautsprecher des Desire S kann leider kaum etwas – auch damit ist das HTC-Handy unter den Smartphone-Kollegen aber nicht allein.
Praktisch und benutzerfreundlich ist das Musik-Widget: Legt man sich den Player auf einen der Homescreens, kann der Player bedient werden, ohne den Lockscreen entsperren zu müssen – beim Testgerät funktioniert das allerdings nur sporadisch. Auch die Lautstärke lässt sich über die Wipptasten an der Seite regulieren, ohne das Display zu entsperren. Zieht man die Kopfhörer heraus, stoppt die Musik automatisch.
Fazit
Das Desire S ist zweifellos ein gutes und hochwertiges Smartphone. Verarbeitung und Haptik sind ausgezeichnet, knarzende oder lockere Teile sucht man vergebens. Ein Makel des guten und angenehm klassisch-schlichten Designs offenbart sich in der Praxis: Die Akku-Abdeckung lässt sich fast nur mit Gewalt entfernen.
Die Anbringung des MicroUSB-Slots an der Seite erweist sich in der Praxis als unglücklich, die Kopfhörer-Klinke an der Oberseite anzubringen, mag manchen HTC-Usern ebenfalls missfallen. Unpraktisch ist auch die fehlende Trennung zwischen MicroSD-Slot und Akku – wer die Karte kurz herausnehmen will, entfernt gleichzeitig den Akku.
Die Größe des Smartphones ist für durchschnittliche Hände gerade richtig – 3,7 Zoll sind nicht zu groß und nicht zu klein, das schmale Design sorgt zudem dafür, dass auch die Proportionen stimmig sind. In der Hosentasche findet es gut Platz, verschwindet aber auch nicht sofort in der Handtasche. Auch das Gewicht ist gut kalkuliert und vermittelt den Eindruck eines soliden, aber nicht zu schweren Geräts.
Reaktionszeiten und Performance lassen kaum Wünsche übrig – das Desire S reagiert zackig und zuverlässig, die Ladezeiten sind gering, Bildwiedergabe und Farbbrillanz des Displays sind gut.
Die Multimedia-Features, ruckelfreie Videowiedergabe und die Ausstattung mit Social Network-Elementen überzeugen und sorgen dafür, dass man mit dem Desire S schnell Spaß haben kann. Der integrierte Lautsprecher ist allerdings mies, und auch die unergonomisch geformten Kopfhörer laufen eher unter der Devise “große Klappe, nichts dahinter”.
Was die Kamera angeht, hat HTC mit dem Desire S keine Lösung für das allgemein bekannte Problem gefunden – eine Handy-Kamera ist eine Handy-Kamera ist eine Handy-Kamera. Bei Tageslicht lassen sich zwar annehmbare Bilder schießen und auch akzeptable Videoclips drehen, sobald das Licht aber weniger wird, knickt die 5 MP-Linse gewaltig ein und liefert nicht viel mehr als Pixelmüll. Wer bei einem Handy aber mehr erwartet, gibt sich entweder gerne Illusionen hin oder wartet auf das Cybershot-Handy.